Cover-Bild Heim holen
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Residenz
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 272
  • Ersterscheinung: 19.01.2026
  • ISBN: 9783701718153
Katherina Braschel

Heim holen

Aufgewachsen ist Lina, ein Kind der 1990er, in einer Welt, die aus der Zeit gefallen scheint: in einer donauschwäbischen Gemeinschaft, die sich nach Vertreibung und Flucht in Salzburg angesiedelt und ihr traditionelles Leben nach 1945 dort fortgesetzt hat. Als Lina eines Abends von der SS-Mitgliedschaft ihres Großvaters erfährt, beginnt sie, nach Antworten jenseits der großen
Opfererzählung zu suchen. Zerrissen zwischen der Liebe zu ihren verstorbenen Großeltern und ihrer eigenen Politisierung, will sie erstmals das Schweigen brechen. Getragen von ihren engen Freund*innen stellt sich Lina ihrer Familiengeschichte und bricht zu einer Recherche auf, die sie bis nach Belgrad führen wird. Als sie endlich auch die Konfrontation mit ihrer Mutter sucht, wird das zur Zerreißprobe …

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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich bei downey_jr in einem Regal.
  • downey_jr hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.01.2026

Die Recherche

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Ein Roman mit einem relevanten Thema, sehr reserviert geschrieben.
Die ca. 30jährige Lina, deren Großeltern nach Österreich vertriebene Donauschwaben waren, beginnt über diese Wurzeln zu recherchieren ...

Ein Roman mit einem relevanten Thema, sehr reserviert geschrieben.
Die ca. 30jährige Lina, deren Großeltern nach Österreich vertriebene Donauschwaben waren, beginnt über diese Wurzeln zu recherchieren und nachzudenken.
Für ihre Mutter ist Lina Recherche nicht einfach zu verkraften, denn sie wusste vieles nicht.
Schließlich reist Lina sogar nach Serbien zu dem ehemaligen Haus des Großvaters.
Katherina Braschel gestaltet ihr Buch sorgfältig und man spürt die Emotionalität ihrer Protagonistin, aber schade, dass so verhalten erzählt wird.

Veröffentlicht am 10.02.2026

Fragezeichen und Widersprüche

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Lina, ein Kind der 1990er Jahre, blickt als junge Frau zurück auf ihre Kindheit. Sie wuchs auf in einwer Welt aus alten Traditionen, in einer donauschwäbischen Gemeinschaft, die sich damals in Salzburg ...

Lina, ein Kind der 1990er Jahre, blickt als junge Frau zurück auf ihre Kindheit. Sie wuchs auf in einwer Welt aus alten Traditionen, in einer donauschwäbischen Gemeinschaft, die sich damals in Salzburg angesiedelt hatte, als sie vertrieben wurden. Zwar erinnert sich Lina gerne an Feierlichkeiten und die schönen Trachten, doch: „Mein Wissen über die Donauschwaben besteht vor allem aus Fragezeichen, Widersprüchen und Dingen, die sich mir entziehen.“

Als Lina erfährt, dass ihr Opa ein Mitglied bei der SS war, ist das ein Schock für sie.

„Nein, nicht Wehrmacht, Lina“, sagt meine Mutter und schüttelt ihren Kopf, „bei der SS war der Opa, das waren sie alle aus Semlin, soweit ich weiß. Aber was das genau war, du, keine Ahnung.“
Bei der SS.
Die Worte stoßen etwas an in mir, machen eine Reihe von Bildern, von Fragen, von Ausrufezeichen auf. Mir wird plötzlich klar, dass dies das erste Mal ist, dass ich nach dem „Im-Krieg-gewesen“-Sein meines Großvaters frage. Dass ich diese diffuse Beschreibung bisher einfach hingenommen habe, ohne an Unterscheidungen zu denken, was ein „Im Krieg-gewesen“-Sein zu dieser Zeit bedeutet haben kann.
[....]
„Und“, frage ich etwas zögerlich weiter, fühle mich plötzlich weniger souverän, „wie war das so von der Überzeugung her, also, gab es da schon einen Glauben an Hitler-Deutschland oder wie war das?“
Meine Mutter und ich sehen uns an und wissen in dem Moment beide, dass in meiner Frage ein „War der Opa ein Nazi?“ steckt, das ich versuche, auf diese Art abzufedern, ungelenk.
„Na ja, du, da hat man ja gar nicht so viel gewusst damals, dort in Belgrad. Also man hat sich halt entschieden: als Deutscher für das deutsche Heer. Und nachdem sie eben vorher schon so diskriminiert wurden dort …“

Im Zwiespalt zwischen der Liebe zu ihren verstorbenen Großeltern und ihrer eigenen Politisierung macht sie sich auf die Suche nach Antworten. Ihre Recherche bringt sie bis nach Belgrad. Und die Konfrontation mit ihrer Mutter wird zu einer schweren Belastungsprobe ... doch Lina will nicht aufgeben.

„Heim holen“ behandelt ein sehr emotionsbeladenes Thema, das ich sehr spannend finde. Daher war ich etwas enttäuscht, dass der Erzählstil etwas distanziert ist. Auch Lina selbst blieb etwas schwammig für mich als Mensch. Das Ende des Buchs war ebenfalls recht nüchtern. Ich hätte hier etwas anderes erwartet. Für mich war „Heim holen“ ein thematisch interessanter Debütroman, dessen Umsetzung mich leider nicht ganz abholen konnte.

Vielen Dank an den Residenz Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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