Cover-Bild Das falsche Leben
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9,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Gerstenberg Verlag
  • Genre: Kinder & Jugend / Jugendbücher
  • Ersterscheinung: 14.07.2025
  • ISBN: 9783836992442
  • Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Maja Nielsen

Das falsche Leben

Hannover 1979. Koffer packen, die Schule benachrichtigen – Thomas, 16 Jahre, macht sich buchstäblich bei Nacht und Nebel mit seiner Familie auf den Weg in die DDR. Der Grund für den hastigen Aufbruch ist nicht der todkranke Opa auf Usedom, wie Thomas' Vater behauptet. Der Vater ist ein „Kundschafter des Friedens“, ein Spion der DDR, wurde enttarnt und muss sich nun in den Osten absetzen. So findet sich Thomas unvermittelt in einem falschen Leben wieder: in Ost-Berlin, an einer Schule mit Fahnenappell und Wehrkunde, von der Stasi bespitzelt. Alle Versuche der Familie, in den Westen zurückzukehren, misslingen. Thomas und seine Eltern landen im berüchtigten Stasi-Gefängnis Bautzen II …
Eine wahre Geschichte aus der Zeit des geteilten Deutschland, von Maja Nielsen packend erzählt.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Der Sozialismus ist eine Falle – ein hoffentlich abschreckendes Lehrstück

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Als glühender Sozialist ging Armin Raufeisen 1957 aus der DDR in den Westen. Sein Auftrag: studieren, Karriere machen in der Wirtschaft und dann Informationen an die Hauptabteilung Aufklärung der DDR-Staatssicherheit ...

Als glühender Sozialist ging Armin Raufeisen 1957 aus der DDR in den Westen. Sein Auftrag: studieren, Karriere machen in der Wirtschaft und dann Informationen an die Hauptabteilung Aufklärung der DDR-Staatssicherheit liefern. Alles lief nach Plan bis sich 1979 Oberleutnant Stiller aus dieser Abteilung in den Westen absetzte. Dutzenden DDR-Spionen, darunter auch Raufeisen drohte die Enttarnung. Also flüchtete Raufeisen sofort mit seiner Familie aus Hannover in die DDR. Ein Zurück gab es nicht mehr.

Raufeisens Söhne Michael und Thomas lebten bis dahin in völliger Ahnungslosigkeit über die Agententätigkeit ihres Vater ein völlig normales Leben westdeutscher Jugendlicher. Ihr Schock war nun enorm, und auf ein Leben in der DDR waren sie nicht vorbereitet.

Das Buch erzählt die weitere Geschichte aus der Sicht des jüngeren Bruders. Für ihn begann ein Albtraum. Jugendliche in der DDR kannten nichts anderes als ihre Wirklichkeit. Alles andere als sich damit mehr oder weniger zu arrangieren, führte in enorme Schwierigkeiten, denen man besser aus dem Wege ging. Zwar konnte man Westfernsehen schauen, aber einfach in den Westen zu fahren, war eine unerfüllbare Utopie, die ab 1961 zum DDR-Lebensgefühl gehörte.

Als Erstes gelangte die Familie Raufeisen nach ihrer Flucht in ein Gästehaus der Stasi in Berlin-Eichwalde. Für Leute aus dem Westen musste schon allein der triste DDR-Charme solcher Einrichtungen ernüchternd wirken. Die Familie bekam sofort DDR-Dokumente, womit sie auch dem Recht der DDR unterworfen wurde. Später zogen sie in eine für DDR-Verhältnisse luxuriöse Wohnung in einem der bekannten Bonzen-Häuser in Ostberlin. Thomas kam in eine Ostberliner Schule und erlebte, was für DDR-Jugendliche Alltag war. Für ihn jedoch war das alles ein einziger Schrecken, denn Sozialismus bedeutet Vereinheitlichung von allem. Wer aus der Reihe tanzt, ist verdächtig. Und natürlich hatten die Genossen der Stasi alles im Blick.

Für Vater Raufeisen begann dagegen die Zeit einer brutalen Ernüchterung. Offenbar hatte er keine Ahnung, wem er wirklich gedient hatte. Seine Naivität muss grenzenlos gewesen zu sein, was ihm, seiner Frau und seinem jüngeren Sohn später zum Verhängnis wurde. Er begriff seinen ursprünglichen Fehler relativ schnell, denn für einen im Westen erfolgreichen Mann muss alles, was nun auf die Familie einstürzte, einfach nur erschreckend gewesen sein. Man beschloss deshalb nach kurzer Zeit, wieder nach Hannover zurückzukehren, egal was dort drohte. Den älteren Sohn hatte die DDR bereits gehen lassen. Und der sollte die Sache von Hannover aus einfädeln.

Aber natürlich ging das mehrfach schief. Beim Vater mischten sich mehr und mehr Verzweiflung und grenzenlose Naivität. Schließlich wollte er auf einer Luftmatratze über die Ostsee nach Fehmarn zu gelangen. Die DDR-Strände und die anliegende Ostsee wurden jedoch lückenlos überwacht. Und so scheiterte auch diese aberwitzige Idee eines untrainierten übergewichtigen Alkoholikers bereits am Strand. Er hätte es besser wissen müssen.

Thomas war in Berlin geblieben und wurde am nächsten Morgen ins Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen gebracht. Im Folgenden kann man nun nachlesen, wie es ihm in den nächsten drei Jahren im DDR-Knast erging, denn das war sein Strafmaß. Wofür? Dafür, dass er Bescheid wusste, was seine Eltern planten. Das ist erschütternd. Seine Mutter bekam sieben Jahre, sein Vater lebenslange Haft.

Allen, die immer noch glauben, dass Sozialismus irgendeine Alternative zum gegenwärtigen System sein könnte, sollten diesen Erlebnisbericht, der auf einer wahren Geschichte beruht, aufmerksam lesen. Sozialismus führt nicht nur in die Armut, sondern immer auch in ein totalitäres Regime, denn dieses System entspricht nicht menschlichem Verhalten. Weil Menschen nicht so sein wollen, wie es Sozialisten ihnen vorschreiben wollen, müssen sie umerzogen werden. Heute kommen Sozialisten in anderen Gewändern daher, doch ihr Wesen ist unverändert. Das man in der jüngsten Gegenwart gut beobachten. Haben sie erst einmal die Macht, dann wird der ganze Spuk von vorne beginnen.

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Flucht in die DDR – Kein Weg zurück

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Das Buch „Das falsche Leben“ erzählt die wahre und erschütternde Geschichte eines Jugendlichen, der durch die Spionagetätigkeit seines Vaters aus seinem bisherigen Leben gerissen wird. 1979 flieht der ...

Das Buch „Das falsche Leben“ erzählt die wahre und erschütternde Geschichte eines Jugendlichen, der durch die Spionagetätigkeit seines Vaters aus seinem bisherigen Leben gerissen wird. 1979 flieht der 16-jährige Thomas mit seiner Familie über Nacht in die DDR – angeblich wegen eines kranken Großvaters. Doch bald wird klar: Der Vater war DDR-Spion im Westen und muss sich nach seiner Enttarnung absetzen. Für Thomas beginnt damit ein neues, fremdbestimmtes Leben in Ost-Berlin – in einer Welt voller Kontrolle, Anpassungsdruck und Überwachung.
Maja Nielsen gelingt es, diese bewegende Geschichte in einem sehr lebendigen und gut lesbaren Stil zu erzählen. Ihre Sprache ist locker und flüssig, ohne an Tiefe zu verlieren. Man spürt, dass die geschilderten Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen – die Personen wirken authentisch, das historische Umfeld ist glaubhaft und detailreich dargestellt.
Besonders eindrucksvoll ist die Atmosphäre, die Nielsen erzeugt: der bedrückende Alltag in der DDR, das Misstrauen, die Angst und die Ohnmacht, wenn selbst engste Familienmitglieder von der Stasi verhört werden. Das Buch ist nicht nur eine persönliche Geschichte, sondern auch ein Stück packend erzählte Zeitgeschichte.
Auch wenn das Buch als Jugendbuch deklariert ist, spricht es genauso Erwachsene an. Es vermittelt wichtige historische Fakten, ohne belehrend zu wirken, und bleibt dabei stets spannend. Die 192 Seiten mit ihren 36 kurzen Kapiteln lassen sich in einem Zug lesen, und man möchte einfach wissen, wie es für Thomas und seine Familie weitergeht.
Am Ende erfährt man, was aus den Beteiligten geworden ist – auch das macht das Buch besonders, weil es die Realität hinter der Geschichte greifbar macht.
Mein Fazit:
Ein eindrucksvolles Buch über das geteilte Deutschland, das zeigt, wie politische Entscheidungen und Ideologien das Leben von Menschen radikal verändern können. Emotional, informativ und sehr empfehlenswert, nicht nur für junge Leserinnen und Leser. 5 Sterne.

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