Cover-Bild Hier bleiben können wir auch nicht
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Berlin Verlag
  • Themenbereich: Belletristik
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 30.01.2025
  • ISBN: 9783827015228
Maren Wurster

Hier bleiben können wir auch nicht

Roman

Eine nahe Zukunft in der ländlichen Peripherie: Gesa sucht Zuflucht, will weg aus der allgegenwärtigen Digital-Abhängigkeit des Lebens in der Stadt. Mit ihrer Tochter Marie zieht sie in ein von Efeu umranktes, altes Haus. Sie schließt sich einer Landkommune an, die ihre Sehnsucht nach Ursprünglichkeit teilt und den beiden ein emotionales Zuhause verspricht. Doch irgendetwas stimmt nicht. Gesas Körper wehrt sich, als würde er vergiftet. Woher kommen die Symptome? Und was haben sie mit ihrer eigenen Mutter zu tun? Maren Wurster erzählt in hochsensibler Sprache von drei Frauen verschiedener Generationen und deren Suche nach Freiheit.

»Ein sinnlicher Widerstandsroman, der nicht mehr loslässt. Eingefangen in einem beklemmenden Paradies, nimmt Maren Wurster uns dabei behutsam in die Zange – und weiß damit so gut umzugehen, dass es weh- und zugleich guttut.« Franziska Hauser

»Es gibt sie wirklich, die ewige, die alte Sehnsucht, bleiben zu können, ein Zuhause zu haben. Feinnervig erzählt Maren Wurster von einer schmerzlichen Suche und dem Mut, den eigenen Weg im dystopischen Dickicht zu finden.« Gabriele von Arnim

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2025

Fans dystopischer und eskapistischer Literatur aufgepasst: Dieses Buch ist für Euch!👏🤩

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Gesa verlässt mit ihrer kleinen Tochter Marie die Stadt um aufs Land zu ziehen in ein Haus, das sie sich mit dem Erbe ihres kürzlich verstorbenen Mannes gekauft hat.
Außer dass der Familienvater fehlt, ...

Gesa verlässt mit ihrer kleinen Tochter Marie die Stadt um aufs Land zu ziehen in ein Haus, das sie sich mit dem Erbe ihres kürzlich verstorbenen Mannes gekauft hat.
Außer dass der Familienvater fehlt, klingt es erst einmal idyllisch, oder?! Doch ein Supermarktbesuch offenbart die Andersartigkeit dieser Welt, denn Gesa wird nicht reingelassen.

Die Menschen sind gechipt und werden nach bestimmten Scores bewertet und dementsprechend kann ihnen der Zugang offeriert oder verwehrt werden zu bestimmten öffentlichen Institutionen, wie auch dem Supermarkt. Eine komplett durchdigitalisierte Gesellschaft - die Menschen werden überwacht, bewertet, über ihre digitalen Fußabdrücke kontrolliert und verfolgt auf Schritt und Tritt.

Was passiert also, wenn ein Mensch raus will aus diesem System, nicht mehr mitspielen möchte und die Gegebenheiten hinterfragt?!
Gesa tut genau das und erhofft sich mit ihrem Umzug aufs Land etwas tiefer unter dem Radar der ständigen Überwachung zu fliegen. Doch geht Ihr Plan auf?!
Im Häuschen auf dem Lande finden sie gleich erstmal eine tote Krähe - ein schlechtes Omen oder einfach nur Zufall?!

Maren Wurster macht aufmerksam auf Toxizität - auf Toxizität, die einem toten Vogel stecken kann, in einem Haus, aber auch in unseren Beziehungen, unserem Leben und letztlich der Gesellschaft. Spannende Gedankenansätze, die sie immer weiter spinnt.

Durch Rückblenden erzählt Maren Wurster auch die schwierige Beziehung einer Tochter zu ihrer suchtkranken Mutter. Was macht es psychisch mit einem Kind, wenn es nie weiß, in welchem Zustand es die Mutter vorfinden wird, wenn es aus der Schule nach Hause kommt?! Wird die Mutter was leckeres gekocht haben oder wird sie inmitten eines Chaos nicht ansprechbar in ihrem Bett liegen?!

Wer sehnt sich nicht nach Sicherheit, Zugehörigkeit und Geborgenheit?! Da Gesa diese zu Hause nicht findet, zieht es sie in die esoterische Kommune in der Nachbarschaft. Für mich selbst ist das fernab meiner eigenen Lebensrealität. Aber ich finde es zugegebenermaßen äußerst spannend, darüber nachzudenken, was Menschen zu solch einer Form des Eskapismus bewegt. Handelt es sich hier einfach um Systemverweigerer oder steckt vielmehr ein spiritueller Antrieb dahinter?! Was erhoffen sich Menschen von dieser Art zu leben, wenn sie „ins Vertrauen gehen“ oder sich mit der Urmutter Gaia verbinden?! Mir persönlich fällt es schwer, über solche Themen zu sprechen ohne ein satirischtisches Augenzwinkern in meiner Tonlage - daher fand ich es besonders spannend, Maren Wursters Umsetzung der Thematik in diesem Buch zu lesen, die dem Ganzen glaube ich ähnlich gegenübersteht, wie ich selbst.
Die Menschen flüchten sich in eine höhere Welt oder vielmehr in ihr Inneres. Sie schaffen sich eine besondere Verbindung zu ihren Gedanken und Vorstellungen in Bezug auf die Welt. Für unsere Figur Gesa bildet diese Flucht aus der Gesellschaft die Möglichkeit wieder einen Platz in einer Gemeinschaft zu finden, dazuzugehören und auch eine Art Zuhause für ihre Tochter Marie. Doch existieren auch in solch einem Kommunenleben auch Regeln, an die man sich halten muss - ob es nun für Gesa und ihre Tochter das Nonplusultra ist oder nicht, müsst ihr selbst lesen. Wer sich Antworten auf alle offenen Fragen erhofft, wird möglicherweise enttäuscht, denn Maren Wurster ist eine Freundin des Rätselhaften und lässt manchen Umstand auch gerne mal im Ungewissen.

Ich habe mich während der Lektüre immer mal an George Orwells „1984“, an Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ und auch ganz besonders an Huxleys „Eiland“ erinnert, großartig! Also falls Ihr diesen Büchern etwas abgewinnen konntet, solltet Ihr es auf jeden Fall mal mit Maren Wursters „Hier bleiben können wir auch nicht“ versuchen. Sie hat die Vibes dieser drei doch schon älteren (aber trotzdem noch lesenswerten!) Werke in die Gegenwart geholt! Aber auch, wenn Ihr diese Bücher noch nicht gelesen habt und Fans dystopischer Literatur seid, sei Euch dieses Schätzchen ans Herz gelegt, denn die Frage, was eine Digitaldiktatur mit der Menschheit machen würde, ist doch eine äußerst spannende, oder?!
Es geht um Freiheit, Einsamkeit und ein Frauenschicksal auf der Suche nach dem persönlichen Glück - ebenso scharfsinnig erzählt, wie mit psychologischem Feingespür versehen!
Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Rätselhaft, fesselnd und ein bißchen speziell

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Ich hatte mich sehr auf den neuen Roman von Maren Wurster gefreut. Ihr voriger Roman „Eine beiläufige Entscheidung“ hatte mir ziemlich gut gefallen und eine gewisse Erwartungshaltung geweckt.
Nun, ihr ...

Ich hatte mich sehr auf den neuen Roman von Maren Wurster gefreut. Ihr voriger Roman „Eine beiläufige Entscheidung“ hatte mir ziemlich gut gefallen und eine gewisse Erwartungshaltung geweckt.
Nun, ihr neuer Roman ist …anders.

Ich mochte ihn aber genauso gerne und ich habe viel über ihn nachgedacht. Ich kann mir gut vorstellen, dass er vielleicht kontrovers aufgenommen wird und zwiespältige Meinungen hervorruft.

Wurster hat ihren Roman in einem andeutungsweise dystopischen Setting angelegt, das mich sofort an die Zeiten der Corona Pandemie denken lässt und an die staatlichen Einschränkungen, die mit ihr verbunden waren. Eine kurze Recherche ergibt, dass Wurster und ihre engsten Angehörigen ungeimpft geblieben sind und sehr unter den daraus folgenden Einschränkungen und Repressalien gelitten haben. Diese Erfahrungen scheinen in ihren neuen Roman eingeflossen zu sein.

Denn ihre Ich-Erzählerin Gesa hatte sich im staatlichen System der Städte der Zukunft, das seine Bürgerinnen mit einem Chip überwacht, schon länger nicht mehr wohl gefühlt. Ihr Freund Tom, der Vater von Marie, ist einige Monate vorher plötzlich und sehr überraschend aus unklaren Gründen gestorben.

„Ich dachte viel an ihn, aber traurig konnte ich nicht sein. Denn ich hatte mir seinen Tod gewünscht.“

Auf der Suche nach einem alternativen Leben für sich und ihre kleine Tochter Marie, kauft sie nach Toms Tod ein sehr abgelegenes altes Haus auf dem Land. Dort zieht sie mit ihrer Tochter ein.

Doch auch in dem neuen Umfeld, in der ländlichen Abgeschiedenheit, fühlt sich Gesa nicht angekommen. Sie wird von mysteriösen Vergiftungserscheinungen geplagt, fühlt sich oft unwohl und krank.
In der Nähe ihres Hauses trifft sie auf eine Landkommune mit Aussteiger
innen, die dort ihren Traum von einem freieren und alternativen Leben verwirklichen wollen.
Gesa und ihre Tochter freunden sich mit ihnen an und verbringen immer mehr Zeit mit der Gruppe.
Können Mutter und Tochter dort die Gemeinschaft und das Zuhause finden, nach dem sie sich so sehr sehnen?

Wurster beschäftigt sich in ihrem Roman viel mit Lebensmodellen und mit dem Wunsch nach der richtigen Lebensform. Kann es die in der Gruppe überhaupt geben und welchen Preis muss jeder dafür zahlen?
Wieviel individuelle Freiheit ist überhaupt möglich, wenn Menschen gemeinsam leben und entscheiden?
Das sind sehr aktuelle Fragen, die nicht nur während der Corona Pandemie sehr relevant waren, sondern auch generell immer wieder in verschiedenen Kontexten in Frage gestellt werden und diskutiert werden sollten.

Ich mochte den Roman auch deshalb, weil er meiner Meinung nach, sehr spannend und ansprechend erzählt ist, auch wenn er vielleicht nicht die emotionale Dichte besitzt, die mir in „Eine beiläufige Entscheidung“ so gut gefallen hat.

Dafür überrascht er mich mit einem kurzem dritten Teil, der noch mal ein komplett neues und anderes Licht auf die Geschichte wirft.
Auch die großen Leerstellen und das Nicht -Auserzählte haben mir persönlich sehr gut gefallen, könnten aber für andere Leser*innen vielleicht zu wenig konkret wirken.

Ich würde „Hier bleiben können wir auch nicht“ mit den Adjektiven sehr rätselhaft, fesselnd und ein bißchen speziell zusammenfassen. Für mich ein sehr gelungener und lesenswerter Roman.

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