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Veröffentlicht am 26.09.2024

Winter-Romanze

Ein Winter in New York
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Lebkuchen und Spekulatius im Supermarkt. Romane mit winterlichem Setting in der Buchhandlung. Ja, es lässt sich nicht verleugnen, dass wir schon wieder auf Weihnachten zusteuern. Im Zuge vorfreudiger saisonaler ...

Lebkuchen und Spekulatius im Supermarkt. Romane mit winterlichem Setting in der Buchhandlung. Ja, es lässt sich nicht verleugnen, dass wir schon wieder auf Weihnachten zusteuern. Im Zuge vorfreudiger saisonaler Stimmung ist auch “Ein Winter in New York” von Josie Silver auf meiner Leseliste gelandet und direkt gelesen worden.
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Darum geht’s: Iris startet einen Neuanfang in New York. Eisdielen-Inhaber Gio verzaubert sie mit seinem italienischen Charme und seiner Familie. Aber ein Happy End scheint unmöglich…
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Die romantische Wintergeschichte ist grundsätzlich richtig süß. Sie beginnt wie eine typische RomCom mit einer witzigen Buchhandlungs-Szene und einer im Eifer des Gefechts ausgesprochenen Lüge. Als die beiden Protagonisten sich Monate später zufällig wieder begegnen, steht diese Unwahrheit zwischen ihnen. Und auch noch ein anderes Geheimnis. Was fluffig und humorvoll anfängt, artet meiner Meinung nach dann leider in ein irgendwie überflüssiges Drama aus. Ich konnte nicht wirklich nachvollziehen, warum Iris nicht einfach die Wahrheit sagt. Statt das Gespinst aus Lügen und Geheimnissen aufzulösen, verkompliziert sie mit ihrem Verhalten alles unnötig. Das macht sie mir leicht unsympathisch und nimmt der Story teilweise ein bisschen den Zauber. Der fiese Ex-Freund taucht dann auch noch auf und sorgt noch für einen Hauch von Spannung und Action. Das hat für mich nicht so zusammengepasst. Ich hätte mir einfach andere Drehs gewünscht, die der Handlung mehr Leichtigkeit und Wintermagie verleihen. Insgesamt bleibt die winterliche Atmo aber eher auf der Strecke. Ich meine, es geht um eine Eisdiele und ein geheimes Vanilleeis-Rezept. Das schreit eigentlich geradezu nach Sommer. Aber hier rieselt irgendwann trotzdem noch der Schnee, es gibt Lichterglanz und der Found Family-Trope sorgt noch für ein wohliges Gefühl und einen schönen Abschluss. Das wirkt auf mich alles irgendwie konstruiert.
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Der Roman ist insgesamt angenehm zu lesen. Die Geschichte ist ansich echt süß und die Charaktere liebenswert. Aber irgendwie ist es nicht so ganz stimmig. Es kommt mir so vor, als wäre die Story extra mal eben auf Winter getrimmt worden, weil der Verlag da gerade noch was brauchte. Die Vibes, die ein Winterroman versprühen sollte, sind bei mir allenfalls mittelprächtig angekommen. In neutraler Verpackung hätte mir die Geschichte in ihrer Art wahrscheinlich tatsächlich besser gefallen.

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Veröffentlicht am 23.09.2024

Brisantes Thema

Love Letters to a Serial Killer
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Ein Buch, das die Lesewelt spaltet. Die einen finden es gut, die anderen schlecht. Dazwischen gibt es irgendwie nichts. Gut, dass ich Rezensionen nicht so richtig lese, bis ich mir meine eigene Meinung ...

Ein Buch, das die Lesewelt spaltet. Die einen finden es gut, die anderen schlecht. Dazwischen gibt es irgendwie nichts. Gut, dass ich Rezensionen nicht so richtig lese, bis ich mir meine eigene Meinung gebildet habe. Aber an plakativen Abbruch-Meldungen komme selbst ich nicht vorbei. Ich hätte das Buch jetzt mit gedämpfter Leselust noch vor mir herschieben können, stattdessen bin ich es direkt angegangen, um es hinter mich zu bringen. Und was soll ich sagen … Für mich gab es keinen Grund, das Buch abzubrechen. Ich habe es innerhalb eines Tages ausgelesen. Und es hat mir sogar recht gut gefallen.
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Darum geht’s: Ist William Thompson ein Serienkiller? Diese Frage stellen sich die Mitglieder eines True Crime-Internetforums. Für Hannah geht von dem Tatverdächtigen eine besondere Faszination aus. Sie schreibt William sogar Briefe ins Gefängnis. Und William antwortet…
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Tja, dieses Phänomen gibt es ja wirklich: Frauen, die sich von Schwerverbrechern angezogen fühlen, ihnen Briefe in den Knast schreiben, sich sogar in verurteilte Mörder verlieben. Ich selbst steh’ ja auch auf geheimnisvolle Bösewichte - zum Glück nur in Büchern. In der Realität frage ich mich natürlich, was in Frauen vorgehen muss, für die es nicht bei einer fiktiven Faszination bleibt. Dem wollte ich hier mal auf den Grund gehen.
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Zitat S. 169: “Du könntest überall auf der Welt sein und sitzt stattdessen Tag für Tag im Gericht. Was fasziniert dich so daran?”
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Protagonistin Hannah ist gefrustet von der Dating-Welt und ihrem Job … und ja, viel tiefer geht die Suche nach Beweggründen für ihr Handeln auch nicht. Die Geschichte bleibt ein oberflächlicher Allgemeinplatz und Hannah eine seltsam anmutende und eher blasse Hauptfigur. Ganz ehrlich: Alles andere wäre mir persönlich auch viel zu verstörend gewesen. In der gebotenen Form hat mich die Geschichte aber nicht belastet und auch nicht in meinen Grundfesten erschüttert. Tasha Coryell hat mich mit ihrem tollen und flüssigen Schreibstil jedenfalls sehr schnell in die Handlung reingezogen. Ich habe schnell gemerkt, wie für Hannah Grenzen verschwimmen und sie sich immer mehr in etwas reinsteigert. Die Story hatte für mich eine Sogwirkung und ich habe Seite um Seite in hohem Tempo gelesen. Dabei hat mich der Verlauf der Story jetzt nicht großartig überrascht. Das Ende, das nochmal einen gewissen Schock-Clou obendrauf setzen soll, war für mich irgendwie sogar konsequent logisch.
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Der Roman greift ein Tabu auf, das man schlussendlich wohl nicht erklären kann. Die Autorin versucht es auch erst gar nicht. Trotzdem reicht mir das, was die Geschichte bietet, voll und ganz aus. Auch, wenn die Handlung keinen besonderen Nachhall hinterlässt, hat mir das Buch insgesamt doch gut gefallen.

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Veröffentlicht am 21.09.2024

Fortsetzung einer ganz besonderen Krimireihe

Frau Morgenstern und das Vermächtnis
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Mit „Frau Morgenstern und das Vermächtnis“ erscheint bei Grafit in diesen Tagen der 6. Band der Mordslady-Krimireihe von Marcel Huwyler aus der Schweiz. Ich habe Frau Morgenstern 2020 bei Erscheinen des ...

Mit „Frau Morgenstern und das Vermächtnis“ erscheint bei Grafit in diesen Tagen der 6. Band der Mordslady-Krimireihe von Marcel Huwyler aus der Schweiz. Ich habe Frau Morgenstern 2020 bei Erscheinen des zweiten Bandes in einer Leserunde kennengelernt. Da war der Quereinstieg noch möglich. Mittlerweile ist das aber nicht mehr so ohne weiteres der Fall. Deshalb meine Empfehlung: Solltet ihr Frau Morgenstern noch nicht kennen, aber durch meine Buchvorstellung neugierig werden, greift bitte erst mal zu einem der Anfangsbände. Band 6 ist definitiv ein Morgenstern-Fall für Fortgeschrittene, an dem man ohne Vorkenntnisse wohl eher wenig Freude hätte. Man muss hier die Personen, ihre Hintergründe und Vernetzungen untereinander schon kennen, um die vielen Bezügen und Anspielungen zu verstehen.

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Darum geht’s: Violetta Morgenstern hat ihren Job als Auftragskillerin an den Nagel gehängt und genießt den Ruhestand auf Malta. Nach einem Mord ohne Grund steht ausgerechnet Violettas ex-Kollege Schlunegger auf der Abschussliste des Killerministeriums. Morgenstern will verhindern, dass Miguel eliminiert wird und versucht herauszufinden, warum er gemordet hat…

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Der Einstieg in den neuen Fall der Mordslady ist rasant und für mich als Fan gleich mit einem Paukenschlag verbunden. Ungläubigkeit macht sich breit. Warum??? Das ist die Frage, die über allem steht. Zum Glück kehrt Frau Morgenstern zurück, um alles aufzuklären. Der Fall nimmt seinen Lauf und er bietet wieder alles, was ich an dieser Reihe so schätze. Die Geschichte ist auch diesmal grandios schräg und aberwitzig. Ebenso die Charaktere. Dabei sind die Hauptfiguren aber gleichzeitig auch so herzerfrischend und liebenswert, wie ich sie eben ins Herz geschlossen habe. Und dann ist da auch wieder dieser ganz besondere und unverkennbare Schreibstil von Marcel Huwyle: Hochwertig, feinsinnig, sprach- und wortverliebt, einfallsreich, bissig und schwarzhumorig.

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Der Krimi war erneut ein großes Lesevergnügen. Allerdings mit einem kleinen Abstrich. Diesmal wird für meinen Geschmack eklatant deutlich, dass Morgenstern und Schlunegger als Team am Besten funktionieren. Und das tun sie aufgrund der Gegebenheiten des Falls erst im letzten Drittel des Krimis in gewohnter Manier. Vorher hat mir ohne das gewohnte Zusammenspiel zugegebenermaßen doch etwas Entscheidendes gefehlt. Die Entwicklung Richtung Finale hat diesen Eindruck aber geradegerückt. Da war dann wieder alles so, wie es in einem Fall der Mordslady sein muss. Und es gibt sogar noch eine wunderschöne Weiterentwicklung obendrauf. Der Schluss ist dann ein echter Herzensmoment.

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Ich empfehle diese Krimireihe allen, die das Besondere mögen. Bei Frau Morgenstern werdet ihr es finden!

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Veröffentlicht am 18.09.2024

Erfrischend anders

Agency for Scandal
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Historische Romanze trifft Cosy Crime. Das klingt gut. Und fast zu schön, um wahr zu sein. Als ich schon mal etwas gelesen habe, was in die Regency + Krimi-Richtung ging, hat es mir nicht so gut gefallen. ...

Historische Romanze trifft Cosy Crime. Das klingt gut. Und fast zu schön, um wahr zu sein. Als ich schon mal etwas gelesen habe, was in die Regency + Krimi-Richtung ging, hat es mir nicht so gut gefallen. Bei der “Agency for Scandal” von Laura Wood ist das anders. Hier funktioniert die Kombi nämlich hervorragend und ist ganz nach meinem Geschmack.
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“Agency for Scandal” ist als Wohlfühlbuch für Leser*innen ab 14 Jahren deklariert. Ein Jugendbuch also. Hm, das ist immer so eine Sache. Tatsächlich hatte ich hier keine Sekunde das Gefühl, ein Buch zu lesen, das gar nicht für meine Altersklasse gedacht ist. Die Geschichte war auch für mich als erwachsene Leserin, die historisches Setting und Detektivgeschichten mag, absolut lesenswert. Die unterschiedlichen Genres werden hier leichtgängig und selbstverständlich miteinander vereint. Ich habe den Roman jedenfalls von vorne bis hinten genossen und sehr gerne gelesen.
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Zu Beginn habe ich mich scheinbar in einer typischen Regency-Romance wiedergefunden. Es ist Ballsaison und Izzy Stanhope verknallt sich in Max Vane, den Duke of Roxton. Unter welchen Umständen das passiert, ist so herzig und erfrischend beschrieben, dass ich direkt mal hin und weg war. Beide Protagonisten hatten da direkt mein Herz erobert. Und so ging es weiter. Es bleibt nicht allein beim historischen Romance-Anteil. Hinzu kommt noch eine wirklich spannende Gauner- und Detektivgeschichte . Und so wie der Mix hier serviert wird, hat es mir einfach großen Spaß gemacht. Izzy ist eine tolle, wenn auch atypische Regency-Heldin. Warum, müsst ihr selber lesen, aber sie ist schon was Besonderes. Auch die Dynamik zwischen Max und ihr stimmt. Die Story ist wie ein Ü-Ei mit Spannung, Spiel und Schokolade - in diesem Fall mit Spannung, Herz und Humor.
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Kurz gesagt: Ich liebs! Und ich möchte auf jeden Fall auch den Folgeband “Season for Scandal” lesen. Der ist für das kommende Frühjahr angekündigt.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Dieses Thriller-Debüt hat Drive

Nachtfahrt
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Annika Strauss legt hier ihren ersten Thriller vor. NACHTFAHRT hat mir für einen Erstling schon richtig gut gefallen. Da darf man auf weitere Werke der Autorin gespannt sein. Ich bin es jedenfalls.
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Darum ...

Annika Strauss legt hier ihren ersten Thriller vor. NACHTFAHRT hat mir für einen Erstling schon richtig gut gefallen. Da darf man auf weitere Werke der Autorin gespannt sein. Ich bin es jedenfalls.
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Darum geht’s: Katharina Holten muss sich nach dem mysteriösen Unfalltod ihres Vaters um dessen Fahrschule kümmern. Dann verschwindet auch noch ihre Nichte. Für Katharina beginnt ein mörderisches Spiel. Bei ihrer atemlosen Jagd gegen die Zeit muss sie sich auch ihren eigenen Ängsten endlich stellen …
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Was mir hier direkt positiv aufgefallen ist, ist das Setting. In das Umfeld einer Fahrschule bin ich bisher noch in keinem Buch eingetaucht. Damit hebt sich NACHTFAHRT schon mal vom aktuell oft zubereiteten Thriller-Einheitsbrei ab. Punkt für Annika Strauss. Ein weiteres Plus sind die kurzen Kapitel. Hier habe ich nach dem Motto “Eines geht noch” gelesen und bin regelrecht durch die Seiten gerast. Gut, dass es beim Lesen keine Tempokontrolle gibt. Der Plot entwickelt sich echt rasant und nimmt den Fuß nie wirklich vom Gaspedal. Es passiert unheimlich viel. Die Ereignisse überschlagen sich förmlich. Dazu kommen noch Kapitel, deren Handlung scheinbar losgelöst vom Rest der Geschichte erscheint. Einem Familiengeheimnis kommen wir auch noch auf die Spur. Und alles ist spannend und wird letztendlich natürlich schlüssig zusammengeführt.
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NACHTFAHRT ist ein packender Thriller, mit tollen Charakteren und ganz vielen Cliffhangern. Annika Strauss hat hier echt hineingepackt was geht. Vielleicht schon ein bisschen zu viel. Andere Autorinnen würden aus dem sprudelnden Reichtum an Ideen zwei Bücher machen. Manche/r vielleicht sogar drei. Die Geschichte hätte sicherlich auch etwas entschlackter funktioniert. Dem ein oder anderen Twist hätte ich persönlich etwas mehr Verweilzeit gewünscht, damit er sich besser entfalten und nachwirken kann. Die Autorin ignoriert aber alle Haltesignale, drückt kräftig auf die Tube und rast mit ihren Leser innen atemlos durch die Nacht.
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Fazit: Schnallt euch an und genießt die Non-Stop-Fahrt ohne Tempolimit. Annika Strauss - den Namen sollte man sich nach diesem Thriller-Debüt auf jeden Fall merken.

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