Selbstfindung unter Palmen
Über den Wolken wohnen die TräumeDer Klappentext von Meike Werkmeisters neuem Sommerroman „Über den Wolken wohnen die Träume“ klang für mich zunächst vor allem eins, nämlich etwas ungewohnt. Er liest sich wie eine Mischung aus YA und ...
Der Klappentext von Meike Werkmeisters neuem Sommerroman „Über den Wolken wohnen die Träume“ klang für mich zunächst vor allem eins, nämlich etwas ungewohnt. Er liest sich wie eine Mischung aus YA und Familienroman. Beides in einem vereint, ja, dazu passt auch der stattliche Umfang von annähernd 700 Seiten, vor denen ich dann doch ein bisschen Respekt hatte. Allerdings vollkommen unnötig, wie sich herausgestellt hat. Letztendlich ist „Über den Wolken wohnen die Träume“ ein leicht-locker lesbarer und einfach nur schöner Wohlfühlroman, bei dem die Seitenzahl gar keine Rolle spielt.
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Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Die 17-jährige Morlen reist von Norderney in die USA. Dort wird sie von Heather, einer alten Freundin ihrer Mutter, in deren Familie aufgenommen. Irgendwo zwischen Teenie- und Erwachsenenproblemen haben beide doch eines gemeinsam: sie wollen ihr Glück finden. Der Roman ist eine wohlig-warme Herzensreise. Die Atmosphäre in dem kleinen Küstenort Cardiff-by-the-Sea ist einfach nur Zucker. Ich habe hier eine wunderbare Zeit zwischen Palmen und Surfbrettern verbracht und viele Personen kennengelernt, die ich am Ende alle so liebgewonnen hatte, dass ich sie gar nicht mehr verlassen wollte.
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Glück und Liebe in verschiedenen Variationen sind die zentralen Themen des Romans. Für Morlen geht es darum, ein Stückchen reifer und erwachsener zu werden, während Heather davon träumt, eventuell nochmal auszubrechen. Beide müssen auf jeden Fall wichtige Entscheidungen treffen. Und sie auf ihrem Weg der Selbstfindung zu begleiten, macht so viel Freude, dass die Seiten sich fast wie von selbst umblättern. Das wird noch durch kurze Kapitel und damit verbundene schnelle Perspektivwechsel unterstützt. Mitunter ging es mir sogar etwas zu schnell. In einigen Situationen hätte ich mir eine etwas längere Verweildauer gewünscht, um noch intensiver in den Gedanken und Gefühlen der beiden Protagonistinnen stecken zu können. Tiefe und Nähe entwickeln sich aber trotz des zackigen Schlagabtausches und Meike Werkmeister hat es geschafft, dass ich mich mitleben und mitleiden zu lassen.
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Dies ist erst der dritte Roman, den ich von Meike Werkmeister gelesen habe – aber „Über den Wolken wohnen die Träume“ ist bis jetzt mein Favorit. Das Setting, die Charaktere, die Geschichte und die geschilderten Gefühle haben mich überzeugt und einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Besonders gut hat mir der Erzählstrang um Heather und ihren Mann Gary gefallen. Und am Ende habe ich mit Heather getanzt.