Zwischen Nostalgie und Enttäuschung
Sound of Hearts„Sound of Hearts“ schafft es zunächst, ein vertrautes und nostalgisches Gefühl zu wecken. Es ist schön, wieder in die eigene Kindheit einzutauchen und sich an das Märchen von Arielle erinnert zu fühlen. ...
„Sound of Hearts“ schafft es zunächst, ein vertrautes und nostalgisches Gefühl zu wecken. Es ist schön, wieder in die eigene Kindheit einzutauchen und sich an das Märchen von Arielle erinnert zu fühlen. Gerade weil die Namen der Charaktere stark an das Original angelehnt sind, fällt es leicht, eine Verbindung aufzubauen – wenn auch eine völlig neue.
ACHTUNG SPOILER
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir das Lied, das Aquarella singt. Es hat eine düstere, fast bedrückende Stimmung, die sich festsetzt und einen nicht so schnell loslässt. Leider bleibt das nicht durchgehend auf diesem Niveau. Die Namensgebung der Figuren wirkt insgesamt eher einfallslos, was gerade im Fantasy-Genre enttäuschend ist. Hier hätte man kreativer sein können, um die Welt glaubwürdiger und einzigartiger zu gestalten. Das ist besonders schade, da Themen wie Umweltverschmutzung durch Plastik oder das Sterben von Meerestieren durch Fischernetze und Piraterie eigentlich viel Tiefe und Relevanz bieten.
Unangenehm fällt außerdem auf, wie schnell Elric Ariella körperlich nahekommt. Dass er sie direkt an die Taille fasst und an sich zieht, obwohl sie sich gerade erst kennengelernt haben – und sie zudem nackt aus dem Meer gerettet wurde und vermutlich ein traumatisches Erlebnis hinter sich hat – wirkt unpassend und wenig sensibel.
Auch die Übersetzung ist stellenweise holprig, sodass man Sätze mehrfach lesen muss, um ihren Sinn zu verstehen. Das stört den Lesefluss erheblich.
Arsula ist für mich der interessanteste Charakter. Ihre kühle, aber gleichzeitig liebevolle Art macht sie greifbar und nachvollziehbar. Umso unbefriedigender ist es, dass Ariella sich zeitweise lieber mit Elric beschäftigt, anstatt ihrer Schwester zu helfen. Generell wirkt die Beziehung der beiden oft unausgereift. Wenn sie bereits nach kurzer Zeit über eine mögliche Schwangerschaft nachdenken, nimmt das der Geschichte jegliche glaubwürdige Erotik und lässt die Figuren eher naiv und fast lächerlich erscheinen.
Ein großes Manko ist zudem der Mangel an detaillierten Beschreibungen. Weder das Meer, noch das Schiff oder die Umgebung werden so ausgearbeitet, dass eine lebendige Atmosphäre entsteht. Das Setting bleibt eintönig, da sich die Handlung größtenteils auf dem Schiff abspielt – welches selbst kaum greifbar beschrieben wird. Gerade im Fantasy-Bereich sind solche Details essenziell, um eine Welt lebendig wirken zu lassen.
Auch inhaltlich gibt es Brüche: Arsula, die zuvor noch Elrics Tod wollte, gibt ihm später plötzlich recht gewöhnliche Beziehungsratschläge – das wirkt widersprüchlich und wenig durchdacht.
Gegen Ende wird das Lesen zunehmend anstrengend. Die Geschichte verliert an Reiz und wirkt eher wie lieblos abgearbeitet. Insgesamt empfinde ich das Buch leider als Zeitverschwendung, da das vorhandene Potenzial nicht genutzt wurde. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Geschichte zu stark an das Original von Arielle angelehnt ist, ohne dabei etwas wirklich Eigenständiges zu schaffen.
Schade – denn die Grundidee hätte deutlich mehr hergeben können.