Einschlafbegleitung statt Pageturner
Das PaketSebastian Fitzeks „Das Paket“ war für mich weniger ein nervenaufreibender Thriller als vielmehr eine Einschlafbegleitung. Trotz der grundsätzlich verwirrenden Handlung kam für mich über weite Strecken ...
Sebastian Fitzeks „Das Paket“ war für mich weniger ein nervenaufreibender Thriller als vielmehr eine Einschlafbegleitung. Trotz der grundsätzlich verwirrenden Handlung kam für mich über weite Strecken kein wirklicher Spannungsbogen auf. Erst gegen Ende des Hauptteils, in den Gesprächen zwischen Emma und Konrad, wurde es endlich richtig interessant – hier näherte man sich Schritt für Schritt der Lösung, was ich als den stärksten Teil des Buches empfunden habe.
Emmas psychischen Ausnahmezustand und ihre Hilflosigkeit waren hingegen sehr eindringlich dargestellt. Zu erleben, wie ihr niemand glaubt – nicht einmal die Menschen, die ihr am nächsten stehen – geht unter die Haut und spiegelt auf erschreckend realistische Weise die Erfahrungen vieler Vergewaltigungsopfer wider. Besonders die Darstellung ihrer PTBS, ihrer Trigger und der völligen Machtlosigkeit während eines Anfalls empfand ich als sehr authentisch und gut vorstellbar. In diesen Momenten zeigt Fitzek eindeutig seine Stärke.
Mit dem Schreibstil konnte ich mich allerdings nicht anfreunden, vor allem, weil die Geschichte in der dritten Person erzählt wird. Zudem war die Affäre von Philipp mit Emmas bester Freundin früh vorhersehbar und bot kaum Überraschungsmoment. Generell störte mich der immer gleiche Aufbau: Nahezu jede Figur kommt als Täter infrage, nur um kurze Zeit später wieder entkräftet zu werden. Dieses ständige Verdächtigen und Relativieren nimmt dem Buch für mich den Reiz und wirkt zunehmend ermüdend.
Insgesamt fehlt es dem Roman an Originalität. Inhaltlich ist „Das Paket“ kaum von Fitzeks anderen Büchern zu unterscheiden – im Grunde ändern sich nur Zeit, Ort und die Protagonisten, während Struktur und Dramaturgie gleich bleiben. Trotz der Verwirrung in der Handlung entsteht dadurch keine echte Spannung.
Positiv hervorzuheben ist jedoch das Ende des Buches, an dem Fitzek etwas sehr Persönliches von sich preisgibt. Dieser Einblick in den Autor selbst war ein schöner und unerwarteter Abschluss.