Mehr Frust als Finale
Very Bad QueenIch bin mit ziemlich hohen Erwartungen in „Very Bad Queen“ gegangen – und am Anfang wurde ich auch nicht enttäuscht. Endlich wird es brutaler, blutiger, kompromissloser. Gerade Sylvian und Zayn zeigen ...
Ich bin mit ziemlich hohen Erwartungen in „Very Bad Queen“ gegangen – und am Anfang wurde ich auch nicht enttäuscht. Endlich wird es brutaler, blutiger, kompromissloser. Gerade Sylvian und Zayn zeigen endlich diese dunkle, grausame Seite, auf die ich die ganze Zeit gewartet habe. Und Zayn? Ganz ehrlich, sein Irrsinn macht ihn für mich zum spannendsten Antagonisten überhaupt – komplett unberechenbar, komplett drüber, aber genau deshalb so faszinierend.
Auch insgesamt hatte das Buch wieder diesen Sog, der mich dazu gebracht hat, weiterzulesen. Ich wollte unbedingt wissen, wie sich alles entwickelt – vor allem, weil sich die Machtverhältnisse und Beziehungen ständig verschieben.
Aber… je weiter ich gelesen habe, desto mehr hat es angefangen zu bröckeln.
Ein großes Problem für mich war, dass einige zentrale Ereignisse einfach nicht glaubwürdig rüberkamen. Gerade große Konflikte wirkten teilweise zu konstruiert oder zu „einfach“ gelöst. Da hätte ich mir mehr Tiefe und Konsequenz gewünscht.
Auch charakterlich hatte ich so meine Schwierigkeiten. Mable ist für mich über die gesamte Reihe hinweg unsympathisch geblieben – und das hat sich hier nochmal verstärkt. Ihre Überheblichkeit, ihre Naivität und diese Mischung aus Selbstmitleid und toxischem Verhalten waren teilweise echt schwer auszuhalten. Gleichzeitig muss ich sagen: Irgendwie wirkt sie dadurch auch erschreckend realistisch. Gerade wenn man bedenkt, was sie alles durchgemacht hat, ergibt ihr Verhalten auf eine unbequeme Art Sinn – auch wenn es das Lesen nicht unbedingt angenehmer macht.
Was mich ebenfalls gestört hat, waren einige Beziehungsentwicklungen, die sich für mich nicht wirklich nachvollziehbar angefühlt haben. Da fehlte mir einfach die emotionale Grundlage – es wirkte eher wie ein schneller Richtungswechsel als eine echte Entwicklung.
Und dann sind da noch Entscheidungen einzelner Figuren, bei denen ich wirklich nur den Kopf schütteln konnte. Teilweise wirkte es unnötig dramatisch, fast schon erzwungen, nur um bestimmte Wendungen zu erzeugen.
Trotzdem gab es auch Dinge, die ich wirklich mochte: Bestimmte Enthüllungen haben der Geschichte nochmal Schwung gegeben und dafür gesorgt, dass ich dranbleiben wollte. Und ein Charakter ist für mich bis zum Schluss das absolute Highlight geblieben: Romeo. Für mich ist er der eigentliche Kopf hinter allem – ruhig, strategisch, immer ein paar Schritte voraus. Selbst kleine Details an ihm unterstreichen einfach, wie gut seine Figur durchdacht ist.
Was mich am Ende aber wirklich enttäuscht hat, war das Gefühl, dass das ganze Potenzial nicht ausgeschöpft wurde. Die Geschichte hätte so viel intensiver, konsequenter und auch emotional packender sein können. Stattdessen blieb bei mir eher ein gemischtes Gefühl zurück.
Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass ich nicht mehr ganz die Zielgruppe bin – aber ich habe mir einfach mehr erwartet.
Und trotzdem: Es war meine erste längere Buchreihe und allein deshalb wird sie mir im Kopf – und irgendwie auch im Herzen – bleiben. Auch wenn ich mit dem Abschluss nicht ganz zufrieden bin.