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Veröffentlicht am 04.08.2025

Highbury in Farbe – Wie eine störrische Heldin mein Leserherz erobert hat

Emma - Die Graphic Novel nach Jane Austen
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Na gut, ich lehne mich mal weit aus dem Fenster: Emma – Die Graphic Novel ist nicht einfach nur ein Klassiker im neuen Gewand, sondern eine visuelle Liebeserklärung an alle, die Jane Austen schon immer ...

Na gut, ich lehne mich mal weit aus dem Fenster: Emma – Die Graphic Novel ist nicht einfach nur ein Klassiker im neuen Gewand, sondern eine visuelle Liebeserklärung an alle, die Jane Austen schon immer ein bisschen moderner erleben wollten. Man wird von Seite eins an in das kleine Städtchen Highbury katapultiert, wo Emma Woodhouse mit einem Selbstbewusstsein durchs Leben stolziert, das irgendwo zwischen liebenswert überheblich und herrlich naiv pendelt.

Ich dachte eigentlich, ich wüsste, worauf ich mich bei Austen einlasse – Pustekuchen! Claudia Kühn und Tara Spruit haben diesem Klassiker einen Frischekick verpasst, der mich ständig zwischen Schmunzeln, Augenrollen (im besten Sinne) und Staunen schwanken ließ. Die Illustrationen? Pure Augenweide! Farben, Details, Mimik – das ist Regency-Ära trifft Instagram-Ästhetik, aber ohne Filterwahn.

Emma als Kupplerin wider besseres Wissen? Man möchte sie gelegentlich liebevoll schütteln und gleichzeitig für ihren Dickkopf feiern. Dass ich als Leser dazwischen immer wieder selbst zur Erkenntnis gelotst werde, macht den Reiz dieser Graphic Novel aus. Harriet Smith als süß-naiver Wirbelwind und Mr. Knightley als stoischer Ruhepol – die Chemie stimmt, Funken fliegen (manchmal auch quer über die Seiten).

Was mir richtig gefallen hat: Trotz aller Leichtigkeit bleibt der gesellschaftskritische Biss von Austen erhalten. Es ist diese subtile Ironie, die einem in hübschen Panels entgegengrinst und mich mehr als einmal laut lachen ließ. Das Buch nimmt sich selbst nicht zu ernst – und genau deshalb funktioniert es so grandios.

Für Austen-Einsteiger eine perfekte Einstiegsdroge, für Austen-Kenner eine herrlich charmante Neuinterpretation. Wer Romantik mit einem Augenzwinkern mag, kommt an dieser Graphic Novel nicht vorbei. Fazit: Emma? Du bist mir zwar hoffnungslos beratungsresistent – aber ich liebe dich dafür!

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Zwischen Eisschollen und Regenwald – Eine Leseexpedition ins Herz der Klimakrise

Am Kipppunkt
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Klartext: Dieses Buch ist eine absolute Klima-Achterbahnfahrt – und ich saß in der ersten Reihe! Am Kipppunkt von Benjamin von Brackel und Toralf Staud hat mich so gepackt, dass ich gefühlt in den Amazonas-Regenwald ...

Klartext: Dieses Buch ist eine absolute Klima-Achterbahnfahrt – und ich saß in der ersten Reihe! Am Kipppunkt von Benjamin von Brackel und Toralf Staud hat mich so gepackt, dass ich gefühlt in den Amazonas-Regenwald eingewickelt wurde, während mir gleichzeitig arktische Eisschollen um die Ohren flogen. Wer dachte, Kipppunkte wären nur so ein nerdiger Wissenschaftsbegriff, der wird hier eines Besseren belehrt – mit Schmackes.

Die beiden Autoren schaffen es, komplexe Klimaphänomene in eine Art Detektivgeschichte zu verwandeln, bei der Sherlock Holmes vor Neid erblassen würde. Plötzlich wird einem klar, dass diese Kipppunkte keine Zukunftsmusik sind, sondern brandaktuelle Bedrohungen, die sich heimlich, still und leise anschleichen. Und genau das macht es so fesselnd.

Trotz des ernsten Themas bleibt der Humor nicht auf der Strecke. Ich habe beim Lesen tatsächlich öfter gegrinst – was bei einem Buch über den drohenden Klima-Kollaps schon eine Kunst für sich ist. Die Reise zu den globalen Kippelementen ist gespickt mit Anekdoten, die so abgefahren sind, dass man sich fragt, warum das nicht längst alle wissen.

Besonders genial finde ich, dass Brackel und Staud nicht in Weltuntergangsstimmung versinken, sondern auch die positiven Kipppunkte beleuchten – ja, es gibt Hoffnung! Technologien, gesellschaftliche Umbrüche, Menschen, die anpacken. Das Buch liefert keinen erhobenen Zeigefinger, sondern eher einen freundschaftlichen Klaps auf den Hinterkopf: "Komm, beweg dich, es ist noch was drin!"

Was bleibt, ist eine Mischung aus Respekt vor der Natur, Wut über politische Trägheit und dem Gefühl, jetzt wirklich Teil dieses Wettrennens zu sein. Kurz: Wer wissen will, warum die nächsten Jahre entscheidend sind, sollte sich dieses Buch schnappen. Es liest sich wie ein Thriller – nur, dass wir alle mittendrin stecken.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein tierisches Best-of der abgefahrensten Naturtalente

Lebenskünstler
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Manchmal trifft man auf Bücher, die einem das Hirn fröhlich durchkitzeln und gleichzeitig das Herz für die verrückten Wunder der Natur öffnen. Lebenskünstler von Russ Hodge ist genau so ein Buch. Hier ...

Manchmal trifft man auf Bücher, die einem das Hirn fröhlich durchkitzeln und gleichzeitig das Herz für die verrückten Wunder der Natur öffnen. Lebenskünstler von Russ Hodge ist genau so ein Buch. Hier geht’s um Tiere, die Dinge draufhaben, für die Marvel sich schämen würde, weil es zu abgefahren wirkt. Nacktmulle, die blind und ohne jede Verkehrsregel durch ihre Tunnel donnern – und dabei trotzdem Sozialgefüge wie ein Schweizer Uhrwerk haben? Her damit!

Jede Seite ist wie eine Expedition in einen biologischen Zirkus, bei dem man nicht weiß, ob man lachen, staunen oder gleich beides gleichzeitig machen soll. Giraffen mit Hochdruckleitung im Hals, Maulwurf-Damen als muskelbepackte Gladiatorinnen, Bärtierchen als knuddelige Weltraum-Survivor – das liest sich wie ein Best-of der Natur-Avengers. Russ Hodge schafft es, wissenschaftliche Fakten so charmant zu verpacken, dass man denkt, man sitzt mit einem alten Kumpel bei einem Bier, während er einem von den verrücktesten Forschungsmethoden der Welt erzählt.

Und dann kommen noch die Illustrationen von Kat Menschik ins Spiel. Die sind nicht einfach nett anzusehen, die sind Kunst. Jede Zeichnung macht aus den tierischen Freaks kleine Popstars, denen man am liebsten Fanpost schicken möchte.

Man lernt jede Menge, ohne dass es sich nach Lernen anfühlt. Eher wie eine Runde skurriler Anekdoten, die sich aber tief ins Gedächtnis brennen. So ein Buch, das man abends mal kurz aufschlägt und sich dann zwei Stunden später dabei ertappt, wie man überlegt, ob man Bärtierchen als Vorbild für das eigene Leben nehmen sollte. Ein Fest für neugierige Köpfe, die sich gern mal von der Natur zeigen lassen, was wirklich möglich ist.

Lebenskünstler ist für mich der Beweis: Die besten Superhelden tragen kein Cape, sondern haben Borsten, Tentakel oder einfach extrem gute Laune beim Tunnelbuddeln.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Wenn das Sofa zur Traumwelt wird – Unser Buddyread-Finale mit Finn & Co.

Die Traumgänger - Aufruhr in Dunkelion
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Kaum hatten wir das Buch aufgeschlagen, waren wir auch schon drin – und zwar mitten in den wildesten Traumabenteuern, die unser Sofa je erlebt hat. „Die Traumgänger 3“ von Markus Heitz hat uns regelrecht ...

Kaum hatten wir das Buch aufgeschlagen, waren wir auch schon drin – und zwar mitten in den wildesten Traumabenteuern, die unser Sofa je erlebt hat. „Die Traumgänger 3“ von Markus Heitz hat uns regelrecht eingesogen, als wäre unser Wohnzimmer plötzlich Teil von Dunkelion. Meine Tochter hat gleich beschlossen, dass Linus und Sanja ihre neuen besten Freunde sind, während ich mir eher Sorgen gemacht habe, ob ich gegen Mrak überhaupt eine Chance hätte. Spoiler: Eher nicht.

Seite für Seite sind wir zwischen Spannung, Grusel und Lachanfällen hin- und hergeschleudert worden. Wer hätte gedacht, dass eine Traummaschine so viel Chaos anrichten kann? Und wieso zum Henker konnte ich nach dem Kapitel mit dem Buchstrand nicht mehr aufhören, alles laut vorzulesen? Vielleicht, weil meine Tochter mit „Los, Papa, weiter! Das wird gerade episch!“ gequengelt hat.

Isabeau Backhaus hat die Illustrationen so genial in Szene gesetzt, dass wir beide regelmäßig aufhören mussten zu lesen, um sie minutenlang zu bestaunen. „Guck mal, wie fies Mrak da glotzt!“ war einer unserer Lieblingssätze. Die Bilder haben uns so richtig ins Traumland katapultiert.

Am meisten haben uns die Buddy-Momente zwischen Finn, Linus und Sanja gepackt – wir haben fast Wetten abgeschlossen, wer als Erster Mrak eins überbrät. Nebenbei haben wir beschlossen, dass wir auch dringend einen Professor in Buchstrand brauchen, der uns gegen Albtraum-Horden verteidigt. Gibt’s da eine Warteliste?

Das Finale hat uns beide so gepackt, dass selbst das Abendessen warten musste. Man lässt schließlich keine Traumwelt in Trümmern zurück, bloß weil der Timer piept. Jede Seite hat sich angefühlt wie ein kleiner Sieg gegen die Dunkelheit – bis zur letzten, magischen Zeile.

Fazit unseres Buddyreads: Wenn Träume in Gefahr sind, schnappt euch dieses Buch, sperrt die Realität für ein paar Stunden aus und rettet zusammen mit Finn & Co. die Traumwelt. Spannung, Witz und jede Menge Herz inklusive.

5 Sterne von uns beiden – weil weniger einfach nicht fair wäre.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Wenn der Tod an Bord kommt – und der Plot manchmal im Stau steht

Vorsehung
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Flugmodus an, Realität aus – dachte ich zumindest, als ich „Vorsehung“ aufgeschlagen habe. Statt turbulenter Höhenflüge gab’s dann erstmal eine alte Dame, die im Flugzeug Todesurteile verteilt wie Erdnüsse. ...

Flugmodus an, Realität aus – dachte ich zumindest, als ich „Vorsehung“ aufgeschlagen habe. Statt turbulenter Höhenflüge gab’s dann erstmal eine alte Dame, die im Flugzeug Todesurteile verteilt wie Erdnüsse. Da bleibt einem das Lächeln im Duty-Free-Bereich stecken. Klingt nach einem absoluten Pageturner, oder? Tja, ist es irgendwie auch – nur nicht so, wie ich es erwartet habe.

Der Einstieg war grandios: skurril, spannend, richtig schön morbid. Doch dann dümpelt die Story ein wenig wie ein Langstreckenschwimmer ohne Zielflagge dahin. Man spürt, dass Liane Moriarty philosophisch werden will – Schicksal, freier Wille, der ganze Kram – aber manchmal wirkt das eher wie ein Therapiekreis auf Valium.

Die Figuren? Durchaus charmant, aber nicht alle schaffen es, sich aus ihrer Stereotypen-Wolke zu befreien. Besonders schade: Die alte Lady, die das Potenzial zur Kultfigur gehabt hätte, wird später etwas zu oft in den Hintergrund gedrängt. Dabei hätte ich mit der Dame locker noch ein paar Kapitel verbringen können.

Humor hat das Buch auf jeden Fall – teils herrlich schwarzhumorig, teils eher so „ach, nett gemeint“. Es gibt Szenen, da lacht man laut los, nur um drei Seiten später von einer überladenen Lebensweisheit erschlagen zu werden.

„Vorsehung“ ist wie eine Tüte gemischte Bonbons: Man zieht was raus, manchmal süß, manchmal sauer, ab und zu aber auch ein Stück Karamell, das einem zwischen den Zähnen hängen bleibt. Der Roman will viel – Spannung, Humor, Tiefgang – doch manchmal verzettelt er sich dabei ein bisschen.

Für Fans von ungewöhnlichen Geschichten mit einem Hauch Existenzialismus definitiv einen Blick wert. Für alle, die auf durchgehend packende Spannung hoffen, könnte es zwischendurch eine kleine Geduldsprobe werden.

Solide Unterhaltung mit kreativer Grundidee, aber eben auch mit Luft nach oben. Drei Sterne, weil der Mut zur Skurrilität definitiv belohnt werden muss.

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