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Veröffentlicht am 25.07.2025

Ein Baum, der Erinnerungen frisst – und Herzen wärmt

Der Baum der verborgenen Erinnerungen
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Also, wenn mir vor ein paar Wochen jemand gesagt hätte, dass ich freiwillig ein Buch über einen hohlen Baum in einem Shinto-Schrein lese, hätte ich laut gelacht und weiter meine Krimis verschlungen. Aber ...

Also, wenn mir vor ein paar Wochen jemand gesagt hätte, dass ich freiwillig ein Buch über einen hohlen Baum in einem Shinto-Schrein lese, hätte ich laut gelacht und weiter meine Krimis verschlungen. Aber Keigo Higashino hat es geschafft, mich mit Der Baum der verborgenen Erinnerungen in eine ganz andere Welt zu ziehen – und ich sag’s euch: Dieser Baum hat’s faustdick hinter der Rinde!

Die Idee allein ist schon ein Knaller: Man stapft bei Neumond in diesen Schrein, zündet eine Kerze an, flüstert dem Baum eine Erinnerung ins Holz – und zack, das Leben eines Familienmitglieds kann sich ändern. Magisch, oder? Und keine Sorge, das klingt kitschiger als es ist. Higashino verpackt das Ganze mit so viel Herz und japanischem Feingefühl, dass man gar nicht anders kann, als sich selbst zu fragen, welche Erinnerung man da wohl loswerden würde.

Der junge Reito, der erstmal gar nichts von dem Zauberbaum weiß, ist mir mit seiner neugierigen Art direkt ans Leserherz gewachsen. Man merkt richtig, wie er an seinen Erlebnissen wächst – ohne, dass es zu esoterisch wird. Auch die Geschichten der anderen Familien, die sich nach und nach wieder zusammenraufen, haben mich gepackt, ohne mir den Zuckerschock zu verpassen.

Natürlich ist das alles nicht Actionkino, eher eine literarische Tasse Tee mit einem Schuss Wunder. Wer hier Spannung à la Thriller sucht, wird wahrscheinlich enttäuscht in den Baum reinschreien. Aber wer sich auf die leisen Töne einlässt, kriegt eine wunderschöne, leicht melancholische Geschichte mit viel Wärme zurück.

Warum keine fünf Sterne? Na ja, an ein, zwei Stellen hat der gute Herr Higashino die Erzähltempo-Bremse etwas zu fest getreten. Da wollte ich ihm rufen: „Jetzt aber Hopp, ich hab nicht ewig Zeit!“ Trotzdem – das Gefühl, am Ende das Buch mit einem zufriedenen Seufzer zuzuklappen, war da. Und das zählt.

Fazit: Ein Buch wie eine sanfte Brise – die einen manchmal kitzelt, manchmal zum Nachdenken bringt, aber immer angenehm ist. Vier Sterne von mir, und wer weiß, vielleicht flüstere ich auch mal meine eigene Erinnerung in einen Baum.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Saphirblau gelesen, gelacht, geliebt – Vater-Tochter-Lesezeit deluxe

Liebe geht durch alle Zeiten (2). Saphirblau
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Also ehrlich, wer hätte gedacht, dass ein Buddyread mit meiner Tochter in einem Zeitsprung-Chaos endet? Ich jedenfalls nicht. Aber „Saphirblau“ hat uns voll reingezogen – und ich meine wirklich reingezogen. ...

Also ehrlich, wer hätte gedacht, dass ein Buddyread mit meiner Tochter in einem Zeitsprung-Chaos endet? Ich jedenfalls nicht. Aber „Saphirblau“ hat uns voll reingezogen – und ich meine wirklich reingezogen. Während ich noch versuchte, mich im Stammbaum der Zeitreisenden zurechtzufinden, war meine Tochter schon damit beschäftigt, Gwenny und Gideon zu shippen, als gäbe es kein Morgen. (Oder kein Gestern. Oder was auch immer, Zeitreisen halt.)

Das Beste: Wir haben uns ständig über Gideons „Ich bin cool, aber eigentlich total verknallt“-Nummer kaputtgelacht. Ich habe ihn irgendwann „den wandelnden Mood-Swing“ getauft, was meine Tochter natürlich sofort aufgegriffen hat. Bei jedem Kapitelwechsel haben wir Wetten abgeschlossen, ob er sie jetzt küsst oder wieder in den Beziehungs-Iglu abtaucht.

Und Gwenny? Die ist einfach herrlich normal-chaotisch. Während ich noch überlegte, ob ich das Menuett-Tanzen wohl in meinem Alter hinkriegen würde, lag meine Tochter schon wieder halb lachend auf dem Sofa, weil Gwenny mit ihrer besten Freundin Xemerius (ja, ein sprechender Wasserspeier!) über Jungs und Geheimlogen philosophiert.

Die Mischung aus frechen Sprüchen, historischer Etikette (was für ein Fremdwort in unserem Haushalt!) und diesem ganzen „Ich-will-ja-nicht-verliebt-sein-aber-ich-bin-es-halt“-Drama hat uns echt gecatcht. Besonders cool fanden wir die Perspektivenwechsel und das Bonusmaterial – Gideons Sicht war bei uns großes Kino.

Jedes Mal, wenn wir das Buch zur Seite legten, mussten wir uns erstmal sortieren: „Und wem vertrauen wir jetzt? Dem Grafen? Gideon? Oder vielleicht doch der Busfahrerin von gestern?“ Es blieb bis zum Schluss spannend und witzig.

Kurzum: Saphirblau hat unsere Couch zum Zeitreise-Portal gemacht. Für meine Tochter das perfekte Buch zum Mitfiebern, für mich der perfekte Beweis, dass Young Adult auch für Erwachsene verdammt viel Spaß macht – besonders im Buddyread-Modus!

5 Sterne, weil Zeitreisen, Intrigen und ganz viel Herz einfach immer gehen.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Wenn Feuer spucken nicht klappt, macht man’s eben anders – Danke, Furzipups!

Furzipups, der Knatterdrache (Bd. 1)
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Wer braucht schon Feuer, wenn man auch mit einem ordentlichen Knatterfurz Eindruck machen kann? Ich habe Furzipups, der Knatterdrache eigentlich „nur mal kurz“ mit meinem Sohn durchblättern wollen – und ...

Wer braucht schon Feuer, wenn man auch mit einem ordentlichen Knatterfurz Eindruck machen kann? Ich habe Furzipups, der Knatterdrache eigentlich „nur mal kurz“ mit meinem Sohn durchblättern wollen – und zack, da saßen wir, prustend vor Lachen, und haben uns durch die Seiten gepupst. Kai Lüftner hat’s einfach drauf, Reime zu schreiben, die direkt ins Zwerchfell gehen. Und Wiebke Rauers? Die hat einen kleinen Drachen gemalt, den ich am liebsten adoptieren würde (obwohl ich eigentlich keinen Drachen wollte, der mein Wohnzimmer akustisch verwüstet).

Die Geschichte ist so herrlich schräg, dass man beim Vorlesen zwischendurch Luft holen muss, um den nächsten Lachanfall zu überstehen. Furzipups will ein richtiger Drache sein – mit Feuer und allem Pipapo – aber es kommt halt… anders raus. Und genau das macht ihn so verdammt sympathisch. Ich habe selten ein Kinderbuch erlebt, das so frech, aber gleichzeitig mit so viel Herz daherkommt.

Das Beste (und Schlimmste zugleich): Dieser Pups-Button! Mein Sohn hat ihn nach jedem zweiten Satz gedrückt. Ich sage mal so: Der Familienabend war gerettet, aber unser Hund ist seitdem dezent verstört. Trotzdem – oder gerade deswegen – liebe ich dieses Buch. Es zeigt auf witzige Art, dass man auch mit „Pups-Power“ seinen Platz in der Welt finden kann.

Furzipups, der Knatterdrache ist für mich jetzt schon ein Klassiker. Ein Buch, das man nicht still und leise vorliest, sondern mit einem lauten Pröööt, einem breiten Grinsen und einer gehörigen Portion Quatsch im Kopf. Klare Sache: 5 Sterne, weil mehr leider nicht gehen!

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Mit Paulus auf Reisen – Kindgerechte Bibelgeschichte zum Erleben und Staunen

Paulus - Sagt es der ganzen Welt
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Was für ein wunderschön gestaltetes Buch! „Paulus – Sagt es der ganzen Welt!“ hat mich wirklich begeistert – nicht nur als Vater, sondern auch als jemand, der sich schon lange mit den Geschichten der Bibel ...

Was für ein wunderschön gestaltetes Buch! „Paulus – Sagt es der ganzen Welt!“ hat mich wirklich begeistert – nicht nur als Vater, sondern auch als jemand, der sich schon lange mit den Geschichten der Bibel beschäftigt. Dieses BOOKii-Buch schafft es auf ganz besondere Weise, die spannende Lebensreise des Apostels Paulus für Kinder erlebbar zu machen. Die Kombination aus Bildern, Geräuschen, Liedern und interaktiven Inhalten ist einfach gelungen.

Gerade für den Kindergottesdienst ist dieses Buch ein echter Schatz. Die Kinder tauchen förmlich ein in die Zeit der ersten Christen: Sie hören den Sturm auf dem Meer, staunen über die antiken Städte und begleiten Paulus durch Höhen und Tiefen – von Damaskus bis Rom. Besonders die Lieder mit Ohrwurmcharakter sind wunderbar geeignet, um Themen auch emotional zu vertiefen und nachhaltig im Gedächtnis zu behalten.

Die Illustrationen von Mousam Banerjee sind liebevoll und detailreich, und die Ausklappseiten sorgen immer wieder für große Augen. Es macht Freude, gemeinsam mit Kindern zu entdecken, zu hören und zu staunen – und dabei ganz nebenbei auch noch wichtige biblische Inhalte zu vermitteln. 

Was mir besonders gefällt: Das Buch spricht Kinder auf Augenhöhe an, ohne die Tiefe der biblischen Botschaft zu verlieren. Es weckt Neugier, regt Gespräche an und vermittelt auf kindgerechte Weise die frohe Botschaft, die Paulus in alle Welt getragen hat.

Ein rundum gelungenes Werk, das ich sowohl für Familien als auch für die Gemeindearbeit wärmstens empfehlen kann. So wird die Bibel lebendig – zum Hören, Mitmachen und Staunen.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Zylinder, Zoff und Zunder – ein Krimi der besonderen Art

Holmes & Moriarty
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Wenn mir jemand vor ein paar Wochen gesagt hätte, dass ich freiwillig ein Buch lese, in dem Sherlock Holmes und Professor Moriarty zusammenarbeiten, hätte ich laut gelacht und den Tee verschüttet. Aber ...

Wenn mir jemand vor ein paar Wochen gesagt hätte, dass ich freiwillig ein Buch lese, in dem Sherlock Holmes und Professor Moriarty zusammenarbeiten, hätte ich laut gelacht und den Tee verschüttet. Aber hier bin ich – völlig begeistert von diesem absurden, herrlich verdrehten Abenteuer!

Gareth Rubin hat da wirklich was Feines aus der Baker Street gezaubert. Holmes ist gewohnt spitzfindig, Watson leicht überfordert (wie immer), und Moriarty? Der ist hier fast schon charmant – also auf seine skrupellose, leicht psychopathische Art. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal beim Lesen Sympathie für diesen Schurken entwickle. Der Mann hat Stil. Und einen verdammt trockenen Humor.

Die Geschichte beginnt ganz harmlos mit einem Schauspieler und einem Publikum, das sich aufführt wie ein Kostümball auf Speed. Und dann? Zack – Mord, Verschwörung, Verfolgungsjagden und ein geheimer Strippenzieher, der Holmes und Moriarty fast an die Wand spielt. Ich kam beim Lesen kaum zum Durchatmen, was aber nicht schlimm war – ich hatte eh zu viel Kaffee intus.

Was mir besonders gefallen hat: Die Dialoge! Die strotzen nur so vor Witz, Boshaftigkeit und brillantem Schlagabtausch. Es ist wie ein intellektuelles Boxduell mit Zylinder und Monokel. Man merkt, dass Rubin den Geist von Conan Doyle ehrt, aber gleichzeitig mutig neue Wege geht. Respekt!

Klar, manches ist ein bisschen drüber, ein paar Zufälle sehr… naja, zufällig. Aber bei dem Tempo und dem Spaßfaktor drück ich da gern ein Auge zu – oder beide, wenn Watson wieder mal mit einem Schirm wedelt. Wer klassische Detektivgeschichten liebt, aber auch mal über sich selbst lachen kann, ist hier goldrichtig.

Fazit: Skurril, rasant, clever – und eine wunderbare Hommage an zwei der größten Gegenspieler der Literaturgeschichte. Vier glühende Sternchen von mir – mit einer ordentlichen Portion Theaterschminke obendrauf.

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