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Veröffentlicht am 21.07.2025

Zwischen Genie und Abgrund – ein Leben auf der Rasierklinge

Thomas Mann
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Ich dachte ja, ich wüsste schon einiges über Thomas Mann – Buddenbrooks, Zauberberg, Schnauzer, Krawatte, bürgerliche Würde deluxe. Tja. Denkste. Tilmann Lahme hat mit dieser Biografie das literarische ...

Ich dachte ja, ich wüsste schon einiges über Thomas Mann – Buddenbrooks, Zauberberg, Schnauzer, Krawatte, bürgerliche Würde deluxe. Tja. Denkste. Tilmann Lahme hat mit dieser Biografie das literarische Porzellanservice einmal komplett vom Tisch gefegt und durch ein sehr viel spannenderes, menschlicheres ersetzt. Ich hab das Buch regelrecht gefressen – und zwar mit Wonne!

Hier geht’s nicht nur um den Literaturgott, sondern auch um den Mann hinter der Maske: einer, der mit sich selbst mehr Ringen veranstaltet hat als jeder griechische Halbgott in der Antike. Lahme serviert keine trockene Kost, sondern ein prall gefülltes Buffet aus privaten Abgründen, schrägen Familienkonstellationen und einer inneren Zerrissenheit, die fast schon romantisch ist – wenn sie nicht so weh tun würde.

Ich meine: Mann liebt Männer, aber darf nicht. Mann heiratet Katia, hat sechs Kinder (sechs!!), schreibt Weltliteratur im Halbschlaf, flüchtet vor Hitler, wird im Weißen Haus empfangen – und ist trotzdem nie wirklich angekommen. Diese Mischung aus Genie und tragischem Held liest sich wie ein Roman, nur dass alles wahr ist. Und Lahme kriegt das Kunststück hin, das alles weder anbiedernd noch akademisch trocken zu erzählen. Stattdessen haut er einem mit feiner Klinge die Wahrheit um die Ohren.

Besonders cool fand ich die Einblicke in die unveröffentlichten Briefe und Tagebuchstellen – da geht's wirklich ans Eingemachte. Und dann noch Susan Sontag aus dem Off – das ist wie Bonusmaterial bei einem richtig guten Film. Was bleibt? Ich hab Thomas Mann nach diesem Buch mehr verstanden, mehr bewundert und auch mehr bemitleidet. Ein Mensch aus Widersprüchen, Sehnsüchten, Anstand und Schmerz.

Fazit: Diese Biografie ist wie Thomas Manns literarisches Innenleben auf Speed – klug, schräg, herzzerreißend und mit einem überraschend hohen Unterhaltungswert. Lahme hat nicht nur recherchiert, er hat gegraben. Und gefunden. Ich bin begeistert. Fünf Sterne – ohne Wenn und Aber.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Albträume? Pff! Wir haben Kiki, Lilian und Katzenpower!

Dream Keeper (Band 2) - Das Bündnis der Zwillingssterne
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Ich dachte ja, ich bin zu alt für Traumkünstler, Katzenmagie und Albschatten – aber Pustekuchen! Kaum fingen meine Tochter und ich mit dem Lesen an, waren wir sowas von im Bann, dass sogar unsere echte ...

Ich dachte ja, ich bin zu alt für Traumkünstler, Katzenmagie und Albschatten – aber Pustekuchen! Kaum fingen meine Tochter und ich mit dem Lesen an, waren wir sowas von im Bann, dass sogar unsere echte Katze beleidigt abgezogen ist. Die hat vermutlich gespürt, dass Kiki und ihr schwarzer Kater viel mehr Style haben als sie.

Der Anfang? Zack – mitten rein ins Traumchaos. Und während ich noch versucht habe, zu verstehen, wer jetzt was verwandelt, hat meine Tochter mich mit einem “Boah Papa, das ist voll episch!” auf Trab gehalten. Kiki ist einfach cool. Mutig, ein bisschen chaotisch – und ständig auf Abenteuerkurs. Genau unser Ding.

Richtig Spaß gemacht hat’s, als Lilian mit ihrer weißen Katze aufgetaucht ist. Da ging bei uns gleich das Spekulieren los: “Papa, meinst du, die kann auch träumen?” – “Safe! Und vielleicht besser als Kiki!” – “Nie im Leben!” – So ging’s bei jedem Kapitel weiter.

Die Idee mit den Zwillingssternen und dem Traumreich ist abgefahren, aber clever gestrickt. Wir haben uns abends regelrecht um die Vorlesestimme gestritten. Ich hab natürlich gewonnen. Angeblich.

Zwischendurch war es auch mal richtig düster – da hat meine Tochter kurz den Kater zum Schutz auf den Schoß genommen. Ich hingegen hab heldenhaft weitergelesen. Mit Gänsehaut, versteht sich. Die Albschatten sind schon fies drauf.

Und dann diese Schwarz-Weiß-Illustrationen – wow! Wir haben bei jeder neuen Zeichnung erstmal Pause gemacht und die halbe Geschichte nochmal durchgekaut.

Das Bündnis der Mädels (und Katzen) hat uns beide abgeholt. Es ist witzig, tiefgründig, ein bisschen verrückt – wie ein Traum, aus dem man gar nicht aufwachen will.

Am Ende saßen wir nebeneinander auf dem Sofa, Buch zugeklappt, Augen groß: “Wie jetzt? Schon vorbei?” – Ja. Und Band 3 kann gar nicht schnell genug kommen!

Fazit: Magisch, spannend, richtig gut zum Gemeinsam-Lesen – oder Allein-Weiterlesen, wenn der andere schon schläft (hab ich natürlich nie gemacht. Hust).

Fünf Traumsterne von uns!

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Ein Buch wie ein Sommerregen auf heißem Asphalt

Tage wie Salzwasser
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Manchmal stolpert man nicht nur in eine Geschichte rein – man knallt volle Kanne mittenrein, wie Atlanta in Enza. Und zack: Ich war drin. In einem Buch, das so leise daherkommt, dass es einem das Herz ...

Manchmal stolpert man nicht nur in eine Geschichte rein – man knallt volle Kanne mittenrein, wie Atlanta in Enza. Und zack: Ich war drin. In einem Buch, das so leise daherkommt, dass es einem das Herz ganz nebenbei weichklopft. Keine plumpen Dramen, kein Kitschgewitter – sondern echte Gefühle, in Sätzen, die fast ein bisschen schmecken wie Zitronensorbet mit einem Schuss Espresso: frisch, bitter und belebend. Atlanta, Mathematikerin mit emotionalem Wackelkompass, trifft auf Enza, die lieber zu Hause bleiben würde, aber aus Liebe losfährt. Zwei Frauen, zwei gebrochene Leben – und eine alte Honda Rebel, die fast so viele Kilometer frisst wie mein Kopf beim Lesen Gedanken.

Ich hab gelacht, geschluckt, geseufzt und mich dann wieder in einen Satz verliebt. Maltes geheimnisvolle Notizbuch-Orte? Großes Kino. Der Roadtrip durch halb Europa? Ein Ritt durch Schmerz, Hoffnung und Pizza Margherita. Und irgendwo zwischen Frankfurt, Marseille und dem staubigen Noto habe ich gemerkt: Dieses Buch erzählt nicht, es atmet.

Sita Maria Frey schreibt, als würde sie Sonnenlicht einfrieren und zwischen die Seiten streuen. Leicht, aber mit Tiefe. Komplex, aber nicht kompliziert. Und immer wieder dachte ich: Wow, so kann man also auch über Verlust, Vergebung und Neubeginn erzählen, ohne in die Pathosfalle zu tappen.

Pflichtlektüre für alle, die schon mal weglaufen wollten – und dann an einem Ort ankamen, den sie nie gesucht, aber dringend gebraucht haben.

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Veröffentlicht am 19.07.2025

Auf Schatzsuche mit Keks, Kompass und jeder Menge Chaos

Ich, Captain Hook, und die verfluchte Schatzinsel – Wilde Piraten erzählen
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Ahoi und volle Segel voraus! Dieses Buch hat uns – mich und meine Tochter – direkt ins Piratenfieber gestürzt. Ich sag’s mal so: Wir haben beim Lesen mehr gekichert als ein betrunkener Papagei auf Rumpunsch. ...

Ahoi und volle Segel voraus! Dieses Buch hat uns – mich und meine Tochter – direkt ins Piratenfieber gestürzt. Ich sag’s mal so: Wir haben beim Lesen mehr gekichert als ein betrunkener Papagei auf Rumpunsch. Schon nach den ersten Seiten hat meine Tochter verkündet, sie will jetzt auch Piratin werden. Und ich? Ich hab mich heimlich beim Lesen im Spiegel angeschaut und überlegt, ob mir ein Holzbein stehen würde.

Wir haben uns die Kapitel aufgeteilt wie echte Crewmitglieder – mal war sie Captain, mal ich. Besonders Herbert Hook hat’s uns angetan – so ein knochentrockener Haudegen mit Herz und Hakenhand. Und Jenny? Die hat meiner Tochter glatt den Rang als clevere Meuterin abgelaufen. Ich hab ständig versucht, Billy Hornbeam so cool vorzulesen wie möglich, aber meine Tochter hat mich jedes Mal ausgelacht – “Papa, du klingst wie ein müder Seemann auf Valium!”

Der Mix aus schrägen Figuren, spannenden Wendungen und dieser leicht überdrehten Schatzsuche hat uns komplett mitgerissen. Wir haben beim Lesen diskutiert, gelacht, Theorien aufgestellt (“Ich wette, die Karte ist gefälscht!” – “Quatsch, Papa, das ist ein geheimer Code!”) und uns gefühlt wie zwei Abenteurer auf dem Sofa statt auf See. Die frechen Illustrationen haben uns oft zum Lachen gebracht – und einmal hätte ich fast meinen Tee über die Seite gespuckt (ausgerechnet beim Kakaokeks-Dialog, aber mehr wird nicht gespoilert!).

Und dann noch dieser herrlich schräge Sachteil über echte Piraten – meine Tochter hat den sofort verschlungen und mir später erklärt, warum Störtebeker heute nicht mehr auf TikTok wäre. Also ehrlich: Wenn Geschichte immer so erzählt würde, hätte ich damals in der Schule freiwillig in der ersten Reihe gesessen!

Fazit: Dieses Buch ist wie ein Schatz – man findet nicht nur Gold, sondern auch eine Menge Spaß, Wortwitz und Abenteuerlust. Für unser Vater-Tochter-Team war das ein Buddyread mit Kanonendonner!

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Veröffentlicht am 19.07.2025

Blut, Biss und bittersüße Liebe – ein Vampirtrip durch die Jahrhunderte

Bury Our Bones in the Midnight Soil
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Ich wollte nur ein bisschen blutige Unterhaltung – und was bekomme ich? Eine episch-düstere Achterbahnfahrt durch fünf Jahrhunderte, in der mir Vampirzähne, Liebesdramen und Gänsehaut wie Pfeile ins Hirn ...

Ich wollte nur ein bisschen blutige Unterhaltung – und was bekomme ich? Eine episch-düstere Achterbahnfahrt durch fünf Jahrhunderte, in der mir Vampirzähne, Liebesdramen und Gänsehaut wie Pfeile ins Hirn jagen. V. E. Schwab hat mich mit „Bury Our Bones in the Midnight Soil“ komplett eingesogen – im wahrsten Sinne.

Drei Frauen, drei Epochen, ein roter Faden aus Blut, Sehnsucht und ziemlich viel Chaos. Maria? Herzzerreißend tragisch. Charlotte? Eine Mischung aus Bonnie, Clyde und Anne Rice auf Espresso. Und Alice? Die moderne Queen of „What the hell is happening to me?“ – absolut herrlich.

Der Stil ist poetisch, aber nie kitschig, düster, aber nicht deprimierend, und gleichzeitig so bildgewaltig, dass ich mich mehrfach beim Stirnrunzeln erwischt habe, weil ich in der U-Bahn plötzlich mitten in einem gotischen Albtraum gelandet bin. Danke auch.

Was ich besonders liebe: Das Buch ist brutal romantisch – oder romantisch brutal? Ich weiß es nicht mehr. Aber es kratzt, beißt, küsst und lässt einen nicht mehr los. Keine Glitzervampire, sondern echte Raubtiere mit Herz, Charisma und inneren Abgründen, tief wie das Mittelmeer.

Die Übersetzung von Petra Huber und Sara Riffel ist übrigens kein bloßes Sprachtransplantat, sondern fühlt sich an, als wäre das Original direkt auf Deutsch geschrieben worden – großes Lob!

Am Ende war ich verliebt. In alle drei. Und ein bisschen in die Autorin. Dieses Buch ist wie ein bittersüßer Biss in den Hals: schmerzhaft, berauschend und verdammt schwer zu vergessen.

Mehr davon. Und zwar schnell. Bevor ich mir selbst einen Grabstein mit Leuchtschrift schnitze.

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