Blutige Dornen statt vollkommener Rosen
Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain„Wenn man sich auf einen Handel mit einer Fae einlässt, muss man bereit sein, den Preis z zahlen. Aber ausnahmsweise ist die unglückliche Lage der Bentons für mich von Vorteil. Denn ich habe nichts zu ...
„Wenn man sich auf einen Handel mit einer Fae einlässt, muss man bereit sein, den Preis z zahlen. Aber ausnahmsweise ist die unglückliche Lage der Bentons für mich von Vorteil. Denn ich habe nichts zu verlieren.“ (Seite 41)
Ich wollte das Buch unbedingt lesen und mögen (es sieht mit dem Rosenfarbschnitt auch echt schön aus). Das Setting hatte mich sofort angesprochen. Die Regency-Atmosphäre like Bridgerton in einem London von 1848. Dazu bekommen wir noch Fae, zwei Prinzen, Pakte mit der Königin und sehr viel Drama.
In erster Linie gilt, für Romantasy-Vielleser ist das nichts wirklich Neues. Bekannte Tropes sind verknüpft mit Handlungssträngen, die vertrauten Mustern folgen. Ich sage nur, das obligatorische einzige freie Zimmer, mit natürlich nur einem Bett, zum Übernachten. Und dann gibt es da noch den Wettstreit unter den Mädchen, welche um die Gunst des Kronprinzen Bram kämpfen (like Selection). Dennoch konnte mich die Geschichte berühren und hat mich an einigen Stellen ein wenig schockiert. Das Ende beschert uns einen Cliffhanger, so dass man sehnsüchtig auf Teil 2 wartet.
Mir gefiel das Worldbuilding und der eher bildhafte und atmosphärische Schreibstil, besonders hierbei ist, dass wir das Buch aus mehreren Perspektiven erzählt bekommen. Dabei dürfen wir als Leser auch einen Blick in die Innenwelt der anderen Mädels werfen. Was besonders heraussticht ist, dass die Fae hier eher klassisch dargestellt werden. Grausam, ungreifbar und trickreich, welche den Menschen Streiche spielen. Das Konzept der angeblich vortrefflichen Handel hat einen bitteren Beigeschmack, denn jeder Handel mit der Fae-Königin Moryen fordert seinen Tribut. Hierbei ist besonders Ivys Mutter eine zutiefst tragische Figur, die für ein perfektes Gedächtnis die Kuppe ihres kleinen Fingers opfern musste. Bereits zu Beginn merkt man wie Düster die Geschichte ist. Die Aufgaben der Debütantinnen sind grausam und werden immer brutaler. Gegen Ende spitzt sich die Geschichte zu und erinnert an eine “Wilde Jagd”, dabei sind hier wirklich gute Plot Twists versteckt, die viele Leser sicherlich überraschen, welche noch nicht viel in dem Genre gelesen haben.
Insgesamt gefiel mir The Rose Bargain richtig gut, aber trotz der starken Dynamik hat das Buch kleinere Schwächen, weshalb es für mich nur für 4 Sterne gereicht hat. Ich mochte Ivy als Prota sehr gerne. Sie ist stark, ehrgeizig und mutig. Auch die Dialoge/ Schlagabtausche mit Emmett und ihr habe ich sehr genossen, love it.
“Ich habe ein Messer”, flüstere ich panisch. [...] “Und damit wollen Sie mich erdolchen?” “Kommt drauf an.” “Und worauf?” (Seite 20)
Man spürt Ivys Motivation, ihre in Ungnade gefallene Familie nach dem mysteriösen Verschwinden ihrer Schwerster Lydia vor dem finanziellen Ruin zu retten, deutlich. Gerade diese Intention macht sie so greifbar und authentisch.
Die Romance dagegen habe ich nicht zu 100 Prozent gefühlt. Sie wirkte mir doch ein wenig zu aufgesetzt. Einfach ein dramaturgisches Mittel, um die Geschichte voranzutreiben. Das Miteinander der Kandidatinnen war super abwechslungsreich und hat viel Spannung erzeugt. Bram und Emmett waren sehr unterschiedliche Love Interests. Bram blieb ein wenig unnahbar und nicht wirklich durschaubar, nach außen der liebevolle Kronprinz, jedoch sehr unentschlossen in seinen Entscheidungen. Emmett schien der typische Rebell zu sein, hat sich aber schnell in mein Herz geschlichen.
Fazit: The Rose Bargain ist eine wirklich gut erzählte Romantasy mit ein bisschen spice und einer düsteren packenden Atmosphäre. Trotz kleiner Schwächen ist es wirklich gut und bietet einen fesselnden Mix aus historischem Charme und eher dunkler Romantasy. Band 2 muss her!!!
⭐⭐⭐⭐