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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.07.2026

Blutige Dornen statt vollkommener Rosen

Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain
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„Wenn man sich auf einen Handel mit einer Fae einlässt, muss man bereit sein, den Preis z zahlen. Aber ausnahmsweise ist die unglückliche Lage der Bentons für mich von Vorteil. Denn ich habe nichts zu ...

„Wenn man sich auf einen Handel mit einer Fae einlässt, muss man bereit sein, den Preis z zahlen. Aber ausnahmsweise ist die unglückliche Lage der Bentons für mich von Vorteil. Denn ich habe nichts zu verlieren.“ (Seite 41)


Ich wollte das Buch unbedingt lesen und mögen (es sieht mit dem Rosenfarbschnitt auch echt schön aus). Das Setting hatte mich sofort angesprochen. Die Regency-Atmosphäre like Bridgerton in einem London von 1848. Dazu bekommen wir noch Fae, zwei Prinzen, Pakte mit der Königin und sehr viel Drama.

In erster Linie gilt, für Romantasy-Vielleser ist das nichts wirklich Neues. Bekannte Tropes sind verknüpft mit Handlungssträngen, die vertrauten Mustern folgen. Ich sage nur, das obligatorische einzige freie Zimmer, mit natürlich nur einem Bett, zum Übernachten. Und dann gibt es da noch den Wettstreit unter den Mädchen, welche um die Gunst des Kronprinzen Bram kämpfen (like Selection). Dennoch konnte mich die Geschichte berühren und hat mich an einigen Stellen ein wenig schockiert. Das Ende beschert uns einen Cliffhanger, so dass man sehnsüchtig auf Teil 2 wartet.

Mir gefiel das Worldbuilding und der eher bildhafte und atmosphärische Schreibstil, besonders hierbei ist, dass wir das Buch aus mehreren Perspektiven erzählt bekommen. Dabei dürfen wir als Leser auch einen Blick in die Innenwelt der anderen Mädels werfen. Was besonders heraussticht ist, dass die Fae hier eher klassisch dargestellt werden. Grausam, ungreifbar und trickreich, welche den Menschen Streiche spielen. Das Konzept der angeblich vortrefflichen Handel hat einen bitteren Beigeschmack, denn jeder Handel mit der Fae-Königin Moryen fordert seinen Tribut. Hierbei ist besonders Ivys Mutter eine zutiefst tragische Figur, die für ein perfektes Gedächtnis die Kuppe ihres kleinen Fingers opfern musste. Bereits zu Beginn merkt man wie Düster die Geschichte ist. Die Aufgaben der Debütantinnen sind grausam und werden immer brutaler. Gegen Ende spitzt sich die Geschichte zu und erinnert an eine “Wilde Jagd”, dabei sind hier wirklich gute Plot Twists versteckt, die viele Leser sicherlich überraschen, welche noch nicht viel in dem Genre gelesen haben.

Insgesamt gefiel mir The Rose Bargain richtig gut, aber trotz der starken Dynamik hat das Buch kleinere Schwächen, weshalb es für mich nur für 4 Sterne gereicht hat. Ich mochte Ivy als Prota sehr gerne. Sie ist stark, ehrgeizig und mutig. Auch die Dialoge/ Schlagabtausche mit Emmett und ihr habe ich sehr genossen, love it.

“Ich habe ein Messer”, flüstere ich panisch. [...] “Und damit wollen Sie mich erdolchen?” “Kommt drauf an.” “Und worauf?” (Seite 20)

Man spürt Ivys Motivation, ihre in Ungnade gefallene Familie nach dem mysteriösen Verschwinden ihrer Schwerster Lydia vor dem finanziellen Ruin zu retten, deutlich. Gerade diese Intention macht sie so greifbar und authentisch.

Die Romance dagegen habe ich nicht zu 100 Prozent gefühlt. Sie wirkte mir doch ein wenig zu aufgesetzt. Einfach ein dramaturgisches Mittel, um die Geschichte voranzutreiben. Das Miteinander der Kandidatinnen war super abwechslungsreich und hat viel Spannung erzeugt. Bram und Emmett waren sehr unterschiedliche Love Interests. Bram blieb ein wenig unnahbar und nicht wirklich durschaubar, nach außen der liebevolle Kronprinz, jedoch sehr unentschlossen in seinen Entscheidungen. Emmett schien der typische Rebell zu sein, hat sich aber schnell in mein Herz geschlichen.

Fazit: The Rose Bargain ist eine wirklich gut erzählte Romantasy mit ein bisschen spice und einer düsteren packenden Atmosphäre. Trotz kleiner Schwächen ist es wirklich gut und bietet einen fesselnden Mix aus historischem Charme und eher dunkler Romantasy. Band 2 muss her!!!



⭐⭐⭐⭐

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Veröffentlicht am 30.06.2026

Ist Heimat in uns?

Mit dir bin ich echt
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“Ob wir auch in der echten Welt funktionieren.” (Seite 360)

Was soll man tun, wenn der Vater deinen eigentlich perfekten Sommer komplett anders plant? So ergeht es Neyla, statt den Sommer mit ihren Freundinnen ...

“Ob wir auch in der echten Welt funktionieren.” (Seite 360)

Was soll man tun, wenn der Vater deinen eigentlich perfekten Sommer komplett anders plant? So ergeht es Neyla, statt den Sommer mit ihren Freundinnen zu verbringen, muss sie nach Marokko. Auch noch in das Küstendorf ihrer verstorbenen Mutter. Zuletzt war sie dort in ihrer Kindheit, dementsprechend sind die Menschen und das Land ihr fremd. Doch als sie ihren Kindheitsfreund Adam wiederfindet, scheint es doch noch ein guter Sommer zu werden...



Mounia Jayawanth hat einen sehr modernen und flüssigen Schreibstil, der einen durch das Buch fliegen lässt. Das Setting in Marokko mit den engen Gassen, dem Souk und dem Meer bringt eine richtig schöne, atmosphärische Kulisse mit sich. Ich hatte das Gefühl selbst da zu sein, mit Neyla am Meer, die Sonne auf meiner Haut, umgeben von einer fremden Kultur. Was besonders gut gemacht ist, ist das kleine Glossar zu Beginn des Buches, dadurch erhält man einen kleinen Einblick in die fremde Kultur.

Die Geschichte wird aus Neylas Sicht erzählt und durch Chatverläufe aufgelockert, dies erzeugt eine wunderbare Dynamik und tut der Erzählung gut. In dem Buch werden wichtige Themen aufgegriffen, wie Identität, Zugehörigkeit, Heimat, Alltagsrassismus und Whitewashing. Diese fließen gekonnt, vorsichtig und reflektiert in die Handlung ein, ohne dass es sich wie eine Belehrung anfühlt. Man spürt Neylas inneren Konflikt, sich in der Kultur ihrer eigenen Familie gleichzeitig vertraut und fremd zu fühlen. Auch gesellschaftliche Unterschiede, gerade in Bezug auf Frauen und Sexualität, werden hier mit viel Verständnis und ohne Verurteilung dargestellt.

Neyla ist eine sehr greifbare und authentische Protagonistin. Durch den frühen Verlust ihrer Mutter musste sie schnell erwachsen werden, was sich auch in ihrer reifen Charakterdarstellung zeigt. Positiv ist, dass in dem Buch kein künstliches Drama erzeugt wird. Adam ist eine absolute Green Flag, aufrichtig, loyal und liebenswert. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und die Geschichte kommt ohne spice aus. Es ist vor allem eine sehr ehrliche Lovestory und beinhaltet viel Selbstreflexion, ohne dabei den Fokus zu verlieren.

Fazit: Insgesamt fand ich das Buch solide. Aber mir fehlte die emotionale Bindung. Die Liebesgeschichte war zuckersüß, aber irgendwie zu leicht. Da hat mir die Intensität gefehlt. Es ist eine sehr leichte Sommerlektüre verknüpft mit ernsten Themen.



3,5⭐️

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Veröffentlicht am 04.06.2026

2, 3, 5, 7 ...

Dead Girls Don't Dance
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“Das gemauerte Poolhaus ist größer als mein Zuhause und voll von weißen Korbmöbeln, muffigen Auflagen, alten Taschenbüchern und nicht aufgeblasenem Wasserspielzeug, Rückstände unserer Kindheit. Früher ...

“Das gemauerte Poolhaus ist größer als mein Zuhause und voll von weißen Korbmöbeln, muffigen Auflagen, alten Taschenbüchern und nicht aufgeblasenem Wasserspielzeug, Rückstände unserer Kindheit. Früher dachte ich immer, dass sie etwas bedeutet hätte. Dass wir hier zusammen etwas aufgebaut hätten.” (Seite 26)



Ein tödlicher Sommer und eine tiefe Schlucht, in der jede Menge Geheimnisse schlummern. Das Buch hatte mich allein von der Story her total angesprochen. Eine tote Schwester, ein Sommer später stirbt wieder jemand und mittendrin Addie die kleine Schwester, die versucht mit Seth das Geheimnis um die Morde? Zu lösen. Die Autorin schafft es wunderbar, eine dichte Atmosphäre zu erzeugen, in der eine leise Bedrohung unterschwellig mitschwingt.

Was mir besonders gefiel, war das Kleinstadtsetting, die Erinnerungsfetzen an vergangene Sommer und das dunkle Erwachen aus einer Kindheitsnostalgie. Besonders bemerkenswert ist, dass die Autorin ein gutes Auge für Details hat, dadurch wird die Geschichte lebendig. Jedoch wurden meiner Meinung nach manchmal zu viele Äußerlichkeiten der Charaktere forciert, welche die Handlung unnötig in die Länge gezogen haben. Ich muss jetzt wirklich nicht wissen, wie X seine Haare trägt und Y und Z ...

Die Kapitel sind sehr kurzgehalten, was einem das Gefühl von „noch ein Kapitel lesen“ gibt, dennoch täuscht es nicht über die etwas langatmige erste Hälfte des Buches hinweg.

Spannung wird meiner Meinung nach nicht wirklich erzeugt, der Fokus liegt doch sehr auf den Figuren und der Liebesgeschichte. Vieles ist auch recht vorhersehbar, und so richtig fesseln konnte mich der Jugendthriller nicht. Dennoch mochte ich den Erzählstil und die Atmosphäre, die erzeugt wurde, sehr.

Addie und Seth sind vielschichtig ausgearbeitet, und ich mochte die Handlung mit all diesen ganz normalen Begebenheiten, sei es ein Freiluftkino, ein geheimer Ort seit der Kindheit oder die vielen Geheimnisse.

Auch die ganzen Nebenfiguren erhalten viel Raum und eine Backroundstory, gerade das macht die Geschichte greifbar und authentisch.

Fazit: Ein atmosphärischer Jugendthriller mit einem tollen Setting und viel Liebe zum Detail, dem es für meinen Geschmack aber etwas an Tempo und echter Überraschung gefehlt hat. Für Einsteiger ins Genre oder Fans von Kleinstadt-Dramen ab 14 Jahren aber definitiv eine gute Leseempfehlung!

3,5 ⭐

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Veröffentlicht am 01.06.2026

„Ich würde gerade töten für einen verfluchten McFlurry“ (Und Lucifer so: 👀)

Lucifer Ascending – One Sinful Secret
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„Ich wurde zu lange wie ein Monster behandelt, als dass ich mich für ungefährlich halten könnte. Dämon bleibt Dämon. Ich weiß noch ganz genau, wie er mir diesen Satz vor vielen Jahren das erste Mal ins ...

„Ich wurde zu lange wie ein Monster behandelt, als dass ich mich für ungefährlich halten könnte. Dämon bleibt Dämon. Ich weiß noch ganz genau, wie er mir diesen Satz vor vielen Jahren das erste Mal ins Gesicht gesagt hat.“ (Seite 20)



Die Halbdämonin Lilian kämpft in einem düsteren Orden in Edinburgh um ihr Überleben. Als sie jedoch stirbt, geht ihr bester Freund Jupiter einen gefährlichen Pakt mit Lucifer höchstpersönlich ein, um sie zurückzuholen. Das Problem? Lucifer und Jupiter teilen sich nun einen Körper.

Das hatte mich sofort, auch wenn ich im Nachhinein der Meinung bin, dass bereits zu viel im Klappentext gesagt wurde, da es doch einen großen Teil der Spannung rausnimmt. Es hätte mich mehr schockiert, wenn ich es vorher nicht gewusst hätte.

Marie Niehoff erzeugt eine absolute Sogwirkung, aufgrund der Prämisse, dass der Rat über Lilians Leben abstimmt. Sie nutzt eine sehr dynamische, moderne Ich-Perspektive (Lilian), die den Leser sofort ins Geschehen zieht. Schon auf den ersten Seiten hatte mich die Geschichte. Ich finde es wird sehr fein nuanciert dargestellt, wie Lillian sich fühlt. Ihre Ängste, ihre Wut auf den Orden und die Einsamkeit. Das hat sie für mich als Charakter unglaublich greifbar gemacht. Auch das Setting im düsteren und verregneten Edingburgh passt perfekt, denn es erschafft eine wunderbare dunkle Grundstimmung. Die Dynamik zwischen Lilian und Jupiter war gutgeschrieben und ich fand auch Jupiter unheimlich süß, wie er sich um Lil gekümmert hat, jedoch blieb dabei manchmal so ein Beigeschmack von Obsession. Jupiter ist der klassische “Golden Retriever”, der alles für sie tun würde. Die Vertrautheit zwischen den beiden ist spürbar und ich finde auch die Insider zwischen ihnen gut gemacht. Allerdings stört mich hier besonders das Pacing. Die beiden haben eine tiefe und emotionale Bindung seit 4 Jahren und Lil hat ihn aus Angst vor Verlust noch nie geküsst. Aber bereits wenige Seiten später wird der Slow Burn direkt zerstört und es gibt spice unter der Dusche. Das fühlte sich nicht authentisch an, auch wenn ich die Szene sehr hot fand.

Leider hatte ich aber auch so ein paar Probleme mit dem Buch, weshalb ich jetzt doch eher zu 3,5 Sterne tendiere. Ich fand das Buch insgesamt gut, die Geschichte spannend, aber es gab Dinge, die haben mich immer wieder rausgerissen. Das Buch krankt an einem Gen-Z Overload, es wirkt auf Krampf und zu gekünstelt. Phrasen wie "detoxen", "Traumabonding" oder “vanilla boy” wirken in einem jahrhundertealten, düsteren Orden komplett deplatziert und gewollt. Außerdem wird hier das Thema ADHS fast wie ein Lifestyle-Label eingeworfen ("TikTok sagt..."), statt es organisch und tiefgründig zu verarbeiten. Es wirkte auf mich, als wollte man das Thema unbedingt als modernen "Trend" im Buch unterbringen, anstatt es organisch und subtil über Lilians Verhalten zu zeigen. In einer Welt voller Magie und Dämonen wirkt der Verweis auf TikTok-Diagnosen einfach falsch. Das Buch spielt in unserem Jahrhundert, wahrscheinlich hat man deshalb so viele social media Verweise mit eingebaut. Auch die Darstellung des Rats als reine Ansammlung von "weißen Ü60-Männern" war mir etwas zu klischeehaft und platt. Es kratzt damit natürlich an einem Thema, dass gerade im Fokus ist, aber es passt meiner Meinung nach nicht in eine Fantasie Geschichte. Vielleicht hätte man es irgendwie anders machen können. Subtiler und nicht so plakativ. Zudem bleibt Lucifer (auch wenn ich seine Art echt mochte) in seinen Absichten noch viel zu blass, wodurch manche emotionale Entwicklung nicht ganz nachvollziehbar war.

Fazit: Ein Buch mit zwei Gesichtern (haha, ein bisschen passt es ja), einerseits ein packender und emotionaler Plot mit einer starken Grundidee und einer guten Tension zwischen den Charakteren. Andererseits macht der moderne Slang die düstere Atmosphäre kaputt und kratzt dadurch an der Ernsthaftigkeit. Damn aber das Ende... ich möchte Band 2. Jetzt. Sofort.

Randnotiz: Kleiner heimlicher Star der Vogeldämon Aleistair. “Pakt”

3,5⭐

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Meine Freundin Ana

Und alles zerbricht (Paper Hearts 1)
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“Und genau dort begann es. Der Anfang vom Ende.” (Seite 10)



Du wirst gerade 16, ziehst um, verlierst den Halt, deine beste Freundin, dein gewohntes Leben und dann zerbricht plötzlich alles. Was würdest ...

“Und genau dort begann es. Der Anfang vom Ende.” (Seite 10)



Du wirst gerade 16, ziehst um, verlierst den Halt, deine beste Freundin, dein gewohntes Leben und dann zerbricht plötzlich alles. Was würdest du tun, um wenigstens über etwas Kontrolle zu haben?

Genau das passiert unser Hauptprota Mila und plötzlich hat sie nur noch einen Ausweg. Ihre neue Freundin “Ana” und das Gefühl endlich wieder selbstbestimmt zu sein. Maxine Reukers gelingt es mit “Und alles zerbricht” genau diese Stimmung aus Schmerz, Verlust und einer Essstörung perfekt einzufangen und zeichnet so ein düsteres Setting. In diesem Buch wird nichts beschönigt. Die Story ist unbarmherzig und hält auf den Schmerz und die unschönen Situationen genau drauf. Es wird nichts ausgespart und dabei wird jedes Detail extrem plastisch beschrieben. Ich finde es sehr nachvollziehbar und authentisch, wie Mila durch die Einsamkeit in diese neue Welt hineingerät. Dabei finde ich auch Mila gutgeschrieben. Sie verhält sich wie eine naive 16-jährige in dieser emotionalen Ausnahmesituation. Die Dynamik der Familie und die extrem enge Bindung zu ihrer besten Freundin Juno bringen emotionale Tiefe in die Story. Die Charaktere wirken vielschichtig; besonders die fürsorglichen Eltern, die im Verlauf der Erkrankung eigene Fehler einsehen, bereichern die Handlung zusehends.

Der Schreibstil ist schnörkellos und zieht einen sofort in die Geschichte. Reuker verzichtet dabei auf geschönte Metaphern, wenn es um das Thema Essstörung geht. Dennoch kann ich mich nicht dem Gefühl erwehren, dass hier eine Romantisierung stattfindet. Was vielleicht auch an der Ich-Perspektive liegen mag, da der Fokus auf Milas Gedankenwelt liegt, was der Autorin richtig gut gelingt. Aus psychologischer Sicht ist das alles sehr einleuchtend.

Dennoch finde ich das Buch nicht wirklich gelungen. Im letzten Viertel bricht die Story stark ein. Während der Einstieg und der schleichende Beginn der Essstörung intensiv und fokussiert erzählt werden, wird der eigentliche Klinikaufenthalt und der medizinische Krankheitsverlauf viel zu schnell und oberflächlich abgehandelt. Hier fehlt es dem Mental-Health-Aspekt am Ende an Zeit, Tiefe und echter Entwicklung. Die Liebesgeschichte passte da für mich so gar nicht rein. Insbesondere da ein großer Teil der Geschichte ein äußerst sensibles Mental-Health-Thema behandelt. Nicolas, der 18-jährige Klinik-Praktikant, taucht auf und die Story mutiert zur völlig deplatzierten Instalove-Romance. Ernsthaft? Der Typ schleimt sich beim zweiten Date mit „meine Schönste“ ein und redet von Beziehung, während Mila psychisch am absoluten Tiefpunkt hängt. Das Ganze fühlte sich nicht nur unauthentisch und sehr unangenehm an, sondern der anschließende Plot Twist wirkte auch noch komplett erzwungen, nur um künstliches Drama zu erzeugen.

Fazit: Guter Ansatz, schmerzhaft ehrliche Einblicke in die Dynamik von Essstörungen, aber durch die Romance leider völlig aus der Balance gebracht. Weniger erzwungene Herzschmerz-Klischees und mehr Fokus auf Milas tatsächlichen Kampf hätten dem Buch verdammt gutgetan.

Randnotiz: Das Buch ist nicht abgeschlossen und lässt uns mit einem offenen Ende zurück.

3⭐

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