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AndyRiedl

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2025

Was für eine berührende Geschichte!

Death in Brachstedt
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Tobias Wagner erzählt in „Death in Brachstedt“ die Geschichte der Halbwaise Leo, nachdem sein Vater verschwindet. Zusammen mit seinem besten Freund Henri macht es sich auf, einen Kurzfilm zu drehen und ...

Tobias Wagner erzählt in „Death in Brachstedt“ die Geschichte der Halbwaise Leo, nachdem sein Vater verschwindet. Zusammen mit seinem besten Freund Henri macht es sich auf, einen Kurzfilm zu drehen und eine Party zu veranstalten. In einem zweiten Erzählstrang wird eingewoben, was in der Zwischenzeit mit seinem Vater passiert. Dies klingt erstmal recht banal. Tobias Wagner ist dabei handwerklich sehr geschickt vorgegangen. Er hat die Geschichte einerseits mit popkulturellen und anderen Details aufgeladen. Allein dieser Aspekt macht Spaß. Auf der anderen Seite schafft er es, ein ordentliches Spannungslevel über die gesamte Geschichte zu bewahren.
Das Buch hat ein jüngeres Zielpublikum. In diesem Zusammenhang gefällt mir sehr, wie seriös Tobias Wagner mit ernsthaften Gefühlen umgeht. Mir gefällt zudem, dass er trotz des Zielpublikums sich nicht vor schwierigen Themen weg duckt, sondern diese im Buch sogar eine prominente Rolle einnehmen (Trigger Warnung an Trauernde). Insgesamt hat mich das Buch dann sehr an ähnliche Bücher für Erwachsene erinnert wie Christian Hubers „Man vergisst nicht, wie man schwimmt.´“ Das habe ich damals auch sehr gemocht. Und „Death in Brachstedt“ ist mindestens genauso gut. Volle Empfehlung meinerseits!

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Spaß und Spannung in Hollywood

Not your Darling
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Loretta ist eine Power-Frau. Als sie nach Los Angeles kommt, weiß sie das noch nicht. Ihre Geschichte, die von Katherine Blake erzählt wird, ist ein modernes Märchen. Sie muss unterschiedlichste Widrigkeiten ...

Loretta ist eine Power-Frau. Als sie nach Los Angeles kommt, weiß sie das noch nicht. Ihre Geschichte, die von Katherine Blake erzählt wird, ist ein modernes Märchen. Sie muss unterschiedlichste Widrigkeiten überwinden. Nachdem die Handlung nach einer Weile – und das Buch hat am Anfang seine Längen – in Schwung gekommen ist, surft man auf der Spannungskurve mit. Lorette gerät immer wieder in unangenehme und verzwickte Situationen, als sie sich im Machtgefüge von Hollywood versucht zu bewegen. Hinter den glänzenden Fassaden steckt viel Lug und Betrug.
Die klare Erzählweise, die gerade in der zweiten Hälfte die Spannung hoch hält hat mir gut gefallen. Ich habe das Buch als gelungene Unterhaltung und Ablenkung vom Alltag wahrgenommen und bin am Ende im Lesestrudel gelandet, weil ich unbedingt wissen wollte wie es weitergeht. Ich mochte Loretta. Ich mochte auch die antikapitalistischen und anti-patriarchalen Töne im Buch. Die große Gesellschaftskritik ist es nicht. Aber originell und auch ein bisschen böse. Ich empfehle es für das Lesevergnügen am Wochenende gerne weiter.

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Wichtiges Thema, sinnvoll aufbereitet liefert TOP-Insights

Digitale Diagnosen
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„Digitale Diagnosen“ ist ein tolles Sachbuch. Es beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen sozialen Medien und der Diagnose von psychischen Erkrankungen. Mich hat dies sofort angesprochen, weil interessante ...

„Digitale Diagnosen“ ist ein tolles Sachbuch. Es beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen sozialen Medien und der Diagnose von psychischen Erkrankungen. Mich hat dies sofort angesprochen, weil interessante Fragen untersucht werden. Beispielhaft kann man hier nennen: Führt die Nutzung von sozialen Medien dazu, dass mehr psychische Krankheiten diagnostiziert werden? Wer nimmt diese Diagnosen vor? Wenn man Wiesböcks Ausführungen zu diesem Thema liest, dann merkt man diesen an, dass sie sich fundiert mit diesem Thema beschäftigt hat. Sie schafft es zudem ihre Erkenntnisse sachlich präzise und trotzdem nicht überbordend lang darzustellen. Manche Sachbücher haben die Neigung, dass sie komplexe Themen zu sehr vereinfachen. Auf der anderen Seite gibt es die Sachbücher, die zwar sehr genau ein Thema auseinandernehmen, dabei aber auch den Leser sehr ermüden und das Ganze unnötig in die Länge ziehen. Wiesböck gelingt dieser Spagat wunderbar. Wenn man ihr in diesem Zusammenhang überhaupt etwas vorwerfen will: Das Buch hat keinerlei Selbsthilfe-Charakter. Keinerlei: wer sein eigenes Risiko reduzieren will, sollte… . Einerseits ist das lobenswert, bei der Schwemme von Büchern, die direkte Verhaltenshinweise in den Mittelpunkt des Ganzen stellen. Auf der anderen Seite hätten die aufbereiteten wissenschaftlichen Erkenntnisse auch in eine wissenschaftliche fundierte Do and Don’ts Liste am Ende des Buchs einfließen können. Insgesamt ist dies Meckern auf sehr hohem Niveau. Ich werde Digitale Diagnosen weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 25.01.2025

Ein Sommer ohne Spannung

Drei Wochen im August
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Ein Sommerroman im Winter. Zwei interessante Hauptfiguren mit Elena und Eve. Beziehungsdynamiken, spannende äußere Einflüsse, Geheimnisse und Ungeklärtes. Insgesamt ein Setting, was sehr vielversprechend ...

Ein Sommerroman im Winter. Zwei interessante Hauptfiguren mit Elena und Eve. Beziehungsdynamiken, spannende äußere Einflüsse, Geheimnisse und Ungeklärtes. Insgesamt ein Setting, was sehr vielversprechend aussah. Eine Sprache, die klar und direkt klang und gut lesbar daher kommt. Aus vielen guten Grundideen wird aber dann trotzdem kein überzeugendes Ganzes. Dies liegt an mehreren Gründen. Die Handlungsstränge sind und werden nicht klar und so ergibt sich kein richtiger Spannungsbogen. So ergeben sich auch viele Hänger, weil die anekdotischen Teile der Handlung das Gesamtkonstrukt nicht tragen. Die Details sind nicht kunstvoll genug, um die leere Leinwand genug zu füllen und ein ansprechendes Kunstwerk zu schaffen.
Und so bleibt für dieses Buch ein bisschen die Enttäuschung über nicht erfüllte Versprechen. Warum entwickeln sich die Handlungspfade nicht anders? Warum werden die Charaktere nicht greifbarer? Ich persönlich habe nicht den Zugang gefunden, den ich mir gewünscht hätte und erlebe die erste Lektüre-Enttäuschung des Jahres 2025.

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Veröffentlicht am 21.12.2024

Weirdes Fegefeuer

Nach uns der Himmel
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Simone Buchholz hat sich für diesen Roman wieder etwas Besonderes ausgedacht. Das Setting von „Nach uns der Himmel“ ist etwas, das eine Weile braucht bis es sich entfaltet. Der Hauptteil der Handlung spielt ...

Simone Buchholz hat sich für diesen Roman wieder etwas Besonderes ausgedacht. Das Setting von „Nach uns der Himmel“ ist etwas, das eine Weile braucht bis es sich entfaltet. Der Hauptteil der Handlung spielt auf einer Urlaubsinsel, was durch das Cover sehr schön angedeutet wird. Was dort allerdings genau passiert, wird lange nur durch Andeutungen weitergetrieben und löst sich erst spät auf. Die Idee ist allerdings originell (auch wenn es Abwandlungen hiervon in Werken anderer Schriftsteller:innen zu lesen gibt) und hat mich gut unterhalten gelassen.
Die Geschichte hin zur Auflösung, die gerade auch von der Entwicklung der Charaktere lebt, ist klar und präzise geschrieben und hat keine Längen. Das ist aus meiner Sicht sehr schön, denn – nachdem recht viel erstmal unklar ist – lebt der Roman von seinem Erzähltempo und seiner klaren, präzisen Sprache. Die Beschränkung auf 10 Hauptfiguren macht schon fast ein Kammerspiel aus dem Roman und Unterhaltung ist hier immer geboten.
Grundsätzlich habe ich den Roman sehr gerne gemocht und gelesen. Zum Ende hätte ich mir noch einen großen Aha-Moment gewünscht, der leider (vielleicht auch nur bei mir) ausgeblieben ist. Aber auch so ist das Werk die beste Kombination aus den Welten des Traumschiffs und Emily St. John Mandels, die einem unterkommen kann. Lest das gerne mal, das ist prima.

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