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AndyRiedl

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2024

Trauer auf Sizilien

Noto
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Adriano Sacks Roman Noto ist ein Beispiel dafür, wie ein Roman auf unterschiedlichen Ebenen überzeugen kann. Einerseits überzeugt Sack mit seinen Darstellungen von Sizilien, unterschiedlichen Städten dort ...

Adriano Sacks Roman Noto ist ein Beispiel dafür, wie ein Roman auf unterschiedlichen Ebenen überzeugen kann. Einerseits überzeugt Sack mit seinen Darstellungen von Sizilien, unterschiedlichen Städten dort und macht mir Lust, selbst die Insel zu bereisen und zu entdecken. Dabei schafft Sack es wunderbar die Gegensätze zwischen konservativen sizilianischen Einflüssen und modernen Gentrifizierungstendenzen darzustellen und diese Spannung lebhaft darzustellen. Sizilien wirkt in seiner Darstellung wie eine Insel, die einige Konflikte lösen muss.
Andererseits hat Sacks Roman unterschiedliche soziale Ebenen. Dort ist Konrads Umgang mit seiner Trauer um seinen Lebensgefährten und seine Suche nach einer weiteren Lebensperspektive. Dort ist allerdings auch die Hinterfragung des klassischen Familienbilds in mehreren Konstellation auch mit der Darstellung der weiblichen Teilnahme am Erwerbsleben und der Bindung an die eigenen Kinder. Sack wirft hier wichtige Fragen auf und bringt seine eigene Perspektive auf die Themen ein.
Der Roman ist dabei nicht perfekt. Einerseits hat er Längen. Andererseits ist er mit Details an manchen Stellen überladen, und diese wirken nicht immer zielführend. Dies stört das Lesevergnügen dennoch nicht nachhaltig. Und auch über das Ende könnte man sich beschweren. Dabei findet Sack einen Abschluss, ohne diesem eine zu große Bedeutung zuzumessen. Insgesamt ist so ein Roman gelungen, der vor großen Gefühlen nicht zurückschreckt und zudem nach Sizilien einlädt und den ich insgesamt gerne gelesen habe.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2024

Von einer Frau zur anderen

Wir sitzen im Dickicht und weinen
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Das Cover von Felicitas Prokopetz‘ Roman „Wir sitzen im Dickicht und weinen“ erschließt nicht auf den ersten Blick, genauso wenig, wie sich das Buch einem direkt öffnet. Prokopetz erzählt eine Familiengeschichte ...

Das Cover von Felicitas Prokopetz‘ Roman „Wir sitzen im Dickicht und weinen“ erschließt nicht auf den ersten Blick, genauso wenig, wie sich das Buch einem direkt öffnet. Prokopetz erzählt eine Familiengeschichte über mehrere Generationen, in deren Hauptfokus die Beziehung zwischen Valerie und ihrer Mutter steht. Auch die vorhergegangenen Generationen werden allerdings nicht ausgespart. Naja, vielleicht auch doch. Prokopetz Roman ist rein stilistisch das absolute Gegenstück zur klassischen Familiensaga à la Thomas Manns Buddenbrooks. Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sondern springt immer wieder zwischen den Generationen, aber nur für kurze Abschnitte.

Dies fordert zumindest mich als Leser. Man lernt die Charaktere in den kurzen Abschnitten nur bedingt gut kennen. Durch sie Sprünge, muss man sich immer wieder orientieren, wo man gerade ist. Irgendwann hat man zumindest direkt eine Vermutung, wo man gerade wieder gelandet ist, aber einen Stammbaum als Orientierungshilfe hätte ich schon genommen.

Zwischen all dem sollte nicht verloren gehen, worum es in dem Buch meiner Meinung nach im Kern geht. Im Fokus des Buchs stehen die Traumata, die durch familiäre Beziehungen entstehen und der Umgang mit denselben. Über die Geschichte des Buchs stellt der Roman relevanten Fragen an den Leser: Kann man seinen Eltern diese Traumata überhaupt vorwerfen, wenn man selbst davon ausgehen kann, dass diese von der Vorgängergeneration stammen? Wie verhält man sich im Angesicht des Todes? Das Buch ist in diesem Zusammenhang äußerst gesellschaftlich relevant und auch so interessant, dass man die Stilistik gerne in Kauf nimmt. Will sagen: ich habe es gerne gelesen und es beschäftigt mich noch immer.

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Veröffentlicht am 04.03.2024

Wie aus Monstern eine Familie wird

Willkommen bei den Grauses 1: Wer ist schon normal?
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Ich habe meiner Tochter das Buch bestellt, weil sie von Sabine Bohlmann auch schon andere Bücher gelesen und gemocht hat. Auch dieses Buch hat ihr wieder gut gefallen. Dies liegt daran, dass es sehr lustig ...

Ich habe meiner Tochter das Buch bestellt, weil sie von Sabine Bohlmann auch schon andere Bücher gelesen und gemocht hat. Auch dieses Buch hat ihr wieder gut gefallen. Dies liegt daran, dass es sehr lustig und spannend war.
Im Buch geht es um Familie Grause, die keine Familie im eigentlichen Sinne ist. Es handelt sich derweil um eine verrückte Mischung unterschiedlicher Charaktere, die alle besondere Eigenarten haben. Ohne zu viel zu verraten: diese Eigenarten führen zu lustigen Situationen. Dazu muss sich die Gemeinschaft der Grauses beweisen und sie müssen zusammen halten, obwohl sie sehr unterschiedlich sind. Dabei fiebert die Leserin mit, ob die Grauses es denn gemeinsam schaffen oder nicht. Alle Charaktere waren für meine Tochter interessant, wobei gerade auch hervorzuheben ist, dass ihr die Geister ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben, als sie daran dachte, dass diese die Luft anhalten müssen. Auch hervorzuheben ist eine Szene, in der diese besonderen Charaktere, die man auch als Monster bezeichnen könnte, sich gegenüber einem normalen Menschen erklären mussten. Meine Tochter lacht immer noch, wenn sie beschreibt, wie dieser Mensch schreiend wegrannte.
Nachdem es anfänglich gedauert hat, bis die Action losging, war es nachher ein Lesevergnügen, das leider zu schnell wieder zu Ende war.

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Veröffentlicht am 22.02.2024

In der Ruhe liegt keine Kraft

ruh
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ruh ist ein komplexer Roman. Er handelt in der Hauptsache von Cemal und seiner Geschichte, aber in der Nebensache viel von Cemals familiären Verflechtungen und Freunden. Es geht um die Suche nach Identität, ...

ruh ist ein komplexer Roman. Er handelt in der Hauptsache von Cemal und seiner Geschichte, aber in der Nebensache viel von Cemals familiären Verflechtungen und Freunden. Es geht um die Suche nach Identität, auch zwischen Orten und Kulturen, aber vor allem aus einer sehr persönlichen, verzweifelten Perspektive heraus. Es geht dabei auch um Einsamkeit und verstanden werden. Oder eben nicht verstanden werden.
ruh bietet dabei tiefe Einblicke, wie sich familiäre Traumata über Generationen fortsetzen und auch einen interessanten Blickwinkel darauf, wie man diesen entfliehen und sich selbst vielleicht finden kann. Dabei vereinfacht der Roman nicht, sondern fordert den Leser auf, die Komplexität selbst zu entwirren.
Mich hat in dem Buch die Komplexität erschlagen. Ich habe bis zum Ende den Überblick nicht gefunden und war verwirrt, auch auf Grund vieler unterschiedlicher Punkte. Einerseits springt das Buch in den Zeitebenen. Andererseits fließen die Perspektiven vieler Personen ein. Dazu kommt eine mystische / religiöse Ebene, über die ich noch ein wenig grübeln werde. Geholfen hat sie mir ad hoc nicht.
Und so fehlt diesem hoffnungsvollen Roman-Debüt eine Prise Auflösung zumindest aus meiner Sicht. Es kann auch sein, dass ich das Buch nicht oder nur teilweise verstanden habe, was an mir liegen mag. Mich hat es schlussendlich nicht vollends überzeugt.

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Veröffentlicht am 09.02.2024

Mitreißende Familiengeschichte

Weiße Wolken
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Die Farben des Covers sind wunderschön, die Geschichte spielt in Frankfurt und ist aktueller denn je. Ich mag Familiengeschichten und war zumindest positiv gestimmt, dass mir Yandé Secks Debüt gefallen ...

Die Farben des Covers sind wunderschön, die Geschichte spielt in Frankfurt und ist aktueller denn je. Ich mag Familiengeschichten und war zumindest positiv gestimmt, dass mir Yandé Secks Debüt gefallen würde. Diese Hoffnungen wurden nicht nur erfüllt, ich wurde sogar äußerst positiv überrascht und habe mit dem Buch einen Schatz gefunden. Yandé Seck erzählt die Familiengeschichte rund um Dieo, Simon, Zazie und ihr Rudel drumherum auf eine Art und Weise, die mich tief berührt hat. Einerseits behandelt sie die großen Themen, u.a. Kinderwunsch, Beziehungen mit Eltern und Freunden und Trauer. Andererseits sind ihre Charaktere menschlich so greifbar. Mir kommt direkt ein Moment in den Sinn, in dem Simon im Buch einfällt, an was seine Frau gedacht hätte, er aber in diesem Moment nicht. Vielen von uns ist vielleicht gar nicht bewusst, wie viele unterschiedliche Aspekte unsere Persönlichkeiten haben. Seck schafft es wunderbar, diese Persönlichkeitsaspekte bei ihren Charakteren herauszuarbeiten, sie nahbar zu machen und dem Leser damit einen Spielplatz zur Reflektion auf die eigene Persönlichkeit zu eröffnen. Ein wunderschönes literarisches Werk, das ich gerne weiterempfehle.

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