Profilbild von Anett

Anett

Lesejury Star
offline

Anett ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Anett über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2021

Leben und Sterben im Ashram

Mord im Wendland
0

„Mord im Wendland“ von Klaas Kroon, Gmeiner Verlag, habe ich als Taschenbuch mit 410 Seiten gelesen, die in 56 Kapitel eingeteilt sind.
Zwei Wilderer stoßen im Wald bei Gartow auf ein altes Bauernhaus, ...

„Mord im Wendland“ von Klaas Kroon, Gmeiner Verlag, habe ich als Taschenbuch mit 410 Seiten gelesen, die in 56 Kapitel eingeteilt sind.
Zwei Wilderer stoßen im Wald bei Gartow auf ein altes Bauernhaus, darin finden sie zwei Leichen. Auf ihrer Flucht werden sie ausgerechnet von der Dorfpolizistin Sabine Langkafel aufgegriffen. Außerdem behauptete einer von den beiden, dass er ein kleines Kind gesehen habe, welches in den Wald gelaufen sei. Nun beginnen die Ermittlungen und die Kripo Lüneburg wird hinzugezogen unter Leitung von Melanie Gierke. Da Sabine den Ort und die Leute kennt, wird sie in die Ermittlungen einbezogen. Die Identität der Toten bleibt lange unbekannt. Aber nach und nach kommen immer mehr Details ans Licht. Im Wald wurde schon vor vielen Jahren, unbeobachtet von den Mitmenschen, ein Ashram gegründet. Es begann in den 80er Jahren, als sich die Gegner der Atommülldeponie in Gorleben trafen. Mit immer wechselnden Menschen, die von Drogen und Sex lebten, überlebte die Gemeinschaft bis in die heutige Zeit. Nun war es allerdings eine Sekte, die aber immer noch vom Drogenanbau lebte, um sich das Nötigste kaufen zu können. Ansonsten lebte die kleine Gemeinschaft sehr spartansich und unbemerkt von anderen Menschen.
Die Geschichte ist sehr umfangreich mit recht vielen gesellschaftspolitischen Themen. Beginnend mit Atommüll hin über Sektenleben und auch der Abschuss von Wölfen kommt zur Sprache. Alles ist gut in die Handlung integriert und passt zusammen. Ich musste mich allerdings sehr konzentrieren, um bei den vielen Namen den Überblick zu behalten. Da die Nachforschungen sehr viele Jahre zurückgehen, tauchen immer neue Personen auf, die oft nicht nur ihren weltlichen Namen haben, sondern auch noch eine spirituelle Identität. Das machte die Sache komplizierter.
Durch den Perspektivwechsel wird die Handlung noch spannender. Einerseits werden die aktuellen Ermittlungen beschrieben. Andererseits erfolgt die Erzählung aus Sicht des Kindes. Außerdem findet Sabine alte Tagebücher, aus denen man mehr über das Leben im Ashram erfährt. Auch die Sache mit dem Wolf ist sehr berührend. Am Ende wusste ich dann aber nicht, ob es den einen Wolf überhaupt gab. Aber er hatte eine wichtige Rolle.
Die Charaktere sind sehr authentisch beschrieben. Dabei haben mir Sabine und ihr Vater, der Ex-Polizist, sehr gut gefallen. Sie halten zusammen, auch wenn es mal nicht ganz legitim ist. Sabine ist eine sehr gute Polizistin, die mit ihrer analytischen und logischen Denkweise die Dinge angeht und oft mehr herausfindet als die fremden Ermittler. Melanie Gierke ist nicht gerade eine Sympathieträger. Sie ist forsch, direkt, relativ unfreundlich in ihrem Auftreten. Aber im Laufe der Geschichte ist sie mir sympathischer geworden. Sie bezieht Sabine in die Ermittlungen mit ein und stempelt sie nicht als unbedarfte Dorfpolizistin ab, außerdem hilft sie ihr bei der Beschaffung von Informationen, an die Sabine nicht rangekommen wäre. Sabine lernt auch die verletzliche Seite Melanie’s kennen.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Es ließ sich gut und zügig lesen. Die Handlung war sehr vielschichtig und interessant.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.08.2021

Spannend und unterhaltsam

Sein oder Totsein
0

„Sein oder Totsein“ von Jürgen Seibold, Piper Verlag, habe ich als Taschenbuch mit 304 Seiten gelesen, die in 14 Kapitel eingeteilt sind. Es ist der 2. Fall für Robert Mondrian.
Buchhändler Robert Mondrian ...

„Sein oder Totsein“ von Jürgen Seibold, Piper Verlag, habe ich als Taschenbuch mit 304 Seiten gelesen, die in 14 Kapitel eingeteilt sind. Es ist der 2. Fall für Robert Mondrian.
Buchhändler Robert Mondrian kommt nicht zur Ruhe. Kaum hat er einen Fall abgeschlossen, wird die nächste Leiche gefunden, eine junge Frau, auf der die Kripo ein Shakespeare-Sonett und einen Edelstein gefunden hat. Kommissar Neher bittet Robert, sich das Sonett mal anzuschauen, um herauszufinden, was es bedeutet. Der hat sofort einen Verdacht, den er aber für sich behält und beginnt seine Ermittlungen. Dabei kommen Erinnerungen an sein vergangenes Leben wieder hoch. Auch sein Mitarbeiter Alfons und seine Freundin Marie suchen unabhängig von Robert nach Informationen und finden auch Einiges heraus. Die Aufklärung des Falles ist letztendlich sehr traurig und bewegend.
Es war ein durchweg spannendes und teils amüsantes Buch, was ich sehr schnell gelesen habe. Durch immer wieder neue Details, Verdächtige und unterschiedliche Handlungsstränge konnte ich es gar nicht aus der Hand legen. Auch der Schreibstil war sehr rasant.
Die Charaktere waren sehr authentisch dargestellt. Robert mochte ich sehr. Er ist ein eher ruhiger, verschwiegener und geheimnisvoller Mensch, was auch seinen Grund hat. Als er Selina Brand kennenlernt, kommt seine lose Beziehung zur Obsthändlerin Sonja ins Schwanken. Auch Alfons und Marie sind ein sehr sympathisches Paar, was gut zusammen ermittelt und auch sonst harmoniert. Kommissar Neher ist ebenfalls kein arroganter ‚Bulle‘, sondern bezieht Robert in die Ermittlungen ein, wovon die Polizei natürlich profitiert. Neher hat am Ende einen Verdacht zu Roberts Vergangenheit, aber ich denke, er wird ihn für sich behalten. Dann gibt es noch den Puppenspieler Kruse, der in Liebesdingen sehr erfinderisch vorgeht, da musste ich richtig lachen.
Den Vogel schießen natürlich Sherlock und Watson ab. Die können schon mal für Verwirrung sorgen.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir das Buch sehr gut gefallen hat und es ein großer Lesegenuss war. Da ich den 1. Teil nicht kenne, werde ich das schnellstens nachholen.
Das Cover ist wunderbar, bunt und mit den Details passend zum Inhalt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.08.2021

Mord oder Unfall?

Miss Daisy und der Tote auf dem Eis
0

„Miss Daisy und der Tote auf dem Eis“ von Carola Dunn habe ich als ungekürztes Hörbuch von Audible gehört. Es wird von Julia von Tettenborn gesprochen. Die Spieldauer beträgt 7,58 h. Es ist der 1. Teil ...

„Miss Daisy und der Tote auf dem Eis“ von Carola Dunn habe ich als ungekürztes Hörbuch von Audible gehört. Es wird von Julia von Tettenborn gesprochen. Die Spieldauer beträgt 7,58 h. Es ist der 1. Teil der Reihe.
In den zwanziger Jahren in England will Daisy Dalrymple einen Artikel über Wentwater Court schreiben. Es ist ihr erster Auftrag, den sie als Journalistin schreiben soll. Obwohl sie aus einer adligen Familie stammt, möchte sie ihren Unterhalt selbst bestreiten. Also begibt sie sich zum gleichnamigen Gut und muss feststellen, dass der idyllische Schein trügt. Die Familienverhältnisse sind kompliziert. Die neue Frau des Grafen ist kaum älter als seine Kinder. Manche Kinder hassen sie, manche lieben sie zu sehr. Kaum da, wird auf dem zugefrorenen See eine Leiche gefunden. Der attraktive Inspector Alec Fletcher von Scotland Yard übernimmt die Ermittlungen. Daisy ist ihm eine große Hilfe, da sie bereits Familienfotos gemacht hat und nun auch für die Tatortfotos herangezogen wird. Außerdem nimmt sie noch die Aussagen der Anwesenden auf und fühlt sich schon bald selbst als Ermittlerin.
Die Geschichte hat mir gut gefallen. Etwas kompliziert fand ich die Konstellationen der vielen Personen zueinander. Es war nicht nur die Familie anwesend, sondern auch Freunde der Familie. Bei einem Hörbuch kann man auch nicht schnell mal zurückblättern, daher musste ich einige Stellen mehrmals hören. Aber nach einiger Zeit wurde es besser. Die verschiedenen Personen wurden gut dargestellt. Daisy mögen alle, sie ist eine aufgeschlossene und kluge junge Frau, die sich sehr zu Alec hingezogen fühlt.
Die Sprecherin Julia von Tettenborn hat mir auch gut gefallen. Die Betonungen und das Sprachtempo waren sehr angenehm und ich konnte ihr gut zuhören.
Insgesamt ist es ein schöner Cosy Crime, der einen nicht vom Hocker haut, aber gut zu hören und auch relativ amüsant ist. Die Spannung hält sich in Grenzen, trotzdem freue ich mich auf die nächsten Teile.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.08.2021

Spannend und rasant

Das Spiel der Ketzerin
0

„Das Spiel der Ketzerin“ von Manuela Schörghofer, Verlag HarperCollins, habe ich als Taschenbuch mit 480 Seiten gelesen, diese sind in 29 Kapitel eingeteilt. Auf der vorderen Innenseite ist eine Karte ...

„Das Spiel der Ketzerin“ von Manuela Schörghofer, Verlag HarperCollins, habe ich als Taschenbuch mit 480 Seiten gelesen, diese sind in 29 Kapitel eingeteilt. Auf der vorderen Innenseite ist eine Karte vom Kölner Judenviertel um 1235 zu finden und auf der hinteren Seite der Weg von Coellen nach Worms. Außerdem gibt es vorab ein Personenverzeichnis, Orts- und Flussnamen damals und heute, ein Glossar und historische Begebenheiten.
Im Sommer 1235 fällt Graf von Erkenwald beim Kaiser in Ungnade und wird in den Kerker geworfen. Seine Burg wird an Konrad von Westerburg und seine Deutschordensritter übergeben. Wegen einer Verwechslung kann Alida, die Tochter des Grafen, fliegen. Sie will zuerst nach Köln zu einem befreundeten jüdischen Händler, um dann mit ihm nach Worms zum Kaiser zu ziehen. Dort will sie das Leben ihres Vaters retten. Mit Salomon ben Isaak und seiner Tochter Mirjam macht sie sich auf den Weg.
Aber Konrad beauftragt unter falschen Voraussetzungen den Ritter des Deutschen Ordens Richard von Thurau, der Alida zurückbringen soll. An seiner Seite der Sarjantbruder Bertram. Sie finden sie auch sehr schnell. Dann kommt alles anders als geplant. Es kommt zu Verwechslungen und Verfolgungsjagden, die auf Lügen aufgebaut sind.
Das Buch hat mir super gefallen, ich konnte es gar nicht aus der Hand legen.
Es ist eine tolle Mischung aus Spannung, Gefühlen und amüsanten Dialogen zwischen Richard und den Frauen. Richard wirkt mit seinem düsteren Äußeren und seiner Narbe am Kinn etwas beängstigend, aber er ist so naiv und blauäugig, kaum zu glauben. Eben ein treu ergebener Ordensritter, der an Ehrlichkeit glaubt. In diesem Fall gerät er allerdings gefühls- und glaubensmäßig an seine Grenzen.
Alida ist eine junge, aufgeschlossene und sehr kluge Frau. Trotz ihres Standes als Grafentochter hat sie keine Berührungsängste gegenüber den Angestellten oder auch den jüdischen Menschen. Sehr schnell freundet sie sich mit Mirjam an. Diese ist eine ruhige, gehorsame Tochter, die so einige Male über ihren Schatten springen muss, um Alida zu helfen.
Auch die anderen Charaktere sind authentisch dargestellt und man liebt oder hasst die Personen.
Der Schreibstil ist sehr gut. Ohne großes Vorspiel oder ausschweifende Beschreibungen wird die Handlung rasant beschrieben und immer auf den Punkt gebracht.
Es war ein großartiges Buch, spannend und fesselnd bis zum Ende.
Auch das Cover ist wunderbar. Ich vergebe volle Punktzahl und eine klare Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.08.2021

Geld, Macht und Politik

Mord auf der Rennstrecke
0

„Mord auf der Rennstrecke – Grand Prix de Monaco“ von Luc Winger habe ich als ebook mit 182 Seiten gelesen, die in 16 Kapitel eingeteilt sind. Es ist der 11. Saint-Tropez-Krimi.
Im Vorspann verabschiedet ...

„Mord auf der Rennstrecke – Grand Prix de Monaco“ von Luc Winger habe ich als ebook mit 182 Seiten gelesen, die in 16 Kapitel eingeteilt sind. Es ist der 11. Saint-Tropez-Krimi.
Im Vorspann verabschiedet sich Angie von Lucie und ihren Freunden, bei denen sie als Au-pair gearbeitet hat, da sie sich in Nizza eine Wohnung suchen will, um dort zu studieren. Im Zug dahin trifft sie auf Marco, der als Assistent bei den Mechanikern der Formel 1 im Lotus-Team arbeitet und sie als Hostess anwerben möchte. Sie ändert ihre Reisepläne und fährt mit ihm nach Monaco zur Rennstrecke. Dort kann sie als Grid-Girl arbeiten und macht auch Bekanntschaft mit dem Nachwuchsrennfahrer Ronnie Anderson.
Als es beim Proberennen einen tödlichen Unfall gibt, ist Commissaire Franc Sarasin von der Mordkommission Monte-Carlo schnell vor Ort, da er für die Sicherheit der Zuschauer zuständig ist. Als Angie erfährt, wen der Commissaire als Verdächtigen sieht, bitte sie Lucie um Hilfe. Diese fährt auch sofort nach Monaco und arbeitet mit Franc zusammen. Es muss geklärt werden, ob es Unfall oder Mord war. Nach weiteren Vorfällen befassen sich die beiden genauer mit dem Lotus-Team.
Das Buch gibt viele Einblicke hinter die Kulissen des Rennsportes. Ich vermute, dass es auch relativ realistisch ist. Alles dreht sich um Geld, Macht und Politik. Es scheint, als ob die Fahrer nur Spielbälle in diesem politischen Getriebe sind und auch vor Gewalttaten nicht zurückgeschreckt wird. Im Hintergrund konkurrieren russische und amerikanische Geldgeber, es geht um neue Konstruktionen an den Rennwagen und minderwertige Teile.
Dieses Buch war ziemlich belastet mit technischen Details der Rennwagen, was mich nicht wirklich interessierte und mir ein bisschen zu viel war.
Lucie sorgt mit ihrem eleganten, selbstsicheren und kompetenten Auftreten sowie ihrer überlegten und logischen Denkweise wieder für eine gelungene Geschichte. Im Gegensatz zu Franc, der schnell ans Ziel kommen will, scheut sie sich nicht, den Dingen genau auf den Grund zu gehen.
Auch die Rennfahrer sind sehr unterschiedliche Charaktere. Man könnte denken, der junge Ronnie ist ein ungestümer und riskanter Fahrer, aber er ist ein besonnener und freundlicher Mensch. Im Gegensatz zu dem Profifahrer Graham Stone, der sich gern mit den Mechanikern anlegt und ständig etwas auszusetzen hat. Dadurch ist er nicht sehr beliebt.
Nach einer kurzen Google-Recherche habe ich festgestellt, dass einige Fakten den Tatsachen entsprechen und sogar die Namen der echten Rennfahrer hier nur unwesentlich abgeändert wurden. Der Autor hat sich wohl sehr intensiv mit der Szene beschäftigt, um so viele Details zu beschreiben.
Auch dieser 11. Teil hat mir wieder prima gefallen. Aber im Gegensatz zu den vorherigen Büchern vergebe ich hier nur 4 Punkte wegen der vielen technischen Ausführungen. Die sind wohl eher etwas für Liebhaber der Szene.
Das Cover passt wie immer hervorragend zur Story.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere