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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.04.2024

Im Kopf eines Mörders

Notizen zu einer Hinrichtung
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Wer hat sich noch nicht gefragt, was Menschen dazu treibt, zu misshandeln oder gar umzubringen?!

Ansel Packer steht in 12 Stunden die Vollstreckung der Todesstrafe bevor, nachdem er an den Mord von vier ...

Wer hat sich noch nicht gefragt, was Menschen dazu treibt, zu misshandeln oder gar umzubringen?!

Ansel Packer steht in 12 Stunden die Vollstreckung der Todesstrafe bevor, nachdem er an den Mord von vier jungen Frauen schuldig gesprochen wurde.
Die Mutter des Mörders, die Zwillingsschwester eines seiner Opfer und auch die ermittelnde Polizistin Saffy, berichten von Momentaufnahmen und Begebenheiten, die sie mit dem Täter und den späteren Opfern verbinden. Dabei kommen aus den unterschiedlichen Perspektiven einige Facetten zusammen, die das Profil eines waschechten Psychopathen zeichnen.

Nach den Schilderungen seiner Mutter Lavender wird klar, dass Ansel schon in frühster Kindheit von traumatischen Ereignissen geprägt wird und im Rückblick betrachtet, hat er bereits in den ersten Lebensjahren auffällige Verhaltensweisen gezeigt.
Sein gewalttätiger Vater terrorisiert seine Mutter und macht auch nicht vor Ansel Halt. Als Vierjähriger wird er schließlich mitsamt seines kleinen Bruders von seiner Mutter zurückgelassen und wächst in staatlicher Obhut auf. Sein Bruder wird adoptiert, er landet in Pflege auf einer Farm, wo er heimlich seinen sadistischen Neigungen an Tieren nachgeht. Erwischt wird er hierbei eines Tages von Saffy, die einen ersten Eindruck davon bekommt, welche ernste Bedrohung von Ansel ausgeht.
Sie wird später als Ermittlerin bei der Polizei erneut auf seine Spur gelenkt und kann ihn durch eine Verkettung von Ereignissen letztendlich überführen.

Wer Darya Kukafka’s Buch liest, fühlt sich sofort sehr stark an eine reale True-Crime-Story erinnert. Der Fall weckt Interesse, ist faszinierend und verstörend zugleich. Er regt dazu an, sich näher mit der Schuldfrage im Allgemeinen, der Rolle der Opfer und vor allem mit der Ambivalenz der Todesstrafe auseinanderzusetzen.
Sorgt sie für eine ausgleichende Gerechtigkeit für die Betroffenen und Hinterbliebenen oder bietet sie am Ende stattdessen noch Tätern wie Ansel, die gewünschte Bühne und Aufmerksamkeit, wohingegen das Andenken ihrer Opfer in Vergessenheit gerät?!

Die Geschichte lässt mich nicht kalt, kein Wort zu viel, keins zu wenig und so bleibe ich nachdenklich und tief bewegt zurück.
Abschließend möchte ich auch noch unbedingt die großartige Übersetzungsleistung von Andrea O‘Brien erwähnen und eine uneingeschränkte Leseempfehlung für (halbwegs) gefestigte Gemüter aussprechen!

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Veröffentlicht am 29.03.2024

Eine erfrischende Liebeserklärung

Northern-Hearts-Reihe, Band 1 - Somebody to Love.
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Seit ihrer Kindheit sind die Drillinge Hendrik, Lene und Emil eine untrennbare Einheit und mit Freya befreundet. Bei einer Aktion gegen Massentierhaltung kommt Hendrik jedoch auf tragischerweise ums Leben. ...

Seit ihrer Kindheit sind die Drillinge Hendrik, Lene und Emil eine untrennbare Einheit und mit Freya befreundet. Bei einer Aktion gegen Massentierhaltung kommt Hendrik jedoch auf tragischerweise ums Leben. In seinem Elternhaus ist sein Tod ein Tabuthema, da sein Vater als Bürgermeister einen politischen Skandal fürchtet. Für seine Geschwister und vor allem für seine Freundin Freya bricht derweil eine Welt zusammen. Seine Schwester Lene entflieht der Situation erstmal ins Ausland und so bleibt Emil als einziger der Drillinge allein zurück. Auch Freya kämpft auch 8 Monate später mit ihrer Trauer und dem Unverständnis über die angeblichen Todesumstände, die sie einfach nicht los lassen. Dank Emil beginnt sie, ihr Schneckenhaus zu verlassen und beide machen sich gemeinsam auf die Suche nach der Wahrheit.

Die Autorin hat sich für die Geschichte ein äußerst heikles Thema ausgesucht und einfach perfekt umgesetzt. Neben dem Verlust eines geliebten jungen Menschen und den Auswirkungen auf das Umfeld, stehen auch die Trauerbewältigung und der Mut für einen Neuanfang.
Die landschaftliche Kulisse Norwegens sorgt für ein schönes und authentisches Flair und gefällt mir ebenso gut, wie die Tatsache, dass es hier endlich mal Protagonisten gibt, die offen über ihre Gefühle reden und Probleme direkt ansprechen. Die sonst für das Genre so typischen, konstruierten Hin-und-Her-Dramen bleiben uns in diesem Roman glücklicherweise erspart!
Eine erfrischende Liebeserklärung auf die norwegische Art, die spannend und rundum schön umgesetzt wurde!
Ich freue mich jetzt schon sehr auf Band 2!

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Veröffentlicht am 25.03.2024

Reale Fiktion

Das andere Tal
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Die 16-Jährige Halbwaise Odile soll nach dem Willen ihrer Mutter eine Laufbahn als Conseil einschlagen und so begleiten wir Odile zunächst abwechselnd zwischen Schule, ihrer Freizeit, die sie mit ihren ...

Die 16-Jährige Halbwaise Odile soll nach dem Willen ihrer Mutter eine Laufbahn als Conseil einschlagen und so begleiten wir Odile zunächst abwechselnd zwischen Schule, ihrer Freizeit, die sie mit ihren Freunden verbringt und einem herausfordernden Auswahlverfahren. Während sie anfängt, für ihren Freund Edme romantische Gefühle zu entwickeln, bekommt man außerdem einen Einblick in ihre außergewöhnlichen Lebensumstände. Sie wohnt in einem Tal, dessen Grenzen eingezäunt sind und gesichert werden, die verhindern sollen, dass Besucher ungehindert zwischen ihrem und den zwei anderen Tälern wandeln und so Einfluss auf das weltliche Geschehen nehmen können. Denn bei den Tälern östlich und westlich von ihrem, spielt sich das Leben in dem selben Dorf nur um 20 Jahre zeitversetzt ab. Daher darf ausschließlich im Trauerfall eines der anderen Täler besucht werden. Als Edme eines Tages verschwindet, scheint sein Schicksal also besiegelt.
Im zweiten Teil des Buches ist Odile bereits 36 Jahre alt und der Weg den sie inzwischen gegangen ist, ist ein gänzlich anderer.

Dieses Buch hat mir in in vielerlei Hinsicht einiges abverlangt. Von Beginn an entwickelte sich die Handlung nicht nur vollkommen anders, als ich es ursprünglich erwartet habe und hat außerdem immer wieder neue Fragen aufgeworfen, sowie beim Lesen jeder einzelnen Zeile volle Konzentration erfordert. Es ist nämlich keine Geschichte, die sich einfach nebenbei und zwischendurch liest.
Man muss sich auf die Atmosphäre und den sehr philosophisch anmutenden Charakter einlassen können, um in dieser zweifellos einzigartigen Erzählung anzukommen. Bei mir haben sich die eingelegten Lesepausen jedes Mal gerecht, in dem ich dadurch den Faden in dieser vielschichtigen Handlung, insbesondere bei Zeitsprüngen und Ortswechseln immer wieder verloren habe und ständig das Gefühl hatte, etwas überlesen zu haben.
Der Autor fordert seine Leserschaft übrigens nicht nur indirekt auf, sich auf ein philosophisches Gedankenexperiment einzulassen, sondern hat mich auch mittels seines sehr bildhaften Schreibstils zwischenzeitlich an meine persönlichen Grenzen gebracht. Gerade die Szenen, die eine körperliche Züchtigung von Schülern beschrieben, waren kaum zu ertragen.

Leider ist es am Ende kein Buch für mich, dennoch möchte ich an dieser Stelle auch nicht davon abraten, sondern bin mir sicher, dass andere Lesende das Potential dieser Geschichte anders wahrnehmen werden.

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Veröffentlicht am 07.03.2024

Enttäuschend

The Breakup Tour – Der Sound unserer Liebe
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Zunächst einmal oute ich mich als kleine Swiftie-Sympathisantin. Als solche bin ich natürlich relativ schnell auf das Buch aufmerksam geworden und mit gewissen Erwartungen an die Story herangegangen.

Und ...

Zunächst einmal oute ich mich als kleine Swiftie-Sympathisantin. Als solche bin ich natürlich relativ schnell auf das Buch aufmerksam geworden und mit gewissen Erwartungen an die Story herangegangen.

Und darum geht’s:
Sängerin Riley hat gerade eine schmerzhafte Trennung von ihrem Ex-Mann hinter sich. Das hindert ihn jedoch nicht daran, den Erfolg ihres Hits dafür zu nutzen, sich selbst immer wieder ins Rampenlicht zu stellen. Jugendliebe Max, der tatsächlich als Inspiration für den Song diente, soll Riley nun helfen. Im Gegenzug möchte er als Keyboarder mit ihr auf Tour gehen, um von dem Geld das marode und sanierungsbedürftige Seniorenheim seiner Eltern zu retten.

Das schönste an dem Buch sind bedauerlicherweise das Cover und der Farbschnitt! Die Story ist vollkommen realitätsfern und wirkt so unglaubwürdig, dass sich meine Augen an manchen Stellen am liebsten im Kreis gedreht hätten.
Vor allem für Sängerin Riley konnte ich mich leider null erwärmen, fand sie furchtbar anstrengend und emotional instabil. Max blieb hingegen eine unscheinbare Randfigur und die Rettung des renovierungsbedürftigen und verschuldeten Seniorenheims war am Ende gar kein Thema mehr. Generell erschien mir die Handlung ziemlich mau und sorgte letztlich dafür, dass der Funke nicht übersprang.

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Veröffentlicht am 06.03.2024

Nur noch ein Kapitel

Verborgen
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Bei dem dritten Teil der Reihe fördert ein Zimmerbrand eine Leiche zutage und die Spurensuche deckt zudem das mysteriöse Verschwinden eines holländischen Aupair-Mädchens auf, das keiner zu vermissen scheint.

Neben ...

Bei dem dritten Teil der Reihe fördert ein Zimmerbrand eine Leiche zutage und die Spurensuche deckt zudem das mysteriöse Verschwinden eines holländischen Aupair-Mädchens auf, das keiner zu vermissen scheint.

Neben den Ermittlungen zu den aktuellen Fällen, hält das Privatleben von Kommissarin Elma und ihren Kollegen interessante und unerwartete Entwicklungen bereit, die auch auf beruflicher Ebene Auswirkungen haben.



Wie schon in den beiden ersten Bänden der Reihe, wechseln sich unterschiedliche Perspektiven und Schauplätze durch kurzgehaltene Kapitel ab und halten den Spannungsbogens damit konstant aufrecht.

Allerdings geht es in diesem Teil jedoch spürbar ruhiger zu, die Handlung wirkt zwar vorhersehbarer, aber ohne langweilig zu sein, denn letztlich ist und bleibt bis zum Ende alles möglich und jeder der Protagonisten potentiell verdächtig.

Eine willkommene Abwechslung ist auch, dass dieses Mal kein gestörtes Mutter-Tochter-Verhältnis im Mittelpunkt steht.

Mittlerweile auch die anfangs noch komplizierten ausländischen Namen kann man inzwischen problemlos auseinander zu halten.

Ich fühle mich richtig angekommen in dieser Buchreihe und hoffe, dass dies noch lange nicht das Ende ist.



Große Leseempfehlung für die gesamte Reihe!

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