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Veröffentlicht am 25.11.2019

Interessanter Krimi in der wundervollen Provence mit sympathischem Ex-Kommissar…

Schatten der Provence
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Der Krimi „Schatten der Provence“ von Pierre Lagrange ist am 24. April 2019 im FISCHER Scherz- Verlag erschienen und spielt, wie es der Titel schon verrät, in der Provence, um genau zu sein, in und um ...

Der Krimi „Schatten der Provence“ von Pierre Lagrange ist am 24. April 2019 im FISCHER Scherz- Verlag erschienen und spielt, wie es der Titel schon verrät, in der Provence, um genau zu sein, in und um Carpentras.

Albin Leclerc ist endlich in seinem wohlverdienten Ruhestand. Doch was fängt man nun mit dieser ganzen freien Zeit an? Zum Glück muss er darüber nicht lange nachdenken, denn in der Nähe von Carpentras wird ein Kunsttransport mit wertvollen Gemälden überfallen. Der Coup läuft schief und die Polizei findet das Versteck der Räuber. Doch nicht nur das, dort gibt es weitere unbekannte Bilder von Cézanne und van Gogh. Und spätestens jetzt kann Leclerc die Finger nicht mehr von dem Fall lassen und beginnt im Alleingang zu ermitteln, den beiden Polizisten Castel und Theroux immer eine Nasenlänge voraus. Als es dann auch noch Tote gibt, heißt es für Leclerc, sich in Acht zu nehmen. Vor ihm liegt eine aufregende Zeit, die geprägt ist von seinem inneren Konflikt, ob er noch gut genug für seinen ehemaligen Job ist.

Gut 3 Abende brauchte ich für dieses Buch, das mich am Ende zufrieden zurücklässt.

Das Cover gefällt mir. Es wirkt durch das viele Blau etwas kühl, für meinen Geschmack passend zum Genre. Ehrlicherweise muss ich aber anmerken, dass ich bei diesem Cover nicht auf einen Krimi gekommen wäre. Auch durch den Titel nicht unbedingt. Für mich hätte es von der Aufmachung her auch ein Sachbuch sein können.

Der Klappentext hat mich dafür aber gleich gepackt. Er führt die Hauptfiguren und den Hauptkonflikt ein und vermittelt eine erste Lesestimmung. Insbesondere der Hinweis zu Albin mit seinem Mops verspricht ein paar amüsante Stellen.

Albin Leclerc war Kommissar und ist jetzt im Ruhestand. So richtig weiß er nichts mit seiner freien Zeit anzufangen. Und sich nur um den Haushalt kümmern, Kaffee trinken gehen und auf seine Familie warten, reicht ihm nicht aus. Man kann förmlich spüren, wie unruhig und unzufrieden ihn diese Situation macht und er darauf wartet, dass etwas passiert. Und tatsächlich. Ein Kunstraub. Albin kann die Füße einfach nicht still halten und ermittelt auf eigene Faust. Dabei ist er sehr aktiv, nimmt alle Hürden, die ihm in den Weg gelegt werden und hat sein Ziel zu jeder Zeit vor Augen. Bei mir ist das Gefühl aufgekommen, er will sich selbst etwas beweisen, doch es scheint auch, als wolle er Castel auf der Karriereleiter empor helfen. Das hat ihn mir besonders sympathisch gemacht. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass er durch seine jahrelange Erfahrung ein gutes Gespür entwickeln konnte und dass nicht nur alles Neumoderne zur Lösung eines Problems beiträgt. Ich finde Albin authentisch und äußerst sympathisch. Auch wie er mit seinem Schicksal hadert, jetzt im Ruhestand zu sein, gefällt mir sehr und spiegelt wider, wie es vielen anderen Menschen geht, die ihr Arbeitsleben beenden. Wirklich sehr gelungen.

Die anderen Nebenfiguren haben mir auch gut gefallen. Jeder hatte ein Ziel/ eine eigene Motivation. Castel hätte für meinen Geschmack noch aktiver sein können und zeigen, dass Frauen Männern in nichts nachstehen. Sie wird von der Männerwelt ein wenig abgetan und hätte sich genau an dieser Stelle abheben müssen. Tyson fand ich richtig toll. Die Zwiegespräche mit Albin waren sehr amüsant und haben Albin’s inneren Konflikt sehr gut dargestellt bzw. Albin damit konfrontiert, da Tyson recht offen und ehrlich zu seinem Herrchen ist. Ich musste so einige Male schmunzeln.

Die Handlung fand ich ebenfalls sehr gelungen. Es wird eine ansteigende Spannungskurve mit verschiedenen Konflikten aufgebaut. Die Nebenerzählstränge haben die Hauptgeschichte gut ergänzt und uns insbesondere Albin und Castel in verschiedenen Rollen erleben lassen. Leider fehlten mir wirklich überraschende Wendungen, die ich mir gerade in einem Krimi gewünscht hätte. Es war zwar spannend, Albin zu begleiten und bestimmte Situationen mit ihm mitzuerleben, aber es lief für meinen Geschmack relativ geradlinig ab. Das ist aber nur mein persönlicher Geschmack. Dafür erfährt man aber viele interessante Dinge über die Nazi-Zeit in Frankreich, d.h. vor allem über Enteignungen reicher Leute, die dann dem Nazi-Regime zum Opfer fielen. Das Ende hat mir dann sehr gut gefallen. Alles wird aufgelöst und es ist nach der kurzen Zeit bereits ein Streit entfacht, wem nun die „Schätze“ zustehen, der Stadt Marseille oder den tatsächlichen Besitzern etc. Das ist ein wunderbares Abbild der damaligen Zeit. Ein sehr gelungenes Abschlussbild.

Aber wie liest sich das Buch nun?

Es sind 64 unterschiedlich lange Kapitel + Prolog, die in der 3. Person Singular im Präteritum in der personalen Erzählform aus der Sicht Leclercs geschrieben sind. Das hat mir in diesem Buch sehr gut gefallen, weil man sich so immer in Albin hineindenken und sein Handeln so nachvollziehen konnte.

Den Schreibstil fand ich toll. Alles las sich locker und flüssig. Die Dialoge waren sehr lebendig und unterhaltsam. Die Beschreibungen der Settings und die atmosphärischen Beschreibungen haben immer ein Bild vor meinem inneren Auge entstehen lassen und auch die emotionale Ebene war gut entwickelt. Den Schreibstil fand ich rundum gelungen.

Ganz besonders haben mir aber die Dialoge zwischen Albin und Tyson gefallen. Zum Teil waren diese sehr amüsant, aber vor allem offen und ehrlich, so dass man als Leser/in einen prima Eindruck von der innigen Beziehung der beiden bekam.

Mein Fazit nach 403 Seiten im Taschenbuch:

„Schatten der Provence“ zeigt sehr eindrucksvoll, zu welch drastischen Mitteln manch einer greift, um seinen Lebensstandard zu halten und seinen guten Ruf zu wahren. „Über Leichen gehen“ ist eben nicht für alle nur ein Sprichwort.

Wer einen Krimi sucht, der in der Provence spielt, Interessantes zur Nazi-Zeit in der Provence lehrt und die Themen „emotionaler Übergang in den Ruhestand“ und „Selbstvertrauen“ verarbeitet, der dürfte mit diesem Roman gut beraten sein.

Von mir erhält dieses Buch eine klare Kaufempfehlung (4/5 Sternen), weil die Hauptfigur sehr sympathisch und realistisch ist und Probleme wie jeder andere mit sich trägt. Außerdem ist der Schreibstil toll. Ein halbes Sternchen ziehe ich ab für Castel, weil sie mir zu sehr das tradierte Rollenmuster der Frau bedient. Hier hätte ich mir eine deutlich stärkere weibliche Figur als Partnerin auf Augenhöhe für Albin gewünscht. Ein weiteres halbes Sternchen ziehe ich ab, weil mir an manchen Stellen Spannung fehlt. Mit ein paar überraschenden Twists hätte man die Spannung meines Erachtens noch weiter steigern können.

Trotzdem ist es ein gelungener Roman, den ich nur weiterempfehlen kann.

Vielen Dank an Pierre Lagrange für diese Geschichte.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Interessanter, historischer (Liebes-)Roman zum Geburtswesen in der Kriegszeit…

Aufbruch in ein neues Leben
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Der historische Roman „Aufbruch in ein neues Leben“ Band 1 der Hebammen-Saga von Linda Winterberg ist am 12. Juli 2019 in der 2. Auflage im Aufbau Digital-Verlag erschienen und spielt in Berlin.

Edith, ...

Der historische Roman „Aufbruch in ein neues Leben“ Band 1 der Hebammen-Saga von Linda Winterberg ist am 12. Juli 2019 in der 2. Auflage im Aufbau Digital-Verlag erschienen und spielt in Berlin.

Edith, Margot und Luise treffen sich mit dem Beginn der Ausbildung zur Hebamme in Berlin und sind von Grund auf verschieden. Doch gemeinsam starten sie in ihr großes Abenteuer und geben sich gegenseitig Kraft und Halt, wobei jede ihr eigenes Päckchen zu tragen hat. Und auch wenn sie füreinander da sind, liegt vor ihnen eine schwierige Zeit, die geprägt ist von Elend und Armut, der Hoffnung auf Frieden und ihrem inneren Konflikt, ob es der richtige Weg ist, den sie gehen.

Zwei Tage habe ich für dieses Buch gebraucht, das mich am Ende zwar traurig, aber auch zuversichtlich zurücklässt.

Das Cover gefällt mir sehr. Es passt wunderbar zu dieser Geschichte und in dieses Genre.

Auch der Klappentext ist sehr gelungen. Er führt die Hauptfiguren und den Hauptkonflikt ein und vermittelt eine erste Stimmung. Mein Interesse wurde damit sofort geweckt und ich wollte das Buch unbedingt lesen.

Luise ist eine selbstbewusste, junge Frau, die in die Fußstapfen ihrer Oma treten und als Hebamme arbeiten will. Zwar hat sie schon jede Menge Erfahrung, doch möchte sie es noch weiter professionalisieren und dann als ausgebildete Hebamme zurück in ihre Heimat gehen. Doch dann kommt ihr die Liebe dazwischen und auch wenn sie weiß, dass sie damit ihre Ausbildung gefährdet, geht sie das Risiko ein und genießt die neuen Erfahrungen. Im Vordergrund steht aber immer die Ausbildung. Sehr schnell merkt man, wie viel Luise an diesem Job liegt und wie sie darin aufgeht. Luise ist Margot und Edith eine wirklich gute Freundin, redet ihnen gut zu und unterstützt sie. Dabei strahlt sie immer eine gewisse Zuversicht aus. Bis sie dann kurz nacheinander zwei eigene schwere Schicksalsschläge in die Tiefe reißen. Luise hat ein klares Ziel und arbeitet sehr aktiv darauf hin, nimmt alle Hürden, die ihr in den Weg gelegt werden und macht eine gelungene Entwicklung durch. Mir war sie sehr sympathisch und am Ende habe ich mit ihr mitgelitten.

Margot ist genau das Gegenteil zu Luise. Sie ist sehr ängstlich und pessimistisch. Durch eine Empfehlung darf sie ihren Traumberuf als Hebamme erlernen, doch schon den ersten Tag schafft sie nur mit Luises Hilfe. Man spürt sehr deutlich, dass Luise sich geborgen fühlen möchte und sich Liebe wünscht, doch genau dieses Need lässt sie ein Stück weit labil wirken und treibt sie in sehr unbedachte Situationen. Doch trotzdem empfand ich sie als aktiv und manchmal sogar kämpferisch, wenn es darum ging ihr Ziel zu erreichen. Gerade wenn es um ihre Familie ging bzw. deren Schutz ist sie über sich hinausgewachsen. Auch Luise entwickelt sich im Laufe der Handlung und wird deutlich selbstbewusster.

Edith ist von den Dreien die Selbstbewussteste. Durch eine ganz besondere Situation entscheidet sich Edith für die Ausbildung und nimmt dafür sogar in Kauf, von ihrer reichen Familie verstoßen zu werden. Sie weiß sehr genau, was sie will und lässt sich da auch nicht reinreden. Auch ihr Ziel ist klar und sie arbeitet sehr aktiv an dessen Erreichung. Edith macht ebenfalls eine Entwicklung durch, jedoch ist die für meinen Geschmack nicht so ausgeprägt wie bei den anderen Protagonistinnen.

Auch alle anderen Figuren mochte ich. Jede hatte ein Ziel und eine eigene Motivation. So haben alle in ihrer besonderen Art ein gelungenes Ganzes ergeben. Sie haben sich gegenseitig ergänzt und das Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Bei den drei Frauen (Hauptfiguren) hätte ich mir aber insgesamt noch mehr Tiefe gewünscht. Ein Großteil des Buches wird durch die Handlung bestimmt. Da hätte man der Figurenentwicklung noch mehr Raum geben können.

Meine Lieblingsfigur war aber trotzdem Luise. Sie ist einfach sehr natürlich und echt.

Die Handlung fand ich im Großen und Ganzen auch gut. Es ist eine ansteigende Spannungskurve entwickelt worden, mit kleinen und größeren Konflikten. Für meinen Geschmack gab es aber auch Längen im Buch und die Szenen sind zum Teil recht monoton, d.h. die Handlung kommt nicht voran. Das habe ich insbesondere bei der sehr detaillierten Darstellung der vielen Geburten empfunden. Die Lebensumstände, die Einzelschicksale und die Zeit sind dagegen sehr eindrücklich thematisiert worden und strahlen eine gewisse Bedrücktheit/Schwere aus. Zum Ende hin nimmt die Handlung dann wieder an Fahrt auf und hat mich auch wieder gepackt. Dabei ist mir insbesondere Luisa’s Schicksal nahe gegangen. Das Ende hat mir gut gefallen. Auch wenn es recht traurig ist, endet es doch hoffnungsvoll.

Ganz besonders gefallen hat mir, wie die Frauen zusammengehalten haben und füreinander da waren, sich aber auch ehrlich die Meinung gesagt haben.

Die Settings fand ich gut. Insgesamt gesehen waren sie sehr abwechslungsreich und die Orte haben sehr gut zur Geschichte gepasst. Vor allem die krassen Gegensätze (Edith’s und Margot’s Zuhause) haben die Handlung verstärkt.

Aber wie liest sich das Buch nun?

Es sind 41 längere Kapitel, die in der 3. Person Singular im Präteritum in der personalen Erzählform geschrieben sind. Das hat mir gut gefallen, weil man so immer wusste, was in den verschiedenen Figuren vorging.

Der Schreibstil hat insgesamt meinen Geschmack getroffen. Die Geschichte ist sehr flüssig und bildreich geschrieben. Die Dialoge sind vom Ausdruck her passend zum Genre, jedoch könnten sie für mich persönlich noch etwas realistischer und umgangssprachlicher sein. Manche Dialoge sind schon noch sehr ausformuliert und wirken für mich dann mitunter etwas gestelzt, weil man so in der Regel nicht spricht. Die emotionale Ebene hätte ich mir auch noch etwas intensiver gewünscht, um noch mehr von der Handlung und den Figuren gefesselt zu sein. Dafür haben mir die Beschreibungen der Settings und die atmosphärischen Beschreibungen um so besser gefallen. Ich hatte immer ein Bild vor meinem inneren Auge und konnte mich gut in die Situationen hineindenken.

Mein Fazit nach 381 Seiten:

„Aufbruch in ein neues Leben“ zeigt sehr eindrucksvoll, welche verheerenden Folgen Krieg hatte, wie viel Menschen furchtbare Schicksale erleiden mussten und in welcher Armut und wie verwahrlost viele Bürger leben mussten. Es zeigt aber auch, dass die Hoffnung auf ein besseres Leben nie aufgegeben wurde und man sich an den kleinen positiven Momenten erfreut hat.

Wer einen interessanten, historischen (Liebes-)Roman sucht, der ab dem Jahr 1917 in Berlin spielt und die Themen „der Beruf der Hebamme in der vorherrschenden Zeit“ und „die Kriegszeit in Berlin“ verarbeitet, der dürfte mit diesem Roman gut beraten sein.

Von mir erhält dieses Buch eine Kaufempfehlung (4/5 Sternen), weil mich der Roman bewegt und zum Nachdenken angeregt hat. Die Schicksale dieser Zeit sind sehr eindrucksvoll dargestellt und die Verzweiflung der Menschen in dieser Zeit ist förmlich zu spüren. Ein halbes Sternchen ziehe ich ab für die durch mich empfundenen Längen/ monotone Geburtsszenen. Ein weiteres halbes Sternchen ziehe ich ab, weil das Potenzial der emotionalen Ebene meines Erachtens nicht gänzlich ausgeschöpft wurde.

Trotzdem ist es ein sehr gelungener Roman, den ich nur weiterempfehlen kann.

Vielen Dank an Linda Winterberg für diese Geschichte.

Veröffentlicht am 29.10.2019

Eine starke Frau mit einem bewegten Leben…

Die englische Fürstin
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Der historische Roman „Die englische Fürstin“ von Sabine Weigand ist am 28. August 2019 im FISCHER Krüger - Verlag erschienen und spielt die meiste Zeit in Deutschland, aber auch in England und Frankreich.

Daisy ...

Der historische Roman „Die englische Fürstin“ von Sabine Weigand ist am 28. August 2019 im FISCHER Krüger - Verlag erschienen und spielt die meiste Zeit in Deutschland, aber auch in England und Frankreich.

Daisy (Mary Theresa Olivia Cornwallis West) ist Tochter einer langsam verarmenden Adelsfamilie aus England und wird aus diesem Grund mit dem deutschen Fürsten von Pless verheiratet. Doch ihr Leben verläuft dann ganz anders, als sie erwartet hatte. Zwar lebt sie im Luxus, geht auf Bälle und reist viel, sie erkennt aber worauf dieses Leben gestützt ist, nämlich die Ausbeutung der „kleinen“ Menschen. Gegen derlei Ungerechtigkeiten will Daisy vorgehen, doch ihr Ehemann ist nicht bereit, sie dabei zu unterstützen. Also sucht sie nach Wegen, um gegen die Armut zu kämpfen und für annehmbare Lebensumstände zu sorgen. Vor Daisy liegt eine schwierige Zeit, die geprägt ist von großen Enttäuschungen, aber auch Dankbarkeit und ihrem inneren Konflikt, ob man auf Kosten anderer glücklich sein darf.

Drei Tage habe ich für dieses Buch gebraucht, das mich zufrieden zurücklässt, aber zum Teil auch mit Verständnislosigkeit zurücklässt. Dass das Wohl des Volkes von den Launen einer einzelnen Person abhängig ist und sich niemand wirklich traut, auf diese Person einzuwirken, ist immer wieder unfassbar.

Das Cover gefällt mir sehr gut und passt sowohl zur Geschichte als auch zum Genre.

Auch der Klappentext sprach mich sofort an. Er führt die Hauptfigur und den Hauptkonflikt ein und schafft eine erste Stimmung beim Leser/ bei der Leserin.

Daisy ist eine junge, schöne Frau, die als Debütantin heiß umworben ist. Dem ausufernden Lebensstil ihrer Eltern hat sie es zu verdanken, dass sie mit einem älteren, reichen Fürsten verheiratet wird, denn nur so kann das Leben der Familie weiterhin gewährleistet werden. Und auch wenn es Daisy widerstrebt diesen Mann zu heiraten, gibt sie sich dann aber große Mühe, den Erwartungen, die an sie gerichtet sind gerecht zu werden. Dabei hat sie so einige Hürden zu nehmen, ist sehr aktiv und macht eine großartige Entwicklung durch. Ich empfinde sie in ihrer Art sehr authentisch und habe Daisy wirklich lieb gewonnen.

Auch alle anderen Figuren mag ich wirklich sehr. Von jeder ist ein einzigartiges Bild gezeichnet worden, jede hat ein Ziel und jede hat eine eigene Motivation. Natürlich ist manches mit unseren Augen (von heute) sehr befremdlich, wenn z.B. Daisy’s Mutter ihr aus Eigennutz und zur Wahrung des eigenen Rufes gut zuredet, als sie über die Probleme mit ihrem Ehemann berichtet, doch es ist für die dargestellt Zeit wirklich realistisch. Der Fürst ist eine sehr eigenwillige Person und auch der Kaiser ist sehr speziell, aber genau das macht diese Geschichte aus.

Ganz besonders gefallen hat mir, wie Daisy erkennt, dass der Fürst nichts für sein Volk tut und sie daraufhin ihr eigenes Weltbild korrigiert und aktiv anfängt dagegen vorzugehen, auch wenn es eine Gefahr für sie selbst darstellt.

Die Handlung fand ich ebenfalls gelungen. Es wurde eine ansteigende Spannungskurve mit vielen kleinen und großen Konflikten entwickelt, die auch überraschende Wendungen vorhält. Und trotz der gewählten Romanform vermittelt Sabine Weigand mit ihrem Werk viel Wissen über die vorherrschende Zeit. Auch die Liebesgeschichte ist für meinen Geschmack sehr schön gezeichnet worden. Damit meine ich die Beziehung zu Großherzog Adolph Friedrich von Mecklenburg - Strelitz. Auch die Nebenhandlung zu Joschi fand ich sehr interessant und es hat die Haupthandlung wirklich gut ergänzt. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich die Geschichte an manchen Stellen etwas langatmig fand. Das Ende hat mir dann sehr gut gefallen und mir kamen vor Freude die Tränen. Daisy musste in ihrem Leben ganz schön leiden. Und sie dann am Ende glücklich zu sehen, hat mich echt gerührt.

Die Settings haben mir auch sehr gut gefallen. Es ist zu weiten Teilen mal etwas anderes als sonst in diesem Genre, also nicht nur England und Frankreich und es ist sehr abwechslungsreich.

Aber wie liest sich das Buch nun?

Es sind 4 Teile mit häufig längeren Leseabschnitten, Zeitungsartikeln und Briefen. Die Leseabschnitte sind meist in der ICH-Form im Präteritum aus Daisy’s Sicht geschrieben. Das hat mir sehr gut gefallen. Die Zeitungsartikel und Briefe lockern das Ganze ein wenig auf und durch die gewählte Perspektive kann man Daisy’s Denken und Handeln sehr gut verstehen und nachvollziehen.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Das Buch liest sich sehr flüssig und ist sehr bildreich geschrieben. Auch die Beschreibungen der Settings und die atmosphärischen Beschreibungen fand ich gelungen und konnte mir alles gut vorstellen. Die Dialoge haben sehr gut zum Genre gepasst und im Ausdruck für jede Figur mit einer gewissen Individualität entwickelt. Insgesamt hätte ich mir aber noch etwas mehr Tiefe bzw. Den Ausbau der emotionalen Ebene gewünscht.

Mein Fazit nach 576 Seiten:

„Die englische Fürstin“ zeigt sehr eindrucksvoll, wie eine Frau sich in der Zeit des Kaisers bereits über Grenzen und Regeln hinweggesetzt hat und aus dem „typischen“ Rollenmuster der Frau ein Stück weit ausgebrochen ist. Jeder kann etwas bewegen, wenn er es möchte.

Wer einen interessanten und spannenden historischen Roman (Biografie) sucht, der zu großen Teilen in Deutschland in der Zeit von 1883 bis zum Abdanken des Kaisers spielt, in dem auch die Liebe nicht zu kurz kommt und der die Themen „die Rolle der Frau“ und „die Lebensumstände in der vorherrschenden Zeit“ verarbeitet, der dürfte mit diesem Roman gut beraten sein.

Von mir erhält dieser Roman eine Kaufempfehlung (4/5 Sternen), weil Daisy eine wirklich starke und beeindruckende Figur ist, die ein sehr bewegtes Leben hatte. Überhaupt ist es sehr interessant dieses Buch zu lesen, denn es wird viel Wissen in Form eines Romans vermittelt. Ein halbes Sternchen ziehe ich ab, weil es zum Teil etwas langatmig war. Ein weiteres halbes Sternchen ziehe ich ab für die emotionale Ebene. Hier hätte ich mir noch mehr Tiefe gewünscht.

Trotzdem ist es ein sehr gelungener Roman, den ich nur weiterempfehlen kann.

Vielen Dank an Sabine Weigand für diese Geschichte.

Veröffentlicht am 28.10.2019

Ein unterhaltsamer Liebesroman mit einer kleinen Herausforderung für Arachnophobiker…

Perfect Mistake
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Der Liebesroman „perfect mistake“ von Kylie Scott ist in der 2. Auflage am 31. Juli 2019 im LYX.digital-Verlag erschienen und spielt in Australien.

Bisher konnte sich Adele gut von ihrer Heimatstadt fernhalten, ...

Der Liebesroman „perfect mistake“ von Kylie Scott ist in der 2. Auflage am 31. Juli 2019 im LYX.digital-Verlag erschienen und spielt in Australien.

Bisher konnte sich Adele gut von ihrer Heimatstadt fernhalten, doch nun heiratet ihr Vater und sie muss dorthin. Nicht, dass es sie stören würde an der Hochzeit teilzunehmen. Aber es bedeutet, den Mann wiederzutreffen, in den sie unsterblich verliebt war und vor dem sie sich zu Tode blamiert hat. Adele glaubt über ihn hinweg zu sein, doch schon bei ihrer Ankunft kommen ihre Gefühle wieder hoch. Vor ihr liegt eine aufregende Zeit, die geprägt ist von Selbstzweifeln und ihrem inneren Konflikt, ob sie die Gefahr eingehen sollte, Pete ein zweites Mal ihre Gefühle zu zeigen und abgewiesen zu werden.

Einen Tag habe ich für dieses Buch gebraucht, das mich insgesamt zufrieden, aber mit einer kleinen Enttäuschung zurückgelassen hat.

Das Cover gefällt mir sehr und passt wirklich gut zu dieser Geschichte.

Der Klappentext ist für meinen Geschmack auch gelungen und führt die Hauptfiguren und den Hauptkonflikt ein.

Adele Reid ist eine junge, selbstbewusste Frau und wohnt in Sydney. Für die Hochzeit ihres Vaters reist sie in ihre Heimatstadt. Sie will alles möglichst schnell hinter sich bringen und wieder nach Hause, um nicht wieder Gefühle für Pete zu entwickeln. Ihr Ziel ist damit klar, nur ergeben sich auf dem Weg dorthin einige Schwierigkeiten, d.h. Adele hat einige Hürden zu nehmen. Die hätten für meinen Geschmack aber ruhig noch etwas höher sein können, um sie richtig zu fordern. Adele ist recht aktiv und macht eine Entwicklung durch. Sie ist insgesamt authentisch und auch sympathisch.

Mit Pete konnte ich dagegen nicht so richtig warm werden. Er ist sehr unnahbar und in seinem Verhalten für mich nicht immer nachvollziehbar, auch wenn mir seine schwierige Kindheit klar ist und er mir auch leid tat. Er scheint Gefühle für Adele zu haben, nur hätte ich mir gewünscht, dass man es als Leser/in dann auch noch besser erkennen kann. Manchmal wirkte es eher, als verspüre er nur körperliche Lust. Außerdem ist er mir für sein Alter an manchen Stellen nicht locker genug. Und wie er mit seiner Freundin umgeht, hat mir gar nicht zugesagt. Aber auch er macht eine Entwicklung durch und erkennt am Ende seinen Fehler.

Alle anderen Figuren haben mir gut gefallen, aber Shanti (die neue Frau von Adele’s Vater) ist mein Liebling in diesem Buch. Diese Energie und Einzigartigkeit ist toll und wirkt anstecken. Die hätte ich mir aber noch mehr von Adele gewünscht. Auch Adele’s Vater ist ein toller Kerl.

Ganz besonders gefallen hat mir, wie Shanti allen den Kopf zurecht gerückt hat, wenn die es brauchten. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und ist sehr ehrlich.

Auch die Handlung hat mir gefallen. Es wurde eine ansteigende Spannungskurve mit verschiedenen Konflikten entwickelt. Ich hätte mir aber mehr Überraschungen/ Abwechslung gewünscht. Zum Teil war die Story etwas vorhersehbar. Das Ende war dann wieder voll nach meinem Geschmack und ich habe mich für Adele gefreut.



Außerdem möchte ich eine Warnung aussprechen. Ich habe gedacht, mir fällt das Kindle aus der Hand. (lach) Menschen mit Arachnophobie sollten das Buch mir Vorsicht genießen!

Aber wie liest sich das Buch nun?

Es sind 15 längere Kapitel + Epilog, die in der ICH-Form im Präteritum aus Adele’s Sicht geschrieben sind. Das sagt mir persönlich immer zu, weil ich Adele’s Gefühle, ihre Gedanken und ihr Handeln so nachvollziehen konnte.

Der Schreibstil hat mir insgesamt gefallen. Das Buch liest sich locker und flüssig. Die Dialoge sind frisch und spritzig und passend zum Genre. Die Beschreibungen der Settings und die atmosphärischen Beschreibungen ließen immer ein Bild vor meinem inneren Auge entstehen. Auch die erotischen Momente fand ich sehr gelungen. Leider war für meinen Geschmack aber die emotionale Ebene nicht ausreichend entwickelt und beschrieben. Damit hätte man deutlich mehr Tiefe erzeugen können. Wirklich schade.

Mein Fazit nach 304 Seiten:

„Perfect mistake“ zeigt, wie wichtig es ist, Fehler nicht zu verteufeln, sondern sie als Chance zu sehen, um daran zu wachsen bzw. die Liebe daran wachsen zu lassen.

Wer einen unterhaltsamen Liebesroman mit erotischen Momenten sucht, der in Australien spielt und die Themen „Fehler“ und „Altersunterschied in einer Beziehung“ verarbeitet, der dürfte mit diesem Roman gut beraten sein.

Von mir erhält dieses Buch eine Kaufempfehlung (3,5/5 Sternen), weil das Buch mich gut unterhalten hat, die Handlung auf ihre Art irgendwie niedlich war und mir der Schreibstil wirklich gut gefällt. Ein halbes Sternchen ziehe ich ab für die Figur „Pete“. Von ihm hätte ich mir mehr Aktivität in Richtung Adele gewünscht. Ein weiteres halbes Sternchen ziehe ich ab, weil die emotionale Ebene für meinen Geschmack nicht abschließend entwickelt war und dem Roman damit Tiefe fehlte. Und eine drittes halbes Sternchen ziehe ich ab, weil die Handlung zum Teil vorhersehbar war. Hier hätte ich mir mehr überraschende Wendungen gewünscht.

Trotzdem ist es ein sehr gelungener Roman, wie ich finde, den ich nur weiterempfehlen kann.

Vielen Dank an Kylie Scott für diese Geschichte.

Veröffentlicht am 27.10.2019

Spannender historischer Roman zum Thema Sklaverei…

Im Reich des Zuckerrohrs
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Der historische Liebesroman „Im Reich des Zuckerrohrs“ von Tereza Vanek ist am 01. August 2019 im Edel Elements-Verlag erschienen und spielt die meiste Zeit auf Jamaika.

Mareike studiert Geschichte. Um ...

Der historische Liebesroman „Im Reich des Zuckerrohrs“ von Tereza Vanek ist am 01. August 2019 im Edel Elements-Verlag erschienen und spielt die meiste Zeit auf Jamaika.

Mareike studiert Geschichte. Um eine herausragende Abschlussarbeit zum Thema „Sklaverei“ zu schreiben, fährt sie zur Recherche direkt dorthin. Kurz nach ihrer Ankunft lernt sie den Musiker David kennen, der ihr gehörig den Kopf verdreht und der sie mitnimmt in seine Welt. Reggae, Konzerte und ganz viel Spaß. Doch er bringt ihr auch die Geschichte dieser Insel näher und so entdeckt Mareike einen längst vergriffenen Text eines Missionars, der den größten Sklavenaufstand der Insel miterlebte. Vor Mareike liegt eine aufregende Zeit voller Abenteuer und neuer Erfahrungen, aber auch ihrem inneren Konflikt, ob sie David vertrauen kann oder ob er ein typischer Jamaikaner ist, der nur mal seinen Spaß haben möchte.

Emily reist 1830 nach dem Tod ihrer Eltern von London nach Jamaika, um ab jetzt bei ihrem Ehemann zu leben, der als Baptist tätig ist. Doch Jeremiah scheint sich bereits anderweitig orientiert zu haben. Dafür lernt sie Christopher Hindley kennen und fühlt sich sofort zu ihm hingezogen. Das Problem ist nur, der Vater von Christopher ist einer der reichen Plantagenbesitzer und Emily eine absolute Gegnerin der Sklaverei. Vor ihr liegt eine schwierige Zeit, die geprägt ist von ihrem inneren Konflikt, ob Christopher mit der Lebensweise seiner Familie der Richtige für sie sein kann.

Drei Abende habe ich für dieses Buch gebraucht, das mich zufrieden, aber zum Teil auch erschüttert zurücklässt.

Das Cover gefällt mir sehr. Ich finde, es passt sehr gut zu diesem Roman und auch zum Genre.

Auch der Klappentext sprach mich sofort an. Er führt die Hauptfiguren und den Hauptkonflikt ein, vermittelt eine erste Stimmung und macht neugierig.

Mareike ist ein junge Frau, die nur für ihr Geschichtsstudium lebt. Um im Ansehen der Professorin zu steigen möchte sie eine herausragende Abschlussarbeit schreiben. Dazu reist sie nach Jamaika und recherchiert dort zum Thema „Sklaverei“. Damit ist ihr Ziel klar. Doch dann kommt ihr David, ein Reggae-Musiker in die Quere und lehrt sie das Leben zu genießen. Trotzdem besinnt sie sich immer wieder auf ihr Ziel, gerät dadurch aber in Konflikte, d.h. sie muss auf ihrem Weg, Hürden überwinden. Mareike ist sehr aktiv und lässt sich nicht entmutigen. Sie ist eine starke Hauptfigur, die eine nachvollziehbare Entwicklung durchmacht.

Noch mehr beeindruckt hat mich aber Emily, eine junge Frau die im Jahr 1830 plötzlich ganz allein dasteht und deren Notlage von einem Mann ausgenutzt werden soll. Er möchte sie in das typische Rollenmuster der Frau zwängen und versucht sie zu erpressen. Emily lässt sich das aber nicht gefallen und flüchtet, und zwar nach Jamaika. Auch auf dem Schiff können wir sie als starke Persönlichkeit beobachten, die sehr mutig ist. So rettet sie einem Mann das Leben, weil sie doch recht forsch dazwischen geht, als andere seine Notlage ausnutzen wollen. Auch Emilys Ziel ist klar und als Leser/in weiß man zu jeder Zeit, wo sie gerade steht. Emily ist sehr aktiv, macht eine sehr gelungene Entwicklung durch und sie ist mir total ans Herz gewachsen. Einfach sympathisch.

Auch alle anderen Figuren fand ich sehr gelungen. Jeremiah war für mich mal eine ganz neuartige Figur in diesem Genre. Christopher hat mir auch sehr gefallen. Erst habe ich angenommen, er fügt sich den Vorstellungen seines Vaters, aber so einfach hat es mir Tereza Vanek nicht gemacht. Alle Figuren haben ein eigenes Ziel/eine eigene Motivation und sind meines Erachtens weit entfernt von Klischees. Selbst Christopher’s Vater, der auf den ersten Blick ein typischer Plantagenbesitzer ist, sorgt im Verlaufe des Buches für Überraschungen.

Mein Highlight in diesem Figurenensemble war aber Emily. Sie ist wirklich etwas Besonderes.

Auch die Handlung fand ich sehr gelungen, obwohl ich ehrlich gestehen muss, dass mir Emily’s Geschichte etwas mehr gefallen hat. Es wird stetig eine Spannung aufgebaut, mit vielen kleinen und großen Konflikten, als auch überraschenden Wendungen. Ich konnte kaum aufhören zu lesen und habe die ganze Zeit mit Emily mitgefiebert und immer gehofft, dass es für sie ein gutes Ende nimmt. Auch Mareikes Part hatte aus meiner Sicht einen guten Spannungsaufbau mit Konflikten und überraschenden Twists. Für sie stand aus meiner Sicht aber nicht so viel auf dem Spiel, so dass mich die Handlung um Mareike nicht ganz so gepackt hat. Ein paar Szenen in diesem Buch haben mich aber auch sehr erschüttert. Natürlich weiß ich um das Thema „Sklaverei“, aber wenn man darüber liest, also wie zum Teil mit Sklaven umgegangen wurde, ist das immer wieder erschütternd. Das Ende hat mir auch sehr gut gefallen. Es hat mich mit einem guten Gefühl zurückgelassen und war für meinen Geschmack genau richtig, also nicht „over the top“.

Die Settings fand ich ebenfalls toll. Es war insgesamt abwechslungsreich und die Orte haben sehr gut zur Geschichte gepasst, sowohl bei Mareike, als auch bei Emily.

Aber wie liest sich das Buch nun?

Das Buch wird in zwei Zeitebenen erzählt, in der Gegenwart und in der Vergangenheit um 1830. Es sind 27 längere Kapitel, die in der 3. Person Singular in der personalen Erzählform aus Mareike’s und Emily’s Sicht geschrieben sind. Mir hat das sehr gut gefallen, weil ich immer wusste, was in den beiden vorgeht und man dadurch auch das Handeln und Denken immer nachvollziehen konnte.

Den Schreibstil fand ich großartig. Er ist locker, flüssig und sehr bildreich. Die Dialoge fand ich sehr gelungen. Sie waren realistisch und passten in den verschiedenen Zeitebenen prima zu der jeweiligen Zeit. Auch die Beschreibungen der Settings und die atmosphärischen Beschreibungen haben mir sehr gefallen und ich konnte mir alles wirklich gut vorstellen und mich gut in die Situationen hineindenken. Gerade bei Mareike’s Beschreibungen war es, als erkunde man die Insel mit ihr gemeinsam. Die emotionale Ebene war für meinen Geschmack auch sehr gelungen und hat vor allem dem Part um Emily viel Tiefe verliehen.

Mein Fazit nach 382 Seiten:

„Im Reich des Zuckerrohrs“ zeigt, dass man sich seinem Schicksal nie ergeben und immer für sein Ziel/seinen Traum kämpfen sollte. Trotzdem darf man sich an seiner Zielerreichung nicht derart festbeißen, dass das Leben an einem vorbeizieht und man es dadurch nicht genießen kann.

Wer einen spannenden, Roman sucht, der in zwei Zeitebenen (19.Jh. und Gegenwart) auf Jamaika spielt und der die Themen „Sklaverei“ und „die Rolle der Frau“ verarbeitet, der dürfte mit diesem Roman gut beraten sein.

Von mir erhält dieses Buch eine Kaufempfehlung (4,5/5 Sternen), weil die Figuren sehr authentisch und einzigartig sind. Emily ist wundervoll! Aber auch die Handlung und der Schreibstil machen das Buch wirklich lesenswert. Ein halbes Sternchen ziehe ich für die Handlung um Mareike ab. Da hätte ich mir gewünscht, dass für sie noch mehr auf dem Spiel steht, um auch von dem Part noch mehr gefesselt zu sein.

Trotzdem ist ein sehr gelungener Roman, den ich nur weiterempfehlen kann.

Vielen Dank an Tereza Vanek für diese Geschichte.