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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.01.2018

Sündenbabel Hollywood

Der Mann, der nicht mitspielt
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Hardy Engel ist Deutscher und als Schauspieler in Hollywood eher gescheitert. Das ist heute schon nicht einfach, doch 1921 hat er nicht viele Möglichkeiten, sich über Wasser zu halten. Er versucht sich ...

Hardy Engel ist Deutscher und als Schauspieler in Hollywood eher gescheitert. Das ist heute schon nicht einfach, doch 1921 hat er nicht viele Möglichkeiten, sich über Wasser zu halten. Er versucht sich als Privatdetektv und wirklich steht eines Tages eine atemberaubende Rothaarige vor ihm, die ihn anheuert, ihre verschwundene Freundin zu suchen. Virginia Rappe ist ein Starlet von Universal, und Hardy findet sie schnell, zumal er überraschend einen zweiten Fall bekommt, der ihm die Frau geradewegs vor die Füße spült. Doch dann ist Virginia plötzlich tot, der größte Hollywoodschauspieler Fatty Arbuckle wird des Mordes und der Vergewaltigung angeklagt und Hardy findet sich in einem Vielfrontenkrieg wieder, der sich nicht viel von den Schützengräben des 1. Weltkriegs, denen er entkommen ist, unterscheidet.

Wer schon mal Philipp Marlowe und Co gelesen hat, wird sich ganz schnell in diese Bücher zurückversetzt fühlen, denn Weigold schafft es hervorragend, den Ton dieser Art von Büchern aufzugreifen. Dadurch, dass er einen deutschen Helden in Hollywood schafft, unterscheidet er sich dann auch von den Hardboiled-Detektiven, denn obwohl sich Hardy gut in Hollywood auskennt, fehlt ihm der entsprechende Hintergrund. Dafür erwähnt er ab und zu seine Herkunft, was wichtig ist, denn die Filmindustrie wurde unter anderem von Deutschen errichtet. All die Intrigen und Wendungen, die dieser Fall genommen hat, machen das Buch zu einer spannenden Zeitreise, und ziemlich oft habe ich die Namen und Ereignisse gegoogelt; tatsächlich basiert der Fall auf wahren Ereignissen. Wenn ich irgendwas kritisieren könnte, wäre das die Länge des Buches, ein paar Seiten weniger hätten es noch mitreißender werden lassen können. Ich warte gespannt auf den zweiten Fall von Hardy Engel. 4,5/5 Sternen.

Veröffentlicht am 17.01.2018

Der Fall der netten Dame

Das Geheimnis von Wishtide Manor
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Wir schreiben das Jahr 1850, England. Laetitia Rodd ist ungefähr genauso alt wie das Jahrzehnt und seit zwei Jahren verwitwet. Weil es Frauen zu dieser Zeit noch schwerer haben, finanziell und auch allgemein ...

Wir schreiben das Jahr 1850, England. Laetitia Rodd ist ungefähr genauso alt wie das Jahrzehnt und seit zwei Jahren verwitwet. Weil es Frauen zu dieser Zeit noch schwerer haben, finanziell und auch allgemein gesehen, als jetzt, lebt sie mit einer netten älteren Dame zusammen und erledigt ab und zu diskrete Nachforschungen für ihren Bruder, der Anwalt ist. Niemand sieht der Mrs Rodd an, dass sie schnüffeln soll, schließlich ist sie gebildet und zurückhaltend. Aus diesem Grund kommt eines Tages ein reicher Adliger auf sie zu. Er möchte, dass sie Nachforschungen zu der Verlobten seines Sohnes anstellt, denn er hält sie für nicht standesgemäß. Das ist allerdings bald sein geringstes Problem, denn betreffende Dame wird ermordet und sein Sohn steht unter Mordverdacht und möglicherweise bald unter dem Galgen. Letzte Chance: die diskrete Mrs Rodd.

Eigentlich finde ich die Zeit und Lebensumstände extrem spannend, und in dieser Hinsicht gibt's auch nichts zu bemängeln. Für mich klangen einige Worte zu modern, zum Beispiel Gerichtsmediziner oder Omnibus. Ein kurzer Blick in diverse Suchmaschinen offenbarte jedoch, dass betreffende Bezeichnungen vielleicht nicht unbedingt verwendet wurden, diese Dinge jedoch existierten, also gibt's da keinen Abzug. Das Problem, so man es denn nennen möchte, war für mich, dass alles irgendwie ... nett war. Mrs Rodd sowieso, der nette Sohn des Adligen, der nette Bruder, die nette Vermieterin, der nette Pastor. Die Schurken waren einfach schurkisch. Ein bisschen Grau in das Schwarz/Weiß brachte der Inspector, aber auch der entpuppte sich schnell als doch nicht so kantig wie erwartet. So bleibt hier einfach nur eine nette Geschichte mit einer netten Dame, aber wirklich Spannung oder auch nur mehr als mildes Interesse kamen bei mir nicht auf.

Veröffentlicht am 17.01.2018

Von höchster Stelle

Das Lied der toten Mädchen (Jan-Römer-Krimi 3)
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Jan Römer und seine Kollegin Mütze stoßen auf einen neuen cold case. Zwanzig Jahre zuvor starb eine junge Frau am Wilzenberg, neben ihr eine Spieluhr, die "Hush, little baby" spielt. Mord, eindeutig, aber ...

Jan Römer und seine Kollegin Mütze stoßen auf einen neuen cold case. Zwanzig Jahre zuvor starb eine junge Frau am Wilzenberg, neben ihr eine Spieluhr, die "Hush, little baby" spielt. Mord, eindeutig, aber wer war der Mörder? Der ehemalige Freund hat ein bombensicheres Alibi. Aber dann ist da auch noch die Arbeitsstelle der jungen Frau, die heutzutage nicht mehr existiert. Römer und Mütze finden heraus, dass sie in einem Haus gearbeitet hat, in dem Männer ein und ausgingen, von denen manche nie wieder gesehen wurden. Und was hat der Verfassungsschutz damit zu tun? Plötzlich gibt es weitere Tote und aus dem (k)alten Fall wird eine aktuelle Falle. Nur für wen?

Da ich nicht über Mützes Whiteboard verfüge und mir auch kein eigenes erstellen wollte, gebe ich zu, dass ich bis zuletzt auf der falschen Spur war. Das kommt nicht oft vor, von daher ist dieser Krimi schon mal abzuheben von dem meisten Einerlei, das uns in letzter Zeit serviert wird. Ich hatte bis zum Schluss Probleme mit Römer, den ich nicht leiden kann, aber das wird meistens gut ausbalanciert durch die anderen auftretenden Protagonisten, auch wenn da gern mal tief in die Klischeekiste gegriffen wird. Und ich bin auch nicht sicher, ob sich ein alter Schulleiter nach über zwanzig Jahren noch an irgendwelche Kinder/Jungendlichen erinnern kann, mitsamt Namen diverser Freundinnen. Aber das muss wohl so sein, um wenigstens eine erste Spur zu ergeben. Von daher war das Buch gut zu lesen, meistens unblutig und durch die Kritik am Verfassungsschutz und diverser Regierungseinrichtungen hochaktuell.

Veröffentlicht am 16.01.2018

Jablo... na, die Kerze halt!

SINCLAIR - Dead Zone: Folge 03
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Zurück nach Düsseldorf. Wir schreiben das Jahr 1888 und finden uns in Begleitung von Gregor, dem Neffen von Sonderberg, und Minnie, seiner Assistentin wieder, die zum Feuerwerk der 600-Jahr-Feier zusammentreffen. ...

Zurück nach Düsseldorf. Wir schreiben das Jahr 1888 und finden uns in Begleitung von Gregor, dem Neffen von Sonderberg, und Minnie, seiner Assistentin wieder, die zum Feuerwerk der 600-Jahr-Feier zusammentreffen. Gregor scheint endlich einen Job gefunden zu haben: in der Lampenfabrik des Fabrikanten Krump, und seine Arbeit scheint so gewürdigt zu werden, dass er sogar Vorarbeiter sein soll. Dumm nur, dass mit einem Mal betreffende Fabrik in die Luft geht und Gregors Chef stirbt. Und dann weisen sehr viele Indizien darauf, dass ausgerechnet Sonderbergs Neffe der Mörder sein muss.

Tatsächlich ist es der Serie mit diesem Fall endlich gelungen, mich eine Weile im Dunkeln tappen zu lassen, wie alles zusammenhängt. Ich wusste vorher auch nicht, was eine Jablotschkowsche Kerze ist und das Ende des 19. Jahrhunderts fand ich auch gut dargestellt. Wie üblich haperte es manchmal mit der Logik - warum wurden zum Beispiel nicht mal Gregors Schrift und die Schrift auf seinem angeblichen Drohbrief verglichen? Aber es konnte mich in seiner Kürze dieses Mal besser unterhalten als die beiden Vorgänger, zumal die Minnie-Sprecherin wie üblich brillierte. Von daher gibt's dieses Mal 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 12.01.2018

Und wenn es doch eine Hölle gibt?

Hangman. Das Spiel des Mörders (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 2)
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Jemand erschafft Mörder. Diese Mörder bringen Leute auf meist spektakuläre Weise um und sterben dann selbst. Dieser Jemand, der dahinter steht, ist ein Phantom, und er manipuliert Leute auf beiden Seiten ...

Jemand erschafft Mörder. Diese Mörder bringen Leute auf meist spektakuläre Weise um und sterben dann selbst. Dieser Jemand, der dahinter steht, ist ein Phantom, und er manipuliert Leute auf beiden Seiten des großen Teichs, in London und New York. Als sich die Todesfälle und Anschläge häufen, wird Baxter als englische Expertin in die Staaten geschickt, um gemeinsam mit Beamten des FBI und der CIA die Fälle zu klären. Dabei geht alles schief, was nur schief gehen kann, und irgendwann watet man scheinbar nur so im Blut. Ohne Edwards könnte Baxter wie schon bei Ragdoll einpacken, denn trauen kann sie bald niemandem mehr.

Dieser Cole. Mit Ragdoll hat er einen Hype entfacht - warum? Weiß ich nicht. Vielleicht, weil er sich nichts sch... Ihn interessieren gängige Praktiken des guten Schreibens schlicht nicht, was mich anscheinend mehr stört als das Gros der anderen Leser. Ich sag's mal grob: Er hat null Ahnung von Perspektive. Er lässt immer gerade den denken und reden, der ihm in den Sinn kommt, ob wir uns gerade in der personellen Perspektive eines anderen befinden, ist ihm egal. Immerhin schreibt er unterhaltsam. Wenn man es irgendwie schafft, sämtliche unlogischen (Himmel, dieser Quatsch in dem alten Theater, hat es je einen größeren Blödsinn in einem Thriller gegeben?!) Gegebenheiten auszublenden, ist es immerhin nicht langweilig. Das ist leider das Netteste, was es über die Bücher des Autors zu sagen gibt, andererseits gibt ihm der Erfolg recht. Warum sich ums Handwerk kümmern, wenn geschluderte Übertreibungen gefeiert werden? Als Drehbuch ist es ok, als normales Buch zumindest sprachlich kein Bestseller. 2,5/5 Punkten.