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Veröffentlicht am 15.09.2016

Brot und Liebe

Die kleine Bäckerei am Strandweg
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Das ist das richtige Buch für verregnete Nachmittage, kalte Abende oder Nächte, in denen ihr frustriert seid, weil ihr weder einen Schweinsbraten noch Schokolade im Haus habt. Geeignet, weil man völlig ...

Das ist das richtige Buch für verregnete Nachmittage, kalte Abende oder Nächte, in denen ihr frustriert seid, weil ihr weder einen Schweinsbraten noch Schokolade im Haus habt. Geeignet, weil man völlig das Gehirn abschalten und sich berieseln lassen kann. Also kommt mit nach Cornwall.

Polly, die trotz ihres Namens kein Papagei ist, hat gerade so ziemlich alles verloren. Ihre gemeinsame Firma mit ihrem Lebensgefähren, ihren Lebensgefährten, weil der alles ist, nur nicht mehr jemand zum Leben und auch so ein bisschen ihr Lebensmut. Alles, was sie jetzt braucht, ist ein Rückzugsort, und den findet sie auf einer Halbinsel, auf die man nur über einen Damm kommt, der bei Flut überspült ist. Dort mietet sie sich in einem fast abbruchsreifen Haus ein, und um sich abzulenken, fängt sie an, Brot zu backen. Das bringt ihr zwei Dinge: begeisterte Abnehmer ihrer Backkünste und Stress mit ihrer Vermieterin, die zufällig die Besitzerin der einzige Bäckerei im Ort ist. Fast ist Polly, die ja trotz ihres Namens noch immer kein Papagei ist, bereit, die ganze Sache hier abzublasen, als sie Neil kennenlernt, der allerdings noch gar keinen Namen hat, denn der ist im Gegensatz zu ihr zwar auch kein Papagei, aber immerhin ein Papageientaucher. Oder wird mal einer, denn er ist noch fast ein Baby. Mit gebrochenem Flügel. Polly schafft es in der nächsten Zeit, nicht nur seinen Flügel zu heilen, sondern irgendwie auch sich selbst. Und sich in zwei Männer zu verlieben.

Natürlich findet sich in dem Buch genau der Kitsch, den man bei dem Titel, dem Klappentext und dem Cover erwarten darf. Ab und zu habe ich mich auch geärgert, dass die Autorin munter zwischen den Perspektiven herumsprang, wie es ihr gerade in den Sinn kam - ich finde, wenn es keinen auktorialen Erzähler gibt, sollte man bei der Hauptperson bleiben. Aber ok. Das machte sie dadurch wieder gut, dass sie immerhin den Kitsch gern mal witzig verpackte und Polly, die sich oft nicht entscheiden kann, ob sie pubertierender Teenager oder doch schon uralte Frau ist (eigentlich ist sie 32) gelegentlich wirklich witzige Antworten zwischen die Lippen schiebt. Auch gibt es nicht nur rosarote Wattewölkchen zu betrachten, sondern es schmuggelt sich hier und da auch mal ein Blitz oder gar Donner hinein. Und wenn man ganz fest die Augen zukneift, könnte man sogar ein bisschen Kritik darüber lesen, wie schwer es die Fischer in ihrem Job haben und wie wenig Unterstützung sie bekommen bzw. wie wenig sie in ihrem harten Job verdienen. Zusammengefasst: Ein Roman, der durchaus Schokolade ersetzen kann, wenn keine im Haus ist (aber nur wenn es sich dabei um Bitterschokolade handelt). Immerhin bekommt man am Ende auch noch ein paar Backrezepte gratis obendrauf.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Kunstkennerin, Mörderin, Langweilerin

Maestra
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Judith Rashleigh ist ein kleines Licht in einem großen Kunsthaus. Sie hat große Erfahrung in Bezug auf Bilder, wird jedoch mehr oder weniger als Praktikantin behandelt, inklusive das klassische Kaffeeholen ...

Judith Rashleigh ist ein kleines Licht in einem großen Kunsthaus. Sie hat große Erfahrung in Bezug auf Bilder, wird jedoch mehr oder weniger als Praktikantin behandelt, inklusive das klassische Kaffeeholen oder Sachen in die Reinigung bringen/abholen. Wenn ihr mal ein Auftrag für Bilder gegeben wird, dann handelt es sich in der Regel um widerliche Kunden, die sich ihr unsittlich nähern. Nebenbei arbeitet Judith in einer Bar, wo sie Männer dazu animieren soll, die teuren Sekte oder Champagner zu bestellen. Dort lernt sie James kennen, einen hässlichen, fetten, sehr reichen Finanzier. Als sie eines Tages ihren Job in der Kunsthandlung verliert, weil sie korrekt einen Stubbs als nur aus der Schule von Stubbs klassifizierte, wird sie auf der Stelle gefeuert. Noch am selben Abend wirft sie sich James an den Hals, der sie und eine Freundin von ihr nach Frankreich einlädt. Doch James ist zu fett und ungesund, um Judith und die Schlaftabletten ihrer Freundin zu überleben. Doch das soll nicht der erste Tote sein, der auf Judiths Konto geht. Während es hier noch ein Unfall war, bemerkt Judith, dass Morden gar nicht so schwierig ist, und sie tut alles, um zu bekommen, was sie möchte.

Dieses Buch bekommt von mir nicht zwei Sterne, weil ich seine Protagonistin so unmoralisch finde. Das ist sie zweifellos, allerdings hätte es sogar zu einer gewissen Faszination beitragen können. Auch nicht, weil es sehr viele, sehr oft sehr unnötige Sexszenen gab (die, nebenbei bemerkt eher dazu beitragen könnten, dem Sex abzuschwören und in ein Kloster einzutreten). Auch nicht, weil Judith abschätzig über eigentlich alle sprach, mit denen sie zu tun hatte, das gehört halt zu ihrem Wesen dazu. Nein, dieses Buch bekommt diese wenigen Sterne von mir, weil es mich gelangweilt hat. Geradezu tödlich ... (no punch intented). Dabei ist der Schreibstil der Autorin für diese Art von Buch sogar richtig gut, könnte fesselnd und spannend sein, denn Schreiben kann sie. Aber diese endlosen, sich stetig wiederholenden Beschreibungen irgendwelcher Kleider, Taschen, Pumps, Accessoires und Mahlzeiten konnten einem so auf die Nerven gehen, dass man nur noch die Wahl hatte zu schreien oder mit glasigen Augen drüber zu lesen. Die Protagonistin samt Buch hätten das Zeug zu einer tollen Antagonistin, einer Art Bonny ohne Clyde 2.0, wenn sie sich denn mal auf die wesentlichen Sachen konzentriert hätte: Kunst und Morde.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Zwei Morde, drei Leichen und dann auch noch ein Schwabe!

Ein Mord und zwei Leichen
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Ludwig Wimmer ist pensionierter Fleischermeister und langweilt sich daher ein bisschen. Zusammen mit seiner Enkelin Anna macht er eine Tour ins Altmühltal mit, bei dem Wolnzacher Geschäftsleute lernen ...

Ludwig Wimmer ist pensionierter Fleischermeister und langweilt sich daher ein bisschen. Zusammen mit seiner Enkelin Anna macht er eine Tour ins Altmühltal mit, bei dem Wolnzacher Geschäftsleute lernen sollen, wie das mit dem sanften Tourismus funktioniert. Als nach einem E-Bike-Test die Leute wieder zurück zum Bus kommen, finden sie dort zwei Tote vor und Wimmer samt Enkeltochter befinden sich mitten in einem Kriminalfall (nicht zum ersten Mal). Die beiden Hobbydetektive stürzen sich begeistert in die Ermittlungen, wobei sie dem Ingolstädter Kripoteam immer einen Schritt voraus sind. Während die 13jährige Anna ein digital Native ist und sich um die computergestützten Nachforschungen kümmert, macht es Wimmer auf die altmodische Tour. Er wandert herum und redet mit den Leuten. Dabei kommt so manches über die Toten und auch die Lebenden heraus - so viel, dass sich der Mörder bemüßigt fühlt, ein weiteres Mal zuzuschlagen.

Gut gefallen haben mir die Verwendung der Dialekte, die trotz Wiedererkennungswert (Schwaben/Bayern) für einen Preußen kein Problem darstellten zu verstehen. Auch hat der Autor ausgiebig recherchiert, was die Arbeit der Polizei angeht. Der Fall selbst hat mich nicht packen können, mir schien es, als läge die Hauptsache dieses Buches eher in der Ausarbeitung skurriler und stark überzeichneter Personen. Andere Leser lobten in dieser Hinsicht auch den hohen Humoranteil - der ging völlig an mir vorbei, obwohl ich selten zum Lachen in den Keller gehe. Ich denke, dieser Krimi ist eher was für Leute, die gern Rita Falk lesen und deren Hauptaugenmerk auf den Beziehungen zwischen den einzelnen Personen liegt und weniger für Leser, die lieber einen komplizierten Fall gehabt hätten und den Regioanteil eher nebenbei als angenehmes Schmankerl genießen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Knochen und Klingen

Black Blade
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Lila Merriweather ist in ihrem neuen Job angekommen. Als Leibwächterin von Devon, dem Wächter der Sinclairs, ist sie ein echtes Mitglied der Familie geworden, die nicht nur Freundschaft für die meisten ...

Lila Merriweather ist in ihrem neuen Job angekommen. Als Leibwächterin von Devon, dem Wächter der Sinclairs, ist sie ein echtes Mitglied der Familie geworden, die nicht nur Freundschaft für die meisten empfindet, sondern für Devon selbst noch ein bisschen mehr. Doch das, so glaubt sie, muss zurückstehen, denn sie will sich ja eigentlich nur an Victor Draconi rächen und dann Cloudburst Falls verlassen.
Wie das mit Plänen so ist, die gehen meistens schief. Zuerst finden sich in und um die Umgebung von Cloudburst Falls plötzlich jede Menge Leichen von Monstern, für die die Stadt bekannt und bei den Touristen äußerst beliebt sind. Jemand tötet diese Wesen auf grausame Weise, und Lila kann mit ihrer Sichtmagie erkennen, dass sich jemand dabei auch noch amüsiert. Doch das ist nicht alles: Das Turnier der Klingen wurde ausgerufen und Lila als einer der Kämpfer der Sinclar-Familie nominiert. Obwohl sie alle Chancen auf einen Sieg hat, hat sie andere Probleme: Was hat Victor Draconis, der Mörder ihrer Mutter, jetzt schon wieder vor? Und welche Rolle spielen seine Tochter und seine Frau in ihrem Leben?

Die Ideen und den Schreibstil finde ich grandios. Lila ist, wie auch schon Esteps Zigeunermädchen Gwen, clever, stark, mutig und lässt sich auch von gefährlichen Situationen nicht abschrecken. Ich mag die Vermischung von modernster Technik und dem Mittelalterflair, das für Touristen aufgezogen wird, wobei natürlich die Musketierklamotten nichts mit dem Mittelalter zu tun haben. Ein wenig zu klischeebeladen finde ich die Entwicklung zwischen Lila und Devon, überhaupt ist mir Devon jemand, der zu gut ist und zu wenige Kanten besitzt. Ein paar weniger Wiederholungen (tiefblaue Augen, die Beschreibung der Wappen) hätten nicht geschadet, dafür wäre ich über eine Erklärung, warum sich der Mörder zum Schluss die Klingen in den Leib rammen und daraus gestärkt wieder hervorkommen konnte, während jemand anders daran fast starb, dankbar gewesen.
Trotzdem ist die Reihe wieder eine der faszinierenden auf dem Fantasy/Jugendmarkt, und ich werde auch den dritten Teil lesen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Als ein Gespenst das Fürchten lernte

Das Gespenst von Canterville
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Zum ersten Mal habe ich die Geschichte gelesen, da war ich vielleicht zehn oder elf. Zu dem Zeitpunkt war mir noch gar nicht klar, dass das eine "alte" Geschichte ist. Ich konnte lachen, das Gespenst bedauern, ...

Zum ersten Mal habe ich die Geschichte gelesen, da war ich vielleicht zehn oder elf. Zu dem Zeitpunkt war mir noch gar nicht klar, dass das eine "alte" Geschichte ist. Ich konnte lachen, das Gespenst bedauern, mit den Zwillingen Unsinn ausdenken ... das ist für Kinder eine extrem spannende Angelegenheit. Und jetzt, erwachsen, habe ich einen Re-Read gestartet, schon ein bisschen mit der Angst verbunden, dass es mir nicht mehr gefallen könnte. Doch die Angst war grundlos. Ich liebe diese Geschichte noch immer.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Hiram B. Otis ist ein Amerikaner, ein moderner, aufgeklärter Botschafter, der sich das Anwesen Canterville kauft. Die fairen Engländer warnen ihn. Dieses Schloss beherberge ein Gespenst, einen Geist, der schon unzähligen Bewohnern und Besuchern graue Haare (und Schlimmeres!) verschafft hat. Doch einen Amerikaner kann das nicht erschüttern - und tatsächlich ist das so. Als das Gespenst - Sir Simon de Canterville - erscheint, lässt sich niemand der neuen Bewohner die Butter vom Brot nehmen. Im Gegenteil. Es ist das Sir Simon, der das Fürchten (gerade vor Butter!) lernt. Die Zwillinge des Botschafters spielen ihm Streiche, der älteste Sohn rückt dem legendären Blutfleck mit einem genauso legendärem Fleckenmittel zu Leibe und der neue Hausherr selbst bietet dem kettenrasselnden Gespenst etwas Öl an, damit er nicht immer so einen Lärm machen muss. Erst die Tochter des Botschafters ist in der Lage, für ein Happy End zu sorgen - auf gesamter Linie ...

Es handelt sich hier um eine Art Märchen, und doch findet man (als Erwachsener) extreme Parallelen zur damaligen und auch heutigen Zeit. Dabei sprüht die Geschichte vor Humor und Slapstickeinlagen, die jedoch nie ins Alberne abrutschen. Und dass ein Happy End zu einem Märchen gehört, ist schließlich klar, und nicht nur Sir Simon de Canterville wird darüber glücklich sein ... Von daher kann ich das dünne Buch allen empfehlen: Kindern, Erwachsenen, Lesemuffeln - selbst Lesern, die sich wie ich bei Wildes Dorian Grey so sehr gelangweilt haben, dass sie in Tränen ausgebrochen sind. Die einzigen Tränen, die es hier geben wird, sind Lachtränen. Versprochen.