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Veröffentlicht am 01.09.2024

Aiden's Four

Die Diebe von Alderport
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Ein skrupelloser Gentleman-Dieb. Eine hohe junge Lady, die sich knallhart der Wissenschaft verschrieben hat. Ein desillusionierter Söldner, der sich nach Liebe sehnt, aber nicht mehr an sie glaubt. Ein ...

Ein skrupelloser Gentleman-Dieb. Eine hohe junge Lady, die sich knallhart der Wissenschaft verschrieben hat. Ein desillusionierter Söldner, der sich nach Liebe sehnt, aber nicht mehr an sie glaubt. Ein zynischer Ex-Knacki. Eine starke Frau als Kampfmaschine. Fünf Charaktere, die hier zusammengemixt werden, um einen fantastischen Heist auszuführen.

Aiden hat sich in den letzten Jahren einen Namen als Gentleman-Dieb gemacht. Kein Wunder also, dass ihm von einer reichen Unbekannten ein nahezu unmöglicher Auftrag übertragen wird: Er soll in das höchst gesicherte Heiligtum des Tempels einbrechen und dort ein Artefakt entwenden. Dafür holt er sich die nicht immer freiwillige Hilfe der oben genannten Personen und entwirft einen genialen Plan. Doch wie heißt es so schön? Kein Plan übersteht den ersten Angriff und so geht schief, was laut Murphy nur schiefgehen kann ...

Die Autorin entwirft eine interessante Fantasywelt mit Monstern und herrschenden Priestern, die sie in etwa ans Ende des 18. Jahrhunderts in England anlehnt. Der Fluch, der Menschen zu Monstern macht und einer der Gründe einer der handelnden Personen ist, überhaupt mitzumachen, hätte für mich gern etwas ausführlicher dargestellt werden können, ebenso die bemerkenswerten Fähigkeiten Aidens, die nicht alle durch die Auflösung am Ende erklärt werden konnten. Trotzdem hat die Mischung - sowohl der Genres als auch des handelnden Personals - wirklich Spaß gemacht zu lesen und dadurch, dass vieles offenblieb, Lust auf den zweiten Teil.

Veröffentlicht am 31.08.2024

Hundswinter

Winterwölfe
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Wir sind zurück im eroberten Teil Frankreichs und bei den Essex Dogs. Diese sind ziemlich geschrumpft. Pismire und Father sind tot, die beiden walisischen Bogenschützen haben sich abgesetzt. Der Rest ist ...

Wir sind zurück im eroberten Teil Frankreichs und bei den Essex Dogs. Diese sind ziemlich geschrumpft. Pismire und Father sind tot, die beiden walisischen Bogenschützen haben sich abgesetzt. Der Rest ist erneut zum Spielball der hohen Herren und der Politik geworden. Der Ritter, der die Essex Dogs angeheuert hat, ist tot. Wer zahlt jetzt ihren ausstehenden Lohn für die vergangenen 40 Tage? Ihnen wird angeboten, sie ordentlich auszuzahlen, wenn sie bleiben und bei der Belagerung von Calais mitmachen. Doch auch in der Hüttenstadt, die vor den Toren von Calais von den Engländern gebaut wird, ist das Leben nicht friedlich. Loveday beschließt schließlich, den Jüngsten ihrer Gruppe nach England zurückzubringen - und das läuft gewaltig schief. Das Chaos eines eisigen Winters mit Belagerung, Bewachung eines Hurenhauses und dem Auftauchen von Piraten und Squelette - der Frau, der Loveday einst seinen Dolch gegeben hat - werden nicht alle überleben.

Auch hier, im zweiten Teil der Essex-Dogs-Trilogie, nimmt uns Dan Jones wieder ganz tief ins späte Mittelalter mit. Er lässt uns durch Schmutz, eisigen Schlamm, Dreck und Blut waten, er zeigt uns neue kriegerische Errungenschaften wie Kanonen und lässt uns am Leben der Söldner teilhaben. Auch wenn das wahrlich kein beneidenswertes Leben ist. Immerhin versteht man sehr schnell und sehr gut, dass so ein Feldzug aus allem, nur nicht aus Glanz und Gloria, besteht. Das ungebildete Fußvolk wird von seinen Herrschern als Kanonenfutter verwendet und viele der Söldner und Söldnerinnen (ja, hat mich auch erstaunt, aber Jones ist Historiker und wird es wissen) verlieren auch noch den Rest von Anstand und Vernunft. Wie schon in Teil 1 wird aus verschiedenen Perspektiven kurzweilig erzählt und auch, wenn es nicht meine Lieblingsbücher geworden sind, haben mich die Essex Dogs bisher so fesseln können, dass ich jetzt auch noch den dritten Teil lesen möchte. (Und ich wünsche mir eine Netflix-Serie. Das wäre bestimmt ganz großes Kino!)

Veröffentlicht am 25.08.2024

Finkennest

Agency for Scandal
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Die junge Adlige Izzy Stanhope hat so einige Probleme und noch mehr Geheimnisse. Seit dem Tod ihres Vaters ist ihre Familie quasi bankrott, was sie unter allen Umständen verheimlichen muss, damit ihr kleiner ...

Die junge Adlige Izzy Stanhope hat so einige Probleme und noch mehr Geheimnisse. Seit dem Tod ihres Vaters ist ihre Familie quasi bankrott, was sie unter allen Umständen verheimlichen muss, damit ihr kleiner Bruder weiterhin auf eine Eliteschule gehen und sie selbst sich noch in den höchsten Kreisen bewegen kann. Deshalb arbeitet sie für das Finkennest, eine rein weibliche Detektei, die darauf spezialisiert ist, sich um die Belange von Frauen zu kümmern. Als der nächste Auftrag reinkommt, geht es drunter und drüber. Nicht nur, dass eine Dienerin sich Sorgen um ihre Herrin macht, auch Izzys geheimer Schwarm, ein gutaussehender Duke, wird verwickelt. Kann sie alle Geheimnisse für sich behalten und dennoch sein Leben und das einer jungen Frau retten?

Ich denke, mit diesem Buch bedient man alle, die vielleicht Bridgerton einfach zu langatmig oder nicht spannend genug fanden. Natürlich spielt das Ganze auch ein paar Jahrzehnte später, aber viele Sachen, gerade was das Leben von Frauen angeht, waren doch noch sehr ähnlich. Obwohl ich nicht wirklich glaube, dass so eine Agentur so lange verborgen hätte existieren können bzw dass eine Adlige über die Fähigkeiten wie Izzy verfügen könnte, macht das Lesen einfach nur Spaß. Izzy ist hochsympathisch und verliert trotz ihrer Schwärmerei zum Duke weder ihren Verstand noch ihr Höschen, sobald er in ihre Richtung blickt. Es ist mehr so ein bisschen Stolz und Vorurteil meets Bridgerton meets a little bit Sherlock Holmes and I think that's beautiful. Obwohl ernste Themen angesprochen werden, wird das Ganze nicht bierernst genommen oder rübergebracht und sorgt damit für eine kurzweilige, angenehme Lektüre.

Veröffentlicht am 24.08.2024

Underland

Starling House
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Mit schlecht bezahlten Jobs hält sich die sechsundzwanzigjährige Opal über Wasser und legt jeden Cent, den sie erübrigen kann, zurück. Sie will ihrem jüngeren Bruder ermöglichen rauszukommen aus diesem ...

Mit schlecht bezahlten Jobs hält sich die sechsundzwanzigjährige Opal über Wasser und legt jeden Cent, den sie erübrigen kann, zurück. Sie will ihrem jüngeren Bruder ermöglichen rauszukommen aus diesem scheußlichen Nest Eden in Kentucky. Das Einzige, was sie hier fasziniert, ist Starling House. In dem alten Anwesen hat einst die mysteriöse Autorin von Underland gelebt, die - je nach Blickwinkel - entweder ein Opfer oder eine Hexe war. Und Starling House scheint Opal magisch anzuziehen, deshalb nimmt sie sofort an, als Arthur, der letzte lebende Erbe in dem Haus, ihr einen Job anbietet. Doch Arthur gibt weder von sich noch vom Haus etwas preis - und Ungeheuer und Dämonen gibt es doch nur in Albträumen, oder?

Eigentlich macht die Autorin alles richtig - bis sie es dann doch nicht mehr richtig macht. Sie hat einen wirklich mega Schreibstil, der eigentlich richtig reinzieht, sich dann aber doch irgendwie als sperrig erweist. Und sie entwickelt interessante Charaktere - Opal, Jasper, Arthur - bis diese sich dann doch überhaupt nicht mehr weiterentwickeln. Und eigentlich wäre die Sache mit Starling House auch wirklich interessant und spannend - bis es das nicht mehr ist, weil man einfach nach der gefühlt hundertsten Andeutung einfach nur ermüdet. Vielleicht liegt es an mir, dass ich ein Kind der schnelllebigen Zeit bin, dass ich keine Geduld mehr aufbringe für sehr, sehr langsam aufgebaute Schauergeschichten, vielleicht liegt es aber auch doch an der Autorin, die es nicht schafft, einen gleichmäßigen Spannungsbogen aufzubauen. Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist: Ich wollte dieses Buch so sehr mögen - bis ich es dann doch nicht mehr tat.

Veröffentlicht am 15.08.2024

Ein Geist in der Buchhandlung

Mord in der Charing Cross Road
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Sally arbeitet als Buchhändlerin im Antiquariat Heldar, versteht sich mit den meisten Angestellten und hat nur regelmäßig unangenehme Begegnungen mit Butcher aus dem oberen Büro. Sie achtet auch nicht ...

Sally arbeitet als Buchhändlerin im Antiquariat Heldar, versteht sich mit den meisten Angestellten und hat nur regelmäßig unangenehme Begegnungen mit Butcher aus dem oberen Büro. Sie achtet auch nicht auf die Gerüchte der Belegschaft, dass im oberen Stock ein Geist umgehen soll. Doch dann wird ausgerechnet Butcher ermordet und sie kann einfach nicht glauben, dass einer ihrer Freunde der Täter sein soll. Der gutaussehende und ruhige Johnny Heldar will den Mörder finden, denn sein junger Cousin Tim wird verdächtigt, und Sally ist genau die Richtige, um ihm zu helfen.

Die Autorin ist mir völlig unbekannt, was auch kein Wunder ist, denn sie starb vor beinahe 30 Jahren und scheint eine Wiederentdeckung zu sein. Um ehrlich zu sein, habe ich von der Geschichte einfach mehr erwartet. Als Fan von Agatha Christie und Ellery Queen dachte ich an psychologisch raffinierte Verbrechen und scharfsinnig agierende ErmittlerInnen. Stattdessen bekam ich zwar viele Details aus der Buchhandlung, aber das Verbrechen blieb ziemlich auf der Strecke. Erzählt wird in einem einesteils ausschweifenden, biederen Stil, dann wiederum werden Dinge einfach mal so in den Raum gestellt, mehr Tell als Show. In diesem zumindest versucht emanzipiertem Zeitalter erschien mir das Verhältnis von Johnny und Sally auch eher nicht ausgeglichen. Offenbar soll Johnny der große, zuverlässige und nette Held sein, allerdings ging er mir für meine Begriffe ein paarmal zu offensichtlich über das hinweg, was ihre Bedürfnisse sind, um sein Bedürfnis als der große, zuverlässige Held unter Beweis zu stellen. Dazu kommt, dass die Lösung ein bisschen arg wie aus einem Bahnhofkioskheftchen daherkommt und mal eben aus dem Hut gezogen wird.

Alles in allem ist mir das Ganze zu altbacken gewesen. Oh, es klingelt, Moment, da muss ich rangehen. Hallo? Ach so. Die 50iger haben angerufen. Sie möchten ihre Geschichte zurück. Ich glaube nicht, dass dich die Reihe weiterverfolgen werde.