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Veröffentlicht am 13.01.2025

Trick 17

Wackelkontakt
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Franz Escher ist introvertiert und puzzelt gern. Dennoch muss endlich mal seine Steckdose repariert werden, die seit Ewigkeiten kaputt geht, deshalb wartet er jetzt auf den Elektriker. Der jedoch lässt ...

Franz Escher ist introvertiert und puzzelt gern. Dennoch muss endlich mal seine Steckdose repariert werden, die seit Ewigkeiten kaputt geht, deshalb wartet er jetzt auf den Elektriker. Der jedoch lässt auf sich warten und um sich die Zeit zu vertreiben, puzzelt Escher ausnahmsweise nicht, sondern liest ein Buch. In dem Buch geht es um Elio, der als Kronzeuge gegen die Mafia ausgesagt hat und jetzt ins Zeugenschutzprogramm kommt. Auf dem Weg in sein neues Leben liest er ein Buch über Franz Escher, der ein Buch liest und auf den Elektriker wartet ... Gastauftritte: eine Frau, die keine Fragen stellt, eine Frau, die zu viele Fragen stellt, die Mafia und diverse Puzzles.

Mich haben die ersten Seiten gleich reingezogen, obwohl es gar nicht mein Genre ist. Wir haben hier einen originellen Plot innerhalb eines Plots, und auch wenn das Ganze natürlich nicht sehr logisch ist, so ist es doch angenehm geschrieben. Obwohl es keine Kapitel und Absätze gibt (okay, doch, genau zwei: On/Off) und die Geschehnisse der beiden Stränge fließend ineinander übergehen, ist es kein Problem, dran zu bleiben und der Geschichte zu folgen. Ist natürlich auch keine Raketentechnik, aber so in der Art habe ich eine Story zum ersten Mal gelesen. Je mehr sich die Stränge einander näherten, desto mehr verlor sich auch die Originalität, fand ich. Die ganze Mafia/Millionen-Sache samt Entführung und Gino-der-Pate hätte ich nicht mehr gebraucht. Und ich mag es auch nicht, wenn Sätze in Dialogen gelacht werden und das kommt hier überraschend oft vor. Trotzdem haben wir hier eine unterhaltsame und kurzweilig Geschichte vorliegen, die Spaß macht zu lesen.

Veröffentlicht am 12.01.2025

Keine Sonne

To Kill A Shadow (Die verfluchten Lande, Band 1)
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Vor fünfzig Jahren verschwand die Sonne und seitdem leben die Menschen im Dunkeln,. Jetzt gehen langsam die Vorräte zur Neige und der König lässt aus den Dörfern junge Männer rekrutieren, die von den Rittern ...

Vor fünfzig Jahren verschwand die Sonne und seitdem leben die Menschen im Dunkeln,. Jetzt gehen langsam die Vorräte zur Neige und der König lässt aus den Dörfern junge Männer rekrutieren, die von den Rittern im Kampf ausgebildet werden. Sie sollen in die verfluchten Lande reiten, die noch dunkler und schattiger sind als der Rest der Welt und dort Artefakte suchen, um die Sonnengöttin zurückzuholen. Als ihr kranker Bruder mitgenommen werden soll, macht die 18jährige Kiara mit einer Prügelei auf sich aufmerksam und wird als erste Frau überhaupt anstelle ihres Bruders mitgenommen, weil es der gefährliche, ganz in Schwarz gekleidete mysteriöse Kommandant so befiehlt. Doch der König, dem sie dienen, hat eine eigene Agenda, und bevor ihre Ausbildung überhaupt fertig ist, schickt er den Kommandanten, Ki und ein paar andere junge Männer los ...

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber das bestimmt nicht. Ein paar logische Erklärungen hätten mir schon gereicht. Ich meine, wenn die Sonne verschwindet, kühlt die Erde eklatant ab und nach fünfzig Jahren hat die so eine Durchschnittstemperatur von minus 200 Grad oder so? Frieren tut hier aber echt niemand. Und dass es ständig dunkel ist, kommt hier eigentlich auch nur selten zur Sprache und es stört auch niemanden. Und ich bezweifle, dass sich die Menschheit nach ein paar Jahrzehnten schon so angepasst hätte, dass weder Kälte noch ständige Dunkelheit jemanden juckt. Vor allem wird die Nahrung jetzt erst knapp? Wie bauen die überhaupt was an? Keine Sonne, keine Photosynthese, also auch keine nahrhaften Pflanzen, Getreide etc. Gibt's keine nahrhaften Pflanzen, sterben auch die meisten Tiere aus, dafür braucht's keine fünf Jahrzehnte. Aber warum erwarte ich eigentlich in Jugendbüchern noch Logik? Recherchieren ist für Anfänger. Nicht mal Reiten wurde recherchiert, sonst wüsste die Autorin, dass nicht permanent an den Zügeln gezerrt wird, um Pferde (wovon leben die eigentlich?) zum Stehen oder Wenden zu bringen.

Und da haben wir noch nicht mal über die Charaktere gesprochen. Dass Ki kämpfen kann, ist logisch, sie hat seit zehn Jahren Kampfunterricht erhalten. Aber sie braucht ansonsten nichts zu machen, lediglich stehen, existieren und atmen, und der Kommandant ist hin und weg von ihr. Er sollte sich auf Instagram anmelden, so insta war seine Love zu ihr. Aber auch die anderen aus ihrer "found family" umschwärmen das Mädel wie Bienen eine Blume. Was man ihr zugute halten kann: Sie begibt sich selbst in Lebensgefahr, um andere zu retten, von daher ist das noch irgendwie okay für mich. Womit ich überhaupt nicht okay bin: Dieser komische Kommandant.

Jeder kennt ihn, gefühlt seit 100 Jahren. Ich habe also mit einem Typen wenigstens um die dreißig gerechnet. Er ist der mega gefährliche, dunkle, mit krassem Helm bedeckte Typ, vor dem jeder Angst hat. Stellt sich raus, ist ein neunzehnjähriger Bengel, der statt Aknepickel Schlägernarben hat. Und er behandelt Ki die meiste Zeit gut, ist aber trotzdem kein guter Mensch, egal, wie oft Ki das behauptet. Er tötet in einer Tour für den miesen König, einmal hat er sogar einen Adligen eine Woche lang gefoltert, bis der endlich gestorben ist. Ist nicht so, als hätte der König irgendwas gegen ihn in der Hand: Wollte er, hätte er ihm den Stinkefinger zeigen und sich absetzen können. Hat er nicht gemacht. Ist aber ein so, so guter Mensch. Ob du Lack gesoffen hast, Ki, will ich wissen?

Dazu kommt, dass er schon mal in den verfluchten Landen war und weiß, was auf sie zukommt. Hat es aber nicht nötig, irgendwem irgendwas darüber mitzuteilen. Killerspinnen, die gerade einen seiner Männer fressen? Ach, stimmt. Die gab's letztens auch. Oder Nebel, der Hallus auslöst? Ach, wollte ich euch gerade sagen ...

Nicht zu vergessen die krassen Kampfszenen in den verfluchten Landen. Mal davon abgesehen, dass die anderen, die im Trupp waren, eh nur als Kanonenfutter dienten (aber wir sind ja so krass found family!): Wer bitte ruft mitten im Kampf den Namen des anderen und lenkt diesen damit ab? Ich sag's ja, die Autorin hat echt von vielen Dingen null Ahnung, sich aber auch nicht die Mühe gemacht, das in irgendeiner Form zu recherchieren. Schade eigentlich. Ich dachte, das könnte eine spannende Geschichte werden. Aber abgesehen von Kis Verhältnis zu ihrem Bruder und der Tatsache, dass der krasse Kommandantenbengel Ki meistens nett behandelt hat, gibt es hier nichts Positives zu vermelden. 1.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 06.01.2025

Okay, Chefin!

Degrees of Engagement
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Bianca Dimitriou hat soeben ihren Doktortitel erhalten und möchte das feiern. Doch niemand aus ihrem Freundeskreis kommt zu dieser Feier und sie ist stinksauer. Als dann der von ihr heimlich angeschwärmter ...

Bianca Dimitriou hat soeben ihren Doktortitel erhalten und möchte das feiern. Doch niemand aus ihrem Freundeskreis kommt zu dieser Feier und sie ist stinksauer. Als dann der von ihr heimlich angeschwärmter Ex-Kommilitone Xavier Byrne ihr den Vorschlag macht, eine Verlobung zu faken, stimmt sie unter Alkoholeinfluss zu. Und plötzlich können alle ihre FreundInnen zu ihrer angeblichen Verlobungsparty kommen. Das macht sie noch wütender, aber auch schwerer, die Fake-Verlobung einfach so zu lösen. Und plötzlich kommen sich Bianca und Xavier weitaus näher als geplant - allerdings werden sich in kurzer Zeit ihre Wege trennen ...

Ich mag die Stem-Romanzen von Ali Hazelwood sehr gern und ging davon aus, dass es in dieselbe Richtung deutet. Ein bisschen passt es hier, weil sowohl Bianca als auch ihre FreundInnen alles sehr gescheite und gebildete Leute sind. Und Xavier war eine sehr angenehme Green Flag als LI, über den ich mich nicht ein einziges Mal aufregen musste. Das ist ja schon mal immer ein dicker Pluspunkt. Was mich mehr gestört hat, war, dass die beiden - obwohl doch als blitzgescheit beschrieben - nicht ein einziges Mal wenigstens die Möglichkeit diskutiert haben, eine Beziehung irgendwie möglich zu machen. Und dass scheinbar eine Beziehung zwischen zwei Leuten nur funktioniert, wenn man heiratet und Kinder kriegt (oder adoptiert). Niemand schien (trotz eines homosexuellen Paars) auch nur ansatzweise zu glauben, man könne auch anders glücklich werden. Alles steht und fällt mit einem Partner/einer Partnerin. Dazu fand ich die Spice-Szenen eindeutig zu viele. Nichts gegen Sex, aber wenn ich einen Softporno lesen will, dann tue ich das einfach. Ein oder zwei Szenen hätten (mir) hier durchaus gereicht. Es war alles in allem nett mit einem Paar auf Augenhöhe, die sich auch respektvoll behandelt haben (SEHR WICHTIG), aber in großem und ganzen zu wenig (Alleinstellungsmerkmal und Konfliktpotenzial) und zu viel (Familienplanung, Partnerschaft, Sex).

Veröffentlicht am 31.12.2024

Morde nach McMaster's

How to murder your Boss – McMasters Handbuch zum Morden
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Das McMaster's ist keine Hochschule, die man in irgendeiner Hochglanzbroschüre bewirbt, und dennoch kann es sich nicht über einen Mangel an Studierenden beklagen. Hier werden Leute ausgebildet, die einen ...

Das McMaster's ist keine Hochschule, die man in irgendeiner Hochglanzbroschüre bewirbt, und dennoch kann es sich nicht über einen Mangel an Studierenden beklagen. Hier werden Leute ausgebildet, die einen triftigen Grund haben, jemanden umzubringen. Dabei gibt es ein paar Leitsätze wie "Wird es die Welt besser machen, wenn dein Zielobjekt liquidiert ist" oder "Wird jemand um dein Ziel trauern" oder auch "Hast du ihm die Chance gegeben, sich zu bessern". Mit diesem Buch springen wir zurück in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts/Jahrtausend und folgen drei Studierenden bei ihrer Mission. Dabei ist den Kandidaten auch klar, dass sie selbst liquidiert werden, wenn sie entweder ihr Ziel nicht erreichen oder zu viel über das McMaster's reden ...

Ich bin eigentlich kein mörderisch veranlagter Mensch, aber ganz ehrlich: Jeder von uns hatte doch schon mal den Gedanken, dass es nicht schaden würde, wenn diese oder jene Person nach dem Löffel greifen würde. In diesem Buch wird das halt mit dem McMaster's auf die Spitze getrieben und ironisch, mit einem Augenzwinkern und auf durchaus entschleunigende Weise über Mord als schöne Kunst betrachtet geplaudert. Tatsächlich gehören sämtliche Sympathien auch wirklich den drei Studierenden und man fiebert mit, ob und wie sie ihre Aufgabe bewältigen. Anfangs hatte ich ein paar Probleme, in den kursiven Text reinzukommen, aber das hat sich schnell gelegt. Wer eine intelligente und durchaus schräge Unterhaltung mit 50iger Flair möchte und Rache manchmal mit Gerechtigkeit gleichsetzen kann, der wird mit diesem Buch seinen Spaß haben. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 27.12.2024

Der weibliche Vampir

Carmilla
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Laura ist eine junge Frau, die tief in den Wäldern der Steiermark auf einem alten Schloss lebt, zusammen mit der Dienerschaft und ihrem Vater. Da im Umkreis vieler Meilen keine anderen Menschen leben, ...

Laura ist eine junge Frau, die tief in den Wäldern der Steiermark auf einem alten Schloss lebt, zusammen mit der Dienerschaft und ihrem Vater. Da im Umkreis vieler Meilen keine anderen Menschen leben, fühlt sie sich oft genug sehr einsam. Umso schlimmer trifft es sie, dass eine andere junge Frau, das Mündel eines Freundes ihres Vaters, plötzlich stirbt, kurz bevor sie zu Besuch kommen wollte. Als sie eines Abends mit ihrem Vater spazieren geht, werden sie Zeuge, wie eine edle Kutsche in der Nähe des Schlosses havariert. Eine sehr edle und zurückhaltende Frau bittet sie, ihre Tochter bei sich aufzunehmen, obwohl sie aus gewissen Gründen Stillschweigen über ihre Identität bewahren müssen, und zu Lauras Freude stimmt ihr Vater zu. Die junge Frau, Carmilla, ist wunderschön, freundlich und redegewandt. Nur dass sie manchmal sehr träge ist, nie vor eins aus ihrem Zimmer kommt und manchmal seltsam reagiert, irritiert Laura. Und dann wird sie selbst krank ...

Ich denke, dass ich nicht spoilere, wenn ich bei einem über 150 Jahre alten Klassiker darauf hinweise, dass es sich bei Carmilla um einen Vampir handelt - und zwar so ziemlich den ersten in der Literatur, sogar noch zwanzig Jahre vor dem hochgelobten Dracula. Die Sprache mutet wohl für unsere heutige, schnelllebige Zeit altmodisch an, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Was meiner Meinung nach diesen Klassiker so einzigartig macht ist, dass hier ein männlicher Autor nicht nur aus der Sicht einer jungen Frau schreibt (und das meiner Meinung nach sehr gut), sondern auch Themen anspricht, die gerade jetzt hochmodern sind. Ob es sich dabei um Frauen handelt, die anders sind, als die Gesellschaft von ihnen erwartet, ob es um sexuelle Lust und Anziehung zwischen zwei Frauen geht - all das präsentiert uns Le Fanu in eine schöne, alte Schauergeschichte verpackt. Das Einzige, was mich ein wenig gestört hat, war, dass nie geklärt wurde, wer die "ältere Frau" ist, die jedes Mal Carmilla begleitet und woher sie das ganze Wissen über den General hatte. Natürlich gehört das nicht zum Hauptplot, aber es hätte die Geschichte meiner Meinung nach perfekt abgerundet.