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Veröffentlicht am 19.10.2024

Ach, du!

Ich fürchte, Ihr habt Drachen
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Robert, der eigentlich einen hochtrabenden Namen trägt, den er nie benutzt, ist ein Drachenbekämpfer. Wie Ungeziefer nisten kleinere Drachen in Häusern und Gebäuden und dann wird er gerufen, sie auszuräuchern. ...

Robert, der eigentlich einen hochtrabenden Namen trägt, den er nie benutzt, ist ein Drachenbekämpfer. Wie Ungeziefer nisten kleinere Drachen in Häusern und Gebäuden und dann wird er gerufen, sie auszuräuchern. So wird er eines Tages direkt vom König seines Landes aufgefordert, innerhalb kürzester Zeit das Schloss zu säubern, denn die Prinzessin Cerise möchte einen guten Eindruck auf den Kronprinz des Nachbarlandes, Reginald, machen. Robert hasst seinen Job und dennoch bleibt ihm plötzlich nichts anderes übrig, als auch noch mit Reginald auf Drachenjagd zu gehen. Reginald ist ungefähr genauso gern ein Held wie Robert ein Drachenbekämpfer und dass die Prinzessin dabei ist, macht die Suche und den Kampf nicht einfacher ...

Bei diesem Buch bin ich ein wenig zwiegespalten. Eigentlich hätte es eine amüsante Funtasy sein können und war sie auch zu großen Teilen. Doch dann wurde mir die Grausamkeit den kleinen Drachen gegenüber - die sich eigentlich eher wie Katzen benahmen - zu viel. Ausräuchern, vergiften, Haut abziehen und was so noch alles, wenn zum Glück auch nicht ausführlich, beschrieben wurde, ist der Tick Tierquälerei, den ich in keinem Buch lesen möchte, auch nicht als Andeutung. Im Gegensatz dazu stehen die sympathischen Charaktere, die der Autor zeichnet, und die dann dafür gesorgt haben, dass ich weitergelesen habe. Den bösen Zauberer fand ich anfangs auch sehr amüsant, allerdings wurde dann sein "Der Schurke erzählt endlos über all seine Schurkentaten"-Gehabe too much. Und um ehrlich zu sein, habe ich dieses Verschmelzen (oder auch nicht laut Robert) mit den Drachen nicht verstanden. Das klingt nach viel Kritik, wenn ich es hier so lese, aber tatsächlich war das Buch kurzweilig und gut zu lesen. Alles in allem hätte es für mich ohne die angesprochenen Grausamkeiten ganz großes Funtasy-Kino werden können, zumal sowohl die Prinzessin als auch die anderen Charaktere die meiste Zeit recht feministisch unterwegs waren. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 15.10.2024

Magiekuss

Nightbirds, Band 1: Der Kuss der Nachtigall (Epische Romantasy)
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In Simta ist Magie verboten, deshalb leben Matilde, Sayer und Aesa gefährlich. Tagsüber sind sie die wohlbehüteten Töchter und Mündel einflussreicher Familien, nachts jedoch ... arbeiten sie als Nightbirds. ...

In Simta ist Magie verboten, deshalb leben Matilde, Sayer und Aesa gefährlich. Tagsüber sind sie die wohlbehüteten Töchter und Mündel einflussreicher Familien, nachts jedoch ... arbeiten sie als Nightbirds. Sie verkaufen ihre in ihnen schlummernde Magie mit einem Kuss. Doch als der Einfluss religiöser Fanatiker und machthungriger Politiker größer wird und die Mädchen auch nicht immer so diskret sind, wie es ihnen eingebläut wird, kommt es zu einer Katastrophe. Die Fanatiker eröffnen die Jagd auf sie, während einige Politiker sie nur unter der Bedingung beschützen wollen, dass sie ihnen zu Diensten stehen. Doch die Nightbirds - und viele weitere Mädchen und Frauen aus allen Gesellschaftsschichten - erkennen nach und nach ihre wahre Stärke und Macht; aber wenn man Menschen hat, die man liebt, ist man immer erpressbar.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich in dem Buch drin war, denn anfangs ging mir genau das gegen den Strich, was Matildes Tränkefreund anprangert: Dass sie ihre Gabe nur den Reichen schenken und sich damit quasi prostituieren. Doch schnell entwickeln sich alle drei Mädchen, die wirklich sehr unterschiedliche Charaktere haben, weiter und ich finde es mega, wie sehr die Gier, der Fanatismus und der Machtwillen der meist männlichen Gegenspieler hier herausgearbeitet wird und das Buch damit ab einem gewissen Punkt nicht nur sehr spannend wird, sondern regelrecht feministisch. Der Zusammenhalt, der zwischen den Frauen und Mädchen entsteht, ihr Mut, die Freundschaft/Liebe zwischen ihnen hat mich beeindruckt. Gut gefiel mir auch, dass die Männer, die ihnen halfen, es aus Freundschaft heraus und der richtigen Einstellung zum Leben taten, nicht, weil sie die Jungfrauen in Not waren, die ohne ihre Männer aufgeschmissen wären. Alles in allem ein wirklich spannendes Konzept; mal sehen, ob der zweite Band da mithalten kann.

Veröffentlicht am 11.10.2024

Doyle in Baskerville

Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente (Teil 1)
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Der junge Arthur Conan Doyle hat es nicht einfach. Er lebt unter schwierigen Verhältnissen in Edinburgh; sein Vater ist depressiv und dem Trinken zugeneigt, weshalb er nicht arbeitet und seine Mutter ist ...

Der junge Arthur Conan Doyle hat es nicht einfach. Er lebt unter schwierigen Verhältnissen in Edinburgh; sein Vater ist depressiv und dem Trinken zugeneigt, weshalb er nicht arbeitet und seine Mutter ist mit ihm und den vier kleinen Schwestern ausgelastet. Arthur beschließt, sich eine Arbeit zu suchen, um die Familie zu unterstützen - doch dann erhält er das Angebot, an der besonderen Akademie Baskerville Hall zu lernen. Wer dort seinen Abschluss macht, kann damit rechnen, im Leben erfolgreich zu sein, weshalb er nicht lange überlegt. Und plötzlich rutscht er per Ballon in ein Abenteuer mit Intrigen, Einbrüchen, Geheimnissen, faszinierenden Lehrern und ... den besten Freunden, die er jemals hatte.

Ich bin ein großer Fan der originalen Sherlock-Holmes-Geschichten von Arthur Conan Doyle, lasse mich jedoch auch ab und zu gern in seine Welten entführen, die von anderen AutorInnen erdacht wurden. Und jedes Mal freue ich mich, wenn es diesen gelingt, den ursprünglichen Charme zu erhalten, aber Neues hinzuzufügen. Das ist Ali Standish hier wirklich gut gelungen. Sie legt eine quasi Dark Academia im 19. Jahrhundert vor, schenkt uns Doyle'sche Charaktere wie Challenger (Lost World) oder Doktor Watson, James Moriarty, Irene Adler (Sherlock Holmes) und lässt den späteren Autor selbst als Hauptperson agieren. Manchmal ist es ein bisschen drüber (Challenger lässt den Jungen ohne Einweisung den Ballon fliegen und wundert sich dann, dass der beinahe krachen geht?), manchmal schmunzelt man (etwas Großes, Wolfsartiges in Baskerville Hall oder auch ein Dodo oder ein Saurierbaby?) und einmal fand ich den sonst so cleveren jungen Doyle etwas tumb (noch einmal die Sache mit dem Saurierbaby), aber eigentlich hat mich diese Geschichte einfach nur begeistert und gefesselt. Großen Anteil daran hatte auch der Sprecher, der nicht nur jeder Person eine eigene Stimme verlieh, sondern auch das Ganze mit seinem offensichtlich Spaß daran noch einmal ordentlich aufwertete. Besser geht's nicht.

Veröffentlicht am 11.10.2024

Boldt taucht ab

Verborgene Fabelwesen der Meere
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Konstantin O. Boldt, der bekannte (Er)Forscher verborgener Fabelwesen, taucht dieses Mal ab. Und zwar ganz im Stile von Jules Verne 20.000 Meilen unter dem Meer. Bismarck selbst hat ihm befohlen, sein ...

Konstantin O. Boldt, der bekannte (Er)Forscher verborgener Fabelwesen, taucht dieses Mal ab. Und zwar ganz im Stile von Jules Verne 20.000 Meilen unter dem Meer. Bismarck selbst hat ihm befohlen, sein Refugium für verborgene Wesen zu verlassen, und dem Eisernen Kanzler kann er sich natürlich nicht widersetzen. Obwohl er nicht der Leiter der Expedition ist, ist er natürlich die Hauptperson und er berichtet uns von seinen faszinierenden Begegnungen mit unbekannten, oftmals gefährlichen Kreaturen, die im Meer leben. Dass in der Crew so unterschiedliche Individuen aufeinandertreffen, sorgt ebenfalls für Spannung und Reibung, aber auch für romantische Anwandlungen.

Obwohl ich den Vorgänger nicht kenne (mir den aber jetzt auf jeden Fall besorgen werde), gab es für mich keine Verständigungsschwierigkeiten. Es handelt sich zwar um den Nachfolger, aber nicht so direkt, dass sie unbedingt aufeinander aufbauen müssen. Das Buch zeichnet sich nicht nur durch die unglaubliche Außengestaltung aus, die allein als Eye-Catcher dient, sondern auch dadurch, dass der Innenteil wie das Tagebuch eines Reisenden des 19. Jahrhunderts gestaltet ist. Dabei kommen Fotos, alt und zerknittert wirkend, ebenso Dokumente oder Karten zum Einsatz und allein das lässt schon innehalten. Ich habe wahnsinnig viel Zeit damit verbracht, über die Zeichnungen der verborgenen Fabelwesen zu grübeln und mir auszumalen, was wäre, wenn sie tatsächlich existierten und in der heutigen Zeit eine Rolle spielten. Das Buch ist also in sich selbst nicht nur ein Abenteuer, das einfach Spaß macht, sondern regt tatsächlich dazu an, selbst Abenteuer auszudenken. Und ich finde, das ist eines der größten Komplimente, die man einem Buch machen kann. Volle Empfehlung!

Veröffentlicht am 10.10.2024

Sündenspiegel

Empire of Sins and Souls 1 - Das verratene Herz
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Die junge Zoe lebt verarmt mit ihrer kranken und dementen Mutter in einem bruchfälligen Haus. Um sie beide über Wasser zu halten, ist sie gezwungen zu stehlen und sich zu prostituieren. Als eines Tages ...

Die junge Zoe lebt verarmt mit ihrer kranken und dementen Mutter in einem bruchfälligen Haus. Um sie beide über Wasser zu halten, ist sie gezwungen zu stehlen und sich zu prostituieren. Als eines Tages ein Freier versucht, sie umzubringen, wehrt sie sich und tötet stattdessen ihn. Da ihr das als Mord ausgelegt wird, köpft man Zoe - und damit landet ihre Seele in Xanthia, der Vorhölle, dort, wo alle SünderInnen landen. Der Herr über diese Vorhölle, Graf Alejei, macht ihr ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann: Wenn sie ihm drei Relikte stiehlt, schickt er sie zurück in die Menschenwelt. Doch nicht nur das Stehlen der Relikte in Xanthia ist gefährlich, auch seine Bewohner sind es. Und welches Spiel treibt Alexei mit ihr?

Ich fand den Beginn des Buches richtig stark, besonders wenn man bedenkt, dass es sich um Romantasy handelt. Aber Zoe wurde erstmal als eine toughe junge Frau eingeführt, die alles tut, um zu überleben und ihre kranke Mutter zu versorgen. Leider ging die Stärke Zoes in dem Moment krachen, als sie in der Vorhölle auf Alexei trifft. Beinahe instant verwandelt sie sich in ein typisch hilfloses Dummchen, das dem Grafen hinterherhechelt. Auch ist das gesamte Konzept der Vorhölle äußerst wirr und unlogisch aufgebaut, was sich immer dann, wenn Zoe dabei war, ein Relikt zu stehlen, offenbarte. Wie holte Alexei sie aus diesen Situationen? Warum fragt Zoe nicht genau nach, in was sie da verwickelt wird? Viele Dinge werden einfach nicht erklärt. Anfangs gefiel mir auch der Schreibstil ganz gut, bis ich entweder empfindlicher oder er überladender wurde. Sätze wie "Mit jedem Schritt, den ich machte, strömte er (ein bestimmter Duft) tiefer in meine Lungen, wallte in meiner Brust auf wie die stürmische See, mein Herz ein herrenloses Boot, das darauf trieb" waren eher die Regel als die Ausnahme.

Was mich ebenfalls gestört hat: Zoe, die sich selbst verteidigt und um ihr Leben gekämpft hat, wird hier als Mörderin hingestellt und als Sünderin und das in keiner Form reflektiert wird. Mir ist klar, dass die zu der Zeit bzw. in dieser Welt so denken, aber dass das auch für die LeserInnen als allgemeine Wahrheit vermittelt wird, finde ich schrecklich. Ebenso, dass sie sich immer für Sachen entschuldigt hat, die nicht ihre Schuld oder in ihrem Ermessen lagen. Von daher werde ich diese Trilogie nicht weiterverfolgen oder empfehlen.