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Veröffentlicht am 11.08.2024

Stromschlag

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Achtung, das ist eine Rezension zum zweiten Teil der Reihe - Spoiler sehr wahrscheinlich.

Seit Jahren hat Kim davon geträumt, sich an Martin Rudbeck, dem sadistischen Psychologen, zu rächen und endlich ...

Achtung, das ist eine Rezension zum zweiten Teil der Reihe - Spoiler sehr wahrscheinlich.

Seit Jahren hat Kim davon geträumt, sich an Martin Rudbeck, dem sadistischen Psychologen, zu rächen und endlich hat er es geschafft. Er besitzt ein abgeschiedenes Haus, er stiehlt einen Krankenwagen, er entführt den Mann und bringt ihn in seinem Keller gefesselt unter. Er will verstehen, warum Rudbeck so sadistisch zu ihm war. Dann unterläuft ihm ein Fehler. Astrid findet Rudbeck und der stirbt. Als auch noch Julia dazukommt, ist das Chaos perfekt: Wie soll sich Julia als ehemalige Polizistin verhalten? Sie kann ihn nicht verraten, sie kann ihn aber auch nicht NICHT verraten, oder? Und dann recherchiert sie auch ausgerechnet in der Rechtsextremenszene, die sich nur ungern in die Karten schauen lässt.

Schade, aber der zweite Teil kann nicht annähernd mit dem ersten mithalten. Es gibt für mein Empfinden viel zu viel Privates, das mich null interessiert. Ob das jetzt Johnny, Julias Ex, ist, der auf sehr awkwarde Art mit einer Kollegin anbandelt oder Julia, die gefühlt die Hälfte des Buches bei Irma verbringt und sich über Kim ausheult oder Astrid, die sich trotz ihres jungen Alters immerhin für die richtigen Sachen einsetzt. Es war mir einfach zu viel, zumal es die Geschichte selbst nur marginal voranbrachte. Auch mochte ich Julia hier nicht halb so gern wie im ersten Teil. Sie war eigentlich nur damit beschäftigt, Kim hinterherzurennen, der sie wirklich nicht gut behandelte. Ja, er hat so seine Hintergründe, aber man kann trotzdem Leute, die sich für einen einsetzen, anständig behandeln. Dann noch die Sache mit den Rechtsextremen - ich finde das Thema ja mega wichtig und das dürfte gern mehr Seiten erhalten, aber sollte dann auch mal nicht einfach in der Luft baumeln gelassen werden. Ja, es ist der zweite Teil einer Trilogie, aber auch im ersten Teil gab es einen richtigen Abschluss, wie ich es mir hier auch gewünscht hätte. Stattdessen gab es ein eher weirdes Ende mit einer Erkenntnis, die Kim hatte. Weiß nicht, ob ich mir in der Hinsicht unbedingt eine Weiterführung wünsche. Trotz der Maulerei hier war das Buch wieder sehr gut geschrieben und konnte mich auch zu einem Großteil mitnehmen, sodass ich durchaus auch wissen möchte, was im letzten Band passiert. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 10.08.2024

Deal mit Elfen

Jane und die Geheimnisse von Branwell Hall
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Im Klappentext wird darauf hingewiesen, dass es bei der Geschichte um ein modernes Retelling von Jane Eyre handelt. Nun. Das ist ein bisschen weit, weit, weit hergeholt. Ja, es gibt ein Waisenmädchen namens ...

Im Klappentext wird darauf hingewiesen, dass es bei der Geschichte um ein modernes Retelling von Jane Eyre handelt. Nun. Das ist ein bisschen weit, weit, weit hergeholt. Ja, es gibt ein Waisenmädchen namens Jane. Und sie kommt auf ein Anwesen in England, um sich um ein kleines Mädchen zu kümmern. Dann gibt es noch ein paar Schlüsselszenen wie den Brand, bei dem sie das männliche Loveinterest - hier heißt er Liam - rettet und eine junge, adlige Frau, die um Liams Gunst buhlt. Damit und zwei oder drei Namen, die man aus dem Klassiker kennt, endet die Ähnlichkeit bzw. das Retelling und um ehrlich zu sein, hätte es meiner Meinung nach besser ohne diese forcierten Ähnlichkeiten funktioniert.

Besagte Jane also kommt nach Branwell Hall, um sich als Au-Pair um ein kleines Mädchen zu kümmern. Der Bruder der Kleinen, kaum älter als sie, scheint sie nicht zu mögen. Und dann gibt es noch einen Elfenkönig, der verschiedene Deals mit verschiedenen Leuten abgeschlossen hat und darauf besteht, dass diese Deals eingehalten werden. Das ist anfangs ein wirklich spannend erzählte Geschichte, zumal der Hintergrund von Janes verstorbener Großmutter beleuchtet wird und interessante Dinge verspricht. Doch spätestens ab der Hälfte wurde der Fokus dann weniger auf die Handlung oder das Retelling gelegt, denn ab da müssen sich Jane und Liam verlieben. Es gibt auch ein paar Dinge, die mir unlogisch erschienen und der Schluss war wirklich unbefriedigend, weil so viele Fragen so unnötig offen blieben. Auch gestört hat mich das ewige "Äh ..." von Jane, das auf den ersten 100 Seiten gefühlt auch hundertmal vorkam, und offen blieb mir auch, welche Qualitäten Liam besaß, dass sich Jane in ihn verlieben konnte. Das Buch hatte wirklich viel Potenzial, von dem auch viel verschenkt wurde.

Veröffentlicht am 01.08.2024

Wieder und wieder und wieder

Death. Life. Repeat.
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Es ist der Jahrestag vom Tod der Mutter und James Spencer, genannt Spence, geht es schlecht. Daran ändert sich auch nichts, als ausgerechnet sein Crush Clara Hart ihm ins Auto fährt. Wie üblich benimmt ...

Es ist der Jahrestag vom Tod der Mutter und James Spencer, genannt Spence, geht es schlecht. Daran ändert sich auch nichts, als ausgerechnet sein Crush Clara Hart ihm ins Auto fährt. Wie üblich benimmt sich Spence wie ein Ar...ch; kein Wunder, dass Clara ihn stehenlässt. Spencers bester Freund Anthony gibt an diesem Abend eine Party und alle sind eingeladen. Spence haut sich mit Alkohol die Birne weg, aber dennoch bemerkt er, dass Anthony Clara unter Drogen setzt und missbraucht. Das Mädchen rennt entsetzt aus dem Haus und vor ein Auto. Und plötzlich wiederholt sich dieser Abend immer wieder, solange, bis es auch in Spences Schädel geht, wie toxisch nicht nur Anthony und die Rugbymannschaft, sondern auch er selbst ist.

Das ist ein so, so wichtiges Thema und es sollte davon viel mehr Bücher geben. Allerdings hapert es hier ganz schön an der Umsetzung. Es fängt meiner Meinung nach schon damit an, dass Spence der falsche Erzähler ist. Ganz ehrlich: Wen interessiert die Sichtweise eines weiteren Mitläufers toxischer Männlichkeit? Daran ändert auch sein ach-so-tragischer Hintergrund mit der gestorbenen Mutter nichts. Es spielt keine Rolle für die Opfer von Missbrauch, was deren Tätern passiert ist, und es nimmt der Story jede Menge Impact, dass wir sie nur aus Spence Perspektive erfahren. Ja, er macht eine Entwicklung durch, aber das nützt den Frauen und Mädchen, denen Ähnliches wie Mia oder Clara passiert, nichts mehr, zumal es auch in seinem häuslichen Umfeld keine Erklärung für sein Verhalten gibt. Und sein Verhalten ist mehr als einmal cringy, dennoch sind Mädchen und Frauen dieses Verhalten gewohnt: Warum sollten sie noch darüber lesen wollen? Es werden also viele Dinge erwähnt, nur durch die endlosen Schleifen und Wiederholungen, wenn auch mit Abweichungen, nicht spannender. Und was ich auch als wirkliche Katastrophe empfand: das Korrektorat. Gab es überhaupt eines? Es kamen so, so viele Rechtschreibfehler, fehlende Buchstaben/Wörter vor, dass es eine Schande für diesen Publikumsverlag ist.

Veröffentlicht am 28.07.2024

Ey up?

Unser Buch der seltsamen Dinge
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Es ist Ende der Siebziger, Anfang der achtziger Jahre. Die zwölfjährige Miv lebt in Yorkshire, einer Gegend, die sich früher durch die vielen Fabriken ausgezeichnet hat, jetzt jedoch eher das Armenhaus ...

Es ist Ende der Siebziger, Anfang der achtziger Jahre. Die zwölfjährige Miv lebt in Yorkshire, einer Gegend, die sich früher durch die vielen Fabriken ausgezeichnet hat, jetzt jedoch eher das Armenhaus Englands ist. Ein Serienkiller treibt sein Unwesen, und der Schrecken, den er verbreitet, geht auch nicht spurlos an den Kindern vorbei. Als Miv mitbekommt, dass ihr Dad unter anderem auch wegen des Yorkshire Rippers umziehen will, ist sie entsetzt. Sie würde alles verlieren, was ihr etwas bedeutet, besonders jedoch ihre beste Freundin Sharon. Also beschließen die beiden jungen Mädchen, gemeinsam den Ripper zu jagen, damit ihre Heimat wieder sicherer wird. Dabei stoßen sie auf mehr schlimme Menschen als nur einen Mörder - und sie alle verstecken sich unter der Maske harmloser Mitbürger.

Oh, diese Geschichte hat mich mitgenommen. Zugegeben, nicht gerade von Seite 1, aber als ich dann mal drinnen war, konnte ich nicht mehr aufhören. Vom Yorkshire Ripper habe ich schon gehört - sogar eine Dokumentation gesehen, die wirklich wütend macht. Und auch dieses Buch macht an so vielen Stellen wütend: Wenn es darum geht, wie Frauen behandelt werden, wenn man sieht, welche Prioritäten gesetzt werden. Auch gab es noch absolut kein Bewusstsein für die Würde von Kindern. Hat sich ein Erwachsener ihnen gegenüber etwas herausgenommen, wurde das als harmlos abgetan und nicht ernst genommen. Die Autorin schafft es, die kindliche Stimme Mivs mit einer intensiven Sozialstudie zu verbinden, bei der es einem immer wieder kalt über den Rücken läuft. Es ist keine reine Coming-of-Age-Geschichte, auch wenn es vordergründig so scheint. Hier wird auf beste Weise eine Geschichte geschrieben, die gleichzeitig die Jagd auf einen Serienkiller und den Schrecken, den er in der Bevölkerung verbreitet, beinhaltet und tiefste Freundschaft dargelegt, wie sie fast nur in der Kindheit sein kann. Es gibt Drama und herzzerreißende Szenen, Rassismus, reine Bosheit und Gemeinheit, aber es gibt auch Zusammenhalt und das wachsende Bewusstsein für Recht und Unrecht. Dieses Buch wird noch lange nachhallen.

Veröffentlicht am 26.07.2024

1984 auf Wish bestellt

Das Lied des Propheten
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Das Buch hätte Potenzial, es hätte gut sein können, es hatte eine solide Grundidee, eine, die nicht neu ist, nein, aber doch eine, die man mit Geschick und Willen hätte ausarbeiten können. Das Potenzial ...

Das Buch hätte Potenzial, es hätte gut sein können, es hatte eine solide Grundidee, eine, die nicht neu ist, nein, aber doch eine, die man mit Geschick und Willen hätte ausarbeiten können. Das Potenzial wurde in den Himmel geschossen, wurde in die Tonne gekloppt, wurde lieblos zugunsten eines Schreibstils vernichtet, der innovativ sein soll, der auf Absätze, auf Überleitungen, auf Dialoge in dem Sinne verzichtet, dass keine Anführungsstriche gesetzt werden, denn das ist innovativ, das hat die Booker Price Jury überzeugt. Und ich denke mir, nein, wisst ihr was, ich frage mich, wer hat dieses Buch wirklich gelesen, so von Anfang bis Ende. Wirklich irgendjemand. Gab es jemanden, der das nicht völlig verhunzt und anstrengend fand, der sich über die komischen Formulierungen geärgert hat, jemanden, der einfach wirklich mal gesagt hat, hey, was ist das, was soll das, warum muss man eine Fast-Dystopie so gegen die Wand fahren. Das ist ein Buch, bei dem ich das Gefühl habe, dass alle nur den nackten Kaiser sehen, aber rufen, oh, seht die schönen Kleider und wenn jetzt irgendwer denkt, was ist das für eine komische Rezension, wer schreibt denn so anstrengende Rezensionen, der möge dieses Buch lesen und sich dasselbe fragen oder die Finger davon lassen, denn genauso ist das gesamte Buch geschrieben.