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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.08.2023

Der erste gemeinsame Fall

Eine Studie in Scharlachrot
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Diese Rezension bezieht sich auf das Hörspiel, das in diesem Archiv nicht zu finden ist.
Erst vor kurzem ist Doktor Watson aus Afghanistan zurückgekommen, wo er als Militärarzt gedient hat. Außer einer ...

Diese Rezension bezieht sich auf das Hörspiel, das in diesem Archiv nicht zu finden ist.
Erst vor kurzem ist Doktor Watson aus Afghanistan zurückgekommen, wo er als Militärarzt gedient hat. Außer einer Schulterverletzung und mangelnden finanziellen Mitteln hat er nichts mitgebracht, sodass er jetzt im teuren London nach jemandem sucht, mit dem er zusammenziehen und sich eine Wohnung teilen kann. Ein Bekannter bringt ihn mit einem Gentleman namens Sherlock Holmes zusammen - ein seltsamer Mann mit vielen Interessen, der sich selbst als beratenden Detektiv bezeichnet. Eines Tages wird er von Scotland Yard um Hilfe bei einem Mord gerufen und zum ersten Mal kann Watson seinen neuen Freund in Action erleben.

Zugegeben, das ist nicht Conan Doyles bestes Werk, aber man sollte es trotzdem kennen, weil es ein schönes Licht auf den Beginn einer wunderbaren Freundschaft wirft. Die Sprecher machten einen guten Job, auch wenn der Watson eindeutig zu alt klang. Man muss bedenken, dass die beiden Männer zu dem Zeitpunkt noch keine dreißig waren und so gut er agierte, hört sich der Watson hier eindeutig nach einem Mann in den Fünfzigern oder älter an. Ein bisschen anstrengend sind auch die zu langen Musiksequenzen zwischen den einzelnen Szenen und mir gefiel nicht, wie das Wort "Rache" umgesetzt wurde, das eine große Rolle spielt. Insgesamt gesehen ist es jedoch ein schönes Hörspiel mit entschleunigender Wirkung.

Veröffentlicht am 28.08.2023

Vollmaschine

Dream Chaser
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Kasim Edebali ist ein Hamburger Jung mit deutsch-türkischen-amerikanischen Wurzeln. Aufgewachsen mit einer alleinerziehenden Mutter, die alles dafür tat, um ihm ein gutes Leben zu ermöglichen, lernte er ...

Kasim Edebali ist ein Hamburger Jung mit deutsch-türkischen-amerikanischen Wurzeln. Aufgewachsen mit einer alleinerziehenden Mutter, die alles dafür tat, um ihm ein gutes Leben zu ermöglichen, lernte er früh, wie man sich durchsetzt. Und er kam auch früh mit American Football in Verbindung, das in Deutschland ja doch eher noch ein Nischenhobby ist. In diesem Buch erzählt er von seinen Anfängen, von seinen Chancen, Möglichkeiten, Niederlagen und Siegen. Er beschreibt seinen Weg bei den Kindern und Jugendlichen im Football in Deutschland und wie er sich im Kader machte. Schnell wurde klar, dass dieser Junge talentiert war - doch würde das reichen, um es in die NFL zu schaffen.

Edebali sagt selbst über sich, dass er nie der talentierteste Spieler auf dem Platz war. Was ihn von anderen, möglicherweise besseren Spielern unterschied, war sein unbedingter Wille, immer 100 Prozent zu geben. Unglaublich motivierend fand ich, dass er immer positiv an alles heranging, was ihm passierte. Er betont auch, dass es seinem Wesen entspricht, immer das Beste anzunehmen und zu geben. Ich bin kein extremer Football-Fan, aber vieles von dem, was er schrieb, konnte ich gut nachvollziehen. Was ich gern mehr gehabt hätte, war die Beschreibung des Collegelebens für einen jungen Deutschen, der noch nicht perfekt Englisch spricht. Auch waren mir die letzten Kapitel ein bisschen too much und weniger interessant für mich und die Interviews, die random immer eingestreut wurden, erschienen mir auf Dauer immer gleich mit ihrem sicherlich verdientem, aber doch sich wiederholendem Lob auf Kasim Edebali. Alles in allem war es mal ein interessanter Einblick in einen in Deutschland relativ wenig beachteten Sport.

Veröffentlicht am 21.08.2023

Point Break

One Second to Love (Breaking Waves 1)
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Noch vor zehn Jahren waren Avery, Isabel, Odina, Lee und Josie unzertrennlich. Zwar trafen sie sich immer nur einmal im Jahr im Surfcamp auf Harbour Bridge, aber sie waren so gut befreundet, wie es nur ...

Noch vor zehn Jahren waren Avery, Isabel, Odina, Lee und Josie unzertrennlich. Zwar trafen sie sich immer nur einmal im Jahr im Surfcamp auf Harbour Bridge, aber sie waren so gut befreundet, wie es nur gehen kann. Doch seitdem hat Avery sie nicht mehr gesehen. Sie ist ein gefeierter Rockstar und braucht nach der letzten Tour eine Pause, die sie am Ort ihrer Kindheit und Jugend einlegen möchte. Da erhält sie eine seltsame Nachricht, in der es um Josie geht: Josie, die schon damals ein Kinderstar war und spurlos verschwand. Josie, mit der sich Avery am letzten Abend, als sie gesehen wurde, gestritten hat, wegen Jake, der nicht nur ihr Bandkollege, sondern in ihrem Herzen schon so lange viel mehr ist. Avery will wissen, was mit Josy passiert ist - und mit Jake, der ausgerechnet jetzt um sie kämpfen will.

Zuerst das Positive: Ich habe diese Gegend mit dem Meer, das Surfen, die Insel-Vibes wirklich gefühlt. Und ich mochte die Idee mit den Freundinnen, die sich alle was verschweigen, und natürlich wollte ich wissen, was mit Josy passiert ist. Es ist auch nicht so, dass die Autorin nicht schreiben kann - denn das kann sie. Leider nur hat sie ein schlechtes Korrektorat und Lektorat gehabt.

Es gab so viel Längen und Wiederholungen derselben Gedanken oder Gefühle, dass es einfach nur anstrengend wurde. Und es hat mich extrem geärgert, dass ausgerechnet die eine wichtige Sache - nämlich die Nachricht, die in Bezug auf Josy alles ins Rollen gebracht hat - falsch geschrieben war. Und das alle beiden Male, die sie vorkam. Dadurch ergab das beabsichtigte Wortspiel natürlich keinen Sinn. Anstatt also vielleicht viel Geld in einen völlig sinnlosen Farbschnitt und ein überflüssiges Bildchen, Verzeihung, das heißt natürlich ganz edel "Page Overlay" zu investieren, hätte man vielleicht denjenigen mehr zahlen sollen, die aus einem Manuskript ein Buch machen sollen. Dann wäre vielleicht aufgefallen, dass man Fragen/Antworten/Dialoge nicht "lachen" kann und manche seltsamen Formulierungen wären rausgefallen.

Aber am schlimmsten fand ich, was hier als männlicher Counterpart präsentiert wurde. Ich habe Jake von Minute eins an gehasst. Er ist ein egoistischer, unsensibler Typ von Mann, den ich an Averys Stelle keine zehn Minuten lang ausgehalten hätte. Wahrscheinlich sollen sein Saufen, seine Frauengeschichten auf das Rockstarleben verweisen, aber gesund ist die Beziehung so einem Typen nicht. Und dieser Typ hier war dazu übergriffig und manipulierend. Er zwingt Avery gegen ihren Willen gleich zu Beginn des Buches auf eine Party, auf die sie nicht gehen will, indem er droht, ihren Eltern von ihrem ONS zu erzählen. (Mal davon abgesehen, was das für eine Drohung sein soll, Avery ist erwachsen und ER ist der Ar..., der eine Ehefrau zuhause sitzen hat.)

Er nistet sich ohne zu fragen auf ihrem Grundstück ein, benutzt ihren Strom, taucht trotz der Tatsache, dass sie mehrmals gesagt hat, sie möchte Abstand von ihm, bei ihr auf. Er wirft ihr vor, dass sie ihm nie zuhört, was eine blanke Lüge ist. Es gab nichts zum Zuhören bei ihm, er hat nie etwas von Belang gesagt. Und wenn, dann ging es immer nur um das, was Jake will: Er will sie. Oder auch nicht. Oder doch. Aber eigentlich nicht. Dass Avery diesem Typen nie dahin getreten hat, wo es richtig wehtut, kann man natürlich nur ihr vorwerfen. Ebenso die Tatsache, dass sie die Hälfte ihres Lebens in diesen Egotripper verknallt ist. Ich hatte so gehofft, dass sie einen anderen findet, aber als jemand Interesse an ihr zeigt, muss der natürlich so mies charakterisiert werden, dass fast (aber nur fast!) Jake noch eine Alternative darstellt.

So gab es leider bei Avery so viele Heiß-kalt-Momente, dass es nur noch anstrengend war. Dabei hätte man sie als wirklich starke, unabhängige Frau zeigen können, es waren alle Anlagen vorhanden, manchmal schaffte sie es sogar, Jake zu kontern. Aber ihre ungesunde Abhängigkeit zu diesem Mann war abtörnend und hat mir den Spaß am Lesen verdorben.

Veröffentlicht am 15.08.2023

Strigoi

Die Schwarze Königin I
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Um 1400: Der junge Vlad und die ebenso junge Königin Barbara treffen am Hof von König Sigismund in Buda aufeinander. Schon beim ersten Anblick wird beiden klar, dass sie mehr miteinander verbindet als ...

Um 1400: Der junge Vlad und die ebenso junge Königin Barbara treffen am Hof von König Sigismund in Buda aufeinander. Schon beim ersten Anblick wird beiden klar, dass sie mehr miteinander verbindet als reine Anziehungskraft, aber dass es ausgerechnet der Kampf gegen finstere Kreaturen - die Strigoi - handelt, können sie nicht ahnen. Dennoch werden sie über die Jahre alles dafür tun, um die Menschen vor der Dunkelheit zu bewahren, selbst wenn das bedeutet, dass Barbara tief in die Alchemie eintauchen und Vlad den Drachenorden anführen wird, der ihm den Beinamen "Dracul" verleiht ...

Heutzutage: Der junge Len macht eine Busrundfahrt, die ihn unter anderem nach Prag führt. Dort trifft er auf gruselige Wesen, eine Frau, die auf seltsame Art alterslos scheint und die unglaublich schnell nach einer schweren Verletzung regeneriert und erfährt, dass Omas Geschichten, dass er der letzte Nachfahre der Draculesti ist - jemand, der gegen die Blutsauger der Nacht kämpft - mehr Wahrheit als erwartet enthalten ...

Ich mag Heitz' Geschichten gern, denn er verbindet geschickt Geschichte mit Geschichten und hat einen sehr angenehmen Schreibstil. Auch hier hat er mich mit dem Prolog und dem Beginn sehr schnell in den Bann gezogen. Tatsächlich bin ich zwar auch sehr angetan von seiner Interpretation, dass Vlad II., "DER" Urvater der Vampire, eigentlich ebenjene bekämpft hat (das Pfählen spricht für sich!), aber mir waren viele Ausführungen im Vergangenheitsstrang etwas zu ausführlich und eher wie eine Art Geschichtsbuch gehalten. Wesentlich spannender fand ich daher die Ereignisse, die in der Jetztzeit stattfanden. Für Vampirfans eine Warnung oder ein Versprechen: niemand glitzert hier.

Veröffentlicht am 12.08.2023

Alltagsrassismus

Weiße Tränen
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Wenn man sechzehn ist, hat sich die ganze Welt gegen einen verschworen. Zumindest empfindet das Lenny so. Zum Glück hat er gute Freunde, zum Beispiel Serkan und dessen Schwester Elif, die er schon so lange ...

Wenn man sechzehn ist, hat sich die ganze Welt gegen einen verschworen. Zumindest empfindet das Lenny so. Zum Glück hat er gute Freunde, zum Beispiel Serkan und dessen Schwester Elif, die er schon so lange kennt und die plötzlich neue Gefühle in ihm auslöst. Doch alles ändert sich, als Benjamin neu an die Schule kommt. Der Schwarze Jugendliche spricht Alltagsrassismus knallhart an, lässt sich nicht in Schubladen einsortieren, bringt die Theater-AG zum Kochen und zeigt die Denkweise eines beliebten Lehrers auf, der deutsche und weiße Kinder immer bevorzugt. Und plötzlich weiß Lenny nicht mehr, was er denken soll: Wie kann er ein Rassist sein, wenn doch sein bester Freund Türke ist?

Wow. Dieses Buch hat mich echt mitgenommen, aufgerüttelt, direkt ein bisschen durchgeschüttelt. Ohne erhobenen Zeigefinger und tatsächlich ohne, dass Benjamin überhaupt viel tut in diesem Buch, wird anhand von Lenny und seinem Entwicklungs- und Lernprozess auf kristallklare Weise gezeigt, wie extrem privilegiert wir sind, die wir weiß und deutsch sind. Was es bedeutet, eine andere Hautfarbe zu haben oder auch mit einer anderen (zweiten) Kultur aufzuwachsen, Anfeindungen ausgesetzt zu sein, benachteiligt zu werden, ohne dass sich jemand Gedanken darüber macht. Ganz besonders auch der positive Rassismus hat etwas in mir zum Klingen gebracht; dessen habe ich mich sicher nicht nur einmal schuldig gemacht. In diesem Buch wird so viel angesprochen, das man durchdenken sollte, macht es meiner Meinung nach zu einer perfekten Schullektüre mit Charakteren, wie sie überall und in jedem Umkreis auftauchen und mit denen man sich identifizieren kann.