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Veröffentlicht am 30.07.2021

Oxman

Point Whitmark - CD / Die rote Hand des Teufels
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Als die langjährigen Sommergäste von Point Whitmark, der bekannte Ex-Astronaut Chapmann und Gemahlin auf seltsame mysteriöse und mystische Ereignisse in der Nähe ihres Hotels stoßen, ist die Neugier der ...

Als die langjährigen Sommergäste von Point Whitmark, der bekannte Ex-Astronaut Chapmann und Gemahlin auf seltsame mysteriöse und mystische Ereignisse in der Nähe ihres Hotels stoßen, ist die Neugier der drei Junior-Reporter Jay, Derek und Tom geweckt. Was hat es mit den angeblichen Elfensichtungen auf sich, von denen berichtet wird? So harmlos das wirkt, plötzlich wird aus dem Spaß Ernst: Eine Kreatur, die sich Oxman nennt, treibt in der kleinen Stadt sein Unwesen, und plötzlich finden sich überall Schlangen. Sollte es sich dabei wirklich um eine mystische Gottheit handeln, die schon den ausgestorbenen Indianern dieser Gegend bekannt war? Die Jungs stürzen sich in ihre Nachforschungen und geraten wieder einmal in Gefahr.

Auch hier: wirklich absolute und exzellente Umsetzung eines Hörspiels. Die Sprecher schienen von ihrem Job absolut begeistert zu sein, es machte wirklich Spaß, das Ganze anzuhören und auch hier fühlte man sich trotz all der dramatischen Ereignisse schnell entschleunigt. Noch immer keine schnelllebige Technik, keine hochmodernen Computer, nur gutes altes Klinkenputzen und zwischendurch rasante Action. Dass auch hier wieder die Logik ein wenig auf der Strecke blieb ... geschenkt. Ich mache demnächst Urlaub in Point Whitmark.

Veröffentlicht am 30.07.2021

Der Sender, der so heißt wie die Stadt

Point Whitmark - CD / Die Bucht der 22 Schreie
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Jay, Tom und Derek sind drei Jugendliche aus einer kleinen Stadt am Atlantik in New Hampshire. Sie betreiben Point Whitmark - der Sender, der so heißt wie die Stadt. Eines Tages wollen sie einer alten ...

Jay, Tom und Derek sind drei Jugendliche aus einer kleinen Stadt am Atlantik in New Hampshire. Sie betreiben Point Whitmark - der Sender, der so heißt wie die Stadt. Eines Tages wollen sie einer alten Geschichte auf den Grund gehen - im wahrsten Sinne des Wortes: Vor über dreißig Jahren sank die Albacore unweit der Stadt. Unfall? Absichtlich zugeführte Katastrophe? Als sie sich näher mit der Sache beschäftigen, stellt sich bald heraus, dass die Seelen der 22 damals ertrunkenen Seeleute wohl doch nicht so tot und im nassen Grab begraben sind, wie man dachte. Oder versucht auch noch heute jemand, einen Mörder zu schützen? Falls ja, geht dieser über Leichen und die drei Jungs geraten in tödliche Gefahr ...

Das ist mal ein außerordentlich sorgsam hergestelltes Hörspiel mit mega Sprechern und ordentlichem Hintergrund, immer passend zur jeweiligen Situation. Lediglich die an Captain Future erinnernde Musik zwischendurch passt selten und irritiert daher gern mal. Das Hören jedenfalls war ein Genuss. Die Stadt Point Whitmark ist herrlich altmodisch; die Menschen kommen ohne große Technik oder gar Handys aus, wie es scheint. Man fühlt sich ein bisschen in die achtziger oder neunziger versetzt. Der einzige Wehmutstropfen, den ich zu beanstanden habe, war das furchtbar konstruierte Ende, das ohne Logik und vor allem Beweise für die Schuld des Täters daherkam. Ich hoffe, dass sich das in den nächsten Folgen bessert.

Veröffentlicht am 30.07.2021

Katze, Dackel, 4500 Kilometer

Allein durch die Sterne
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Ariadne lebt eher in den Tag hinein als dass sie etwas aus ihrem Leben machen würde. Das Studium hat sie abgebrochen, sie jobbt gerade so viel, dass sie sich das Leben in Lille leisten kann. Doch eines ...

Ariadne lebt eher in den Tag hinein als dass sie etwas aus ihrem Leben machen würde. Das Studium hat sie abgebrochen, sie jobbt gerade so viel, dass sie sich das Leben in Lille leisten kann. Doch eines Tages ist sie plötzlich allein auf der Welt. Sämtliche anderen Menschen sind verschwunden. Was tun? Zuerst ist es gar nicht so uncool, in teuren Läden shoppen, alles essen und machen, was man will. Doch dann beginnt die Einsamkeit. Als sich plötzlich doch noch eine Menschenseele bei ihr meldet - Sanghyun. Dumm nur, dass sich der auf der anderen Seite der Welt befindet. Also beschließen sie, sich entgegenzukommen und in Jekaterinburg - mitten in Russland - zu treffen. Nicht so einfach: Der Strom fällt nach und nach aus, alle Straßen sind mit Autos verstopft, die Tiere verwildern. Und was, wenn man krank wird? Sich verletzt? Ariadne macht sich mit einem Dackel und einer Katze auf den langen Weg durch die Sterne ...

Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen und bin immer wieder beeindruckt von ihrem Ideenreichtum und der Tatsache, dass sie keinen Hang zu Kitsch hat. Obwohl die Geschichte oberflächig fast wie ein Liebesgedöns aussieht, ist sie doch viel mehr. Eine Dystopie für die Menschheit, eine Utopie für alle anderen Lebewesen auf der Welt. Eine Geschichte über Einsamkeit, Isolation, über das Bedürfnis des Menschen nach Sozialisation. Sie war spannend erzählt und ich konnte - gerade an einer bestimmten Stelle - extrem mitleiden. Und das Ende? Ist einfach irre. Es lässt mit Fragen zurück, sorgt aber dafür, dass man immer wieder mal zurückkehren wird mit den Gedanken an dieses Buch. Auf gewisse Art happy war es auch noch. Was will man mehr?

Veröffentlicht am 30.07.2021

13. August 1961

Dreieinhalb Stunden
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Wir schreiben das Jahr 1961. Es ist der 13. August, ein schöner sommerlicher Sonntag. An diesem Tag steigen viele Menschen in den Interzonenzug D-151 von München nach Berlin. Viele sind Rückkehrer in die ...

Wir schreiben das Jahr 1961. Es ist der 13. August, ein schöner sommerlicher Sonntag. An diesem Tag steigen viele Menschen in den Interzonenzug D-151 von München nach Berlin. Viele sind Rückkehrer in die DDR. Unter ihnen gibt es eine Person, die um jeden Preis ein Geheimnis gewahrt sehen möchte, um ihre Familie zu retten. Doch dieses allzu übermächtige Geheimnis kommt heraus: Der Ullbricht baut eine Mauer und schließt die Grenzen endgültig. Es sind noch dreieinhalb Stunden Zeit bis zum letzten Halt auf westdeutscher Seite - wie soll man sich da entscheiden? Für die Freiheit, aber ohne finanzielle oder soziale Sicherheit? Für das Vertraute mit allem, was man besitzt, aber in einem geschlossenen Land? Marlies, die Frau, die schon vorher Bescheid wusste, weiß, dass sie so oder so alles verlieren wird. Sascha, der junge Musiker, muss eine Sache aus seiner Vergangenheit klären. Artur, der abgehalfterte Bulle aus München, will noch einmal einen großen Fall haben. Und was ist mit all den anderen DDR-Leuten? Jeder von ihnen muss eine übermächtige Entscheidung treffen, und das Rattern der Zugräder auf den Schienen zerhackt die Stunden in Minuten und Sekunden ...

Vorneweg: Perfekte Sprecher. Auf die beiden kann man überhaupt nichts kommen lassen. Auch ist diese Geschichte aus der jüngeren deutsch-deutschen Geschichte im Kern sehr interessant und es war auch nicht so, dass ich mich wirklich gelangweilt hätte. Allerdings empfand ich den Stil des Autors als wenig raffiniert oder ausgefeilt. Ich weiß nicht, wie oft da der Blick gehoben wird, Lächeln geschenkt oder ähnliche Worthülsen verwendet wurden. Und wenn ich mir so ansehe, wie Menschen in Krisensituationen reagieren, halte ich von vornherein die ganze Prämisse für etwas realitätsfern. Meiner Meinung nach machen sich da in dem Zug viel zu viele Menschen viel zu viele Gedanken. Im Ernstfall war das mit Sicherheit nicht so. 99 Prozent aller anwesenden DDR-Bewohner wäre nicht ausgestiegen, aus einem einfachen Grund. Egal, was im Radio kam, die meisten hätten mit den Schultern gezuckt und sich gedacht: Wird schon nicht so schlimm werden. Wir haben schon Schlimmeres erlebt und überstanden - immerhin ist das Ende des Krieges gerade einmal 15/16 Jahre her. Von daher weiß ich zwar die erdachte Dramatik und die geschichtlichen Hintergründe, die man so im Laufe der Zugfahrt erfährt und mitbekommt, zu schätzen, allein mir fehlt ein Stück Begeisterung über den Stil und die letztendliche Überzeugung, dass sich diese Geschichte so hätte abspielen können. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 28.07.2021

Thriller bei Wish bestellt

Der Blutkünstler (Tom-Bachmann-Serie 1)
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Ein Serienkiller geht in Deutschland um. Er hat es auf Frauen abgesehen, die irgendwas mit Kunst zu tun haben, und er schlachtet sie brutal ab, nachdem er sie gefoltert hat, zieht ihnen ein gelbes Kleid ...

Ein Serienkiller geht in Deutschland um. Er hat es auf Frauen abgesehen, die irgendwas mit Kunst zu tun haben, und er schlachtet sie brutal ab, nachdem er sie gefoltert hat, zieht ihnen ein gelbes Kleid an und stellt sie dann an relativ öffentlichen Plätzen aus. Nur ein einziger Mann kann ihn stoppen: Tom Bachmann, der Seelenklempner ... Verzeihung. Der Seelenleser. Er hat lange für das FBI als Profiler gearbeitet und kann sich am besten in die Gehirne von brutalen Killern versetzen. Trotzdem gelingt es dem Mörder, weiterhin seine Taten auszuführen, doch Tom hat eine Vergangenheit, die ihm in der Gegenwart noch gute Dienste leistet.

Hier haben wir mal ein Buch, das sich überhaupt keine Mühe gibt zu verbergen, wie sehr hier ordentlich kopiert wurde. Das Cover, das gefühlt so oder ähnlich schon bei Dutzenden anderen Thrillern gesehen wurde, der Autorenname, bei dem man natürlich überhaupt nicht an einen sehr erfolgreichen amerikanischen Thrillerautor denken soll, selbst der Name des Protagonisten wurde zusammengewürfelt aus Klang und An-Klang, sprich Suggestion. Die Handlung ist so oft schon gelesen wurden, dass man schwer ein Gähnen unterdrücken kann. Der Ermittler, der ein bisschen der kleine Bruder von Dexter sein könnte, die Rückblicke in seine Vergangenheit, die stereotypen Beschreibungen aus Sicht des Killers, das gebetmühlenartige Aufzählen aller bekannten Dinge, die Serienkiller tun oder auch nicht, wie sie 1:1 auch in Wiki oder diversen True Crimes zu finden sind. Ich habe nicht einmal das Gefühl gehabt, dass hier tatsächlich ein echter Mensch eine echte Geschichte erzählt hat, sondern dass ein Bot willkürlich alle erfolgsversprechenden Zutaten für einen Thriller zusammenpuzzelte und auf Bot-Art zusammenfügte. So etwas, stelle ich mir vor, kommt heraus, wenn man Thriller bei Wish bestellt. Billig und ohne jeden (Wiedererkennungs-/Mehr)Wert.