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Veröffentlicht am 19.05.2021

Gesund essen

Heilsam kochen mit Ayurveda
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Ich mag Kochbücher, ich mag Essen und ich mag es, diese beiden Leidenschaften zu verbinden und dabei möglicherweise noch etwas Neues zu lernen. Deshalb war ich an dem Buch von Dr. Grönemeyer (das ist der ...

Ich mag Kochbücher, ich mag Essen und ich mag es, diese beiden Leidenschaften zu verbinden und dabei möglicherweise noch etwas Neues zu lernen. Deshalb war ich an dem Buch von Dr. Grönemeyer (das ist der mit der Medizin, nicht der mit der Musik) sehr interessiert.

Zu Beginn gibt es eine Einführung in Ayurveda. Das ist - genau wie vegane Lebensweise - kein Trend, sondern eine Einstellung. Nicht für die Hipsters der Welt, sondern für diejenigen, die auf sich achten wollen, die schon gut und gern essen, dabei aber auch sowohl auf ihre Gesundheit als auch die Natur Wert legen. Das fand ich schon mal gut.

Weniger gefallen hat mir dann auf Dauer, dass Ayurveda irgendwann schon beinahe esoterisch wurde. Wer sich auf Ayurveda einlässt, so kam es beinahe rüber, könne Krankheiten bekämpfen oder vorbeugen, Selbstheilungskräfte aktivieren, ja sogar da Erfolg haben, wo es mit herkömmlicher Medizin nicht mehr weitergeht. Und genau das sind Aussagen, die ich immer relativ grenzwertig finde, besonders wenn dann auch noch von Schwingungen die Rede ist.

Das Essen bzw. diejenigen Rezepte, die ich ausprobiert habe, entpuppte sich als durchweg lecker und manchmal überraschend. Mein Lieblingsessen war dabei ein ganz einfaches (die sind übrigens alle gut und leicht herzustellen), nämlich kross gebratener Blumenkohl. Von daher bekommt der Rezeptteil meine vollste Empfehlung, die Einführung ist mir persönlich zu ausführlich und ein bisschen zu esoterisch - wen das nicht stört, der hat ein rundum gelungenes Buch in der Hand.

Veröffentlicht am 17.05.2021

Als Cornwall-Führer geeignet

Post für den Mörder
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Daphne Penrose wohnt mit ihrem Mann Francis in einem kleinen Ort in Cornwall, in Fowey. Manchmal radelt sie mit dem Postrad durch die Gegend und stellt Briefe zu. Alles ist beschaulich, bis zu dem Tag, ...

Daphne Penrose wohnt mit ihrem Mann Francis in einem kleinen Ort in Cornwall, in Fowey. Manchmal radelt sie mit dem Postrad durch die Gegend und stellt Briefe zu. Alles ist beschaulich, bis zu dem Tag, als Francis, der als Flussmeister arbeitet, eine Leiche findet. Edward Hammett war nicht nur ein ortsansässiger Reeder, sondern auch ein Bekannter von Francis. Kurze Zeit später stolpert Daphne über zwei weitere Leichen. Als sich daraufhin der Chief Inspector der nächstgelegenen Stadt als ein alter Bekannter entpuppt, von dem Daphne nicht viel hält, ist ihr klar: Hier muss sie selbst ihre Nase in Dinge stecken, die sie nichts angehen ... wait, wollte schreiben: ... und selbst ermitteln.

Vorneweg: Ich habe das als Hörbuch gehört und kam daher dieser neugierigen alten Schachtel nicht aus. Denn genau das ist Daphne, diese nervige, ältere Person, die sich für ach-so-schlau hält, aber ständig dumme Entscheidungen trifft. Angeblich arbeitet sie bei - Achtung, das muss wichtig betont werden - Royal Mail. Scheint aber ein Beruf zu sein, den man nach Lust und Laune verrichten kann, denn oft ist sie bei ihrem Job nicht anzutreffen. Leider scheint der Autor weder zu wissen, wie die Arbeit einer Postlerin noch die der Polizei in England funktioniert und dem Lektor war wohl auch egal, dass normale Chief Inspectoren und/oder Sergeants keine Pistolen tragen. Aber wen stört's bei all den Beweisen, die Daphne sowieso ständig vernichtet. Sie hält wichtige Informationen zurück und als sie den Chief und den Sergeant nicht erreichen kann, kommt sie auch nicht auf die Idee, in einer lebensgefährlichen Situation für ihren Mann einfach den stinknormalen Notruf zu wählen, sondern hält es für eine intelligente Idee, hinter mutmaßlichen Mördern durch Gebüsche (wohlgemerkt auf einem Golfplatz, auf dem es vor Gebüschen scheinbar nur so wimmelte) hinterherzukriechen.

Die Attitüde der auftretenden Personen mäanderte zwischen rassistischen (oh, wir dürfen unsere Ex-Kolonie Hongkong nicht mehr unterdrücken, Frechheit, dass es jetzt die Chinesen machen!) und herablassenden (oh, meine Tochter ist mit einem Mann zusammen, der nicht viel redet, oh, zum Glück hat sie sich jetzt von dem getrennt) Gehabe hin und her. Warum Daphne - die arroganteste Person des ganzen Buches - ständig der Meinung war, der Chief Inspector, der sich eher distanziert verhielt, sei arrogant, wird wohl für immer ein Geheimnis des Autors bleiben.

Zum Schluss möchte ich nur noch bemerken, dass ich zwar wirklich anfing, Cornwall zu mögen und auch Lust auf einen Besuch hätte, aber in dem Fall nur dafür beten würde, dort auf keinen Fall dort der "Heldin" dieses Buches zu begegnen.

Veröffentlicht am 13.05.2021

Immer im Kreis

Dark Blue Rising (Bd. 1)
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Tabby und ihre Mutter Cate hält es nie lange an einem Ort. Immer ziehen sie weiter, immer darauf bedacht, niemals mit jemandem näheren Kontakt zu halten. Cate hat Tabby erklärt warum: Sie werden gejagt, ...

Tabby und ihre Mutter Cate hält es nie lange an einem Ort. Immer ziehen sie weiter, immer darauf bedacht, niemals mit jemandem näheren Kontakt zu halten. Cate hat Tabby erklärt warum: Sie werden gejagt, und wenn man sie findet, sperrt man sie ein. Doch dann wird Cate gefasst und Tabby erfährt, dass sie gar nicht ihre richtige Mutter ist, sondern ihren Eltern weggenommen hat. Plötzlich muss sie sich mit fremden Leuten auseinander setzen, ihren Eltern, in einem großen Haus wohnen, und sich monatlich in einer großen Klinik untersuchen lassen. Als eine Schwimmtrainerin entdeckt, wie gut Tabby sich im Wasser bewegt, lädt sie sie zu einem Trainingscamp ein. Dort passieren nach und nach immer seltsamere Sachen - und was hat diese Klinik mit dem Camp zu tun? Tabby gerät - wie es Cate immer gesagt hat - in große Gefahr ... in Lebensgefahr.

Ich mag Terrys Bücher - eigentlich. Sie hat einen mega Schreibstil, den sie auch hier wieder beweist. Doch mir fiel auf, dass sowohl die Person Tabbys als auch gewisse Szenen stark denen aus Infiziert ähneln. Dazu kommt, dass hier viel zu viel wiederholt wird. Hüte dich vor dem Kreis hat zwar Cate als Letztes Tabby gewarnt, aber sie hätte vielleicht auch Teri Terry davor warnen sollen, sich ständig im Kreis zu drehen, dann wäre die Geschichte wahrscheinlich 100 Seiten kürzer, aber dafür bedeutend knackiger gewesen. So haben wir hier zwar noch immer ein gutes Buch, aber um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher, ob ich unbedingt die Fortsetzungen brauche und außerdem kann es die Autorin auch besser.

Veröffentlicht am 08.05.2021

Spielsucht

Berlin Heat
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Die Pandemie ist zu Ende, die Menschen sind hungrig nach Leben. In Berlin steppt der Berliner Bär und alle machen mit. Touristen überschwemmen die Hauptstadt und die Zeit für Tom Lohoff ist gekommen, ist ...

Die Pandemie ist zu Ende, die Menschen sind hungrig nach Leben. In Berlin steppt der Berliner Bär und alle machen mit. Touristen überschwemmen die Hauptstadt und die Zeit für Tom Lohoff ist gekommen, ist er doch einer, der den Touristen besorgt, was immer sie brauchen. Wohnungen, Drogen, Partys. Sein Leben könnte easy sein: Geld kommt wieder rein, eine neue Freundin zeichnet sich ab. Doch Tom ist ein notorisch Spielsüchtiger und er hat Schulden bei Leuten, mit denen nicht zu spaßen ist. Er braucht Geld, und zwar schnell! Da bietet sich die Entführung eines Rechtsradikalen-Politikers an.

Ich habe etwas erwartet. Vielleicht nicht unbedingt DEN Megathriller im Politbereich, aber doch schon etwas, das die Zeit kurz vor den Wahlen so richtig aufmischt. Doch das Einzige, was hier richtig aufgemischt wird, sind feuchte Träume und Klischees. Albaner sind kriminell, außerdem stinken sie und lieben ihre Messer. Romafrauen können und wollen immer. Wird ein Mann sexuell genötigt, ist das schrecklich (was es natürlich wirklich ist!), Frauen gewöhnen sich dran, quasi: ist schon in Ordnung (was es natürlich NICHT ist!). Ich hatte solche Hoffnungen, dass hier die Rechten mal ordentlich vor die Brust genommen und demaskiert werden, und zwischendurch blitzte es da auch auf, aber zu wenig, zu spät, zu abgedreht, um es ernst zu nehmen. So kam mir die Geschichte vor, als wäre sie unter Einfluss von schlechten Drogen und feuchten Träumen geschrieben worden, konnte mich so gar nicht erreichen und wenig begeistern.

Veröffentlicht am 07.05.2021

Winterdämon und Hexenmädchen

Der Bär und die Nachtigall
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Irgendwo hoch im Norden der Rus lebt der Bojar Pjotr mit seiner Familie. Die Sommer sind hier kurz, die Winter lang und hart, doch ihm geht es recht gut als Landadligen und Verwandten des Zars in Moskau. ...

Irgendwo hoch im Norden der Rus lebt der Bojar Pjotr mit seiner Familie. Die Sommer sind hier kurz, die Winter lang und hart, doch ihm geht es recht gut als Landadligen und Verwandten des Zars in Moskau. Doch dann bekommt seine Frau noch eine Tochter, Wasilisa, und sie ein wildes, unbeherrschbares Kind. Sie kommt nach ihrer Großmutter, sagen die Untergebenen von Pjotr, und diese war eine Hexe, die dem Großfürst den Kopf verdreht hat. Wasja kann die Geister des Landes sehen, und die Geister des Hauses. Sie hat zu ihnen allen ein gutes Verhältnis. Doch dann kommt ein Priester in ihr Dorf und er verbietet ihnen, den Geistern zu huldigen. Die Winter werden immer härter, die Alten, die Kranken, die Kinder sterben und in den Wäldern erheben sich finstere Mächte. Nur Wasja kann ihre Familie und das Dorf retten, doch was, wenn die sie nicht als Rettung, sondern als Fluch sehen?

Ich stehe total auf Geschichten, die auf russischer Folklore, Legenden und Märchen basieren, selbst wenn es nichtrussische Autoren schreiben. Und was den poetischen Schreibstil betrifft, gibt es bei Katherine Arden nicht viel zu bemängeln. Aber ich muss sagen, so interessant es anfangs gestaltet war, so langatmig wurde es für mein Empfinden im Mittelteil und bis kurz vors Ende. Das war immerhin ziemlich spannend und tragisch und hatte zwischendurch sogar ein paar Gänsehautmomente. Was mich auch immer ein wenig gestört hat, war die ewige Springerei in der Perspektive. Die Autorin konnte sich nicht festlegen, wem sie die Stimme verleihen wollte, deshalb durfte einfach mal jeder drankommen. Das sind so Sachen, die mich persönlich gern mal aus dem Lesefluss herausbringen. Obwohl es sich hier um eine Trilogie handelt, kann dieses Buch für sich allein stehen und braucht zumindest was mich betrifft keine Fortsetzung mehr. 3,5/5 Punkten.