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Veröffentlicht am 10.08.2025

Tiefgreifend, brutal und voll tödlicher Liebe

The Book Eaters
1

Wie weit darf Liebe gehen?
Für Devon, eine Buchesserin, ist das keine Frage. Für ihren Sohn Cai würde sie alles geben - und zwar bedingungslos. Doch dabei gibt es einen großen Haken: Im Gegensatz zu ihr ...

Wie weit darf Liebe gehen?
Für Devon, eine Buchesserin, ist das keine Frage. Für ihren Sohn Cai würde sie alles geben - und zwar bedingungslos. Doch dabei gibt es einen großen Haken: Im Gegensatz zu ihr ist Cai ein Gedankenesser und um zu überleben, ist er gezwungen, die Seelen lebendiger Menschen essen...
Ausgestoßen von ihrem eigenen Clan versteckt sich Devon auf der Suche nach einer Lösung, um ihren Sohn zu schützen und folgt schon bald einer heißen Spur...

Sunyi Dean ist mit "The Book Eaters" ein absoluter Hit gelungen. Die Story packt ab der ersten Seite und hat mich auch bis zum letzten Kapitel nicht wieder losgelassen.
Ein, aus meiner Sicht, rundum sehr gut umgesetztes Buch mit einer ordentlichen Portion Tiefgang, die ich beim Lesen des Klappentextes so gar nicht erwartet hätte.
Es werden u. a. die Ungerechtigkeit patriarchaler Strukturen, arrangierte Ehen und die Objektifizierung der Frau thematisiert, denn in der Welt der Book Eaters geht es um das reine Überleben ihrer Erblinie.
Mitten in diese Zeit voller Sorgen und Unterdrückung wird Devon, die Protagonistin, hineingeboren, die der/die Lesende in zwei parallel geführten Zeitsträngen durch das Buch begleitet.
Bereits in ihrer Kindheit, die zunächst fröhlich und unbeschwert scheint, wird bereits deutlich, dass die Buchesser in einem anderen System leben, als es "normale" Menschen heutzutage tun würden.
Sofort kommt die düstere Stimmung einer Dark-Fantasy-Geschichte auf, die ich schon anhand des wunderschönen Covers und dem Klappentext vermutet habe.
Gut gefallen hat mir besonders, dass aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, was das Lesen noch abwechslungsreicher für mich gemacht hat.
Grundsätzlich war ich auch sehr angetan von Sunyi Deans Schreibstil, der sehr packend war und gleichzeitig das Setting der Story sehr gut umgesetzt hat. Ich habe ihn als sehr bildlich und anschaulich empfunden.
Damit komme ich aber auch zu einem kleinen Kritikpunkt, denn die Autorin schildert bestimmte, sehr gewaltsame Szenen äußerst detailliert, was sicherlich nicht für jede/n etwas ist. Ich habe mich nicht daran gestört, für andere könnte es aber durchaus belastend sein; insbesondere weil es teils um Mord geht, aber auch um den Verlust von Kindern, die gewaltsam von ihrer Mutter getrennt werden. Deswegen hätte ich mir vorab eine Triggerwarnung zu den betreffenden Themen gewünscht, damit niemand völlig von den Inhalten "überrumpelt" wird.
Ansonsten bin ich von dem Buch aber über alle Maßen begeistert. Es gibt viel Backroundstory zu den einzelnen Charakteren und auch die Verhältnisse, unter welchen die Bucheresser leben, werden sehr genau beleuchtet. So bleibt ihre Welt für mich nicht nur ein "verschwommener Fleck" vor meinem inneren Auge, sondern bekommt klare Konturen. Gleiches gilt für die Protagonistin und weitere Charaktere, die alle sehr individuell und einzigartig wirken, weil jede/r von ihnen seine ganz eigene Geschichte hat.
Interessant fand ich auch die Tatsache, dass man als Lesende/r gar nicht allzu sehr mit Devon sympathisiert, weil einige ihrer moralischen Grundsätze für den Außenstehenden fragwürdig und nicht vertretbar erscheinen. Das ist nichts negatives, schließlich können nicht immer alle Figuren durch und durch gut sein, aber es ist definitiv mal ein etwas anderer Ansatz, als ich ihn aus vielen Büchern kenne.
Die Story baut sich mit jeder Seite größer und bedrohlicher auf, sodass die Spannung mit jedem Kapitel steigt. Immer wieder kommen neue Plot Twists ins Spiel und als Leser*in wird man von Mal zu Mal wieder überrascht - es wird ganz sicher nicht langweilig.
Neben der Haupthandlung fließen auch noch weitere Themen mit ein, ohne zu präsent zu sein. Dazu gehören z. B. sehr loyale Freundschaften, aber auch queere Themen. Das hat mich ganz besonders gefreut, weil es vorher nicht noch einmal explizit im Klappentext angekündigt wurde, sondern ganz selbstverständlich mit im Buch integriert war.
Die gesamte Handlung hat mir sehr gut gefallen, weil sich eben nicht nur auf den einen "Hauptstrang" fokussiert wurde, sondern mit den vielen, kleinen Nebenhandlungen auch den Charakteren die Möglichkeit gegeben wurde, sich weiterzuentwickeln, was ich bei Devon auch deutlich gesehen habe. Die Autorin schafft dadurch außerdem auch einige schöne Momente, die zum Lächeln bringen, obwohl das Setting der Story ja eigentlich doch sehr düster ist.
Das Cover passt sich perfekt ein und überträgt den "Vibe" der Geschichte auf ihren Inhalt. Wirklich hübsch anzusehen und mit einem tollen Farbschnitt. Letztlich ist es eben zu Beginn doch auch immer wieder die Umschlaggestaltung, von der ich mich gerne in den Bann ziehen lasse und was soll ich sagen? In diesem Fall hat es ja sehr gut funktioniert! :)

Mit diesem Buch bekommt man eine sehr tiefgründige Geschichte geliefert, die vor allem mit dem Thema "Mutterliebe" arbeitet und besonders präsent die Rolle der Frau in einer Gesellschaft aufgreift, wie wir sie heute nicht mehr kennen, sondern nur noch aus den vergangenen Jahrhunderten.
An Brutalität und Spannung mangelt es in diesem Fantasy-Setting auch nicht; alles in allem also ein "Komplettpaket" aus Gefühlen, Action und Fantasy.
Von mir eine ganz klare Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 31.07.2025

Eine rasanter Wettkampf mit der Zeit vollgepackt mit Wissen

Der Da Vinci Code
1

Während einer Dienstreise in Paris wird der Symbolforscher Robert Langdon zu einem rätselhaften Mordfall im Louvre gerufen - der Museumsdirektor wurde ermordet! Und hinterlassen hat er nur einige seltsame ...

Während einer Dienstreise in Paris wird der Symbolforscher Robert Langdon zu einem rätselhaften Mordfall im Louvre gerufen - der Museumsdirektor wurde ermordet! Und hinterlassen hat er nur einige seltsame Symbole.
Gemeinsam mit Symbolforscherin Sophie Neveu macht Langdon sich auf die Suche diese zu entschlüsseln, gerät dabei jedoch selbst in den Fokus der Ermittlungen. Und auch das Rätsel zu lösen erweist sich als komplizierter und verstrickter als zunächst erwartet. Bald schon finden sich die beiden in einem Wettlauf mit der Zeit - und einem mysteriösen Gegenspieler, der um jeden Preis vor ihnen hinter das Geheimnis des Museumsdirektors gelangen will...

Von der ersten Seite an bin ich in das Buch abgetaucht - Dan Brown hat mit dem "Da Vinci Code" bei mir genau ins Schwarze getroffen - packend und mit einem scheinbar endlos anhaltenden Spannungsbogen.
Gleich zu Anfang war es mitreißend, sodass es mir oft schwer gefallen ist, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen. Der Schreibstil des Autors hat mich wirklich außergewöhnlich stark angesprochen, besonders aufgrund seiner Variabilität. Die Story sprüht regelrecht vor kontrastreichen Übergängen; war das eine Kapitel unfassbar blutig und brutal, wirkte das nächste nüchtern und sachlich neutral, wodurch ein tolles Wechselspiel der Perspektiven entstand, das sowohl aus Sicht unterschiedlicher Charaktere erzählt wurde, zeitgleich aber auch einen teils auktorial erzählenden Stil mit in die Handlung hat einfließen lassen.
Mein persönlicher Eindruck war ein sehr schillerndes und bildhaftes Leseerlebnis, was der Sprachgewandtheit des Autors zu verdanken ist, der mit Schlichtheit gespielt und mit seinen Worten dem Buchinhalt Farbe und Leben eingehaucht hat.
Dies zeigt sich auch in den beiden Protagonisten - Sophie Neveu und Robert Langdon, die im Buch sofort die Sympathie des Lesenden für sich gewinnen, ohne zu "glatt" und zu perfekt zu wirken. Als Duo haben sie das Buch sehr bereichert und ich habe sehr gerne die Konversation und den Umgang der beiden miteinander verfolgt - man könnte sagen, sie haben für ein angenehmes "Leseklima" gesorgt. Die Dialoge hatten einen sehr natürlichen Fluss, der nie gestelzt gewirkt und sich zudem sehr gut in das Gesamtwerk eingepasst hat.

Langweilig konnte es mit diesem Buch gar nicht werden. Durch die kurzen Kapitel, die u. a. auch Rückblenden und Einblicke in Sophies Leben gegeben haben, ist es mir sehr leicht gefallen, weiterzulesen, weil die kürzeren Abschnitte sehr motivierend auf mich gewirkt haben.
Und neben der Kapitellänge hat auch das gesamte Handlungskonstrukt kaum Zeit für ein Aufatmen gelassen; es war eine überaus rasante und turbulente Reise für das Protagonisten-Duo, versehen mit zahlreichen Twists und Überraschungsmomenten, wo ich zunächst dachte, dass mich so bald in dem Buch nichts mehr überraschen würde. Und doch ist es Dan Brown wieder und wieder gelungen, mich zu verblüffen.
Gleichzeitig hat er es geschafft, spannende Fakten über Kunst einzuflechten, die nicht nur für die Handlung relevant waren, sondern auch darüber hinausgingen. Das fand ich sehr schön - Allgemeinbildung verbunden mit einem Thriller. Auf den ersten Blick möglicherweise eine absurde Kombination, beim Lesen aber ohne Frage absolut genial!
Unerwähnt darf bei all dem Lob auch nicht das Cover und die Umschlaggestaltung bleiben, die mich überhaupt erst über dieses großartige Buch haben stolpern lassen. Sie versprühen eine mystische, rätselhafte, vielleicht auch leicht bedrohliche Atmosphäre mit dem Louvre im Zentrum der Vorderseite. Passend dazu ist auch der Farbschnitt, dessen Symbol(e) im Verlauf der Geschichte zum Tragen kommen. Insgesamt einfach wunderschön anzusehen und ein absoluter Blickfang im Bücherregal :)
Auf der Innenseite des Umschlags sind außerdem Bilder berühmter Gemälde und Orte zu sehen, die für die Story relevant werden. Das hat mir sehr geholfen, mir die Umgebung, in der sich das Geschehen abspielt, vorzustellen.

Eine der wenigen Sachen, wo ich mir eventuell noch etwas weitere Ausführungen bzw. Erklärungen gewünscht hätte, war das ein oder andere Rätsel, wo die Lösung aus meiner Sicht doch recht knapp geschildert war.
Auch hätte ich mich gefreut, neben Sophie Neveu ein bisschen mehr zum Hintergrund von Robert Langdon zu erfahren. Mir ist schon klar, dass der Fokus gerade gegen Ende des Buches dann nicht mehr allzu sehr auf ihm lag und es nur eine persönliche Präferenz ist, aber um ihn charakterlich für mich besser verorten zu können, hat mir da ein kleines bisschen etwas von seiner Persönlichkeit gefehlt. Gerade seine Beziehungen zu einigen anderen Charakteren und wie er sie kennengelernt hat, hätte ich durchaus als lesenswert empfunden.
Das sind aber nur geringfügige Aspekte, die das Buch als solches so gut wie gar nicht "abwerten" und vermutlich auch eine subjektive Wahrnehmung von meiner Seite darstellen.
Als Gesamtfazit lässt sich sagen, dass es sich um ein sehr lohnenswertes Buch handelt, das ohne Unterbrechungen einen unfassbar langen Spannungsbogen aufrechterhält und gleichzeitig noch nützliches Wissen vermittelt, ohne "dröge" oder gar schleppend in seinen Ausführungen zu werden. Abgerundet durch ein Ende mit Spiel für eigene Gedanken ist Dan Brown ein wahres ´Meisterwerk´ gelungen - sprachlich gerade für Jugendliche definitiv empfehlenswert!

(Wichtig: Ich beziehe mich hierbei ausschließlich auf die YA-Ausgabe; im Vergleich mit der Originalausgabe kann ich keine Aussage treffen.)

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 08.04.2024

Ein drachenstarkes Team

Die geheime Drachenschule - Feuerschattens erster Reiter
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Wer immer noch glaubt, dass es sich bei Drachen nur um bösartige und hinterhältige Bestien handelt, die Prinzessinnen entführen, ist spätestens nach diesem Hörbuch eines besseren belehrt.
Diese berührende ...

Wer immer noch glaubt, dass es sich bei Drachen nur um bösartige und hinterhältige Bestien handelt, die Prinzessinnen entführen, ist spätestens nach diesem Hörbuch eines besseren belehrt.
Diese berührende und Gänsehaut bereitende Geschichte handelt von Mut, Ehrlichkeit und einem guten Miteinander von Mensch und Drachen.

Dabei eignet sich Philipp Schepmanns wirklich hervorragend. Durch die charakteristischen Stimmen einer jeden Figur ist eindeutig klar, wer wann spricht und es gestaltet sich als sehr angenehm, ihm zuzuhören und sich voll und ganz auf dieses Hörabenteuer einzulassen.
Trotz des geringen Einsatzes von Soundeffekten, der noch einmal Philip Schepmann als Sprecher besonders hervorhebt, bietet sich dem Hörer hier ein sehr intensives Hörerlebnis, das schon allein durch seine Schlichtheit in den Bann zieht.

Auch die Handlung weiß von sich zu überzeugen. Für mich persönlich war es ein sehr schöner Einstieg in die Geschichte, da ist zunächst recht unvermittelt losgeht und zudem ein kurzer Überblick über die einzelnen Charaktere verschafft wird. Man taucht so direkt in die Welt von Feuerschatten und Jeremias ein.
Stück für Stück beginnt sich dann Emily Skyes "DIE GEHEIME DRACHENSCHULE - FEUERSCHATTENS ERSTER REITER" zu entfalten, bis der Höhepunkt erreicht wird. Trotzdem fällt die Spannung auch zum Ende hin noch nicht vollständig ab, und es kommt erneut zu einer überraschenden Wendung, die der Geschichte das gewisse Etwas verleiht, dass ich bei vielen anderen Büchern vermisse.
Hinzu kommt, dass für dieses Hörbuch kein Vorwissen aus anderen Bänden der Reihe notwendig ist, soweit ich das als Nichtkenner der weiteren Geschichten beurteilen kann. Vielleicht macht es dem ein oder anderen ja sogar noch Lust auf mehr. Dank des klaren, verständlichen Erzählstils der Autorin wäre dies durchaus denkbar und möglich.
Gekonnt umschreibt Emily Skye Situationen sowie Figuren und lässt uns an deren Gefühlsleben teilhaben. Bildliche Beschreibungen untermalen die Handlung und stimmen dabei detailgetreu mit dem Cover überein.
Dieses sticht auch sofort ins Auge und hat mein Interesse recht schnell geweckt. Ich assoziiere damit sofort eine schöne Geschichte, die es verdient hat, gehört (oder gelesen) zu werden.

Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Hörbuch, das wohl so einige kleine und vielleicht ja auch den ein oder anderen großen Hörer begeistern wird. Ideal für kurzweilige Autofahrten oder zum Hören für Zuhause, da es mit seinen 74 Minuten Dauer eine für meinen Geschmack optimale Länge hat.

Für alle, die Drachen genauso sehr lieben wie ich.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Sprecher
  • Cover
Veröffentlicht am 09.03.2024

Streben wir alle nicht nur nach dem Einen?

Die Halbwertszeit von Glück
1

Drei Zeiten, drei Schicksale, drei Frauen - und alle sind wie auf wundersame Weise miteinander verbunden. Jede von ihnen sucht nach dem Etwas, das sich Glück nennt, doch ist Glück wirklich etwas Greifbares?

"Die ...

Drei Zeiten, drei Schicksale, drei Frauen - und alle sind wie auf wundersame Weise miteinander verbunden. Jede von ihnen sucht nach dem Etwas, das sich Glück nennt, doch ist Glück wirklich etwas Greifbares?

"Die Halbwertszeit von Glück" gibt Einblicke in das Leben dreier Protagonistinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während Holly 2003 in Los Angeles von einer Karriere als Schriftstellerin träumt, scheint Mylène 2019 in Paris bereits alles zu besitzen, was sie sich nur wünschen kann. Ganz anders wiederum Johanna, die ihr Dasein 1987 an der Grenze zur BRD fristet.
Doch schon bald wird das Leben der drei Frauen durch einschlägige Erlebnisse unterschiedlichster Art völlig auf den Kopf gestellt und jede von ihnen begibt sich erneut auf die Suche nach dem Glück.

Louise Pelt gelingt es dabei auf ganz erstaunliche Weise, die Geschichten von Johanna, Holly und Mylène miteinander in Verbindung zu bringen, ohne den Leser dabei den Überblick verlieren zu lassen.
Ihr Schreibstil ist wahrhaft herausragend und sehr bildlich, was die Vorstellungskraft des Lesenden fördert.
Ganz besonders positiv in Erinnerung geblieben ist mir die sehr angenehme Kapitellänge, die wirklich genau nach meinem Geschmack war. Nicht zu kurz und nicht zu lang. Dazu waren auch die Übergänge zum nachfolgenden Kapitel fließend, sodass mir das "Springen" zwischen den verschiedenen Zeiten, Orten und Handlungen nicht sonderlich schwer gefallen ist.
Auch die Charaktere konnten mich definitiv für sich gewinnen. Durchweg sympathisch und sehr nahbar. Das ist etwas, worauf ich sehr viel Wert lege. Mir müssen die Protagonisten einerseits imponieren, andererseits muss ich ihr Handeln auch in irgendeiner Form noch nachvollziehen können. Das war hier auf jeden Fall gegeben, aber trotzdem lagen natürlich nicht von Anfang an alle Gefühle offen da.
Besonders bei Johanna konnte man über das gesamte Buch eine Weiterentwicklung ihres Charakters erkennen, wodurch sich ihre ganze Persönlichkeit erst Stück für Stück offenbarte und so einen tollen Menschen zum Vorschein brachte.
Allerdings hätte ich mir bei ihr vielleicht noch ein klein wenig mehr Backroundstory zu ihrer Vergangenheit gewünscht. Da hätte man für meinen Geschmack noch etwas kommen können, aber das ist sicherlich Ansichtssache.
Holly und Mylène empfand ich jeweils auf ihre Art und Weise passend zur Geschichte, wenn ich mir doch auch gewünscht hätte, dass ihre Gefühlsausbrüche an der ein oder anderen Stelle für mich noch nachvollziehbarer gewesen wären.
Insgesamt ist die Ausarbeitung der drei Protagonistinnen jedoch sehr gut gelungen und jede von ihnen hat etwas ganz Individuelles und macht sie dadurch unverwechselbar.

Die Handlung gestaltet sich durch die kontrastreichen Orte, an denen das Geschehen jeweils spielt, als sehr abwechslungsreich und die Autorin weiß die verschiedenen Emotionen der Figuren in den einzelnen Szenen gut einzusetzen.
Es gibt außerdem zahlreiche Plot Twists und an den Kapitelenden auch den ein oder anderen Cliffhänger, der den Leser natürlich zum Weiterlesen anregt.
Allerdings ist die Handlung an vielen Stellen doch recht vorhersehbar, was nicht hätte sein müssen. Auch die Zusammenhänge zwischen den Charakteren werden schon vor Auflösung derer ersichtlich, was nicht zwingend von Vorteil ist, da für mich gerade der Reiz darin liegt, mit einer völlig unerwarteten Wendung überrascht zu werden. In dieser Hinsicht wäre etwas weniger Transparenz toll gewesen, trotzdem bin ich mit der Handlung zufrieden.

Insgesamt hat mich das Buch sehr angesprochen, wenn es auch an einigen Stellen noch ausgefeilter hätte sein können. Der Umschlag war natürlich auch sehr ausschlaggebend für die Wahl des Buches. Mit seinen bunten, lebensfrohen Farben weckt er den Eindruck eines spannenden, modernen Romans, dessen Inhalt dem Cover durchaus gerecht wird.
Wer sich für "Die Halbwertszeit von Glück" entscheidet, darf sich auf eine abwechslungsreiche und emotionale Geschichte freuen, die auch ein wenig geschichtlichen Hintergrund und tiefe Einblicke in das Leben ganz unterschiedlicher Menschen bietet. Diese Geschichte zeigt sehr deutlich, wie individuell Glück für jeden Einzelnen von uns ist.
Insgesamt für mich kein Roman für "mal eben zwischendurch", sondern eher für ein nachdenkliches, angeregtes Lesen.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.12.2023

Die Spannung kam erst spät...

Friedhof der Kuscheltiere
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Als Louis Creed mit seiner Familie nach Ludlow zieht, ahnt er noch nichts von dem Tierfriedhof, hinter dem sich ein dunkles Geheimnis verbirgt, das zu Recht auch nur die wenigsten Einheimischen kennen...

Das ...

Als Louis Creed mit seiner Familie nach Ludlow zieht, ahnt er noch nichts von dem Tierfriedhof, hinter dem sich ein dunkles Geheimnis verbirgt, das zu Recht auch nur die wenigsten Einheimischen kennen...

Das Cover ist passend zum Thema gewählt und vermittelt bereits einen ersten Eindruck der Atmosphäre, die sich auch in der Handlung widerspiegelt.
Die Hinführung zum Buch hat mir sehr gut gefallen und einen fließenden Übergang zur eigentlichen Geschichte geschaffen, sodass ich sofort im Geschehen war und mich aufgenommen gefühlt habe. Dann erfolgte jedoch eine sehr lange Beschreibung des Alltags der Familie Creed, was mich persönlich zu Beginn eher weniger störte, später allerdings dann doch ein wenig anstrengend wurde.
Der erste Spannungsmoment war gut gesetzt, doch von da an ging es mehr und mehr bergab und es wollte einfach nichts mehr passieren. Die Handlung wurde zunehmend flacher und demzufolge schwand auch mein Interesse am Weiterlesen. Es hätte so viel mehr Spannung aufgebaut werden können, aber es war, als gäbe es beinahe keinen Spannungsbogen. Vielleicht wurde auch nicht einschlägig genug geschrieben, um eben gerade das gewisse Etwas zu erzeugen.
Es fehlte für mich zudem an einem besonderen Plot Twist. Vieles war zu vorhersehbar, wodurch an einigen Stellen schon im Vorhinein klar war, was passieren würde, was wiederum die Spannung stark dämpfte. Dabei klang die eigentliche Storyline ja sehr vielversprechend und hatte ziemlich großes Potenzial, was ich persönlich als zu gering ausgenutzt empfand.

Besonders enttäuscht war ich vom Protagonisten Louis Creed, für den ich zuerst wachsende Sympathie empfand, die jedoch nach dem Schicksalsschlag und der darauf folgenden Trauer seiner Familie wieder zusehends schwand. Sein Handeln war ab da für mich nicht mehr sonderlich gut nachvollziehbar und die Gründe für sein Tun waren aus meiner Perspektive mehr oder weniger dürftig. So wurde es mir zumindest vermittelt. Die imaginäre Stimme, die ihn zu seinen Taten bewog, habe ich nicht so deutlich wahrgenommen, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte. Ich habe deren Macht nicht wirklich spüren können.
An dieser Stelle fehlte es meiner Meinung nach an einer guten Beschreibung und Darstellung dessen, was in Louis vor sich ging.
Zu seiner Vergangenheit erfuhr man recht wenig, was ich bei ihm ein wenig schade fand, da er immerhin der Protagonist in "Friedhof der Kuscheltiere" war.
Ansonsten waren die Charaktere in Ordnung. Judson Crandall empfand ich als eine der angenehmsten Rollen. Er war definitiv ein Sympathieträger der Geschichte. Sein Hintergrund wurde näher beleuchtet, sodass man nicht nur den inzwischen altgewordenen Mann, sondern auch dessen jüngeres Ich sah und somit ein facettenreiches Bild dieser Figur erhielt. Rachel, Louis` Frau, war für meinen Geschmack ein bisschen zu wehleidig, was an ihrer traurigen Geschichte liegen mochte, mir aber nicht sonderlich gut gefiel. Die weiteren Charaktere waren etwas weniger im Vordergrund, was sehr angenehm war, da der Fokus dementsprechend auf die drei beschriebenen Figuren gerichtet blieb, ganz besonders natürlich auf Louis und "Jud".

Insgesamt habe ich die Handlung als schleppend und stark gestreckt wahrgenommen. Ganz anders der Schreibstil. Sehr bedachter, gewählter und wortgewandter Stil, der eine Sprache in ganz verschiedenen Farben und Emotionen ermöglicht.
In dieser Hinsicht ist Stephen King für mich ein ganz hervorragendes Beispiel für Sprachkunst. Es ist wahrhaft erstaunlich, wie er mich dazu gebracht hat, das Buch zu Ende zu lesen, trotz Wechselbads aus Gefühlen und Skepsis. Die Sprache ist einfach unglaublich bildhaft, allesumschreibend und vermittelt ein perfektes Bild jeder Situation und deren Stimmung.
Leider lassen sich diese positiven Aspekte nicht auf das Ende der Geschichte übertragen. Ich war, um ehrlich zu sein, sehr enttäuscht. Statt aus seinen Fehlern zu lernen, wiederholt Louis diese erneut, was ihn sehr engstirnig und beinahe egoistisch erscheinen lässt. In diesem Moment schien ihm nicht nur seine Tochter, sondern auch seine sonstige Umwelt völlig egal zu sein. Sehr schade, da ich es ansonsten mag, wenn ein Ende offen bleibt, was hier für mich jedoch nicht wirklich im guten Sinne hervorsticht.

Abschließend lässt sich sagen, dass sich bei diesem Buch leider nicht der erhoffte Nervenkitzel eingestellt hat und dass die Handlung zwar nicht "dahinplätschert" ist, aber auch nicht spürbar bewusst in eine bestimmte Richtung gelenkt wurde. Stilistisch wäre hier noch eine Menge Spielraum gewesen, der somit ungenutzt geblieben ist.
Sprachlich brilliert dieser "King" jedoch ebenso wie viele andere Werke, wodurch das Gesamtwerk nicht als ganz schlecht abgetan werden kann. Den Versprechungen des Klappentextes kann das Buch aber nicht gerecht werden.

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