Tiefgreifend, brutal und voll tödlicher Liebe
The Book EatersWie weit darf Liebe gehen?
Für Devon, eine Buchesserin, ist das keine Frage. Für ihren Sohn Cai würde sie alles geben - und zwar bedingungslos. Doch dabei gibt es einen großen Haken: Im Gegensatz zu ihr ...
Wie weit darf Liebe gehen?
Für Devon, eine Buchesserin, ist das keine Frage. Für ihren Sohn Cai würde sie alles geben - und zwar bedingungslos. Doch dabei gibt es einen großen Haken: Im Gegensatz zu ihr ist Cai ein Gedankenesser und um zu überleben, ist er gezwungen, die Seelen lebendiger Menschen essen...
Ausgestoßen von ihrem eigenen Clan versteckt sich Devon auf der Suche nach einer Lösung, um ihren Sohn zu schützen und folgt schon bald einer heißen Spur...
Sunyi Dean ist mit "The Book Eaters" ein absoluter Hit gelungen. Die Story packt ab der ersten Seite und hat mich auch bis zum letzten Kapitel nicht wieder losgelassen.
Ein, aus meiner Sicht, rundum sehr gut umgesetztes Buch mit einer ordentlichen Portion Tiefgang, die ich beim Lesen des Klappentextes so gar nicht erwartet hätte.
Es werden u. a. die Ungerechtigkeit patriarchaler Strukturen, arrangierte Ehen und die Objektifizierung der Frau thematisiert, denn in der Welt der Book Eaters geht es um das reine Überleben ihrer Erblinie.
Mitten in diese Zeit voller Sorgen und Unterdrückung wird Devon, die Protagonistin, hineingeboren, die der/die Lesende in zwei parallel geführten Zeitsträngen durch das Buch begleitet.
Bereits in ihrer Kindheit, die zunächst fröhlich und unbeschwert scheint, wird bereits deutlich, dass die Buchesser in einem anderen System leben, als es "normale" Menschen heutzutage tun würden.
Sofort kommt die düstere Stimmung einer Dark-Fantasy-Geschichte auf, die ich schon anhand des wunderschönen Covers und dem Klappentext vermutet habe.
Gut gefallen hat mir besonders, dass aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, was das Lesen noch abwechslungsreicher für mich gemacht hat.
Grundsätzlich war ich auch sehr angetan von Sunyi Deans Schreibstil, der sehr packend war und gleichzeitig das Setting der Story sehr gut umgesetzt hat. Ich habe ihn als sehr bildlich und anschaulich empfunden.
Damit komme ich aber auch zu einem kleinen Kritikpunkt, denn die Autorin schildert bestimmte, sehr gewaltsame Szenen äußerst detailliert, was sicherlich nicht für jede/n etwas ist. Ich habe mich nicht daran gestört, für andere könnte es aber durchaus belastend sein; insbesondere weil es teils um Mord geht, aber auch um den Verlust von Kindern, die gewaltsam von ihrer Mutter getrennt werden. Deswegen hätte ich mir vorab eine Triggerwarnung zu den betreffenden Themen gewünscht, damit niemand völlig von den Inhalten "überrumpelt" wird.
Ansonsten bin ich von dem Buch aber über alle Maßen begeistert. Es gibt viel Backroundstory zu den einzelnen Charakteren und auch die Verhältnisse, unter welchen die Bucheresser leben, werden sehr genau beleuchtet. So bleibt ihre Welt für mich nicht nur ein "verschwommener Fleck" vor meinem inneren Auge, sondern bekommt klare Konturen. Gleiches gilt für die Protagonistin und weitere Charaktere, die alle sehr individuell und einzigartig wirken, weil jede/r von ihnen seine ganz eigene Geschichte hat.
Interessant fand ich auch die Tatsache, dass man als Lesende/r gar nicht allzu sehr mit Devon sympathisiert, weil einige ihrer moralischen Grundsätze für den Außenstehenden fragwürdig und nicht vertretbar erscheinen. Das ist nichts negatives, schließlich können nicht immer alle Figuren durch und durch gut sein, aber es ist definitiv mal ein etwas anderer Ansatz, als ich ihn aus vielen Büchern kenne.
Die Story baut sich mit jeder Seite größer und bedrohlicher auf, sodass die Spannung mit jedem Kapitel steigt. Immer wieder kommen neue Plot Twists ins Spiel und als Leser*in wird man von Mal zu Mal wieder überrascht - es wird ganz sicher nicht langweilig.
Neben der Haupthandlung fließen auch noch weitere Themen mit ein, ohne zu präsent zu sein. Dazu gehören z. B. sehr loyale Freundschaften, aber auch queere Themen. Das hat mich ganz besonders gefreut, weil es vorher nicht noch einmal explizit im Klappentext angekündigt wurde, sondern ganz selbstverständlich mit im Buch integriert war.
Die gesamte Handlung hat mir sehr gut gefallen, weil sich eben nicht nur auf den einen "Hauptstrang" fokussiert wurde, sondern mit den vielen, kleinen Nebenhandlungen auch den Charakteren die Möglichkeit gegeben wurde, sich weiterzuentwickeln, was ich bei Devon auch deutlich gesehen habe. Die Autorin schafft dadurch außerdem auch einige schöne Momente, die zum Lächeln bringen, obwohl das Setting der Story ja eigentlich doch sehr düster ist.
Das Cover passt sich perfekt ein und überträgt den "Vibe" der Geschichte auf ihren Inhalt. Wirklich hübsch anzusehen und mit einem tollen Farbschnitt. Letztlich ist es eben zu Beginn doch auch immer wieder die Umschlaggestaltung, von der ich mich gerne in den Bann ziehen lasse und was soll ich sagen? In diesem Fall hat es ja sehr gut funktioniert! :)
Mit diesem Buch bekommt man eine sehr tiefgründige Geschichte geliefert, die vor allem mit dem Thema "Mutterliebe" arbeitet und besonders präsent die Rolle der Frau in einer Gesellschaft aufgreift, wie wir sie heute nicht mehr kennen, sondern nur noch aus den vergangenen Jahrhunderten.
An Brutalität und Spannung mangelt es in diesem Fantasy-Setting auch nicht; alles in allem also ein "Komplettpaket" aus Gefühlen, Action und Fantasy.
Von mir eine ganz klare Leseempfehlung!