Ich war anfangs skeptisch, ob klassische Hausmannskost wirklich ohne Fleisch funktionieren kann. Gerade bei traditionellen Gerichten ist man es gewohnt, dass Speck, Braten oder Wurst dazugehören. Doch ...
Ich war anfangs skeptisch, ob klassische Hausmannskost wirklich ohne Fleisch funktionieren kann. Gerade bei traditionellen Gerichten ist man es gewohnt, dass Speck, Braten oder Wurst dazugehören. Doch schon nach den ersten Rezepten hat mich dieses Kochbuch vollständig überzeugt.
Anne-Katrin Weber schafft es, vertraute Gerichte neu zu denken, herzhaft, sättigend und voller Geschmack. Viele Rezepte sind überraschend einfach umzusetzen, ohne komplizierte Zutaten oder aufwendige Vorbereitung. Besonders gelungen finde ich, wie regionale Klassiker vegetarisch interpretiert werden, ohne dass etwas fehlt. Man merkt, dass hier Wert auf Qualität, Geschmack und Tradition gelegt wurde. Die Beschreibungen sind übersichtlich, die Bilder sehr ansprechend und das Ergebnis auf dem Teller überzeugt. Dieses Buch zeigt, wie vielseitig und bodenständig vegetarische Küche sein kann.
Fazit: Ein wunderbares Kochbuch für alle, die Heimatküche lieben nur eben vegetarisch. Die Skepsis war schnell verflogen, die Begeisterung blieb.
Lily reist zu Weihnachten mit ihrer Familie in ein abgelegenes Herrenhaus, um ein letztes Mal das traditionelle Christmas Game zu spielen. Zwölf Rätsel und zwölf Schlüssel entscheiden, wer das Haus erbt. ...
Lily reist zu Weihnachten mit ihrer Familie in ein abgelegenes Herrenhaus, um ein letztes Mal das traditionelle Christmas Game zu spielen. Zwölf Rätsel und zwölf Schlüssel entscheiden, wer das Haus erbt. Doch ein Schneesturm schneidet alle von der Außenwelt ab und plötzlich beginnt ein tödliches Spiel.
Nach "Das mörderische Christmas Puzzle", das mich mit seiner cleveren Rätselstruktur und einer atmosphärischen Spannung überzeugen konnte, war meine Erwartung an "Das tödliche Christmas Game" entsprechend hoch. Leider konnte der neue Weihnachtskrimi diesem Vergleich nicht standhalten.
Die Ausgangssituation verspricht eigentlich viel. Am Heiligabend reist Lily widerwillig zum abgelegenen Familiensitz in Yorkshire. Einem Ort, an den sie wegen des tragischen Todes ihrer Mutter nie zurückkehren wollte. Nun ist auch ihre Tante gestorben und verfügt, dass alle Familienmitglieder sich ein letztes Mal dem traditionellen Christmas Game stellen sollen. Als Preis winkt die Besitzurkunde des Hauses, ein durchaus reizvoller Einsatz, der Spannung verspricht. Doch genau diese Spannung blieb für mich weitgehend aus. Die Handlung plätschert zu oft vor sich hin und erreicht nicht die Intensität, die das Setting hergeben könnte.
Die Atmosphäre ist zwar weihnachtlich und düster, doch fehlte mir Tiefe in der Figurenzeichnung und im emotionalen Kern der Geschichte. Viele Beziehungen bleiben oberflächlich, sodass man zwar nachvollziehen kann, weshalb Lily ihren Familienort meidet, aber kaum mitfühlt. Der Plot entwickelt zwar Wendungen, aber sie entfalten nicht dieselbe Raffinesse wie im Vorgängerroman.
Fazit: "Das tödliche Christmas Game" bietet eine interessante Ausgangsidee und eine winterlich-passende Kulisse, schafft es aber nicht, daraus echte Spannung oder emotionalen Tiefgang zu entwickeln.
Das Buch von Anna C. Rupp wirbt damit, ein floraler Adventskalender zu sein, der Leserinnen und Leser durch die Adventszeit und die Rauhnächte begleitet. Er soll Inspiration für DIY-Weihnachtsdeko, Wissenswertes ...
Das Buch von Anna C. Rupp wirbt damit, ein floraler Adventskalender zu sein, der Leserinnen und Leser durch die Adventszeit und die Rauhnächte begleitet. Er soll Inspiration für DIY-Weihnachtsdeko, Wissenswertes zur Pflanzenpflege und kleine Rituale bieten. Entsprechend hoch war meine Erwartung an ein atmosphärisches, liebevoll gestaltetes Buch, das Lust auf die besinnliche Zeit des Jahres macht. Leider blieb dieses Gefühl bei mir weitgehend aus.
Bereits beim ersten Durchblättern fiel mir auf, dass die Gestaltung eher nüchtern wirkt. Die Seiten transportieren für mein Empfinden wenig Wärme oder Festlichkeit. Eigenschaften, die bei einem Buch über Advent, Natur und Weihnachtsdeko essenziell wären. Die Bildauswahl ist schlicht, teilweise uninspiriert, und oft wirken Layout und Farbgebung eher wie ein sachlicher Ratgeber als wie ein kreatives Adventsbegleitbuch. Auch typografisch ist das Werk wenig abwechslungsreich, sodass sich beim Lesen kaum visuelle Highlights einstellen.
Inhaltlich konnte mich das Buch ebenfalls nicht überzeugen. Die versprochenen Ideen für DIY-Deko und florale Arrangements bleiben sehr grundlegend und oft vorhersehbar. Viele Vorschläge kenne ich in ähnlicher Form bereits aus klassischen Wohnmagazinen, kostenlosen Online-Anleitungen oder früheren Adventsbüchern. Der kreative Funke sprang nicht über. Es fehlten mir originelle Gestaltungen, mutige Farbkombinationen oder besondere Techniken, die das Buch von anderen Veröffentlichungen abheben würden.
Die Pflegehinweise zu Pflanzen wie Amaryllis oder Weihnachtsstern sind zwar korrekt und für Anfänger sicherlich hilfreich, aber wirken teilweise wie eine knappe Zusammenfassung gängiger Standardtipps. Auch hier hätte ich mir mehr Praxisnähe oder persönliche Erfahrung der Autorin gewünscht, sodass ein wirklicher Mehrwert entsteht. Der Adventskalender-Charakter bleibt im Ansatz interessant, verliert sich jedoch durch die schlichte Präsentation. Es entsteht eher der Eindruck aneinandergereihter Kapitel als eines liebevoll geführten, atmosphärischen Adventsbegleiters.
Fsjit: Das Buch ist sicher solide und kann Einsteigerinnen und Einsteiger an das Thema heranführen, ohne zu überfordern. Für Leserinnen und Leser, die etwas Besonderes, Kreatives oder tief Inspirierendes suchen, bietet es jedoch einfach viel zu wenig. Weder ideenreich noch gestalterisch überzeugend, blieb es für mich weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Margaret Winterbottom wird nachts durch Polizeisirenen geweckt und erfährt dann, dass ihre Nachbarin Barbara ermordet wurde. Trotz ihrer Krankheit geht sie der Sache nach und Unterstützung bekommt sie ...
Margaret Winterbottom wird nachts durch Polizeisirenen geweckt und erfährt dann, dass ihre Nachbarin Barbara ermordet wurde. Trotz ihrer Krankheit geht sie der Sache nach und Unterstützung bekommt sie dabei von ihrem geliebten Enkel James.
Richard Hooton verbindet in seinem Roman den Versuch, einen Kriminalfall zu erzählen, mit dem ernsten Thema Alzheimer. Anfangs war ich gespannt, wie es dem Autor gelingen würde, diese beiden Elemente miteinander zu verknüpfen. Tatsächlich entwickelt sich die Geschichte jedoch weniger zu einem klassischen Krimi, sondern vielmehr zu einem einfühlsamen Porträt von Margaret und ihrem langsamen geistigen Verfall.
Besonders Margaret und ihr Enkel James wirkten auf mich sympathisch und authentisch. Bewegend ist vor allem Margarets Entschlossenheit, trotz ihrer Krankheit dem Tod von Barbara auf den Grund zu gehen. Das ist ein Vorhaben, das für sie zunehmend zur Herausforderung wird. Diese Darstellung vermittelt sowohl Nähe als auch Tragik. Margarets Tochter und ihr Schwiegersohn wirken in ihrem Verhalten oft distanziert und wenig einfühlsam. Ihre Ungeduld und Überforderung im Umgang mit Margarets Krankheit waren für mich stellenweise schwer nachzuvollziehen und hinterließen einen bitteren Beigeschmack. Gleichzeitig spiegeln sie aber auch ein Stück weit die heutige Gesellschaft wider, in der Demenz und Pflegebedürftigkeit viele Angehörige an ihre Grenzen bringen und nicht immer mit der nötigen Empathie begegnet wird.
Fazit: Ein sensibel erzählter Roman über Alzheimer und familiäre Bindungen, der durch seine Figuren berührt, aber als Kriminalgeschichte wenig Spannung aufbaut und mich deshalb insgesamt nicht ganz überzeugen konnte.
Auf der Nordseeinsel Amrum arbeitet die Polizistin Luzy Morgenroth, die versucht, ihre dunkle Vergangenheit als frühere BKA-Personenschützerin hinter sich zu lassen. Als ein mysteriöser Fall die Insel ...
Auf der Nordseeinsel Amrum arbeitet die Polizistin Luzy Morgenroth, die versucht, ihre dunkle Vergangenheit als frühere BKA-Personenschützerin hinter sich zu lassen. Als ein mysteriöser Fall die Insel erschüttert, wird Luzy jedoch erneut in die Welt der Geheimdienste hineingezogen. Dabei holt sie ihre Vergangenheit schneller ein, als ihr lieb ist.
"Kälter" war mein erstes Buch von Andreas Pflüger, und entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Die vielen positiven Stimmen zu seinen früheren Werken haben mich neugierig gemacht, vielleicht sogar etwas zu sehr. Denn am Ende bin ich mit einem recht zwiespältigen Eindruck aus diesem Thriller gegangen. Zunächst hat mich die Hauptfigur Luzy Morgenroth wirklich interessiert. Eine Polizistin auf Amrum, die auf den ersten Blick beinahe unscheinbar wirkt, gleichzeitig aber eine Vergangenheit als Personenschützerin beim BKA mit sich trägt. Dieses Zusammenspiel aus äußerer Normalität und inneren Schatten fand ich spannend. Man ahnt schnell, dass Luzy mehr gesehen und erlebt hat, als sie zeigt.
Die Atmosphäre anfangs auf Amrum ist für mich eines der Highlights des Buches. Stürmisch, dunkel, kalt und abgeschieden, ein perfekter Schauplatz für einen Thriller. Man spürt das raue Wetter und die permanente Bedrohung, die über der Insel hängt. Das Setting hat mich sofort abgeholt und in die Geschichte hineingezogen. Doch ab dem Moment, in dem Luzy wieder in die Welt der Geheimdienste zurückkehrt, wurde es für mich zunehmend schwierig. Die Handlung schwenkt von einem atmosphärischen Inselthriller zu einer überladenen Agentenstory, die immer mehr an Glaubwürdigkeit verliert. Vieles wirkte auf mich maßlos übertrieben, fast so, als wolle der Autor krampfhaft immer noch eine Schippe drauflegen.
Ein Punkt, der mich besonders gestört hat, war die Darstellung von Luzys körperlichen Fähigkeiten. Sie wird als übergewichtige 50-Jährige beschrieben, was völlig in Ordnung ist und sogar interessant sein könnte. Aber dann führt sie Aktionen aus, die selbst für eine extrem fit trainierte Person unrealistisch wirken. Dadurch entstand für mich eine deutliche Diskrepanz zwischen Figur und Handlung. Das machte es schwer, der Geschichte zu folgen oder die dramatischen Szenen ernst zu nehmen. Auch der Schreibstil hat meinen Zugang zum Buch erschwert. Er wirkt sehr kühl, emotionslos und teilweise sperrig. Das mag für manche Leser genau der richtige Ton sein, für mich hat es aber verhindert, wirklich eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen.
Am Ende bleibt für mich das Gefühl, dass "Kälter" phasenweise spannend und atmosphärisch stark ist, aber insgesamt zu viel will. Der Mix aus überzogener Agentenstory, unrealistischen Handlungen und einem sehr nüchternen Stil hat mich immer wieder geblockt. Trotz allem bin ich froh, das Buch gelesen zu haben, denn Pflüger hat definitiv seinen eigenen Ton und versucht, neue Perspektiven zu schaffen. Dennoch weiß ich nicht, ob "Kälter" der richtige Einstieg für mich war.