Der Zugang blieb mir verwehrt
Entweder / OderIch hätte dieses Buch so gerne gemocht, der Klappentext und das tolle deutsche Buchcover waren so vielversprechend... aber:
Dieses Buch und ich wurden keine Freunde... um es genauer zu formulieren: wir ...
Ich hätte dieses Buch so gerne gemocht, der Klappentext und das tolle deutsche Buchcover waren so vielversprechend... aber:
Dieses Buch und ich wurden keine Freunde... um es genauer zu formulieren: wir wurden nicht mal lauwarm miteinander.
Mit höchster Selbstmotivation habe ich die Reise durch Selins extrem anstrengende und teilweise wirklich langweilige Gedankengänge bis 3/4 vefolgt und das letzte Drittel genervt quergelesen.
Okay, es ist wohl ein Sequel zu "Der Idiot", ein Buch das regelrecht gefeiert wurde, man kann es aber wohl für sich alleine lesen. Ich kann das nicht beurteilen, da ich "Der Idiot" nicht gelesen habe... will ich aber nach dieser Lektüre auch nicht mehr.
Die Hauptprotagonistin ist 19 Jahre alt und Studentin, weltfremd und in der Liebe unerfahren. Sie ist unglücklich und unerwidert verliebt und ihre Gedanken drehen sich fast nur um das eine. Und nein, es ist kein New Adult Roman.
Ich fand absolut keinen Bezug zur Hauptprotagonistin, das mag am Altersunterschied liegen, oder an der Tatsache, dass ich nie studiert habe und auch noch nicht allzuviele russische Klassiker gelesen habe. Ich weiss es leider nicht.
Während des Lesens hatte ich ein Gefühl als sässe ich in einem vollen Zug auf einer 24 stündigen Reise und vor bzw. hinter mir sitzen zwei junge Menschen, die endlose Dia- und Monologe führen. Ich kann weder den Sitzplatz wechseln noch weghören. Vieles verstehe ich nicht, weil es Insider sind, manches macht mich fassungslos oder wütend und einiges ist einfach nur "cringe".... ganz selten mal bin ich ganz Ohr und muss vielleicht sogar schmunzen, aber ganz ganz selten.
Eine Protagonistin, die gebildet genug ist um über russische Literaturklassiker verkopft und philosophisch zu diskutieren, aber völlig naiv ist, wenn es um Beziehungen geht. Und was sie im Laufe des Buches an Männererfahrungen ansammelt war feministisch kaum zu ertragen, wie sie jedes noch so absurde Thema immer wieder auf sich und die unglückliche Liebe bezieht, ebenso.
War das Buch wenigstens irgendwie satirisch, ein Seitenhieb auf die Menschheit, die Jugend, Studenten, die Liebe?... keine Ahnung, mir jedenfalls blieb die Satire, falls sie vorhanden war, völlig verschlossen. Auch konnte ich keine Botschaft für mich erkennen.
Es war eindeutig leider nicht mein Buch.
Wer viel über die Liebe und/oder Sex nachdenkt, mit russischer Literatur etwas anfangen kann und Student ist/war wird vielleicht seine absolute Freude mit diesem Buch haben.
Die drei Sterne vergebe ich für die Aufmachung und die vielen intelektuellen Wörter.
Übersetzt wurde der Roman von Claudia Wenner.