Milchmädchenrechnung
Die vorletzte Frau„Die vorletzte Frau“ von Katja Oskamp
Verlag: Park x Ullstein
Das Porträt einer jungen Frau, über die Liebe, die Vergänglichkeit und das Leben.
Milchmädchenrechnungen waren immer schon ihr Ding.
Ein ...
„Die vorletzte Frau“ von Katja Oskamp
Verlag: Park x Ullstein
Das Porträt einer jungen Frau, über die Liebe, die Vergänglichkeit und das Leben.
Milchmädchenrechnungen waren immer schon ihr Ding.
Ein wesentlich älterer Mann, die große Liebe, die Zeit, Krankheiten und das Altern sind Dinge, die geschehen und doch rechnet man im Leben gerne anders - eine Milchmädchenrechnung.
Die ICH-Erzählerin, verheiratet mit einer kleinen Tochter lernt während des Studiums Tosch, einen schweizer Gastdozent im Leipziger Literaturinstitut kennen.
Er, 19 Jahre älter und gefeierter Schriftsteller imponiert ihr und durch Ehrgeiz und Fleiß erregt die junge Frau nicht nur seine Aufmerksamkeit in der Dramaturgie.
Er wird ihr Mentor und Geliebter; er bestimmt 19 Jahre ihr Leben, gibt den Rhythmus an, aber nicht nur der Austausch über Literatur verbindet die beiden Protagonisten.
Sie verlässt ihren, auch älteren, depressiven Mann und begibt sich in eine Beziehung mit Tosch.
Die beiden finden das Wort zumuten für ihre Beziehung: „Ich mute mich dir zu.
Du mutest dich mir zu.“ (Pos.171) „….mit allen Meisen und Absonderlichkeiten.“ (Pos.229) Sex und Text nannten wir die Gemengelage….(Pos.631)
Die junge hübsche Frau liebt Tosch, seine Kommhergehweg- Allüren und verzehrt sich nach seinem Körper und Geist.
Seine Pranken auf ihrem Körper, seine Augen auf ihren geschriebenen Texten.
Alle Texte werden von dem begnadeten Schriftsteller gelesen, korrigiert und/oder kommentiert.
Sie, ihre Tochter Paula und Tosch debattierten über Texte, Bücher, Worte.
Sie und Tosch leben ihre Leidenschaft in seiner Junggesellenbude aus.
Die ICH-Erzählerin pendelt zwischen Mutter, Schriftstellerin, Hausfrau und Geliebten.
Bis Toschs Krankheit alles verändert und sie von der Geliebten zur Pflegerin wird.
Tosch flüchtet vor dem Finanzamt in die Schweiz;
er hat Prostatakrebs,
die Beziehung wird kompliziert.
Zwischen Krankenhaus, Seehaus in der Schweiz und ihrer Wohnung in Berlin pendelt die Erzählerin. Das pendeln zieht sich durch ihr Leben.
Und die Angst, das gemeinsame Leben verloren zu haben.
Die Autorin schreibt sehr intensiv die Geschichte einer großen Liebe, einer Vertrautheit, Freundschaft und einer Krankengeschichte.
Auch das innige Mutter-Tochter Verhältnis wird hervorgehoben.
Die Erzählung berührt und zeigt die Vergänglichkeit auf. Aber auch den Mut und Ehrgeiz einer Frau ihren Weg zu gehen.
Mit Humor, Ironie und ohne Drama spiegelt die Erzählung die Beziehung.
Trotz vieler Hindernisse und aufopferungsvollen Jahren entwickelt sich die Erzählerin weiter.
„Zwei Verdurstende in der Wüste finden eine Wasserflasche. Wenn sie sie teilen, reicht es für keinen von beiden, wenn einer sie alleine austrinkt, hat er eine Chance zu überleben.“
So war die Beziehung zwischen Tosch und der Erzählerin-mit Höhen und Tiefen.
Der flüssige Schreibstil lässt mich als Leser:in durch die Seiten fliegen. Man wird mitgenommen auf dem Weg zwischen begehrt werden und pflegen. Schonungslos wird berichtet, wie eine Krankheit eine Leidenschaft bricht.
Der Altersunterschied zeigt deutlich die Vergänglichkeit auf, aber auch für die Erzählerin neue Wege.
Ein interessantes Buch, welches sich lohnt, gelesen zu werden.