Profilbild von Book_fairy04

Book_fairy04

Lesejury Star
offline

Book_fairy04 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Book_fairy04 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2025

Berührend

Mandel
0

„Mandel“ von Won-pyung Sohn
Verlag: Aufbau digital /Blumenbar

Ein bezauberndes Monster nannte ihn seine Oma liebevoll.

Alexithymie - ein Begriff für die Unfähigkeit, Gefühle zu empfinden und auszudrücken. ...

„Mandel“ von Won-pyung Sohn
Verlag: Aufbau digital /Blumenbar

Ein bezauberndes Monster nannte ihn seine Oma liebevoll.

Alexithymie - ein Begriff für die Unfähigkeit, Gefühle zu empfinden und auszudrücken. In der Umgangssprache spricht man oft von Emotionslosigkeit. Genau damit lebt Yunjae. Seine Amygdala, der sogenannte Mandelkern im Gehirn, ist zu klein, weshalb er kaum Freude, Angst oder Wut empfindet. Seine Mutter hat alles versucht, um ihm zu helfen, doch die ersten Symptome wurden bereits im Alter von sechs Jahren sichtbar. In der Grundschule verschlimmerte sich das Problem, und Yunjae wurde als seltsam und unnormal abgestempelt.
Bis zu einer schicksalhaften Gewalttat standen seine Mutter und seine Großmutter schützend an seiner Seite. Sie erklärten ihm Situationen und lehrten ihn, wie er in bestimmten Momenten reagieren sollte. Ein Satz seiner Mutter hat sich besonders in sein Gedächtnis eingebrannt:
„Zu viel Ehrlichkeit kann dein Gegenüber verletzen“ (Pos.41)

Doch plötzlich ist Yunjae auf sich allein gestellt. Neue Menschen treten in sein Leben, darunter Gon, ein schwieriger, gewalttätiger und auffälliger Mitschüler, sowie Dora, eine energiegeladene Läuferin, die Bücher langweilig findet, dafür selbst immer in Bewegung bleibt. Dora vermittelt Yunjae Gefühle, die er zunächst nicht versteht.
Mit der Zeit beginnt der 15jährige, seine Amygdala zu „trainieren“. Aus seiner Perspektive erzählt der Roman die Geschichte zweier Außenseiter, die eine zarte Freundschaft eingehen. Doch die Freundschaft ist vor allem anfangs alles andere als sanft: Gon vermittelt seine Gefühle mit Gewalt, während Yunjae ohne jegliche Gefühlsregung, mit klaren, sachlichen und ehrlichen Worten seine Emotionen ausdrückt.
Während Dora für Yunjae ein positiver Lichtblick ist, stehen sich Gon und er als Gegenspieler gegenüber.
Beide Jungen haben schwere Schicksale: Yunjae, der nicht in der Lage ist, Emotionen zu erkennen und zu zeigen, und Gon, der mit Gewalt aufgewachsen ist. Dennoch lernen sie voneinander, jeder auf seine eigene Weise.
Die Charaktere wurden bildlich ausgearbeitet, und man konnte sich unglaublich gut in die Situationen hineinversetzen. Durch den flüssigen Schreibstil ist man durch die Seiten geflogen.
Won-Pyung Sohn beschreibt in ihrem bewegenden Debütroman die Gefühlswelt von Außenseitern und zeigt auf eindrucksvolle Weise, welche Wege Menschen trotz aller Widrigkeiten gehen können. Die Geschichte macht deutlich, wie wichtig Toleranz gegenüber Vielfalt ist und dass „Normalität“ ein dehnbarer Begriff ist.
Durch gezieltes Training gelingt es Yunjae schließlich, seine Emotionen besser zu verstehen - ein Mut machender Roman über Freundschaft und die Kraft, Emotionen zuzulassen.
Mich hat der Roman sehr angesprochen, die Erzählung über die beiden jungen Menschen und deren Schicksale, sowie die wunderbare Freundschaft machen Mut.
Außenseiter zu sein, seltsam oder anders, kann etwas Wundervolles sein - man muss nur genau hinsehen!
Wunderschön erzählt und zutiefst berührend.




  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2025

Ansprechende Rezepte

Ganz entspannt vegan – Das Jahreszeitenkochbuch
0

„Ganz entspannt vegan“ -Das Jahreszeitenkochbuch von Carina Wohlleben 
Verlag: Heyne
Ein wundervolles Kochbuch, das nicht nur mit tollen Bildern und Rezepten begeistert, sondern auch durchdacht nach Jahreszeiten ...

„Ganz entspannt vegan“ -Das Jahreszeitenkochbuch von Carina Wohlleben 
Verlag: Heyne
Ein wundervolles Kochbuch, das nicht nur mit tollen Bildern und Rezepten begeistert, sondern auch durchdacht nach Jahreszeiten unterteilt ist. Die ansprechenden Rezepte werden überwiegend saisonal, mit regionalen Produkten vorgestellt. Bewusst wurde sich für gering verarbeitete Produkte entschieden.
Ob wärmende Suppen, knackige Salate, kreative Hauptgerichte oder köstliche Desserts - hier findet jeder etwas Passendes.
Essen im Rhythmus der Natur: Regionale Produkte werden auf der erste Seite in einem Saisonkalender sehr gut abgebildet.
Das Register der vorgestellten Speisen ist alphabetisch aufgelistet.
Die Zubereitungs-/Backzeit, sowie Nährwerte, Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett findet man im Anschluss an jedes Rezept.
Besonders angenehm ist die überschaubare Zutatenliste, die zeigt, dass vegane Küche weder kompliziert noch aufwendig sein muss.
Ich habe bereits zwei Rezepte ausprobiert: Apfel-Chai-Crumble mit Vanille-Skyr und die Frühlingsbowl.
Der Apfel-Chai-Crumble war herrlich aromatisch, und die Frühlingsbowl frisch und sättigend. Beide Rezepte waren leicht nachzukochen. 


Wir waren alle sehr begeistert und weitere Rezepte stehen bereits auf dem Essensplan.
Ein empfehlenswertes Buch für alle Veganer oder einfach für Menschen, die gerne fleischlos genießen.
Von Herzen 5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.02.2025

Berührender Debütroman

Vermissen auf Japanisch
0

„Vermissen auf Japanisch“ von Yukiko Tominaga ist ihr Debütroman. Übersetzt wurde der Roman von Juliane Zaubitzer.
Verlag: mare
ET: 21.Februar 2025

Warum konnte er nicht überleben? Es waren nur sechs ...

„Vermissen auf Japanisch“ von Yukiko Tominaga ist ihr Debütroman. Übersetzt wurde der Roman von Juliane Zaubitzer.
Verlag: mare
ET: 21.Februar 2025

Warum konnte er nicht überleben? Es waren nur sechs Wochen…

Kyoko lebt mit ihrem jüdischen Ehemann Levi und Sohn Alex in San Francisco. Levi ist selbständig und hat Geldprobleme. Doch anstatt eine Lebensversicherung abzuschließen, gibt er das Geld für ein Tattoo aus. Immer wieder versicherte er seiner Frau, dass sie sich keine Sorgen machen solle. Kyoko sollte sich ausschließlich um die Erziehung ihres Sohnes kümmern, alles weitere würde Levi regeln.

Leider kam es nicht dazu, ein Unfall und Kyoko ist alleinerziehend mit einer bankrotten Firma. Das Haus in San Francisco muss zwangsversteigert werden und Levi’s Bruder Ben nimmt die beiden verlorenen Seelen in seinem Haus in Boston auf. Er würde alles für die Familie tun, genau wie ihre Schwiegermutter Bubbe.
Kyoko und Alex sind nicht allein und doch fühlt es sich so an. Sie wurden allein gelassen.
Kyoko versucht mit ihrer Wut und dem Hass umzugehen, was Levi ihr mit seinem Tod angetan hat. Wie soll sie überleben? Und doch ist sie dankbar, dass sie nun alleine für die Erziehung ihres Sohnes verantwortlich ist. Japaner sind oftmals sehr vage in ihren Aussagen und doch spezifisch in ihren Ansichten.

In ihrer Sprache gibt es kein Wort für Vermissen und so erklärt sie Bubbe, als diese meinte, Kyoko weint, weil diese ihren Mann vermisst, dass sie sich selbst vermisst und nicht Levi.

„Ich werde ohne dich einsam sein“ war falsch übersetzt, denn jemanden zu vermissen bedeutet nicht unbedingt, dass man einsam war. Jemanden zu vermissen kam von außen. Es ging vorbei. Während die Einsamkeit in einem blieb wie ein Virus. Sie mutierte, und nur Ablenkung ermöglichten uns das Überleben.“ (Pos.2758)

Das Zitat zeigt auf, was Worte vermitteln und in der jeweiligen Kultur bedeuten. Es macht mich nachdenklich und hallt nach.

Die Autorin lädt mich als Leserin mit ihrer poetischen Sprache ein, in die Gefühlswelt der japanischen Kultur einzutauchen. Emotional und ergreifend erzählt Yukiko Tominaga über Trauer, Verlust, Familie und Zusammenhalt. In ihrem Debütroman zeigt uns die Autorin die zahlreichen Facetten der Trauer und des Vermissens auf.
Die Protagonistin versucht sich ein Leben mit ihrem Sohn Alex aufzubauen; finanziell unabhängig von Levi’s Familie zu sein und ihre Werte mit der jüdischen/amerikanischen Welt in Einklang zu bekommen.
Unglaublich ehrlich erzählt wird die Geschichte zwischen Bubbe und Kyoko, beide in ihrer Emotion, dem großen Verlust gefangen. Sichtweisen werden ausgetauscht und neue Bande zwischen den beiden geknüpft. Bubbe hat einen Sohn verloren und eine Tochter erhalten.

Kyoko kennt auch kein japanisches Wort für Umarmung und lernt durch ihre Schwiegermutter, Zuneigung durch Umarmung auszudrücken. Als Bubbe fragte, wie die Japaner die Liebe erkennen, meinte Kyoko nur „wir lesen die Luft“.

Ein anspruchsvoller Roman, der mich als Leserin tief berührt und nachdenklich zurücklässt. Wundervoll in poetischer Sprache geschrieben, zeigt uns dieses Buch vielseitig auf, welche Emotionen der Verlust eines geliebten Menschen hervorruft und vor allem, wie unterschiedlich die verschiedenen Kulturen damit umgehen.

Eine Leseempfehlung für diesen berührenden Debütroman.







  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2025

Eine Ahnung von der Liebe

In einem Zug
0

„In einem Zug“ von Daniel Glattauer
Verlag : Dumont

Was für eine berührende, herzerwärmende und unterhaltsame Zugfahrt.

Glattauer versteht es unglaublich gut mit Worten zu spielen.
Seine zarten, ...

„In einem Zug“ von Daniel Glattauer
Verlag : Dumont

Was für eine berührende, herzerwärmende und unterhaltsame Zugfahrt.

Glattauer versteht es unglaublich gut mit Worten zu spielen.
Seine zarten, verspielten und doch klaren und witzigen Sätze wickeln mich ein, wie in einen Kokon.

Weich, zart - ein Ort zum Wohlfühlen.

Der bekannte Liebesbuch-Autor Eduard Brünhofer ist auf dem Weg von Wien nach München zu seinem Verlag. Seit 13 Jahren hat er keinen Roman geschrieben und er weigert sich, nochmals einen Liebesroman zu schreiben. Er kann und will es nicht.
Er möchte ein Buch über Alkohol schreiben - was weder seinen Verlag noch seine bisherige Leserschaft in Begeisterung ausbrechen lassen würde.

Im Abtei schräg gegenüber sitzt eine attraktive Frau, die dasselbe macht, wie der Autor:
Nichts! Welche große Seltenheit! Bis sie ihn anspricht und seine Gedankenwelt auf den Kopf stellt.

Unglaublich unterhaltsam und humorvoll wird der Dialog zwischen den beiden fremden Menschen im Zug und die kurzweiligen Gedankengänge von Brünhofer zu den teilweise delikaten und intimen Fragen der Frau beschrieben.

Catrin Meyr ist klug und pessimistisch, was Langzeitbeziehungen angeht und möchte von dem gefeierten Schriftsteller alles über die Liebe erfahren - vor allem über seine Frau Gina. Ihre symphatischen Art macht es Brünhofer unmöglich, die Antworten zu verweigern.
Oder ist es doch eher sein etwas verklärter Blick auf die attraktive Frau?

Die Zugfahrt entpuppt sich als eine Fahrt in die tiefen Gefühle einer wundervollen Liebesbeziehung, welche im Laufe der Zeit ihre Höhen und Tiefen hatte,
aber an Intensität gewonnen hat.

Sein Blick auf das Gefühl, Zeit ohne seine Liebe zu verbringen, dringt in mich als Leserin ein,
wie ein warmer Sonnenstrahl.

Der Autor erklärt Catrin, dass man nicht alles erfahren haben muss, um darüber zu schreiben.

„Man muss nur eine Ahnung davon haben.“
Wie zum Beispiel von der Liebe.

„Man muss sie sich vorstellen können. Die Vorstellung ist kräftiger als die Erfahrung. Die Vorstellung lebt von der Fantasie. Die Erfahrung macht sie zunichte. „ (Seite 31)

Catrin vermag es mit ihrer direkten Art die Gedanken und Emotionen des zurückhaltenden Autors Brünhofer in Bezug auf seine Beziehung herauszulocken. Seine distanzierte, sachliche und kluge Sprechweise zeigt jedoch die Innigkeit einer Langzeitbeziehung auf.

Was für ein unglaublich geschickter Roman über die Liebe.
Glattauer versteht es mit seinem Schreibstil tiefsinnige, intellektuelle Dialoge entstehen zu lassen und das Herz zu erwärmen.

Daniel Glattauer lenkt unseren Blick nur in eine Richtung und überrascht uns zuletzt mit einer unerwarteten Wendung.

Die Zusammenführung der beiden Personen im Zug ist ein Auftakt: eine Reise in ein neues Leben

Glattauer überzeugte mich auch mit diesem Roman wieder mit seinem feinfühligen Stil und seiner herausragenden Sprachgewandtheit. Für mich ein absolut zauberhaftes Highlight.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2025

Wahrheiten einer Ehe

Es geht mir gut
0

„Es geht mir gut“ von Jessica Anthony wurde aus dem Amerikanischen übersetzt von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck.
Verlag: Kein&Aber

Die Autorin erzählt in ihrem Roman über eine Ehe im Jahr 1956.
Virgil ...

„Es geht mir gut“ von Jessica Anthony wurde aus dem Amerikanischen übersetzt von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck.
Verlag: Kein&Aber

Die Autorin erzählt in ihrem Roman über eine Ehe im Jahr 1956.
Virgil hatte sich im Krieg den Knöchel verstaucht, jedoch die Lüge eines gebrochenen Knöchels daraus gemacht, und nutze die Chance nach Hause geschickt zu werden. Er hinkte noch etwas, um bei den Mädchen Eindruck zu schinden und lernte auf Krücken gestürzt die große, schlanke und erfolgreiche Tennisspielerin Kathleen in der Bibliothek der University of Delaware kennen.
Kathleen wusste schon damals, dass er ein Schwindler war.

Die beiden heirateten und führten von Beginn an eine Ehe mit Geheimnissen, Lügen, Täuschungen und unerfüllten Sehnsüchten. Die Autorin lässt uns einen schonungslosen Blick auf die fragile Dynamik der Ehe werfen, die auf unausgesprochenen Wahrheiten beruht. Jessica Anthony zeigt uns durch ihre präzise Sprache und subtile Beobachtung ein tiefgründiges Porträt einer Ehe.

Die Komplexität menschlicher Beziehungen wird durch diesen Tag im November aufgezeigt. Kathleen steigt in den Pool und verlässt diesen nicht mehr. Im Wasser treibend, aufgedunsen und doch unglaublich klar lässt sie ihr Leben Revue passieren. Und stellt sich die Frage, ob es so bleiben soll?
Aber zuerst muss Virgil sprechen, er bekommt seine Chance zuerst die Wahrheit zu sagen. Kathleen hat mehr Ausdauer und die Dinge werden sich ändern, ob sie es will oder nicht.

„Kathleen war noch nicht bereit, aus dem Pool zu steigen. Sobald sie draußen war, würde alles wieder so sein wie immer, normal, und normal war nicht mehr länger hinnehmbar.“ (Pos. 1559)

Virgil kümmert sich nicht ernsthaft um seine Frau, geht dem gewohnten sonntäglichen Kirchgang und Golfspiel nach. Er versucht verzweifelt seine Ehe aufrecht zu halten. Seine Frau soll funktionieren, er liebt sie und doch lässt ihn dieser Tag nachdenken. Er möchte endlich die Wahrheit sagen, die Vergangenheit aufarbeiten und in die Zukunft blicken. Er war bereit oder?

Die Autorin zeichnet ein einfühlsames und zugleich unbehagliches Buch. Die Geschichte dieser Ehe zeigt auf, wie schwer es ist, die Wahrheit in Beziehungen zu finden oder zu akzeptieren.

Ich habe das Buch in einem Ruck durchgelesen, der Schreibstil war klar und präzise, die Charaktere gut ausgearbeitet und die Tatsache, dass sich alles an diesem einen Tag abspielt sehr faszinierend und unglaublich gut zur Geltung gebracht. Eine Beziehung aus dem Jahr 1956 und doch nicht in der Vergangenheit behaftet.

Jessica Anthony zeigt mit diesem schmalen Roman auf, dass unter der Oberfläche alltäglicher Beziehungen oft ein ganzes Universum an Emotionen, Geheimnissen und Lügen verborgen liegt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere