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Veröffentlicht am 18.09.2021

Verlockung des Wassers

In die Arme der Flut
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Stell Dir vor, Du erlebst einen Augenblick des absoluten Friedens. Du bist ganz bei Dir, es ist ruhig, Du bist frei von negativen Gefühlen, Du fühlst Dich wohl. Der Haken: Du bist gerade dabei zu ertrinken; ...

Stell Dir vor, Du erlebst einen Augenblick des absoluten Friedens. Du bist ganz bei Dir, es ist ruhig, Du bist frei von negativen Gefühlen, Du fühlst Dich wohl. Der Haken: Du bist gerade dabei zu ertrinken; Du wirst im letzten Augenblick gerettet.

Luke Roy hat diesen Augenblick in seiner Jugend erlebt. Inzwischen ist Luke ein erwachsener Mann. Heute will er dem jahrelangen, verführerischen Lockruf des Wassers folgen. Er steht auf der Brücke über dem heimtückischen Fluss. Plötzlich hört er Schreie. Ein Ausflugsboot ist auf dem See gekentert, etwas Rotes treibt zielstrebig dem tödlichen Strudel entgegen. Luke springt und rettet so dem 15jährigen Paul das Leben.

Die Geschichte „In die Arme der Flut“ passt genau in die heutige Zeit. Der ständige Kontakt mit (sozialen) Medien, die kurzen Wege, welche dramatische Ereignisse nur noch beschreiten müssen, um an die Öffentlichkeit zu treten. Bildmaterial von Hinz & Kunz taucht auf, Menschen nutzen positive Nachrichten schamlos für sich, „alles“ will nur den eigenen Vorteil sichern. Die Geilheit der Masse, der Voyeurismus, die Wankelmütigkeit. Dazwischen ein Mensch, der den Zug, welcher losgerast ist, nicht mehr stoppen kann; der von der Macht einer Flutwelle mitgerissen wird.

Jedes Ereignis hat mehrere Seiten, mehrere Interpretationsmöglichkeiten und auch Bilder können unterschiedlich gedeutet werden. So durchlebt Luke eine Achterbahn ihm entgegengebrachter Emotionen. Es ist insgesamt unter dem Strich ein schmutziges Spiel, dem er sich nicht zu erwehren mag.

Gerard Donovan hat ein Buch verfasst, welches sehr wendungsreich und berührend ist, bis zu seinem überraschenden Ende. Ein guter Plot, geschickt in Szene gesetzt und ausformuliert mit einem „Typen“ als Hauptdarsteller.
Das Cover ist eher schlicht gehalten, skizziert einen reißenden Fluss, der über Felsen dem Meer entgegenstrebt. Genau wie die Geschichte in diesem Buch, welches mich sehr gut unterhalten hat.

Dieses eBook habe ich im Rahmen des Angebots von PenguinRandomhouse-Testleser vorab lesen dürfen.


Gerard Donovan, In die Arme der Flut, Thriller, eBook, Luchterhand Literaturverlag, 15,99 €, 320 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 04.10.2021

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Veröffentlicht am 04.09.2021

Solider Kriminalroman vor schöner Kulisse

Bretonischer Stolz
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Als die Polizei am vermeintlichen Tatort eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Keine Spur. Nichts. Die Zeugin ist zudem eine ältere, als leicht verwirrt geltende, ehemalige Schauspielerin. Entsprechend ...

Als die Polizei am vermeintlichen Tatort eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Keine Spur. Nichts. Die Zeugin ist zudem eine ältere, als leicht verwirrt geltende, ehemalige Schauspielerin. Entsprechend voreingenommen begrüßen die Beamten vor Ort Kommissar Dupin. Dieser jedoch vertraut auf seine Erfahrung, seine Intuition und Menschenkenntnis, um seinen vierten Fall aufzuklären.

Dupin muss eine ganze Weile gegen die Vorurteile der Kollegen vor Ort anarbeiten, bis er den notwendigen Respekt erwiesen bekommt. Parallel ist einer seiner Mitarbeiter in eigener Mission unterwegs und gerät in Schwierigkeiten, so dass Dupin sich selbstverständlich vor seinen Mitarbeiter stellt. Leider wird vom Präsidium ein anderer Schluss aus der Summe der Vorkommnisse gezogen, so dass der Mordfall fast ungeklärt als abgeschlossen tituliert werden soll.

„Bretonischer Stolz“ ist wie eine schöne Urlaubsreise in die Bretagne. Ich war schon wiederholt dort und finde es schön, die verschiedenen Orte und Gegebenheiten aus erster Hand zu kennen. Okay, bei einer Urlaubsreise wären Leichen, Anschläge & Co. natürlich entbehrlich. In einem Krimi aus der Feder von Bannalec jedoch nicht. Solide Ermittlungsarbeit, ein „Typ“ als Kommissar, schrullige, verlässliche Mitarbeiter*Innen, angenehme Nebenschauplätze und menschliche Abgründe. Ein „rundes“ Buch.

Das Cover passt sich erwartungsgemäß in die Buch-Reihe um Kommissar Dupin ein.


Jean-Luc Bannalec, Bretonischer Stolz – Kommissar Dupins vierter Fall, Kriminalroman, broschierte Ausgabe, Kiepenheuer & Witsch, 14,99 €, 384 Seiten, Erscheinungstermin 13.10.2016

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Veröffentlicht am 04.09.2021

Wendungsreicher Plot

Die verhängnisvolle Stille
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Als polizeilicher Ermittler kommst Du an den Tatort eines brutalen Mordes, eine schier unbeschreibliche Explosion von Gewalt. Während der Tatortbegehung tauchen Informationen hinsichtlich eines unmittelbar ...

Als polizeilicher Ermittler kommst Du an den Tatort eines brutalen Mordes, eine schier unbeschreibliche Explosion von Gewalt. Während der Tatortbegehung tauchen Informationen hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Bombenanschlages auf; die Ereignisse überschlagen sich…

Detective Mason Callahan und sein Team sind zunächst für diesen Fall zuständig. In den Unterlagen, die im Hause des Mordopfers gefunden werden, taucht der Name seiner Verlobten, Ava McLane, FBI-Agentin, auf. Der Tote war ihr Informant. Sowohl auf dem Revier als auch beim FBI wird in dieser Angelegenheit ermittelt. Im Zuge der weiteren Handlung erfolgen an unterschiedlichen Orten scheinbare Hinrichtungen; die Spuren nähern sich dem privaten Umfeld von Mason und Ava. Wer hat mit ihnen eine Rechnung offen, welche diesen Hass rechtfertigen könnte?!?

„Die verhängnisvolle Stille“ ist ein mitreißendes Buch. Die ausufernde Brutalität ist mit dem ersten Kapitel überstanden; sie scheint mir angemessen, um zu verdeutlichen, mit welcher Art Täter wir es zu tun haben.
Kendra Elliot hat hier den zweiten Teil eine Reihe um die Ermittler Callahan und McLane geschrieben. Der erste Teil ist mir nicht bekannt. Anfangs hatte ich etwas Probleme, die Verbindungen zwischen den Protagonisten zu erkennen, was sich jedoch schnell legt.

Die Autorin schlägt direkt ein hohes Tempo an, vermittelt eine Dramatik, die mich im Lesefluss voranstreben lässt. Im vorletzten Fünftel flacht diese Kurve etwas ab, werden die Weichen zum Finale gestellt, welches wiederum rasant, spannend und überraschend ausformuliert ist. Es gibt einige Nebenschauplätze, welche sich homogen in die gesamte Geschichte einfügen und mir die Protagonisten näherbringen.

Das Cover lässt mit seiner düsteren Strandstimmung und der knallroten Betitelung erahnen, dass der Plot viel Dunkelheit beinhaltet; einen direkten Zusammenhang zum Inhalt zwischen den Buchdeckeln vermag ich nicht herzustellen.


Kendra Elliot, Die verhängnisvolle Stille, Thriller, flexibler Einband, Edition M, Amazon Media, 9,99 €, 334 Seiten, Erscheinungstermin 31.08.2021

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Veröffentlicht am 29.08.2021

Irland, unberechenbar wie das Moor

Der Sucher
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Cal Hooper ist nach Irland ausgewandert. Im Westen hat er sich ein schönes Stück Land mit einem baufälligen Haus gekauft, welches er eigenhändig instand setzt. Seine Idylle wird gestört, als Trey Reddy ...



Cal Hooper ist nach Irland ausgewandert. Im Westen hat er sich ein schönes Stück Land mit einem baufälligen Haus gekauft, welches er eigenhändig instand setzt. Seine Idylle wird gestört, als Trey Reddy sich in sein Leben schleicht. Scheu wie ein wildes Tier, aber verlässlich erscheint Trey, um Zeit mit Cal zu verbringen. Schließlich bricht Trey das Schweigen; der ältere Bruder Brendan, verlässliche Bezugsperson und Lebensanker in schwierigen Familienverhältnissen, ist verschwunden. Irgendwie hat Trey herausgefunden, dass Cal Polizist war und fordert seine Hilfe.

Tana French hat mit „Der Sucher“ einen soliden Thriller verfasst, welcher mich von Anfang an interessiert und in seinen Bann zieht. Ich befinde mich in Irland, sitze auf der Stufe am Haus und blicke über Schafs- und Kuhweiden, höre das Keckern der Krähen und schmunzle über eigenwillige Freundschaftsangebote oder hartnäckige Verkupplungsversuche seitens der Einheimischen gegenüber Hooper. Die wellenförmige Spannungskurve lässt mich Angst im Nacken spüren, um mich dann wieder in seichtes Fahrwasser zurückzuführen.

Der Plot gefällt mir, ist gut verortet und interessant ausgearbeitet. Die Protagonisten sind „Typen“, aber letztlich doch nur „normale“ Menschen, die ich mag. Es gibt für mich völlig unerwartete Wendungen und Einblicke, wo unter der Oberfläche – wie im tückischen, irischen Moor – Gefahr lauern kann. Das Cover, wo über einer Wiese in sanftem Wind dunkle Wolken aufziehen, passt auch mit seinen roten Buchstaben warnend zum Inhalt.

„Der Sucher“ ist aus meiner Sicht eine unbedingte Lese-Empfehlung für Thriller-Fans!


Dieses eBook habe ich im Rahmen einer jellybooks-Leseaktion vorab lesen dürfen.


Tana French, Der Sucher, Roman, eBook, Fischer E-Books, 18,99 €, 496 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 29.09.2021

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Veröffentlicht am 19.08.2021

Mehr Krimi denn Thriller

Narbenherz
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Ich denke, es kann kaum etwas Schlimmeres für Eltern geben, als dass das einzige Kind spurlos verschwindet! In dieser Situation befinden sich Jens und Anne Sophie Bjerre; ihr 10jähriger Sohn Lukas ist ...

Ich denke, es kann kaum etwas Schlimmeres für Eltern geben, als dass das einzige Kind spurlos verschwindet! In dieser Situation befinden sich Jens und Anne Sophie Bjerre; ihr 10jähriger Sohn Lukas ist nicht auffindbar. Die Suche beginnt in der Nyholm-Schule, wo Lukas zuletzt gesehen wurde.

Neben den Einsatzkräften sind der Lehrerstab sowie besorgte Eltern mit ihren Kindern auf dem Schulhof, als der leitende Kommissar Erik Schäfer eintrifft. Dort trifft er auf seine gute Freundin, Heloise Kaldan, Journalistin, welche zufällig und privat vor Ort ist.

Nach einem irritierenden, beängstigenden Prolog entwickeln sich mehrere Handlungsstränge, welche sich nur gelegentlich überschneiden, so dass Heloise und Erik nicht gemeinsam ermitteln, was ich eigentlich angenommen hatte. Allerdings erhält Kaldan in der Redaktion aufgrund ihrer Verbundenheit zum Kommissar den Auftrag, ihre aktuelle Recherche ruhen zu lassen und im „Fall Lukas“ für Berichte und infolgedessen steigende Quoten zu sorgen.

„Narbenherz“ hat mich direkt an die Hand und mit nach Dänemark genommen. Der Autorin gelingt es, die ProtagonistInnen sowie die Handlungsstränge interessant auszugestalten, dass ich immer weiter voran strebe, um den Täter „zuerst zu finden“. Geschickt werden Spuren gelegt, Personen rücken in den Fokus oder auch in den Hintergrund und ich bekomme die Lösung nicht zu fassen. Hancock verschleiert die Lösung so gut, dass ich im Finale völlig überrascht bin, wie sich das Blatt wendet.

Dieses Buch hat mich sehr gut unterhalten. Es ist jedoch für mich eher ein Kriminalroman denn ein Thriller, da es zwar solide Ermittlungsarbeit, sowohl auf Seiten der Polizei als auch der Presse gibt, aber so richtige Spannung für mich nicht aufkommt. Die Nebenschauplätze, auch im Privatleben der Hauptakteure, bereichern die Handlung und wirken schlüssig.

Dies ist der zweite Fall aus der Feder von Anne Mette Hancock, in dem Heloise und Erik aufeinandertreffen. Dass ich den ersten Band nicht gelesen habe, bereitete mir für das Verständnis evtl. Zusammenhänge keinerlei Schwierigkeiten.
Das Cover gefällt mir sehr gut; hat jedoch für mich keine direkte Verbindung zum Inhalt des Buches.

Lese-Empfehlung für Hobby-Ermittler*Innen in nordischen Gefilden!


Anne Mette Hancock, Narbenherz, Thriller, flexibler Einband, Fischer-Scherz Verlag, 15,0 €, 384 Seiten, Erscheinungstermin 28.07.2021

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