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Veröffentlicht am 16.05.2021

Insgesamt eine runde Trilogie

Dark Palace – Für wen wirst du kämpfen?
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Mit “Für wen wirst du kämpfen?” legt Vic James den Abschlussband der Dark Palace – Trilogie vor. Auch der dritte band konnte mich wieder überzeugen, wobei ich insgesamt sagen muss, dass ich den ersten ...

Mit “Für wen wirst du kämpfen?” legt Vic James den Abschlussband der Dark Palace – Trilogie vor. Auch der dritte band konnte mich wieder überzeugen, wobei ich insgesamt sagen muss, dass ich den ersten Teil am stärksten fand. Die gesamte Trilogie habe ich innerhalb von 6 Tagen verschlungen. Ich kann sie euch also wirklich wärmstens empfehlen, wenn ihr Dystopie mit Fantasyelementen mögt.

Auch Band 3 wird, wie wir es gewohnt sind, aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Wir begleiten natürlich weiterhin Abi und Luke, aber auch Gavar und Bouda. Spannende Charaktere, die wir hier wieder erleben. Ganz besonders interessante war die Weiterentwicklung der Freundschaft (wenn man es denn so nennen kann) zwischen Silyen und Luke. Interessant war ihr Zusammentreffen mit dem einzigen König, der auch über Geschick verfügte, in der Zwischenwelt. Hier hätte ich mir am Ende ein bisschen mehr dazu gewünscht, was das Zusammentreffen für die Welt bedeutet und, ob Coira letzten Endes ihr Glück findet. Coira wird von der Autorin plötzlich aus dem Spiel genommen und wir erfahren leider nichts mehr über sie.

Der Kampf der Gewöhnlichen gegen die Ebenbürtigen geht in die alles entscheidende letzte Runde. An jeder Ecke lauern Verrat und Intrigen. Man weiß einfach nicht, wer auf welcher Seite steht. Die Autorin hat es zumindest bei mir geschafft, dass ich mir bis zum Ende bei einigen Figuren nicht sicher war, auf welcher Seite sie nun eigentlich stehen.

Klar ist: Bouda, die Ehefrau von Gavar und eine Ebenbürtige steht auf der Seite der Mächtigen. Sie setzt alles daran, ihre Macht zu erhalten und auszubauen. Dafür ist ihr jedes Mittel recht. Ebenso klar ist, dass Midsummer, auch eine Ebenbürtige, auf der Seite der Gewöhnlichen steht. Sie hat die Führung der Rebellion übernommen. Damit stehen sich zwei starke Frauenfiguren gegenüber, die beide bereit sind, viel zu opfern, um den Kampf zu gewinnen.

Vic James hält die Spannung das gesamte Buch über sehr hoch. An jeder Ecke lauern Verrat und Intrigen. Man weiß einfach nicht, wer auf welcher Seite steht. Der Schreibstil ist blutig, teils grausam, aber er passt jederzeit zur Geschichte. Die Autorin erzählt keine Grausamkeiten nur um der Grausamkeit willen. Sie treibt damit die Geschichte vorwärts und bringt uns die eine oder andere Figur und ihr wahres Inneres näher.

Die Geschichte verfügt über einen roten Faden, der erfolgt wird und weist keine Lücken oder Längen auf. Mir hat sie vom Anfang bis zum Ende gefallen, wobei ich dann aber doch eine Feder abgezogen habe, da ich mir an der einen oder anderen Stelle mehr Informationen darüber gewünscht hätte, wie es nach dem Ende der Rebellion weiter geht. So ganz klar war mir nicht, welche Rolle Bouda zukünftig spielen wird, wenn sie denn eine spielt.

Von mir gibt es 4 Sterne für den Abschlussband der Dark Palace Trilogie.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.05.2021

Gelungene Fortsetzung

Dark Palace – Die letzte Tür tötet
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Band 2 knüpft nahtlos an den ersten Band an. Auch hier geht es extrem brutal zu und die Grenze des Erträglichen war bei mir zeitweise überschritten. Dennoch habe ich das Buch von der ersten bis zur letzten ...

Band 2 knüpft nahtlos an den ersten Band an. Auch hier geht es extrem brutal zu und die Grenze des Erträglichen war bei mir zeitweise überschritten. Dennoch habe ich das Buch von der ersten bis zur letzten Seite genossen. Die Geschichte bleibt nach wie vor auf einem sehr hohen Spannungslevel. Sie wirkte auf mich allerdings teilweise etwas überfrachtet und dadurch leicht verworren.

Ich fand diesen Band aus diesem Grund ein kleines bisschen schwächer als den ersten Band. Es kamen einfach sehr viele Motive zusammen und so dass der rote Faden zwischen den Protagonisten für mich nicht immer ersichtlich blieb. Ich hatte aufgrund der Fülle an Personen und deren unterschiedlichen Zielen nicht immer den Überblick, wer nun gerade genau für was kämpft. Das fand ich ein bisschen schade, denn ich hatte das Gefühl, dass hier weniger mehr gewesen wäre.

Auch dieser Band wird aus der Sicht verschiedener Protagonisten (Luke, Abi, Gavar, Bouda und Silyen) erzählt. Wobei nach wie vor Luke den größten Teil für sich beansprucht. Er ist ein toller junger Mann, der sich auch unter den Schrecken der Sklavenschaft und später der Verbannung in die Burg von Lord Crovan, für das Gute einsetzt. Mit Luke hat Vic James eine Figur geschaffen, auf die sie wirklich stolz sein kann. Luke ist nicht etwas total furchtlos oder kopflos, aber er ist mutig.

Wer deutlich mehr Raum einnimmt ist Gavar. Eine Figur, die ich zunächst wirklich nur sehr schwer einschätzen konnte und die mich immer wieder überrascht hat. Inzwischen in einer unglücklichen Ehe mit seiner herrschsüchtigen Frau Bouda gefangen weiß man nicht so genau, wie der Erbe von Kyneston wirklich tickt. Immer wenn man glaubt, dass man ihn gegriffen hat, dann tut er wieder unerwartete Dinge. Ich muss gestehen, dass ich Gavar in diesem Band wirklich schätzen gelernt habe, aber trotzdem vorsichtig und misstrauisch ihm gegenüber geblieben bin. Mal schauen, wie er sich im nächsten band entwickelt.

Das ist auch etwas, was Vic James uns wieder lehrt. Traue niemandem. Man weiß nicht, welche Figuren welche Motive verfolgen und wie sie sich entwickeln. Was ich ebenso gelernt habe ist, dass Vic James keine Probleme damit hat, Figuren zu töten. Es geht grausam zu in dieser Welt. Politische Intrigen und Machtausübung nehmen eine immer stärkere Rolle ein, woran Bouda definitiv nicht unschuldig ist.

Vic James entwickelt die Geschichte um die Ebenbürtigen sehr gut weiter. Sie zeigt auf, was passiert, wenn die herrschende Klasse das Gefühl hat, die Macht verlieren zu können. Es gibt diejenigen, denen jedes Mittel recht ist, um an der Macht zu bleiben. es gibt diejenigen, die endlich langsam aufwachen und es gibt die breite Masse der Mitläufer. Wohingegen sich unter den Sklaven langsam aber sicher Protest regt und auch formiert. Auch hier wird sehr schön die Dynamik deutlich, die eine solche Revolution nehmen kann, aber auch die Grenzen, die ihr gesetzt sind.

Eine ebenso große Entwicklung macht Abigail durch. Sie wird viel weniger farblos und fängt an, sich für sich, ihre Rechte und die Menschen einzusetzen. Abi ist diejenige, die in Band 2 lernen muss, wirklich erwachsen zu werden. Macht sie gut. Ich bin gespannt, wo die Reise für sie noch hin geht.

Alles in allem war Band 2 zwar etwas schwächer, als Band 1, aber immer noch sehr spannend und macht Lust auf den dritten Band. Wie soll das bloß enden??? Von mir gibt es 4 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.05.2021

Unglaublich spannende Dystopie

Dark Palace – Zehn Jahre musst du opfern
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Das Buch hatte ich tatsächlich auf der Wunschliste, als es 2018 erschienen ist, wie das aber manchmal so ist wanderte es nach hinten. Dann las ich einige eher nicht so begeisterte Rezensionen, was mich ...

Das Buch hatte ich tatsächlich auf der Wunschliste, als es 2018 erschienen ist, wie das aber manchmal so ist wanderte es nach hinten. Dann las ich einige eher nicht so begeisterte Rezensionen, was mich auch nicht dazu brachte, das Buch zu kaufen. Vergessen habe ich es aber nie und nun endlich zugeschlagen. Ich muss sagen: Ich hätte es früher kaufen sollen! Ich bin schwer begeistert und total in der von Vic James geschaffenen Welt gefangen. Dafür habe ich jetzt das Glück, dass ich alle drei Bände hintereinander weg lesen kann. Das ist auch nicht schlecht.

Die Geschichte ist wirklich heftig. Sowohl im Sinne von körperlich brutal, als auch emotional brutal. Das System, dass jeder Gewöhnliche irgendwann in seinem Leben zu 10 Jahren Sklavenarbeit antreten muss ist unglaublich menschverachtend. Man fragt sich, warum sich die Menschen nicht dagegen auflehnen. Nach und nach erfährt man aber immer mehr, wozu die Menschen mit Geschick (sowas wie Magie) fähig sind. Die normalen Leute haben einfach keine Chance. Das machte mich zeitweise ziemlich mutlos.

Die Geschichte wird aus Sicht mehrerer Protagonisten erzählt (vor allem aus Sicht von Luke, Abi, Gavar und Bouda, aber auch kurz aus Leahs Sicht, Euterpes und Silyens Sicht).

Luke ist derjenige, dessen Geschichte ich am spannendsten Fand. Nicht nur deswegen, weil er der Einzige der Familie ist, der nicht mit auf das Herrenhaus Kyneston darf, sondern in die Sklavenstadt Millmoor muss, Donnern auch, weil er der spannendste Charakter ist. Mit seinen gerade mal 17 Jahren dürfte er eigentlich gar nicht ohne seine Familie in die Sklavenzeit gehen, da er nicht volljährig ist. Leider interessiert das die Verantwortlichen nicht.

Abigail, genannt Abi, ist Lukas große Schwester. Sie versucht, die Fäden der Familie zusammen zu halten. Leider wirkt sie ab und an aber etwas farblos. Durch sie erhalten wir aber gute Einblicke in das Leben auf Kyneston und begleiten sie, ihre Eltern und ihre kleine Schwester Daisy. Daisy ist unglaublich süß und hat als Kindermädchen von Gavars Tochter Leah eine Sonderstellung im Haushalt.

Silyen Jardine ist der jüngste der Jardine Geschwister. Es gibt noch den Erben des Hauses, den ältesten Bruder Gavar und den mittleren Bruder Jenner, der völlig aus der Art geschlagen ist, da er über keinerlei Geschick verfügt. Jenner war mir im ersten Band derjenige, der am sympathischen erschien. Auch wenn es einfach viel zu viele wichtige Figuren in diesem Buch gibt, um sie alle erwähnen zu können, möchte ich noch kurz etwas zu Bouda sagen.

Bouda, ebenso eine Ebenbürtige mit Geschick, wie die Familie Jardine. Erbin des Hauses Maltravers und zukünftige Gattin von Gavar Jardine. Bouda ist von den Ebenbürtigen fast die einzige Figur, die man von Anfang bis Ende gut einschätzen kann. Sie ist machthungrig und geht für ihre Ziele über Leichen. Ob sprichwörtlich oder wörtlich wird sich noch herausstellen…

Die Geschichte ist von Anfang an extrem spannend und die Spannung wird die gesamte Zeit über hoch gehalten. Nicht immer weiß man so ganz genau, wer Freund und wer Feind ist. Stimmungen und Meinungen ändern sich oder werden nicht ausgesprochen. Zum Ende hin nimmt die Geschichte eine Wendung, die ich so nicht erwartet habe, die mich aber total überzeugt hat.

Trotz der phantastischen Elemente des Geschicks steht die politische Entwicklung klar im Vordergrund. Das geschaffene System ist derart menschenverachtend, dass man sich eigentlich dagegen zur Wehr setzen muss. Vic James arbeitet sehr schön heraus, mit welchen nur geringen Mitteln sich die breite Masse gegen eine durch ihr Geschick den Massen trotzdem überlegene zahlenmäßig kleine Oberschicht auflehnen kann. Erschreckend, aber sehr real.

Der Schreibstil von Vic James reißt den Leser mit. Er ist brutal, aber gerade noch auszuhalten. Ich bin da ehrlich gesagt eher etwas zart besaitet und wenn es mir zu doll wird, dann überspringe ich auch schonmal eine Szene. Das musste ich hier nicht tun. Es war gerade so an der Grenze des Erträglichen.

Ich habe das Buch innerhalb von 2 Tagen gelesen und muss sagen, dass ich bisher eine spannende, gut durchdachte Geschichte verpasst habe. Von mir gibt es 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.05.2021

Überaus gelungene Fortsetzung

Die Hafenschwester (2)
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Band 2 spielt deutlich nach Band 1. Es sind einige Jahre ins Land gezogen. Martha und Paul sind verheiratet und haben 3 wunderbare Kinder. Nachdem sie Cholera-Epidemie in Band 1 gut überstanden ist, steht ...

Band 2 spielt deutlich nach Band 1. Es sind einige Jahre ins Land gezogen. Martha und Paul sind verheiratet und haben 3 wunderbare Kinder. Nachdem sie Cholera-Epidemie in Band 1 gut überstanden ist, steht nun der erste Weltkrieg vor der Tür.

Auch in diesem Band ist Martha, die Hafenschwester, natürlich die Hauptperson. Was mir an Martha richtig gut gefällt ist, dass die Autorin sie nicht unfehlbar gemacht hat. An der einen oder anderen Stelle legt sie Verhaltensweisen an den Tag, die mir nicht unbedingt gefallen habe, die sie aber menschlich machen. Martha ist ein authentischer Mensch mit Ecken und Kanten. Ihre schlechte Seite ist, aus meiner Sicht, die Überheblichkeit, die sie teilweise an den Tag legt. Nicht, dass sie sich wirklich über andere erhebt, aber sie strahlt manchmal aus, dass sie der Ansicht ist, dass sie am Besten weiß, was für die Menschen in ihrer Umgebung gut ist. So begegnet sie der Frau Ihres Bruders, Li-Ming, zunächst mit sehr viel Mißtrauen. Insgesamt ist Martha aber nach wie vor der Mensch, den wir aus dem ersten Band kennen. Unerschrocken setzt sie sich für die Belange der Schwächeren ein.

Der Schreibstil von Melanie Metzenthin ist, wie gewohnt, sehr bildhaft und mitreißend. Sie schilderte alle Orte und Situationen so, dass ich keinerlei Probleme hatte, sie mir vorzustellen. Ich wurde erneut förmlich in die Geschichte gezogen und wanderte mit Martha und ihren Lieben durch Hamburg.

Die Geschichte entwickelt sich stetig vorwärts und weist keine Längen auf. Es geht Schlag auf Schlag. Nach einer relativ sorglosen Zeit bei Milli in Amerika geht es mit raschen Schritten auf den ersten Weltkrieg zu. Auch Paul wird, sehr unerwartet, in den Krieg eingezogen und kommt mit schwersten Verletzungen wieder.

An der Figur von Paul ist es Melanie Metzenthin ausgesprochen gut gelungen, die Verzweiflung, aber auch die sich wieder anbahnende Hoffnung zu zeigen. Aufgrund der schwere der Verletzungen war ich gewillt, Paul zuzugestehen, aufzugeben. Sein Schicksal ist so hart, dass man das wirklich nur schwer verkraften kann. Hier zeigt sich aber auch, dass die Liebe einer Familie und von guten Freunden einen Menschen tragen kann.

Zunächst ist es Martha, die Moritz, der ebenso schwer gezeichnet, wie Paul, nur deutlich früher, aus dem Krieg heimgekehrt ist, etwas von ihrer Kraft abgeben muss. Und vielleicht gerade deswegen weil sie beide ein ähnliches Schicksal teilen, schafft Moritz es, Paul viel Kraft zu geben. Wer hätte das gedacht? Moritz, der sonst eher locker durchs Leben schlurfte, entwickelt sich zu einem tollen Mann. Ihn hat die Autorin eine großartige Entwicklung durchmachen lassen.

Spannend fand ich zu sehen, wie sich das politische Interesse und das Engagement von Martha und Paul weiterentwickeln. Im ersten Band noch sehr offensiv, wobei aber auch eher ungebunden und vor allem kinderlos, sind sie im zweiten Band auch weiterhin stark politisch interessiert. An der einen oder anderen Stelle erkennt man aber, dass die beiden auch hin und her gerissen sind, zwischen der Verantwortung für ihre Kinder und dem politischen Engagement. Wie weit kann man such engagieren, wenn man Repressalien befürchten muss, wenn man aber auch drei kleine Kinder zu versorgen hat? Dieser Spur geht die Autorin anhand von Paul und Martha nach.

Alles in allem kann ich euch auch den zweiten Band rum die Hafenschwester Martha Studt nur ans Herz legen. Ein gut recherchierter, wunderbar ausgearbeiteter Roman, der von mir volle 5 Sterne bekommt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.05.2021

Spannend

Die Hafenschwester (1)
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Melanie Metzenthin hat sich inzwischen zu meiner Lieblingsautorin im Bereich des historischen Romans entwickelt. Sie schreibt so lebhaft, dass ich die Figuren immer vor mir sehen kann und sie einfach ins ...

Melanie Metzenthin hat sich inzwischen zu meiner Lieblingsautorin im Bereich des historischen Romans entwickelt. Sie schreibt so lebhaft, dass ich die Figuren immer vor mir sehen kann und sie einfach ins Herz schließen muss. Dabei legt sie, auch wenn es sich um fiktive Figuren handelt, Wert auf eine authentische Darstellung der Zeit, in der ihre Figuren leben.

Die Geschichte um Martha spielt im historischen Hamburg, kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts. Hamburg ist von uns aus gesehen die nächste Großstadt und so fühlte ich mich dem Setting gleich noch ein bisschen mehr verbunden.

Zunächst geraten wir mit der noch sehr jungen Martha und ihrer Familie in die Zeit der Cholera. Schon hier zeigt sich, dass Martha bereit ist, anzupacken und für sich und ihre Lieben einzustehen und zu tun, was eben nötig ist. Sie eignet sich das notwendige Wissen über Hygiene an, um ihre Familie möglichst gut durch die Zeit zu bringen. Schwere Schicksalsschläge bleiben dabei nicht aus, dennoch macht sie immer weiter. Schnell muss die noch nicht einmal volljährige junge Frau ihre Familie ernähren.

Im Laufe der Geschichte entdeckte ich immer mehr Seiten an Martha, die mich einfach in ihren Bann gezogen haben. Sie kommt aus einer einfachen Arbeiterfamilie, war sich der Liebe ihrer Eltern aber immer bewusst. Oft ist das mehr, als alles Geld der Welt. Trotz der nicht vorhandenen Bildung bildet sich sie jederzeit weiter, spitzt die Ohren, lernt von gebildeteren Menschen, als sie es ist, wie z. B. die Arztfrau Wilhelmine Schlüter oder später der reichen Erbin Lida Heymann und bildet sich ihre Meinung. Ganz besonders imponiert hat mir, dass sie ihre Freunde, und ganz besonders ihre Freundin Milli, die sich als Prostituierte durchschlagen muss, nie vergisst. Auch als sie zu einer ehrbaren Krankenschwester ausgebildet ist, vergisst sie ihre Herkunft nicht und ist bereit, sich auch wenn es ihrem Ansehen schadet, sich für ihre Freunde einzusetzen. Ja, von Martha kann man sich definitiv eine Scheibe abschneiden.

Das Setting im Gängeviertel Hamburgs ist beeindruckend. Man sieht das Elend der Arbeiter, die teils 72 Stunden schuften müssen und dabei grausame Unfälle erleben, richtig vor sich. Als es zu einem Streik kommt musste ich richtig mitleiden und ich war entsetzt, wie wenig es die Reichen interessiert. Hauptsache der Profit stimmt. Ob dabei Menschen zu Schaden kommen ist völlig egal.

Eine Sache hat ganz besonders etwas in mir bewegt. Schon oft habe ich in den sozialen Netzwerken gelesen, dass es heute viele junge Menschen gibt, die schon eine 40 Stunden Woche zu viel finden. Ja, ich gestehe, dass ich auch von zeit zu Zeit mit meinen 41 Stunden die Woche hadere und gerne etwas weniger arbeiten würde. Die damaligen Menschen kämpften für einen 12 Stunden Tag, für eine Absicherung der Familie nach einem Arbeitsunfall. Die Männer haben unter schwersten Bedingungen teils 72 Stunden durchgearbeitet. Und uns sind schon 8 Stunden zu viel? Wir sind heute alle gut abgesichert. Wer aus welchem Grund auch immer nicht arbeitet/ nicht arbeiten kann, den fängt das soziale Netzwerk in unserem Land auf. Ich bin manchmal nicht sicher, ob wir noch die richtigen Relationen haben. Mir persönlich hat das auf jeden Fall Stoff zum Nachdenken gegeben.

Der Schreibstil von Melanie Metzenthin ist bildhaft und mitreißend. Genau wie bei den Leisen Helden konnte ich auch die Geschichte um die Hafenschwester nicht aus der Hand legen. Die Autorin schafft es so schnell, einem die Figuren ans Herz zu schreiben, dass man einfach nur wissen will, was sie erleben, wie es mit ihnen weiter geht.

Dabei kommen auch die Nebenfiguren, wie die bereits erwähnte Milli, Marthas Vater Karl, Marthas späterer Ehemann Paul Studt oder ihre Kolleginnen Susanne, Carola und Auguste nicht zu kurz. Sie alle sind so ausgestaltet, dass man sie vor sich sieht. Vor allem die hochnäsige Auguste bringt viel Würze in die Geschichte. Ihr hätte ich gerne mal so richtig die Leviten gelesen. Aber das erledigt Martha ja in ausreichendem Maße. Das Mädel hat wirklich keine Angst vor niemandem.

Also ich kann euch auch diese Reihe nur ans Herz legen. Band 2 ist bereits erschienen und Band 3 erscheint im Herbst. Von mir gibt es gerne 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere