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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2025

Höllisch gut

Luzifers Burnout
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Luzifer hat die Schnauze voll – nicht von der Menschheit, sondern vom eigenen Job. In Luzifers Burnout von Alex Flach schmeißt der Teufel höchstpersönlich hin, weil er merkt: Die Menschen kriegen das mit ...

Luzifer hat die Schnauze voll – nicht von der Menschheit, sondern vom eigenen Job. In Luzifers Burnout von Alex Flach schmeißt der Teufel höchstpersönlich hin, weil er merkt: Die Menschen kriegen das mit dem Bösesein auch ganz gut ohne ihn hin. Sabbatical statt Seelenqual.

Was klingt wie ein Satire-Slapstick mit Teufelshörnchen, entpuppt sich als cleverer Roman über Burnout, Machtspiele und moralische Grauzonen. Luzifer, müde vom Menschheitswahnsinn, stolpert durch eine Welt, die so durchgedreht ist, dass selbst er sich fragt, ob er überhaupt noch gebraucht wird. Statt Apokalypse gibt’s Chili bei Lillith und existenzielle Sinnfragen.

Flach rechnet mit allem ab, was uns lieb und scheinheilig ist: Gott als CEO mit PR-Strategie, der Himmel als Konzern mit Imagepflege, die Hölle als überraschend sympathische Behörde mit Herz. Und mittendrin ein Luzifer, der mehr Menschlichkeit zeigt als so mancher Heilige. Hier ist nichts schwarz oder weiß, gut oder böse – alles ist Grauzone, und das verdammt unterhaltsam.

Der Humor? Trocken, bissig, nie drüber. Die Gesellschaftskritik? Punktgenau, aber unaufdringlich. Die Fragen? Groß: Was bedeutet Moral, wenn keiner mehr nach ihr lebt? Wer zieht die Fäden im Hintergrund, und warum folgen wir ihnen blind?

Flach schreibt mit Tempo, Stil und Hirn. Zwischen höllischer Burnout-Beratung und göttlicher Imagekontrolle schleichen sich echte Emotionen ein – und man ertappt sich dabei, wie man mit Luzifer mitfühlt. Der Teufel ist hier nicht der Feind, sondern der Einzige, der noch kapitulieren kann.

Fazit: Eine höllisch gute Gesellschaftssatire mit Tiefgang, Witz und der ernst gemeinten Frage, ob der Himmel wirklich die bessere Adresse ist. Wer glaubt, Gut und Böse wären klar verteilt, sollte dieses Buch lesen. Ich wechsel dann mal die Seiten … Just saying.

9/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/07/08/die-satire-in-luzifers-burnout-humor-und-gesellschaftliche-kritik/

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Sehr emotional

Das Haus der Goldmanns. Drei Generationen. Ein Haus. Ein großes Geheimnis.
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Was passiert, wenn du in das Haus deiner Kindheit zurückkehrst – und plötzlich die Vergangenheit aufbricht? In „Das Haus der Goldmanns“ von Claudia Kaufmann passiert das Britta, eine Frau, die mit ihrer ...

Was passiert, wenn du in das Haus deiner Kindheit zurückkehrst – und plötzlich die Vergangenheit aufbricht? In „Das Haus der Goldmanns“ von Claudia Kaufmann passiert das Britta, eine Frau, die mit ihrer Mutter schon lange abgeschlossen hat. Die alte Villa in München, in der ihre Mutter Margit noch immer lebt, wirkt heruntergekommen. Britta will sie schnell ins Heim bringen, die Villa verkaufen. Doch dann macht die Mutter, gezeichnet von Alzheimer, seltsame Bemerkungen. Und aus Ablehnung wird Neugier.

Was steckt hinter diesem Haus, das nie verkauft werden durfte? Und was verheimlicht Margit seit Jahrzehnten?

Mit klarem Blick und emotionaler Tiefe entfaltet Claudia Kaufmann eine Geschichte über drei Generationen – und darüber, wie das Schweigen einer Familie mit den Gräueltaten der Nazi-Zeit verbunden ist. In Rückblenden erleben wir Elisabeth, Brittas Großmutter, die sich 1932 in ihren jüdischen Nachbarn verliebt und ein für sich tödliches Geheimnis hütet, während ihr Mann sich radikalisiert und der SA anschließt. Das Haus, einst Eigentum der jüdischen Familie Goldmann, wird zum Symbol für Mitläufertum, für geraubte Leben und für das Schweigen, das bis in die Gegenwart reicht.

Kaufmann erzählt ohne Pathos, aber mit großer Wucht. Was wie eine kalte Mutter-Tochter-Geschichte beginnt, entwickelt sich zu einem tief bewegenden Roman über Schuld, Wahrheit, Verdrängung und späte Versöhnung. Die historischen Szenen sind bedrückend real, die emotionale Entwicklung der Figuren glaubwürdig und aufwühlend.

Fazit: Ein Buch, das nicht loslässt. Kein leichter Stoff, aber ein wichtiger. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt – mit einer Geschichte, die unter die Haut geht und lange nachklingt.

10/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/07/06/das-haus-der-goldmanns-von-claudia-kaufmann-eine-bewegende-familiengeschichte/

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Toller Thriller

Der Riss
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Wer denkt, Science-Fiction sei nur was für „Nerds“, wird hier eines Besseren belehrt. Der Riss ist Sci-Fi, ja – aber einer von der klugen Sorte. Aktuelle Themen wie KI, Simulationstheorie und digitale ...

Wer denkt, Science-Fiction sei nur was für „Nerds“, wird hier eines Besseren belehrt. Der Riss ist Sci-Fi, ja – aber einer von der klugen Sorte. Aktuelle Themen wie KI, Simulationstheorie und digitale Kontrolle treffen auf einen Plot, der sich wie ein Thriller liest und dabei trotzdem Tiefgang hat.

Im Zentrum: Flynn Darkster, einer der besten Hacker der Welt. Er hackt das Pentagon (wie man das halt so macht), wird erwischt und bekommt statt Knast ein verlockendes Angebot von einer geheimen Organisation. Die will herausfinden, ob unsere Realität überhaupt real ist oder nur perfekt simuliert. Klingt erstmal nach Matrix? Ja, erinnert daran, aber Brandhorst macht was Eigenes draus.

Das Schöne: Man muss kein Technikprofi sein, um reinzukommen. Klar, es geht um Quantenkram, neuronale Netzwerke und Simulationstheorie, aber alles wird so erklärt, dass man folgen kann. Und falls es doch zu wild wird – hinten im Buch gibt’s ein Glossar, das wirklich hilft. Besonders gelungen: die Welt, in der das Ganze spielt. Ein Zukunftsszenario, das bitter real wirkt. Klimakatastrophen, Pandemien, Überwachung – fühlt sich fast schon nach Jetzt an. Wer Serien wie Black Mirror oder Devs feiert, wird hier vieles wiedererkennen.

Die Figuren? Reduziert auf das Wesentliche. Flynn ist ein starker Hauptprota, menschlich, zynisch, wütend: ein Typ, mit dem man gerne mitgeht. Und auch die Nebenfiguren funktionieren, ohne dass sich der Roman darin verliert. Sprache und Erzähltempo sind auf den Punkt. Klar, im Mittelteil gibt’s ein paar Strecken, die etwas kompakter hätten sein dürfen, aber insgesamt bleibt das Ding spannend und klug bis zum Ende.

Fazit: Der Riss ist keine leichte Kost, aber auch kein verkopftes Nerd-Buch. Es ist ein intelligenter, spannender Roman, der unterhält und gleichzeitig richtig gute Fragen stellt: Was ist real? Wer kontrolliert wen? Und wie frei sind wir eigentlich noch? Für alle, die mitdenken und mitfiebern wollen.

8/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/07/04/technologie-und-philosophie-in-der-riss-ein-thriller-von-brandhorst/

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Richtig stark

Shinwa. Stimmen der Nebelwälder
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Manchmal lohnt sich ein Blick über den literarischen Tellerrand. Bücher zur japanischen Kultur und Geschichte sind hier auf dem Blog eher nicht zu finden. Doch als mich der Autor gefragt hat, ob ich sein ...

Manchmal lohnt sich ein Blick über den literarischen Tellerrand. Bücher zur japanischen Kultur und Geschichte sind hier auf dem Blog eher nicht zu finden. Doch als mich der Autor gefragt hat, ob ich sein Buch lesen will, habe ich direkt zugestimmt. Und es hat sich mehr als gelohnt. Nach ein paar Startschwierigkeiten hat mich das Buch komplett gepackt. Und zwar so richtig.

Die Geschichte spielt im Japan des 18. Jahrhunderts – ein Land voller Machtspiele, Ungerechtigkeit und starrer Hierarchien. Mittendrin: Aoi, eine Bauerntochter mit dem Traum, Geschichten zu erzählen. Nur leider ist Bildung für Mädchen wie sie so gut wie verboten. Und genau da fängt das Ganze an, spannend zu werden. Gerhard erzählt von Aufbruch, Verlust, Mut, Verrat und der Kraft von Worten. Als ein Vulkan ausbricht und Aois Dorf zerstört, wird aus dem leisen Start ein echtes Drama. Harte Schicksalsschläge, kein Schönreden, brutale Kämpfe – aber alles glaubwürdig, tief und bewegend.

Und dann kommt Himari ins Spiel – eine abtrünnige Samurai mit komplizierter Vergangenheit. Zwischen ihr und Aoi entsteht eine Verbindung, die stark trägt. Die Freundschaft zwischen den beiden ist das emotionale Zentrum der Geschichte, beide tragen die Geschichte mühelos.

Das alte Japan wird von Gerhard unglaublich lebendig beschrieben. Man merkt, wie viel Liebe in den Text geflossen ist. Die Kämpfe sind brutal, aber gut geschrieben – keine Gewalt um der Gewalt willen, sondern punktgenau dosiert.

Trotz der knapp 500 Seiten gibt’s keine Längen. Nach dem etwas gemächlichen Einstieg bleibt das Tempo hoch, die Handlung dicht, und die Figuren entwickeln sich glaubhaft weiter. Und genau da liegt die Stärke des Buchs: Es fühlt sich echt an. Keine platten Figuren, sondern Menschen mit Ecken und Kanten.

Das Ende? Emotional, stimmig, stark. Kein übertriebenes Happy End, sondern ein Abschluss, der sitzt – und nachwirkt und definitiv Lust auf mehr macht.

Fazit: Shinwa ist mehr als ein historischer Roman. Es ist eine Geschichte über Hoffnung, Widerstand und die Macht, Dinge zu verändern – auch wenn alles dagegen spricht. Leseempfehlung!

10/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/07/01/shinwa-ein-epos-uber-freundschaft-und-mut-im-japan-des-18-jahrhunderts/

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Starker Roman

Master of his Universe
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Stell dir vor, du bist 14, es ist Sommer '89, die Welt gerät ins Wanken – und dir selbst droht das Internat. Willkommen in Bennis Leben.
In Master of his Universe von Finkenzonk geht’s um den ganz normalen ...

Stell dir vor, du bist 14, es ist Sommer '89, die Welt gerät ins Wanken – und dir selbst droht das Internat. Willkommen in Bennis Leben.
In Master of his Universe von Finkenzonk geht’s um den ganz normalen Wahnsinn des Erwachsenwerdens – mit abrasierten Augenbrauen, einem alten Baum als Rückzugsort und einem Familiengeheimnis, das alles infrage stellt.

Benni ist ein unsicherer Teenager mit viel zu vielen Fragen. Warum weicht seine Mutter aus, wenn es um die Vergangenheit geht? Was hat es mit dem Schlüssel auf sich, den sein Bruder wie einen Schatz bewacht? Und was bitte stimmt mit Achim nicht?

Zum Glück gibt’s Fortuna – ein wildes Mädchen, das Benni gehörig den Kopf verdreht – und Hartwig, einen grummeligen Rentner, der zur Vaterfigur wird. Gemeinsam mit ihnen kämpft Benni gegen das Internat, gegen Geheimnisse, gegen Achim (den neuen Freund seiner Mutter, der in irgendeiner zweifelhaften „Glaubensgemeinschaft“ ist) – und vor allem: gegen das Gefühl, nicht dazuzugehören.

Der Roman trifft diesen schmalen Grat zwischen Humor und Tiefe, Retro-Feeling und Ernst. Die 80er-Jahre-Vibes sind on point, ohne aufdringlich zu sein. Die Story? Komisch, berührend, ein bisschen schräg – aber immer echt. Hier und da gerät der Autor etwas in zu blumige Sprache, aber das geht meist klar, irgendwie macht das ja auch den Charme der Geschichte aus.

Fazit: Eine tolle Geschichte mit ganz viel Herz.

9/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/06/24/rezension-von-master-of-his-universe-ein-coming-of-age-roman/

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