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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.04.2025

Starker Abschluss

Das Gesetz der Zeit
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Mit Das Gesetz der Zeit – Die Revolution beendet Genevieve A. Königsberg ihre Dilogie. Die Geschichte setzt direkt an die Ereignisse aus Der Funke an und begleitet Protagonistin Sophia in einer dystopischen ...

Mit Das Gesetz der Zeit – Die Revolution beendet Genevieve A. Königsberg ihre Dilogie. Die Geschichte setzt direkt an die Ereignisse aus Der Funke an und begleitet Protagonistin Sophia in einer dystopischen Zukunft, die sie verhindern will – und zugleich lieben lernt. Dabei steht sie nicht nur zwischen Vergangenheit und Zukunft, sondern auch zwischen Loyalität und neuen Gefühlen für Rebellionsführer Mark.

Im Gegensatz zum ersten Band wirken die Charaktere hier spürbar lebendiger. Sophia ist als Figur nachvollziehbarer und emotional zugänglicher geworden, ihr innerer Konflikt glaubhaft inszeniert. Auch Mark gewinnt an Profil: vom sensiblen Jungen zur glaubwürdigen Führungspersönlichkeit mit Ecken und Kanten. Selbst Nebenfiguren sind nuancierter dargestellt – eine klare Entwicklung im Vergleich zum Vorgänger.

Die Handlung kommt schneller auf den Punkt, wirkt entschlackt und dadurch spannender. Längen, wie sie im ersten Band zu finden waren, wurden weitgehend vermieden. Der Schreibstil bleibt zugänglich, die Dialoge wirken natürlicher und authentischer. Besonders positiv fällt auf, dass die Romanze sich gut in die Geschichte einfügt, ohne sie zu dominieren.

Das Finale beantwortet die offenen Fragen stimmig und bietet einen logischen, emotionalen Abschluss der Dilogie. Nicht jede Wendung ist vorhersehbar, doch alles fühlt sich folgerichtig an – ohne das Gefühl, dass etwas fehlt.

Fazit: Die Revolution ist ein gelungener Abschluss, der vieles besser macht als sein Vorgänger. Zwar bleibt die Geschichte in manchen Punkten Genre-typisch, überzeugt aber durch gewachsene Figuren, eine klarere Struktur und ein rundes Ende.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Toller Auftakt

Ein Echo aus stählerner Zeit
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Ich mag es, wenn Krimis mehr sind als reine Unterhaltung – wenn sie neben Spannung auch historische Tiefe bieten und gesellschaftliche Fragen stellen. Genau das gelingt Ralf Lano mit seinem Buch „Ein Echo ...

Ich mag es, wenn Krimis mehr sind als reine Unterhaltung – wenn sie neben Spannung auch historische Tiefe bieten und gesellschaftliche Fragen stellen. Genau das gelingt Ralf Lano mit seinem Buch „Ein Echo aus stählerner Zeit“. In diesem Kriminalroman versetzt uns der Autor in die bedrückende Nachkriegszeit des Jahres 1946 in der Eifel. Als ein vermeintlicher Minenunfall passiert, vermutet der junge Schmied Karl Bermes einen Mord. Er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und stößt auf Geheimnisse, die tief in die Vergangenheit reichen.

Der Roman überzeugt besonders durch seine beklemmende Atmosphäre und ein authentisches Nachkriegsszenario. Die Eifel wird eindringlich dargestellt: Hunger, Not und das Misstrauen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen prägen den Alltag. Der Autor nutzt diesen Hintergrund perfekt für seine Geschichte und erschafft Figuren, deren Ängste und Hoffnungen glaubwürdig wirken. Karl Bermes ist dabei kein typischer Ermittler, sondern ein Mensch, der einfach nur Antworten sucht. Gerade diese Perspektive macht die Geschichte spannend und realistisch.

Die Stärke liegt auch in den gut ausgearbeiteten Nebenfiguren, die mit ihren Zweifeln und Ängsten die damalige Zeit eindringlich widerspiegeln. Dabei entwickelt sich ein Krimi, der sich vor allem um Schuld, Verantwortung und die Folgen von Kriegstraumata dreht.

Ralf Lano ist mit „Ein Echo aus stählerner Zeit“ ein intensiver Krimi gelungen, der mit einem ungewöhnlichen Protagonisten und eindrucksvoller historischer Atmosphäre punktet. Es ist eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt und gleichzeitig spannend erzählt ist. Eine klare Empfehlung für alle, die Krimis mit Tiefgang lieben.

Fazit: Für Fans von historischen Krimis, aber auch für Leser:innen, die nach einem etwas anderen Ermittler suchen, ist dieses Buch eine Empfehlung. Der Schreibstil ist eingängig, die Atmosphäre dicht, der Fall spannend.

10/10 – Ein gelungener Auftakt – bitte mehr davon!

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Man hat immer eine Wahl

Drahtseilakt
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Manche Geschichten brauchen keine 500 Seiten, um ihre volle Wirkung zu entfalten – „Drahtseilakt“ von Stefan S. Kassner ist der beste Beweis dafür. In dieser kurzen, aber sehr gelungenen Novelle spricht ...

Manche Geschichten brauchen keine 500 Seiten, um ihre volle Wirkung zu entfalten – „Drahtseilakt“ von Stefan S. Kassner ist der beste Beweis dafür. In dieser kurzen, aber sehr gelungenen Novelle spricht der Autor Themen wie Identität, Religion und Selbstbestimmung an. Alles in einer emotionalen Geschichte, die mich von der ersten Seite an gepackt hat. Besonders beeindruckt hat mich, wie universell Jonas’ Kampf um seinen eigenen Weg wirkt – es geht nicht nur um LGBTQ+-Themen, sondern um die Frage, wie viel wir für unser wahres Ich riskieren würden.

Jonas wächst in der abgeschotteten Glaubensgemeinschaft „Children of God“ auf, in der jedes Leben vorherbestimmt ist. Sein Übergang ins Erwachsenenleben wird durch ein rituelles Drahtseilgehen über eine Schlucht besiegelt – auf der anderen Seite wartet bereits seine zugewiesene Ehefrau. Doch Jonas weiß, dass er sich etwas vormacht. Er liebt Phil, nicht sie. Doch sein Herz steht im direkten Konflikt mit den strengen Regeln der Gemeinschaft. Seine Entscheidung: Sich anpassen oder sich befreien – und dafür vielleicht alles verlieren?

Stefan Kassner schafft es auf wenigen Seiten, eine dichte Atmosphäre aufzubauen und Jonas’ inneres Ringen mit einer Klarheit darzustellen, die unter die Haut geht. Jeder Satz sitzt und jedes Wort scheint sorgfältig ausgewählt. Die Novelle liest sich wie ein stiller Schrei nach Freiheit – ein Schrei, den bestimmt jeder von uns schon gehört hat.

Ohne zu viel zu verraten – „Drahtseilakt“ ist keine Coming-out-Geschichte mit rosarotem Happy End. Vielmehr zeigt die Geschichte, dass jeder Schritt in Richtung Selbstbestimmung Opfer fordert. Und sie geht anders aus, als erwartet. Aber sie macht auch klar: Die Wahl liegt immer bei uns.

Fazit: Ein literarisches Kleinod, das tief berührt und lange nachwirkt. Sie ist ein Plädoyer für Selbstbestimmung, für Mut und für die Freiheit, zu lieben, wen immer wir auch lieben.

10/10 – kurz, aber mit maximaler Wirkung.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Viel zu kurz

Der Nobiskrug
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Wolff Arvikas Buch ist eine wunderbar schräge Mischung aus Horror, schwarzem Humor und Dialogen, die so bissig sind, dass sie jede Horrorfilm-Klischee-Figur alt aussehen lassen. Ich wusste anfangs nicht ...

Wolff Arvikas Buch ist eine wunderbar schräge Mischung aus Horror, schwarzem Humor und Dialogen, die so bissig sind, dass sie jede Horrorfilm-Klischee-Figur alt aussehen lassen. Ich wusste anfangs nicht genau, was mich erwartet, aber nach wenigen Seiten war klar: Das ist nicht nur eine augenzwinkernde Hommage an das Genre, sondern auch ein verdammt unterhaltsames Abenteuer.

Die Geschichte folgt Elizabeth und ihrer besten Freundin Amelie, die eigentlich nur Elizabeths Freund Rehor aufspüren wollen – der verdächtig allein zum Wandern in die Berge aufgebrochen ist. Doch statt einer einfachen Suche landen sie in einem abgelegenen Gasthof, der nicht nur von düsteren Sagen umrankt ist, sondern auch die skurrilsten Gestalten beheimatet. Und dann wären da noch die Schreie aus dem Wald … ein Monster? Ein Mythos? Oder einfach nur ein schlechter Scherz?

Was dieses Buch besonders macht, ist die Mischung aus Horror und Humor. Statt klassischer Schockmomente gibt es absurde Situationen, in denen Elizabeth und Amelie mit einer Mischung aus Sarkasmus, Trotz und Wahnsinn auf die Bedrohung reagieren. Der Roman nimmt Horror-Klischees aufs Korn, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen – vielmehr fühlt es sich an, als hätten zwei kluge Frauen endlich genug von dummen Entscheidungen in Horrorfilmen und beschlossen, das Ganze auf ihre eigene Weise durchzustehen.

Der Schreibstil ist temporeich und voller Dialoge, die sich anfühlen, als würde man einem verdammt unterhaltsamen True-Crime-Podcast lauschen. Mein einziger Kritikpunkt? Es ist zu kurz! Nach 170 Seiten war ich noch nicht bereit, den Nobiskrug zu verlassen – die Welt und die Nebenfiguren hätten locker noch mehr Raum verdient.

Fazit: Wer Horror liebt, aber keine Lust auf bierernste Geschichten hat, sollte Der Nobiskrug unbedingt lesen. Es ist ein wilder, kluger und extrem unterhaltsamer Ritt durch Horrorfilm-Tropes – mit zwei großartigen Hauptfiguren, die sich nie so verhalten, wie man es erwarten würde.

9/10 – herrlich skurril und viel zu schnell vorbei.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Gelungen

Irgendwann die weite Welt
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Bücher über die eigene Jugend sind oft mehr als nur persönliche Erinnerungen – sie sind auch ein Stück Zeitgeschichte. „Irgendwann die weite Welt“ von Lutz van Dijk, erzählt nicht nur von einem Jungen, ...

Bücher über die eigene Jugend sind oft mehr als nur persönliche Erinnerungen – sie sind auch ein Stück Zeitgeschichte. „Irgendwann die weite Welt“ von Lutz van Dijk, erzählt nicht nur von einem Jungen, der nach seinem Platz in der Welt sucht, sondern auch von einer Gesellschaft, die queere Identität in den 60er-Jahren noch nicht kannte oder akzeptierte. Was mich an diesem Buch besonders bewegt hat, ist, wie authentisch und intensiv der Autor seine Erfahrungen in Westberlin schildert – voller Sehnsucht, Ausgrenzung und dem tiefen Wunsch nach Freiheit.

Die Geschichte folgt dem jungen Protagonisten, der in einer Nachkriegswelt aufwächst, in der seine Familie mit eigenen Traumata kämpft. Während seine Eltern sich in Streitereien verlieren und sein älterer Bruder distanziert bleibt, sehnt er sich nach Zugehörigkeit. Erste Freundschaften, erste Liebe, erste Unsicherheiten – und die wachsende Erkenntnis, dass er anders ist als die Norm es vorsieht. Doch Homosexualität ist in seiner Umgebung nicht nur ein Tabu, sondern ein Schimpfwort. Der Wunsch nach einem freieren Leben wächst, bis er mit achtzehn Jahren beschließt, nach New York zu fliehen, um endlich er selbst sein zu können.

Lutz van Dijks Schreibstil ist dabei so unkonventionell wie seine Geschichte. Die Sprache schwankt zwischen poetisch-reflektierten Passagen und einer sehr direkten, fast naiv-kindlichen Erzählweise. Das macht den Roman besonders authentisch, kann aber auch gewöhnungsbedürftig sein – manchmal fühlte es sich sprunghaft an, als würde der Autor zwischen seiner Vergangenheit und der erwachsenen Reflexion wechseln. Doch gerade diese Unmittelbarkeit sorgt dafür, dass man sich emotional schnell mit dem Protagonisten verbunden fühlt.

Fazit: Irgendwann die weite Welt ist eine bewegende, autobiografisch geprägte Geschichte über Selbstfindung, Identität und den Wunsch nach Freiheit. Der Roman fängt nicht nur die Stimmung einer vergangenen Zeit ein, sondern zeigt auch, wie universell die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt ist.

9/10 – kraftvolle Geschichte über Selbstfindung, Mut und den Wunsch nach einem besseren Leben. Sehr lesenswert.

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