Kraftvolle Stille
ëJehona Kicajs Debütroman „ë“ ist eines dieser seltenen Bücher, die mich noch lange beschäftigt haben. Die Geschichte der namenlosen Protagonistin, die unter massivem Zähneknirschen leidet, ist eine tiefgreifende ...
Jehona Kicajs Debütroman „ë“ ist eines dieser seltenen Bücher, die mich noch lange beschäftigt haben. Die Geschichte der namenlosen Protagonistin, die unter massivem Zähneknirschen leidet, ist eine tiefgreifende Metapher für die Last einer Sprache, die im Körper feststeckt.
Kicaj schreibt „stille“ und zugleich „sprachmächtige“ Prosa. Sie schafft es, das Unaussprechliche – die Traumata des Kosovokrieges und die Herausforderungen der Migration – in eine fast schon körperlich spürbare Form zu gießen.
Der Titel selbst steht für einen zentralen Buchstaben der albanischen Sprache. Das Buch zeigt eindrücklich, wie Identität und Heimat eng mit den Bewegungen des eigenen Kiefers und der Zunge verknüpft sind.
Trotz der schmerzhaften Themen wie Flucht und Identitätsverlust wirkt das Buch nie überladen. Es ist fragmentarisch, ruhig und gerade dadurch von einer großen Wucht.