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Veröffentlicht am 04.04.2018

Verirre dich nicht!

Pauls magische Reise
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Paul macht sich auf eine magische Reise durch verschiedene großformatige Labyrinthe, um am Ende bei Familie und Freunden anzukommen. Eine einfache Idee, die sowohl Kinder, als auch Erwachsene den richtigen ...

Paul macht sich auf eine magische Reise durch verschiedene großformatige Labyrinthe, um am Ende bei Familie und Freunden anzukommen. Eine einfache Idee, die sowohl Kinder, als auch Erwachsene den richtigen und manchmal verschlungenen Weg durch die Seiten suchen lässt.

Aleksandra Artymowska ist eine polnische Illustratorin, die bereits einige andere Bücher mit verschlungenen Labyrinthen illustriert hat. Neben "Pauls magische Reise" (Juni 2017) ist vor kurzem ein weiteres Buch als deutsche Ausgabe erschienen. "Mit 80 Rätseln um die Welt" (Februar 2018) beinhaltet nicht nur Labyrinthe, sondern auch Suchbilder.

Angetrieben durch einen heftigen Regen und die Sehnsucht nach seinen Lieben, macht Paul sich auf den Weg. Mal geht es unter die Erde, mal auf Bäume, Türme oder über Steine. Durch Rohre muss Paul laufen und auf Schiffchen den Weg über das Wasser finden. Dabei ist sein Weg nicht geradlinig, sondern verschlungen und manchmal auch gefährlich. Mal wird er in die Irre geleitet, aber am Ende findet er seinen Weg.

Worte findet man in diesem großformatigen Buch keine. Dafür aber zehn unterschiedliche Labyrinthe (jeweils auf einer Doppelseite abgebildet), durch welche der kleine Paul seinen Weg finden muss, um bei seiner Familie und seinen Freunden anzukommen. Das Buch ist hauptsächlich in Blau-, Grau- und Grüntönen gehalten. Die zehn Labyrinthe gleichen sich dabei aber dennoch nicht.
Dem Leser, oder vielleicht sollte man eher Sucher sagen, ist es kaum möglich, sich die Wege zu merken, so verwinkelt sind sie. Deshalb hat man nicht nur einmal an diesem Buch seine Freude, sondern kann es immer wieder neu entdecken.
Außerdem wird Paul von Papierfliegern und anderen Origami Faltfiguren begleitet, welche – wie sich am Ende herausstellt – von seiner Familie und seinen Freunden auf den Weg zu Ihm geschickt wurden. Als Paul seine abenteuerliche Reise überstanden hat, warten seine Lieben bereits bei schönem Wetter auf ihn und heißen ihn willkommen.

Dieses Buch basiert auf einer einfachen Idee, nämlich der Suche nach dem richtigen Weg durch verzwickte Labyrinthe. Kinder haben große Freude daran, diesen zu finden und somit haben sie für eine Weile auf jeden Fall großen Spaß an diesem Buch. Es stellt sich jedoch die Frage, wie oft das Buch in Zukunft durchgeblättert werden wird. Ob es seinen Reiz schnell verliert oder weiterhin die Neugierde des Kindes weckt. Ein schönes Buch mit toller Idee, welches die Kinder auch ohne die Hilfe eines Erwachsenen entdecken können.

Veröffentlicht am 29.03.2018

Als Jostein Gaarder Fan war ich ziemlich enttäuscht

Ein treuer Freund
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Mit "Sofies Welt" fing bei mir alles an. Ich wurde Fan von Jostein Gaarder und habe wohl so ziemlich alle seiner Bücher gelesen. Da freute ich mich, als ich von "Ein treuer Freund" erfuhr und es an meinem ...

Mit "Sofies Welt" fing bei mir alles an. Ich wurde Fan von Jostein Gaarder und habe wohl so ziemlich alle seiner Bücher gelesen. Da freute ich mich, als ich von "Ein treuer Freund" erfuhr und es an meinem Geburtstag geschenkt bekam. Leider enttäuschte mich das Buch recht schnell, die Handlung kam nur schleppend in Gang und die Wendung in der Geschichte überraschte mich und weckte bei mir ein eher befremdliches Gefühl.

Jostein Gaarder (geboren 1952 in Oslo) studierte Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaften. Nachdem er zunächst als Lehrer tätig war, konzentriert er sich inzwischen ganz auf das Schreiben. 1993 erschien "Sophies Welt" in deutscher Sprache. Sein Debüt wurde sofort zum Weltbestseller und seine darauf folgenden Romane wie "Der Geschichtenverkäufer", "Das Orangenmädchen" oder "Die Frau mit dem roten Tuch" waren ebenfalls sehr erfolgreich. Gaarders Werke haben einen philosophischen Hintergrund und richten sich oft auch an Kinder und Jugendliche.

In "Ein treuer Freund" erzählt Jostein Gaarder die Geschichte eines Außenseiters, der seinen Weg im Leben sucht. Jakob Jacobson heißt er. Er ist schüchtern und hat nur wenige Kontakte. Bis auf seinen Freund Pelle, der ihn bereits seit der Kindheit begleitet, lebt er eher einsam. Er war zwar verheiratet, doch die Ehe hielt nicht und so kommt es, dass Jakob fremde Beerdigungen besucht und damit versucht Anschluss zu finden. Als er Agnes kennenlernt, ist er sofort fasziniert und verliebt. Sie ist es, welche er seine Geschichte in einem Brief erzählt.

Wie bereits zu Beginn erwähnt, fiel mit der Einstieg in das Buch etwas schwer. Die Geschichte wirkte eher langatmig und ermüdend und wäre es nicht Jostein Gaarder, hätte ich das Buch vielleicht sogar zur Seite gelegt.
Bei wem es sich um Pelle dann genau handelt, überraschte mich und ich war mir zunächst nicht sicher, ob ich vielleicht doch etwas falsch verstanden habe. Damit habe ich absolut nicht gerechnet und der Gedanke daran befremdete mich schon sehr.
Die sprachwissenschaftlichen und etymologischen Ausflüge hingehend interessierten mich als Geisteswissenschaftlerin sehr und ich las sie mit Spannung. Da waren die Herkünfte der Vor- und Nachnamen (bei denen auch Gaarder – Seite 182 – und Jostein – Seite 194- nicht fehlten) erfrischend und interessant.

„Und warum bin ich dermaßen besessen von sprachlichen Verwandtschaftsbeziehungen? Die Antwort ist fast peinlich einfach: Ich selbst habe im Grunde keine Verwandtschaft vorzuweisen. Ich habe keine andere Großfamilie, mit der ich mich auseinandersetzen könnte, als die indogermanische Sprachfamilie.“ (Seite 183)

Jakob, der Hauptprotagonist des Werkes, ist ein einsamer Mensch, der nie eine richtige Familie hatte und somit auf den Beerdigungen fremder Menschen versucht, Kontakte zu knüpfen und ein Stück weit dazu gehören zu können. Das stimmt den Leser doch sehr traurig und nachdenklich. Jakob lebt in seinen eigenen erfundenen Geschichten, nimmt an dem tatsächlichen Leben dabei nicht mehr Teil. Ob er sich am Ende wirklich selbst gefunden hat, kann ich nicht sagen. Das Ende lässt einen eher traurig zurück.

"Ein treuer Freund" ist in gewissem Sinne schon ein typischer Gaarder Roman, jedoch überzeugt er nicht mal ansatzweise, wie seine bisher erschienenen Romane. Die Idee der Geschichte ist prinzipiell wirklich gut, was daraus aber gemacht wurde, erreichte mich leider nicht wirklich.

Veröffentlicht am 19.03.2018

Wie wohl ein Kuss gemalt wird?

Welche Farbe hat ein Kuss?
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Nachdem ich mich bereits auf die Spuren der "Farbe des Glücks" begeben habe, musste ich unbedingt wissen, welche Farbe ein Kuss wohl hat. Also begab ich mich auf eine Reise durch Minimias Phantasie. Das ...

Nachdem ich mich bereits auf die Spuren der "Farbe des Glücks" begeben habe, musste ich unbedingt wissen, welche Farbe ein Kuss wohl hat. Also begab ich mich auf eine Reise durch Minimias Phantasie. Das Mädchen möchte einen Kuss malen und fragt sie, welche Farbe dieser wohl haben müsste. Rot, grün, gelb? Aber diese Farben haben alle auch etwas Negatives an sich. Wie sieht ein Kuss also aus?

Rocio Bonilla (geboren 1970 in Barcelona) ist Illustratorin und Autorin vieler Kinderbücher. Sie studierte Kunst an der Universität Barcelona und arbeitete vor ihrer schriftstellerischen Laufbahn als Malerin, Fotografin und Pädagogin sowie in der Werbebranche. 2010 erschien ihr erstes Kinderbuch, angeregt durch ihre eigene Tochter.

Minimia ist ein kreatives Mädchen, sie malt gerne und kümmert sich aufopferungsvoll um die Pflanzen auf dem Balkon. Eines Tages stellt sie sich die Frage, welche Farbe ein Kuss wohl hat, wenn sie ihn malen würde. Über das Ausschlussverfahren versucht sie, eine Antwort zu bekommen. Doch das ist gar nicht so leicht, denn viele Farben verbindet sie auch mit weniger schönen Dingen, wie Wut, Monster, Traurigkeit oder Bienen.

Der Einstieg in die Geschichte ist äußerst gut gelungen, denn zunächst stellt sich Mia, auch genannt Minimia, vor und erzählt, was sie so gerne macht. So bekommt der Leser direkt einen Bezug zu dem kleinen Mädchen, welches sich dann auf die Suche nach der richtigen Farbe eines Kusses macht. Dabei überlegt sie, was die einzelnen Farben für sie bedeuten und ihre Phantasie blüht gewaltig. So flieht sie vor einem Bienenschwarm (gelb), umrundet hier und da Hundehaufen (braun), stellt sich vor, wie es ist, wenn sie wütend ist (rot) oder friert im kalten Schnee (weiß).
Die Illustrationen sind hier genauso phantasievoll wie die Ideen der kleinen Mia. So muss man zwischendurch das Buch drehen, weil ein großes Bild von Mia, wie sie mit Elefant, Nilpferd, Nashorn und Schaf turnt, abgebildet ist und hierfür benötigt Rocio Bonilla die Doppelseite im Hochformat (das Buch ist ansonsten im Querformat gestaltet). Am Buchdeckel befindet sich genau diese Zeichnung nochmals in groß als Beilage als Messlatte, sodass die Kinder sich diese an die Wand hängen und immer wieder sehen können, wie groß sie schon geworden sind.
Am Ende geht Mia zu ihrer Mutter und stellt ihr die Frage, die sie so lange schon beschäftigt. Aber auch die Leser werden aufgefordert ihre eigene Vorstellung vom Kuss auf Papier zu malen, hierfür sind zwei Seiten extra für sie reserviert.

Das Buch hat mir und meinen Kindern sehr gut gefallen. Sie waren gebannt und wollten unbedingt wissen, wie nun ein Kuss wohl aussehen mag. Die Auflösung finde ich schön und sie erinnerte mich ein wenig an "Die Farbe des Glücks". Denn ob ein Kuss oder das Glück, für jeden sehen diese Dinge anders aus, denn sie sind besonders und einzigartig.

Veröffentlicht am 09.03.2018

Die Rettung der Geschichten vor einem bösen Magier

Der Magier aus dem Finsterwald
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Leo Pinkertons Buch "Der Magier aus dem Finsterwald" fiel mir auf der BuchBerlin 2017 in die Hände. Die Geschichte eines Jungen, der in die Erzählungen aus seinen Büchern eintaucht, um die gestohlenen ...

Leo Pinkertons Buch "Der Magier aus dem Finsterwald" fiel mir auf der BuchBerlin 2017 in die Hände. Die Geschichte eines Jungen, der in die Erzählungen aus seinen Büchern eintaucht, um die gestohlenen Wörter aus den Fängen eines bösen Magiers zu befreien, klang vielversprechend. Auch die Liste altbekannter Protagonisten wie Jim Knopf, Peter Pan, Winnetou oder Schneewittchen weckte mein Interesse.

Leo Pinkerton (1958-2017) war seit 2009 selbständige Autorin, Malerin und Lettristin. Leo Pinkerton ist ein Künstlername. Der Umgang mit Worten war ihr immer sehr wichtig, sie brachte so ihre eigenen Erfahrungen zum Ausdruck. Am 11. Mai 2017 verstarb sie nach einer lange und schweren Krankheit.

Edgar und seine Eltern erben die umfangreiche Bibliothek des Großvaters. Nachdem sie ihre Wohnung umgeräumt haben, um die zahlreichen Bücher neben der eigenen umfangreichen Buchsammlung unterzubringen, beginnt Edgar in den Kinderbüchern seines Großvaters zu lesen. Doch er muss feststellen, dass auf einigen Seiten die Worte verschwunden sind. Unversehens befindet sich Edgar mitten in den Geschichten und muss gegen den Magier aus dem Finsterwald antreten, um die Worte, die dieser gestohlen hat, zu befreien.

Ich hatte mir leider etwas ganz anderes von diesem Buch erwartet. Ich dachte Edgar wird mitten in die Geschichten, von denen im Anhang eine Liste abgedruckt ist, hineingeworfen und lernt dort vielleicht die ein oder andere Figur aus altbekannten Märchen und Erzählungen kennen. Dem war aber nicht so, es wurde lediglich der ein oder andere Titel eines bekannten Werkes genannt, alles in allem erscheinen aber keine bekannten Protagonisten. Das enttäuschte mich ziemlich.
Meine Tochter, die da unvoreingenommener heran gegangen ist, fand die Geschichte unterhaltsam, hat aber auch nicht so mitgefiebert, wie man es von anderen Büchern bei ihr kennt.
Das Ende der Geschichte ist dann auch ziemlich knapp geraten, ist relativ leicht und somit unspektakulär. Außerdem bleiben einige Fragen bis zum Ende hin unbeantwortet. Wer sind Flora und Namor nun eigentlich genau? Edgar beschwerte sich im Laufe der Geschichte oftmals, dass er seine Fragen nicht beantwortet bekommt. So fühlt sich der Leser dann leider am Ende der Geschichte auch.
Gefallen hat mir die Liste schwieriger Wörter am Ende des Buches. Hier erfährt der junge Leser, was beispielsweise ein Gendarm, ein Testament oder ein Chapeau Claque ist.
Auch die Auflistung der Bücher aus Edgars Bücherregal ist schön, da sie den Leser zu neuer Literatur anregen. Allerdings kommt der Leser im Laufe der Geschichte eben leider nicht mit bekannten Protagonisten oder Geschichten in Kontakt.

"Der Magier aus dem Finsterwald" ist ein unterhaltsames Buch mit schönen, eher altmodischen Illustrationen. Es konnte mich leider nicht wirklich überzeugen, da die Handlung seicht und das Ende relativ spannungslos ist, dabei bleiben viele Fragen unbeantwortet.

Veröffentlicht am 07.03.2018

Eine humorvolle und romantische Geschichte

Jetzt oder Nils
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Vor einer Weile habe ich "Jetzt oder Nils" als Mängelexemplar in eine, Krabbeltisch entdeckt und mich sehr gefreut, denn ich hatte das Buch schon auf meiner To-Read-Liste vermerkt. Der Klappentext klang ...

Vor einer Weile habe ich "Jetzt oder Nils" als Mängelexemplar in eine, Krabbeltisch entdeckt und mich sehr gefreut, denn ich hatte das Buch schon auf meiner To-Read-Liste vermerkt. Der Klappentext klang einfach vielversprechend. Eine etwas schusselige Frau und ein reicher Mann mit Problemen treffen aufeinander. Es folgt ein kunterbuntes Chaos mit Humor und Romantik, welchem der Leser beiwohnen darf.

Nikola Hotel ( geboren 1978 in Bonn) begann bereits als Schülerin Kurzgeschichten zu schreiben. Heute ist sie freie Autorin und lebt mit ihrem Mann und den drei Söhnen in Hennef. Im Aufbau ist inzwischen auch ihr zweiter Roman "Für immer und Emil" (2016) erschienen.

Emma hat einen zimelich peinlichen Job in einem Blumengeschäft. Neben dem normalen Verkauf muss sie Blumen und Grußbotschaften, oftmals in urkomischen Kostümen, überbringen. So lern sie auch den Journalisten Nils kennen, der eine ziemlich gemeine Botschaft überbracht bekommt. Emma glaubt, dass Nils durch sein Karriereaus am Boden zerstört ist und sich das Leben nehmen möchte und setzt alles daran, ihm zu helfen.

Es handelt sich hierbei um eine unheimlich komisch erzählte Geschichte, die mich mehrmals zum Lachen gebracht hat. Ich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen und habe es innerhalb eines Tages durchgeschmökert. Am Ende fügt sich natürlich alles harmonisch zusammen. Einziger Kritikpunkt, das ende kam sehr schnell und hätte durchaus etwas ausführlicher ausfallen können.
Die Sprache ist gut verständlich. Einfach, klar und deutlich bringt die Autorin die Geschichte zu Papier, ohne mit hochtrabender Sprache punkten zu wollen, das gefällt mir gut.

Bei "Jetzt oder Nils" handelt es sich um kurzweilige Unterhaltungsliteratur, die ich mir gerne zwischendurch zu Gemüte führe, einfach um etwas schönes zu lesen. Den zweiten Roman von Nikola Hotel werde ich bestimmt auch irgendwann einmal mit Freude lesen.