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Veröffentlicht am 10.11.2017

Fremdenfeindlichkeit, ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit.

Anschlag von rechts
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Die Flüchtlingskrise ist ein Thema, welches uns alle betrifft. Es gibt Menschen, die empfinden Angst vor den vielen Asylsuchenden, die ins Land kommen, andere empfinden sogar Hass auf alles Fremde. In ...

Die Flüchtlingskrise ist ein Thema, welches uns alle betrifft. Es gibt Menschen, die empfinden Angst vor den vielen Asylsuchenden, die ins Land kommen, andere empfinden sogar Hass auf alles Fremde. In der Vergangenheit gab es viele Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Reiner Engelmann hat in seinem Buch „Anschlag von rechts“ versucht die Hintergründe näher zu beleuchten. Was treibt einen Menschen dazu an, solch eine Tat zu vollziehen und dabei in Kauf zu nehmen, dass Flüchtlinge, die dachten sie seien hier unter uns nun endlich in Sicherheit, wieder in große Angst um ihr Leben versetzt werden. Ein Buch, welches unbedingt im Schulunterricht zum Einsatz kommen sollte.

Reiner Engelmann (geboren 1952) studierte Sozialpädagogik und machte sich in den Bereichen der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung stark. Außerdem organisierte er für Schüler aber auch für Erwachsene regelmäßige Ausflüge nach Auschwitz. Er ist Autor von Anthologien und Büchern zu gesellschaftlichen Brennpunktthemen.

„Die nationalsozialistische Vergangenheit ist in den Köpfen vieler Menschen Gegenwart.“ (Seite 159)

Dieses Buch beschreibt eine wahre Begebenheit. Es handelt von einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim, welches durch drei Täter begangen wurde. Der Autor beleuchtet zunächst einige Geschichten von Asylbewerbern aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe. Dann beschäftigt er sich mit der Tat an sich, der Untersuchung des Falls und dessen Urteils.

Man könnte meinen, dass bei solch einem Buch die Opfer, also die Asylbewerber, im Vordergrund stehen. Dem ist aber nicht so. Sicherlich beschreibt der Autor die verschiedenen Wege, die diese auf sich genommen haben, um das rettende Land, nämlich Deutschland, zu erreichen. Auch erzählt er, wieso sie aus dem einem oder dem anderen Land fliehen mussten. Allerdings schlägt Herr Engelmann hier einen eher sachlichen, nüchternen und knappen Ton an. Er macht klar, was die Flüchtlinge durchmachen mussten, welche schlimmen Schicksale sie zu uns gebracht haben.
Im zweiten Teil des Buches beleuchtete Engelmann, soweit möglich, die Hintergründe des Brandanschlags und die Vergangenheit der Täter. Hier stellte sich mir oftmals die Frage, ob man wirklich so naiv, unwissend und manchmal auch dumm sein kann. Und es wird deutlich, dass die rechtsextreme Bewegung genau solche unwissenden Menschen, Menschen die sich von der Gesellschaft nicht angenommen fühlen, rekrutiert. Sozialschwache Klassen scheinen leichte Beute zu sein. Viele von ihnen hinterfragen nicht, sie sind einfach Mitläufer. Andere sind mit ihrer Lebenssituation unzufrieden und suchen die Schuld bei anderen, anstatt bei sich selbst.
Interessiert hätte mich hier auch das Alter der Täter. Sind sie noch jung und somit unbedarft und unerfahren, oder haben sie bereits ein Alter erreichen, in welchem sie es eigentlich besser wissen müssten?
Auch die Mütter der Täter kommen zu Wort. Ganz deutlich wird hier, dass sie gesehen haben, wie die eigenen Kinder auf die schiefe Bahn geraten. Sie waren der Sache aber nicht gewachsen, wussten nicht, wie sie sich durchsetzen sollten oder schätzten die Situation nicht richtig ein. Sie sehen ihre Kinder immer in einem anderen Licht, wollen sie beschützen und sehen nur die guten Seiten in ihnen, aber nicht die schlechten oder gar gefährlichen.

„Im Bewusstsein dessen müssen wir die Ängste und Sorgen der Menschen ernst nehmen und dafür brauchen wir Aufklärung, Bildung und vor allem Geduld. Etwas, das sich über Jahre hin entwickelt hat, lässt sich nicht von heute auf morgen umkehren. Aber wir sollten besser heute als morgen damit beginnen.“ (Seite 159)

Im Anhang fasst der Autor die aktuelle Situation nochmals kurz aber präzise zusammen. Wie viele (oder wenige) Menschen kommen tatsächlich in unser Land? Wie viele davon sind Kinder? Welche Anzeichen von Rechtsextremismus sind in Kleidung, Musik oder Symbolik zu finden?

Das Buch war schnell gelesen und besonders der Anhang war sehr interessant. Es ist sicherlich eine gute Lektüre für den Schulunterricht, auch um den Schülern die Angst vor dem Fremden zu nehmen und ihnen klar zu machen, dass die Flüchtlinge nicht freiwillig ihre Heimat verlassen, sondern dazu gedrängt werden. Denn es hieß Leben oder Sterben. Natürlich entscheidet man sich dann für das Leben, vor allem wenn die eigenen Kinder in Gefahr geraten. Doch auch der Weg in die Sicherheit ist lebensgefährlich.
Das Buch ist sehr faktisch und wenig emotional, aber das ist wichtig, da es nicht vorschnell verurteilt, sondern die Hintergründe aufdeckt ohne dabei zu verharmlosen. Das gesprochene Urteil des Richters macht nochmals deutlich, dass dieser Brandanschlag (zum Glück ohne Opfer) keine Lappalie ist, sondern bereits traumatisierte Menschen in tiefe Angst versetzt hat.
Ein Buch, welches auffordert über die eigenen Gedanken zu reden. Reiner Engelmann nimmt klar Stellung gegen Hass und Gewalt, er sieht Flüchtlinge, die Hilfe suchen, als eine Bereicherung für unsere Gesellschaft an.

„im Jahr 2015 (waren) insgesamt 65,3 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. […] Rechnet man das auf die Tage eines Jahres um, so machten sich täglich 34.000 Menschen auf die Flucht. Gut die Hälfte von ihnen waren Kinder. […] nur ein geringer Teil (davon erreichte) die Europäische Union, nämlich 14 Prozent.“ (Seite 163)

Veröffentlicht am 07.11.2017

Am Ende steht die Umarmung!

Der kleine Bauchweh
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Corinna Leibig (geboren 1981) studierte Kommunikationsdesign und ist Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche. Sie arbeitete in einem Hospiz und unterstützt mit ihrem Projekt „kreativ macht stark!“ ...

Corinna Leibig (geboren 1981) studierte Kommunikationsdesign und ist Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche. Sie arbeitete in einem Hospiz und unterstützt mit ihrem Projekt „kreativ macht stark!“ Kinder und Jugendliche, die Hilfe brauchen.

Der kleine Bauchweh sitzt zu Hause in seiner Höhle mit schlimmen Bauchschmerzen. Er fragt sich, woher die Bauchschmerzen nur kommen mögen. Hat er zu viel gegessen? Hat er Schmetterlinge im Bauch? Hat er einen Magen-Darm-Virus? Ist er zu viel Achterbahn gefahren? Oder liegt es vielleicht daran, dass er so wütend auf den großen Bauchweh ist?

Die Ideen, die der kleine Bauchweh hat, woher die Schmerzen kommen können, sind passend ausgewählt. Auf quietsch bunten Seiten, mit einer dominanten Farbe je nach Lösungsmöglichkeit spricht dieses Buch auch schon kleinere Kinder an. Die Bilder sind dabei einfach gehalten, sodass sie nicht vom Thema ablenken. Der Text ist minimalistisch, dabei aber visualisiert dargestellt. Wie immer findet sich im Anhang ein kleiner Ratgeber für den Erwachsenen Leser, in welchem Ratsuchende Hilfestellungen erhalten, indem die kindliche Seele näher erklärt wird. Sehr gut finde ich auch die letzte Seite „Wenn nichts hilft“, hier bekommt der Leser konkrete Informationen bezüglich einer Beratungsstelle.

Dieses Buch kann eine große Hilfe sein, wenn das eigene Kind regelmäßig über Bauchschmerzen klagt. Es bildet eine Brücke, durch welche Kind und Erwachsener sich auf neutralem Boden begegnen und gemeinsam überlegen können, wo denn die Bauchschmerzen her kommen.

Veröffentlicht am 07.11.2017

Am Ende steht die Umarmung!

Pau und die Wut
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Olliver Merbeth-Brandtner (geboren 1979) arbeitet seit mehreren Jahren als Erzieher im Kindergarten und hat selbst zwei Kinder. Nach dem Tod seines dritten Kindes schrieb und zeichnete er Pau und die Wut. ...

Olliver Merbeth-Brandtner (geboren 1979) arbeitet seit mehreren Jahren als Erzieher im Kindergarten und hat selbst zwei Kinder. Nach dem Tod seines dritten Kindes schrieb und zeichnete er Pau und die Wut. In dem Buch geht es zwar nicht um Trauer, jedoch kann auch Wut ein Ausdruck von Verlustängsten sein.

Pau ist ein kleiner Junge von 3 Jahren. Wenn er wütend ist, kann er sich verwandeln. Er wird zum Löwen. Außerdem schreit er dann und knallt Türen. Das finden die anderen natürlich nicht schön, das ist Pau aber in dem Moment egal. Die Wut muss raus, mit aller Macht.

Die Bilder dieses Buches schreien die Emotionen von Pau regelrecht heraus. Sie werden von Seite zu Seite farbintensiver und transportieren die Wut des kleinen Protagonisten so, dass jeder sie versteht. Sie wird geradezu greifbar. Auch der Texte macht deutlich, wie die Wut in dem kleinen Pau brodelt und raus will. So sammeln sich im Lauf der Erzählung immer mehr Wort auf den Seiten an, die ausgesprochen werden müssen. Auch sie müssen raus. Raus, damit Pau es wieder gut geht, raus wie die Wut im Bauch, die einfach nicht gut tut.
Besonders gut finde ich das Ende. Der kindliche Leser wird durch eigens zu gestaltende Wutseiten einbezogen. So kann das Kind Fragen beantworten wie: Wie sieht deine Wut aus? Welche Farbe hat sie? Welches Tier ist sie? Was macht dich wütend? Wie kann man dir helfen?
Im Anhang findet sich wie immer ein Ratgeber für Erwachsene, in welchem das Thema Wut genauer beleuchtet wird. Woher kommt die Wut? Welchen Zweck erfüllt sie? Wie kann ich als Erwachsener reagieren? Wieso ist es so wichtig, dem Kind Zeit, Abstand und Ruhe zu geben?

Pau und die Wut ist ein gelungenes Kinderbuch, welches dem kindlichen Leser zeigt, dass es ganz normal ist, Wut zu empfinden. Und welches dem erwachsenen Leser vermittelt, dass die Kinder gar nicht böse oder widerspenstig sein wollen, sondern dass sie einfach noch lernen müssen, mit ihrer Wut umzugehen. Die Versöhnung am Ende ist auch ganz wichtig, um wieder geerdet zu sein.
Wut ist ein mächtiges Gefühl. Ein Gefühl, welches Raum und Zeit braucht. Es darf nicht unterdrückt werden, sondern muss sich entladen dürfen.

Veröffentlicht am 04.11.2017

Ein Debütroman mit Potenzial für mehr.

Die Unbeseelten
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Der New Belvedere Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar von "Die Unbeseelten" zur Verfügung gestellt. Außerdem war es mir möglich in direkten Kontakt mit dem Autor zu treten. Das war eine spannende Erfahrung.

Ümit ...

Der New Belvedere Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar von "Die Unbeseelten" zur Verfügung gestellt. Außerdem war es mir möglich in direkten Kontakt mit dem Autor zu treten. Das war eine spannende Erfahrung.

Ümit Bedri Hoşer (geboren 1977 in Izmir / Türkei) wuchs in Istanbul auf. 2001 zog er nach Berlin und setzte dort sein Studium der Informatik fort. "Die Unbeseelten" ist sein Debüt Roman, welcher am 1. September nach längerer Wartezeit erschien. Auf seiner Webseite gibt es weitere Informationen rund um das Buch.

Mit Lee-Annas 16. Geburtstag ändert sich ihr Leben vollends. Sie entwickelt außergewöhnliche Fähigkeiten und erfährt, dass sie eine Unbeseelte ist. Viele Fragen stellen sich ihr, auf die sie nicht sofort eine Antwort erhält. Durch ihre eigene Unwissenheit bringt sie sich in große Gefahr.

Der Prolog führt gleich in die mystische Stimmung des Buches ein. Stück für Stück fügen sich im Verlauf der Geschichte die verschiedenen Erzählstränge zu einem großen Ganzen zusammen. Die vielen ungewöhnlichen Namen (Doppelnamen, Abkürzungen der Namen) machen es dem Leser anfangs etwas schwer, den einzelnen Protagonisten zu folgen.
Der Autor legt großen Wert auf detailreiche Schilderungen, so werden die einzelnen Schauplätze äußerst genau beschrieben. Im Vergleich dazu bleiben die Emotionen der Protagonisten eher knapp dargestellt und die Charaktere somit teilweise fern und fremd.
Das Cover des Buches ist hübsch und mystisch, es steht dabei in keinem Zusammenhang mit dem Inhalt. Beim Lesen kam mir die Idee, dass es vielleicht passend gewesen wäre, die oft erwähnten Zeichnungen der Protagonistin Lee-Anna auf dem Cover zu verarbeiten.
Leider sind in dem Buch über 80 Fehler (von stilistischen Dingen einmal abgesehen) auf gut 300 Seiten zu finden, welche den Lesefluss behinderten.

Gegen Ende nimmt die Geschichte Fahrt auf und der Leser wird mitgerissen. Besonders die Kriegsschilderungen des Veterans John haben mir gefallen. Über ihn würde ich gerne noch mehr erfahren. Die Welt der Unbeseelten bietet großes Potenzial, welches nicht in Gänze ausgeschöpft wurde.

Veröffentlicht am 01.11.2017

Ein kurzweiliger Elternratgeber.

Mut zur Lücke, liebe Eltern!
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Wer kennt ihn nicht, den Stress den Eltern ertragen, um ihren Kindern den Himmel auf Erden zu ermöglichen. Aber ist das immer der richtige Weg? Ist weniger manchmal vielleicht mehr? Silia Wiebe ruft dazu ...

Wer kennt ihn nicht, den Stress den Eltern ertragen, um ihren Kindern den Himmel auf Erden zu ermöglichen. Aber ist das immer der richtige Weg? Ist weniger manchmal vielleicht mehr? Silia Wiebe ruft dazu auf, nicht immer alles perfekt machen zu wollen und beschreibt anhand kleiner Anekdoten, wie sich Eltern ihr Leben vereinfachen können. Zur Abwechslung ein leichter Elternratgeber ohne aufwändige wissenschaftliche Details.

Silia Wiebe (geboren 1977), ist sowohl Journalistin als auch Dozentin an der Akademie für Publizistik in Hamburg. Sie ist Mutter eines Sohnes und Ehefrau eines Kinderarztes. Auch sie hat versucht die perfekte Mutter zu sein, sich nach einigen stressigen Situationen aber entschieden, ein paar Gänge herunter zu fahren und mit weniger Stress ein entspannteres Leben zu haben.

In ihrem Buch Mut zur Lücke, liebe Eltern! widmet sich die Autorin einigen Alltagssituationen von Eltern, insbesondere Müttern und ermuntert diese, nicht immer auf Hochleistung zu fahren, sondern auch einmal fünf gerade sein zu lassen und damit mehr für sich und die Familie zu erreichen, als man es wohl denken mag.

Der Einstieg ins Buch fällt leicht und es lässt sich schnell und flüssig lesen, wird aber im Verlauf der Kapitel etwas schwächer. Besonders gut haben mir die „Sätze für die Tonne“ und die Rubrik „make it easy“, die jedem Kapitel folgen, gefallen.
Silia Wiebe schlägt einen lockeren und leichten Ton an. Sie gibt viele Tipps und fügt einige Links, Adressen etc. an, die leider nicht mehr alle aktuell sind. Das Buch ist eher ein Mutmacher, als ein kleiner Helfer und die Autorin geht teilweise recht pessimistisch an das Thema Elternschaft heran. Das fand ich etwas schade, denn das Leben als Mutter ist nicht nur stressig und Nerven aufreibend, es ist durchaus auch schön und auch wenn man stressige Momente hat, so erfreut man sich hinterher auch an den Resultaten.
Die Kapitel sind abwechslungsreich gestaltet, alltägliche Beispiele wechseln mit Interviews und Anekdoten ab. So ist das Buch recht kurzweilig, nicht extrem wissenschaftlich, dadurch vielleicht etwas oberflächlich. Die zentrale These des Buches ist die, dass man nicht immer und überall perfekt sein kann und muss, sondern sein Leben genießen soll.

Bei dem Ratgeber Mut zur Lücke, liebe Eltern! handelt es sich um leichte Unterhaltungsliteratur, die abwechslungsreich gestaltet ist und den Leser mir einem guten Gefühl zurück lässt. Es richtet sich eher an Frauen, als an Männer, was ich etwas schade finde. Die Anforderungen die an Frauen und Mütter durch die Gesellschaft gestellt werden, werden gut dargestellt und regen den Leser zum Nachdenken an.