Verschroben lustiges neues Ermittlerduo
Tee, Tod und die versiegelte TürWährend 1910 der Halleysche Komet über Cornwall zu sehen ist, geschieht im Herrenhaus ein Mord. Gemeinsam mit Miss Decima, der Tante des Opfers, versucht der neue Hausdiener Stephen, seine Unschuld zu ...
Während 1910 der Halleysche Komet über Cornwall zu sehen ist, geschieht im Herrenhaus ein Mord. Gemeinsam mit Miss Decima, der Tante des Opfers, versucht der neue Hausdiener Stephen, seine Unschuld zu beweisen.
Das Setting in einem alten Herrenhaus auf einer Insel, die teilweise wegen des Wetters von der Außenwelt abgeschnitten ist, ist sehr gut gewählt und stimmig. Den Rahmen der Handlung bildet das Auftauchen des Halleyschen Kometen am Himmel über England. Dieser Komet ist auch der rote Faden und das Thema von Zeitungsartikeln, die immer wieder zwischen den Kapiteln abgedruckt werden. Durch diese authentischen Texte wird man ins Jahr 1910 katapultiert. Der Autor erzeugt eine besondere, undurchsichtige Atmosphäre, die den Leser die Geschichte hautnah miterleben lässt. Kalte Schauer liefen mir über den Rücken, als ich die sehr wirkungsvollen Sätze am Ende eines jeden Tages im Text gelesen habe. Sie brachten mich zum Nachdenken, wer es getan haben könnte. Aber der Fall ist verzwickt und gemeinsam mit den Hauptakteuren gerät man immer wieder auf falsche Fährten. Das Ermittlerduo aus alter Dame im Rollstuhl, die nicht auf den Mund gefallen ist, und jungem Diener mit Gefängnisaufenthalt, der den Tod seiner Mutter bedauert, hat mich überzeugt. Trotz des sehr großen Altersunterschieds bringen sie sich Verständnis entgegen und ergänzen sich super. Aufgrund der sehr spitzen Zunge von Miss Decima entstehen Situationen, wo einem die Luft wegbleibt, aber auch Szenen zum lauthals Lachen. Besonders komisch wird es im Zusammenspiel mit den restlichen, verschrobenen Charakteren, die sich als Angestellte oder auf Einladung des Viscounts in Tithe Hall auf Worlds End aufhalten. Dem Autor ist eine sehr britische Beschreibung gelungen und er hat sprachlich die damalige Zeit gut getroffen. Die Auflösung des Falls ist ungewöhnlich. Das Ende hat mich überrascht. Bei einem zweiten Band würde ich sicherlich wieder zugreifen.
Ein Locked-Room-Mordfall der besonderen Art für Krimi-Leser, die es ruhig,„very british“ und historisch mögen. Die Geschichte besticht mit ihrer Atmosphäre, authentisch, unheimlich, undurchsichtig, lustig und überraschend. Die Abschnittsenden regen mit wirkungsvoller Wortwahl zum Nachdenken und Mitraten an.