Magisterium – Jahr 4: Wenn alles Kopf steht
Also mal ehrlich: Dieses vierte Jahr hat’s echt in sich. Call startet ja direkt an einem richtig miesen Punkt – eingesperrt, allein, viel zu viel Zeit zum Nachdenken. Und natürlich hängt ihm der Tod seines ...
Also mal ehrlich: Dieses vierte Jahr hat’s echt in sich. Call startet ja direkt an einem richtig miesen Punkt – eingesperrt, allein, viel zu viel Zeit zum Nachdenken. Und natürlich hängt ihm der Tod seines besten Freundes schwer nach. Man spürt sofort, wie fertig er innerlich ist, und das zieht sich wie ein dunkler Schatten durchs ganze Buch.
Was dann passiert, ist so eine Mischung aus „Wow, damit hab ich nicht gerechnet“ und „Okay, das macht’s jetzt auch nicht besser“. Call kommt zwar aus dem Gefängnis raus, aber frei fühlt er sich trotzdem nicht. Neuer Ort, gleiche Ketten – nur diesmal mit Sonne, Meerblick und besserem Essen. Klingt nett, ist aber trotzdem ein goldener Käfig. Und die Leute um ihn herum? Nicht unbedingt die, denen man freiwillig den Rücken zudrehen würde.
Was ich richtig spannend fand: Die ganze Stimmung kippt im Vergleich zu den ersten Bänden. Es ist nicht mehr dieses unterirdische, bedrückende Magisterium-Feeling, sondern eher ein psychologisches „Wer bin ich eigentlich und wem kann ich überhaupt trauen“. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen total, und Call muss sich mit Fragen rumschlagen, die eigentlich viel zu groß für einen Teenager sind.
Zwischendrin gibt’s ein paar Momente, wo man merkt, dass alle emotional komplett überfordert sind – Missverständnisse, unausgesprochene Dinge, erste Verliebtheit, die eher so wirkt, als hätte jemand vergessen, sie ordentlich aufzubauen. Da hätte man ruhig ein bisschen mehr Zeit investieren können. Aber gut, Pubertät ist halt Chaos pur.
Dafür gibt’s wieder richtig starke Wendungen, ein paar Überraschungen, die man so nicht kommen sieht, und am Ende natürlich einen Cliffhanger, der einen fast schon böse zurücklässt. Typisch Magisterium eben.
Unterm Strich: düster, spannend, manchmal etwas schräg, aber definitiv ein wichtiger Teil der Reihe. Call wächst über sich hinaus, muss harte Entscheidungen treffen und merkt, dass Identität nicht das ist, was andere in ihm sehen, sondern das, was er selbst daraus macht.
Wer die ersten drei Bände mochte, kommt hier sowieso nicht drum herum. Und alle anderen sollten die Reihe sowieso von vorne lesen – sonst verpasst man echt was.