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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2021

Perfektes Chaos

Kleine Wunder überall
2

Bei Charlotte läuft alles perfekt. Sie hat eine perfekte Familie, bestehend aus einem perfekten Ehemann und zwei perfekten Töchtern, und im Job sowie im Haushalt läuft auch alles perfekt.
Zumindest will ...

Bei Charlotte läuft alles perfekt. Sie hat eine perfekte Familie, bestehend aus einem perfekten Ehemann und zwei perfekten Töchtern, und im Job sowie im Haushalt läuft auch alles perfekt.
Zumindest will sie nach außen hin so wirken. Im Inneren von Charlotte sieht es ganz anders aus. Ihre jüngere Tochter hat ständig Wutanfälle, wenn sie nicht bekommt, was sie will; zu ihrer Teenager-Tochter hat sie keinen guten Draht; ihr Ehemann hilft kein bisschen im Haushalt und in ihrem Job blamiert sie sich vor einem großen Auftraggeber.
Charlotte versucht mit aller Anstrengung, die Fassade der „Perfektheit“ aufrecht zu erhalten, doch dann steht ganz unerwartet ihre Mutter vor der Tür und die bröckelnde Fassade fängt an, einzustürzen.

Das Highlight an diesem Buch ist die Tiefe der Figuren. Auch wenn man auch anfangs nicht alle Handlungen der Figuren versteht, wird es im Laufe des Buches immer klarer, wer warum wie gehandelt hat. Vor allem mit Charlotte konnte ich mich gut identifizieren. Sie durchlebt einige Situationen, in denen man innerlich SCHREIEN will und man leidet so richtig mit ihr mit. Man kann nicht behaupten, das Buch wäre voller unerwarteter Wendungen, allerdings geht es am Ende in eine ganz andere Richtung, als ich beim Lesen des Klappentextes erwartet hätte.

Das Buch hat mich berührt, es hat mich aber auch zum Schmunzeln, zum Schreien und zum Lachen gebracht. Auch wenn das Ende des Buches etwas anders war, als ich es mir gewünscht hätte, war die Geschichte sehr lesenswert. „Kleine Wunder überall“ hat sich einen Platz in meinem Bücherregal überaus verdient.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 02.02.2021

Eine Reise mit Kitsch und Tiefe

Sterne sieht man nur im Dunkeln
0

Anni hetzt sich tagtäglich durch ihren Alltag. Irgendwann fragt sie sich, ob sie eigentlich noch gücklich mit ihrem Leben ist. Sie beschließt, dass sie eine Auszeit braucht und flüchtet für 6 Wochen auf ...

Anni hetzt sich tagtäglich durch ihren Alltag. Irgendwann fragt sie sich, ob sie eigentlich noch gücklich mit ihrem Leben ist. Sie beschließt, dass sie eine Auszeit braucht und flüchtet für 6 Wochen auf die Insel Norderney, auf der sie ihre alte Schulfreundin wiedersehen will.

Das Buch hat einen tollen Schreibstil, mit dem man sich sofort wohl fühlt. Der Fließtext wird immer wieder durch von Anni entworfene Spruchkarten unterbrochen, das lockert den Text auf und gibt ihm gleichzeitig Tiefe. Durch die Sprüche, die einem ohne Kontext kitschig erscheinen mögen, lässt sich plötzlich ganz tief in Annis Inneres blicken.

Die Handlung fand ich teilweise etwas vorhersehbar, aber dennoch schön zu lesen. Manchmal verstehe ich Anni nicht so ganz, aber ich glaube, das tut sie selbst in diesen Momenten auch nicht. Und dass es an der Kommunikation mit ihren Mitmenschen oft scheitert, dazu trägt auch sie ihren Teil bei. Und dennoch ist Anni eine liebe Person, in die man sich in mancherlei Hinsicht gut hineinversetzen kann.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.12.2020

zwischen Weihnachtsfriede und Vollkatastrophen

O du fröhliche Weibernacht
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Vier Kolleginnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, müssen auf der Weihnachtsfeier auf Helgoland plötzlich im Team zusammenarbeiten. Das führt zu einer rasanten Fahrt zwischen Weihnachtsfriede ...

Vier Kolleginnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, müssen auf der Weihnachtsfeier auf Helgoland plötzlich im Team zusammenarbeiten. Das führt zu einer rasanten Fahrt zwischen Weihnachtsfriede und Vollkatastrophen.

Das Buch hat mich total mitgerissen. Die Kolleginnen sind nicht einfach nur Romanfiguren, sie sind Persönlichkeiten. Zu gerne würde ich die ein oder andere von ihnen persönlich kennenlernen. Jede von ihnen hat eine Hintergrundgeschichte, die ihre Handlungen beeinflusst, und es wird auch die ein oder andere Überraschung auf den Leser zukommen.

Die Idee zu dem Buch ist absolut einzigartig, nicht die tausendste Erzählung über die gleiche Geschichte, bei der jeder schon weiß, was im nächsten Kapitel passieren wird. Das Buch hat mir unheimlich viel Lesespaß gebracht, die Handlung ist vom Anfang bis zum Ende gut durchdacht und spannend beschrieben.

Diesem Roman kann ich nichts anderers als die beste Bewertung geben!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.11.2020

Dies ist nicht nur eine Liebesgeschichte

Dies ist keine Liebesgeschichte
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Dani wohnt in einer kleinen Wohnung in Madrid und ist Autor. Er hasst seinen Job, denn er schreibt keine richtigen Bücher, sondern Biografien über Firmenchefs, welche die Firma diesen zum Eintritt in den ...

Dani wohnt in einer kleinen Wohnung in Madrid und ist Autor. Er hasst seinen Job, denn er schreibt keine richtigen Bücher, sondern Biografien über Firmenchefs, welche die Firma diesen zum Eintritt in den Ruhestand schenkt. Natürlich darf in so einem Buch kein negatives Wort über den Firmenchef fallen, der Beschenkte soll sich ja schließlich freuen.
Als Dani für seinen neuen Auftrag Eva, die Tochter des Chefs, interviewen will, gerät sein Leben aus den Fugen. Dani glaubt nicht an die Liebe. Doch als er Eva kennenlernt, stellt er nicht nur seine Einstellung zur Liebe, sondern sein ganzes Leben in Frage.

Dani ist etwas verschroben und das weiß er. Er kann nicht mit Gefühlen umgehen und hat nicht viele Freunde. Aber irgendwie ist er trotzdem - oder gerade deswegen - sehr sympathisch. Der Lesefluss hängt zwar ein wenig, wenn er Fachwörter verwendet, von denen man keine Ahnung hatte, dass sie existieren aber das mindert nicht die Sympathie, die ich für Dani empfinde.

Der Schreibstil des Buches ist sehr unterhaltsam, immer wieder sind kleine Witze eingebaut, die sich auch in den nächsten Seiten ab und zu wiederfinden.

Die Story läuft am Anfang so vor sich hin, ohne irgendwelche Höhepunkte, manche Reaktionen der Charaktere konnte ich auch nicht ganz nachvollziehen. Aber das letzte Drittel des Buches musste ich an einem Stück fertiglesen, es war einfach zu spannend, um aufzuhören . Das Ende gefällt mir gut und hat mich verträumt zurückgelassen. Eines ist klar:

Dies ist nicht nur eine Liebesgeschichte, es ist eine Reise von Dani zu sich selbst.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.10.2020

von Tag zu Tag besser

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie
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Sam und Ihre besten Freundinnen sind die typische Sorte von beliebten Highschool-Zicken, wie man sie aus etichen amerikanischen Filmen kennt. Sie scheren sich nicht um das Wohlbefinden anderer, ja, demütigen ...

Sam und Ihre besten Freundinnen sind die typische Sorte von beliebten Highschool-Zicken, wie man sie aus etichen amerikanischen Filmen kennt. Sie scheren sich nicht um das Wohlbefinden anderer, ja, demütigen ihre Mitschüler geradezu. Und natürlich lassen sie keine Party aus.
Als Sam nach einer Party bei einem Autounfall ums Leben kommt, wacht sie plötzlich wieder am Morgen desselben Tages auf. Und das immer und immer wieder. Sie versucht, diesem Teufelskreis zu entkommen, ihr Leben zu retten. Doch nach und nach versteht sie, was wirklich wichtig ist und fängt an, ihre eigenen Fehler zu sehen und zu verstehen.

Im ersten Kapitel ist Sam - genau wie ihre Clique - unausstehlich. Und wenn man schon auf den ersten Seiten anfängt, den Hauptcharakter zu hassen, ist das eigentlich kein gutes Zeichen. Im nächsten Kapitel habe ich aber angefangen zu verstehen. Es gibt einen klaren Kontrast zwischen Sams bisherigen Leben und dem sich immer wiederholendem Tag nach dem Unfall. Sie fängt an, die Dinge zu hinterfragen und stößt auf erstaunliche Erkenntnisse. Sie lernt Mitschüler kennen, über die sie bisher nur gelacht hat, ohne wirklich zu wissen, wer sie sind. Und das Verhalten ihrer Freunde nimmt sie nicht mehr als so selbstverständlich hin, wie sie es einst tat. Je weiter man in den Kapiteln fortschreitet, desto interessanter wird das Buch. Auch wenn der gleiche Tag sieben mal beschrieben wird, ist er doch nie wirklich gleich. Und wenn man einmal von einer Phrase genervt ist, die man in jedem Kapitel wieder lesen muss, dann kann man ein bisschen nachvollziehen, wie Sam sich fühlen muss, der nicht nur einzelne Phrasen des Tages bekannt vorkommen, sondern die mittendrin steckt im Kreisel der Zeit.

Mein Fazit: Anfangs war ich nicht besonders überzeugt von dem Buch, doch von Kapitel zu Kapitel hat es mich mehr in seinen Bann gezogen. Vor Allem die letzten Kapitel sowie das Ende des Buches haben mich nachdenklich gestimmt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere