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Veröffentlicht am 27.07.2020

Wer war Alice im Wunderland?

Der Fall Alice im Wunderland
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Eine Sensation, wenn es denn stimmt. Angeblich ist eine Seite aus Lewis Carroll sein Tagebuch aufgetaucht! Eine Seite die damals von seinen 2 Cousinen entfernt wurde und man viel in der Lewis- Carroll- ...

Eine Sensation, wenn es denn stimmt. Angeblich ist eine Seite aus Lewis Carroll sein Tagebuch aufgetaucht! Eine Seite die damals von seinen 2 Cousinen entfernt wurde und man viel in der Lewis- Carroll- Bruderschaft über das Geheimnis philosophiert hat. Eine Studentin des Professors für Logik, Arthur Seldom, beschäftigt sich mit der geheimen Botschaft des Tagesbuchs. Doch dann geschieht ein Unfall der die Studentin töten sollte…und auch in der Bruderschaft beginnt eine Mordserie die nicht zu erklären ist…was hat Lewis Carroll auf der Tagebuchseite festgehalten?
„Ich hoffe, Sie verstehen jetzt, warum diese herausgetrennte Seite eine solche Anziehungskraft auf die Biografen ausgeübt hat, ja, gewissermaßen zu einem Prüfstein wurde. Auf ihr, und vielleicht nur dort, stand der entscheidende Beweis, das verhängnisvolle Ereignis, das explizite Eingeständnis einer kompromittierenden Handlung.“ (Seite 25)
„Der Fall Alice im Wunderland“ ist der zweite Band des Autors Guillermo Martínez. Den ersten Band hatte ich nicht gelesen weil er mich nicht wirklich angesprochen hat, hier ist der Titel schon sehr spannend.
Ich persönlich bin gut in die Geschichte gestartet und da dieses Buch in sich abschließend ist muss man den ersten Band, in meinen Augen, nicht gelesen haben.
Der Autor hat einen sehr ruhigen und interessanten aber leicht zu verstehenden Schreibstil. Gekonnt baut er einen Spannungsbogen auf der nicht überspannt wird, aber man als Leser neugierig bleibt und auf der Suche nach dem Täter, dem Warum und dem Geheimnis der Tagebuchseite durch die Seiten fliegt.
Der Professor und sein Doktorand, der hier nur „G“ genannt wird und von seiner Sicht aus auch die Geschichte erzählt wird, waren mir sehr sympathisch. Gerade der Professor Arthur Seldom war für mich very british, ich mochte das Kühle, hier und da ein Spritzer Humor, mit seiner Logik und durchschimmernden Leidenschaft die aber nie ausgeartet ist sondern immer eben british blieb. Was ich unglaublich toll und faszinierend finde – dass der Professor Zustände, Geschehnisse mit Logikformeln oder eben der Mathematik löst, erklärt oder ergänzt. Man muss also gerade hier etwas genauer lesen, aber kann nebenbei noch was lernen.
Die Bruderschaft beschäftigt sich ausschließlich mit Lewis Carroll, dem Autor von „Alice im Wunderland“. Hier erfährt man sehr viel Privates aus dem Umfeld des Autors. Ich persönlich bin jetzt kein großer Fan von „Alice im Wunderland“, allerdings muss ich Lewis Carroll zugestehen dass er viele Charaktere in seinem Buch sehr düster, durchgeknallt und vielfältig dargestellt hat und sie alleine dadurch eine Faszination ausüben. Wer ein Fan des Autos oder von „Alice im Wunderland“ ist wird hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen.
Lewis Carroll wird sehr interessant und mit Fakten dargestellt. Aber auch Themen, die damaliger Zeit angesehen waren, erlaubt oder zugelassen, würden heute unter einem anderen Aspekt stehen und somit hat die Bruderschaft natürlich Angst bei den aktuellen Vorkommnissen, dass „ihr Autor“ und Leidenschaft in den Schmutz gezogen wird. Doch was würde die geheime Seite ans Licht bringen? Und wer in der Bruderschaft hat eigene Geheimnisse die nicht ans Licht kommen dürfen?
Durch den Unfall an der Studentin wird auch die Bruderschaft unruhig und Professor Arthur Seldom beginnt insgeheim zu ermitteln. Bis zum Ende hin ist man im Ungewissen was hier der rote Faden ist, was auf der Seite steht, welche Welten werden eventuell erschüttert? Ich persönlich muss sagen dass mir das Ende sehr gelungen erscheint, nicht superspektakulär, aber schlüssig, mit dem ein oder anderen Überraschungseffekt und doch aufgelöst.
Ein Buch welches die Bezeichnung Kriminalroman auf jeden Fall verdient hat, mal etwas Neues in Punkto „Ermittler“ und eben very british in der Umsetzung. Ich wurde sehr gut unterhalten

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.07.2020

Was kommt danach?

After the Fire
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Nach dem Feuer ist nichts mehr wie es war, weder für „Moonbeam“ noch für die restlichen Kinder, die das Feuer überlebt haben. Ihre Schwester und Brüder sind gestorben, im Feuer oder im Kugelhagel. Das ...

Nach dem Feuer ist nichts mehr wie es war, weder für „Moonbeam“ noch für die restlichen Kinder, die das Feuer überlebt haben. Ihre Schwester und Brüder sind gestorben, im Feuer oder im Kugelhagel. Das Ende kam wie Father John es gesagt hatte… doch nun muss „Moonbeam“ sich den Wahrheiten stellen und ein ganz neues Leben beginnen…ein Leben ausserhalb der Sekte.

„Ich weiß – ohne jeden Zweifel-, dass unmöglich alle Menschen, die außerhalb der Mauern der Basis leben, schlecht sein können, genauso wie ich mit absoluter Sicherheit weiß, dass nicht alle meine Brüder und Schwestern gut sind. Schlecht und gut, falsch und wahr sind die entgegengesetzten Enden einer ganzen Skala von Verhaltensweisen, und ein Mensch ist nie nur das eine oder das andere. Die Menschen sind nicht so einfach gestrickt, auch wenn es bestimmt manches vereinfachen würde, wenn es so wäre.“ (Seite 79)

Der Klappentext gibt nicht viel her, was mich also genau erwarten würde, war mir nicht wirklich bekannt. Allerdings springt das Cover mit diesem kräftigen Rot sowie den verbrannten Streichhölzern direkt ins Auge, auch das Fühlen des Covers ist einmalig.

Die Geschichte ist in zwei Zeiten aufgeteilt – Davor und Danach. Vor dem Feuer und nach dem Feuer. Und wir lernen in diesem Buch „Moonbeam“ kennen, die das Feuer davor und danach erlebt hat, die in zwei Welten lebte und nun in einer einzigen Welt zurechtkommen muss. Und dies ist dem Autor, in meinen Augen, brillant gelungen.

Der Schreibstil ist direkt, ehrlich, umso mehr „Moonbeam“ erzählt und ihre Eindrücke widergibt, umso mehr ist man schockiert, berührt, bewegt, mit Verständnis sowie Unverständnis am lesen, man möchte unbedingt erfahren warum „Moonbeam“ meint sie hätte an so vielem was passiert ist, Schuld.

Der Autor legt, und das finde ich so bemerkenswert und so besonders an diesem Buch, den Blick auf die Kinder. Kinder die in einer Sekte „geboren“ werden und mit den Regeln und dem Glauben komplett aufwachsen und eben Kinder die mit ihren Eltern dieser Sekte beitreten, das Leben ausserhalb dieser Sekte also ebenso kennen. „Moonbeam“ gehört zu den zweiten Kindern, auch wenn sie kaum noch Erinnerungen an diese Zeit hat.

Man hört in den Medien immer von den „armen Kindern“, wenn sie aus einer Sekte befreit werden. Aber keiner beschäftigt sich mit ihnen, was sie nun erleben müssen, was alles an Eindrücken und Neuheiten auf sie einprasselt. In „After the Fire“ gibt der Autor aber genau diesen Kindern eine Stimme, einen Namen und ihre Geschichte.

„Moonbeam“ hat mir als Hauptprotagonistin sehr gut gefallen, sehr authentisch dargestellt. Trotz dem Erlebten hat sie ihren Sinn für Humor, ja fast für Ironie, nicht verloren. Sie muss nun mit den „Wahrheiten“ der Sekte leben und diese mit der „Freiheit“ vor dem Zaun vergleichen. Wie kann man an ein Leben anknüpfen wenn es vorher so bestimmt war von Regeln, Strafen, keinerlei Freiheiten, keine Möglichkeiten so zu leben wie man will?

Nicht nur „Moonbeam“ muss sich den Wahrheiten, den Vertuschungen durch Father John und seinen Zenturios stellen. Auch wir als Leser erfahren die ganze Wahrheit, wie dieser Wandel in dieser Sekte herbeigeführt wurde, wie falsch manche Mitglieder spielten, was sich hinter den Mauern abspielte, vieles was die Ermittlungen ergaben, was „Moonbeam“ durch ihre Erzählungen noch ergänzt.

Ein Buch was den Kindern einer Sekte und dem „Danach“ ein großes Feld einräumt. Der Autor hat sich mit viel Gefühl dieser Thematik genähert, beschönigt aber nichts. Aber er gibt den Menschen die Stimme, die durch ihre Eltern oder andere Erwachsene in diese Welt hineingeworfen wurden, ohne dass sie jemand je gefragt hat. Ohne sie zu fragen ob sie denn alles glauben was ihnen erzählt wird. Ohne auf die zu hören oder sie zu sehen wie sie sind. Eine Geschichte die unter die Haut geht, die aufzeigt, was ein Mensch mit Macht und Redekunst anstellen kann, wie viele Leben dadurch zerstört werden können.

Ein sehr bewegendes Highlight, für mich und ich empfehle es wirklich unbedingt weiter!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.07.2020

Die Welt wirft ihre Schatten

Schatten der Welt
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Thorn in Westpreußen im Jahr 1910. Der halleyschen Komet kündigt sich an, ein neues Geschäftsmodell für Artur und seinen besten Freund Carl. Und da die junge Isi ebenso pfiffig ist wie sie werden die ...

Thorn in Westpreußen im Jahr 1910. Der halleyschen Komet kündigt sich an, ein neues Geschäftsmodell für Artur und seinen besten Freund Carl. Und da die junge Isi ebenso pfiffig ist wie sie werden die 3 Freunde, gerne fürs Leben, und bestreiten ihren Alltag gemeinsam. Doch nichts ist wie es scheint und ihre Erfolge und Freundschaft erfährt eine Zerreissprobe als der Erste Weltkrieg ausbricht und die Freunde sich trennen müssen…werden sie sich je wiedersehen? Und wenn ja, wird alles noch so sein wie früher?

„Aber nicht so, wie die, die ihn in ihrer grenzenlosen Überheblichkeit verursacht hatten, es so blumig voraussagten: nicht mit Schwertern oder Rössern, sonder n mit Maschinengewehren, Granaten, Panzern und Gas. Was der Komet vor vier Jahren nicht geschafft hatte, gelang der Welt nun selbst: Sie explodierte in einer nicht geahnten Supernova in siebzehn Millionen Stücke.“ (Seite 274)

Ein Roman welches mit dem Ereignis des halleyschen Kometen beginnt und im Ersten Weltkrieg endet. Man mag sich fragen wie das funktionieren soll, in einem Buch, der Autor hat hier aber einen mehr als gelungenen Bogen gespannt. Die Kapitel sind nicht zu kurz oder lang, sie bauen einen Spannungsbogen auf, durch Wendungen, Möglichkeiten und kleinen „Spoilern“ vom Ende manches Kapitels fällt es sehr schwer dieses Buch überhaupt noch aus der Hand zu legen.

Thorn 1910. Carl ist Jude, lebt mit seinem Vater von der Schneiderei, mehr schlecht als recht. Durch das erste Fotogeschäft in Thron wird die neue Leidenschaft von Carl entfacht die er unbedingt ausüben möchte, ja, ausüben muss!

Artur ist ein Schlitzohr, womöglich traut man ihm diese Intelligenz nicht zu, aber Artur geht seinen Weg, mit Humor, mit Geschäftssinn und doch immer auch mit Herz. Ihn habe ich, auf Grund seiner Art, sofort in mein Herz geschlossen, alleine sein Humor.

Mit Isi kommt der weibliche Part in die Freundschaft, man mag fast sagen – die Dynamik. Isi war mir zu Beginn etwas zu keck und ich wusste nicht ob ich mich mit ihr anfreunden kann. Jedoch zeigt der Autor sehr gekonnt auf was es damals hieß als junge Frau in einer Familie zu leben, welche Erwartungen und vor allem Stillschweigen von einer jungen Dame erwartet wurde.

Diese 3 Freunde halten zusammen und gehen durch dick und dünn bis ja, bis der Erste Weltkrieg ausbricht. Dann trennen sich ihre Wege, Artur und Carl müssen in den Krieg ziehen, Isi bleibt in Thron zurück wo auch hier die Auswirkungen des Krieges seine Spuren zeigen wird.

Man ist mit diesen 3 Protagonisten sehr verbunden, kennt ihre Träume, Wünsche und Hoffnungen, die sie behalten als der Erste Weltkrieg ausbricht. Bis dahin hat man mit den 3 schon einiges erlebt, Schönes wie auch Schreckliches. Da sie zum „einfachen“ Volk gehören wird hier sehr deutlich gemacht wie dieses, zur damaligen Zeit, auch behandelt wurde.

Überhaupt trifft der Autor ein sehr gekonntes Bild über diese Zeit, in der Großgrundbesitzer, Militär und Politik viel zu viel zu sagen hatten, die die Geschäfte von Thron und Umgebung lenkten. Der einfache „Pöppel“ war für harte Arbeit gut, aber nicht für das Denken und einen Aufstand. Von den Frauen ganz zu schweigen!

Oft wird man mit Begebenheiten konfrontiert die einen wütend werden lassen, fassungslos und schockiert. Ich habe selten ein Buch gelesen welches mit in ein solches vielfältiges Glas mit Gefühlfacetten geworfen hat.

Und immer diese kleine Hoffnung dass alle 3 sich wiedersehen und gemeinsam ihre Freundschaft fortführen können. Die Zustände des Krieges, was er mit diesen jungen, ja, naiven Burschen macht, dass hier Menschen ein Kommando halten die eigentlich so gar keine Ahnung haben, die Menschen eben als „Bombenfutter“ sehen, Hauptsache das nächste Fleckchen wird eingenommen… wie oft spielen die Falschen in der oberen Liga mit und fällen Entscheidungen die verheerend sind, auch für unsere Freunde.

Die Veränderungen der 3 waren immer wieder neu, anders und so spinnt sich eine neue Geschichte über jeden Charakter. Man heisst sie gut, ebenso wie man den Kopf darüber schüttelt. Und jede Entscheidung hat ihre Konsequenz die so oder so ausgehen kann. Das Ende des Buches lässt noch auf was Neues hoffen und ich fiebere dieser Hoffnung sehr entgegen.

Ein neuer Roman von Andreas Izquierdo und ich kann diesen Autor, der wirklich einen unglaublichen Schreibstil an den Tag legt und somit seine Leser packt, nur ans Herz legen. Und dieses Buch ganz besonders.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2020

Ausbeutung in Afrika

Todesdeal
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Martin und sein Kollege Bernd haben die einmalige Chance für den Global News in den Kongo zu reisen, sie sollen sich auf die Spurensuche von Diana Fossey begeben und über die Gorillas berichten…beide ...

Martin und sein Kollege Bernd haben die einmalige Chance für den Global News in den Kongo zu reisen, sie sollen sich auf die Spurensuche von Diana Fossey begeben und über die Gorillas berichten…beide glauben dass dies ein Spaziergang wird…

Andreas Schmidt ist Staatssekretär für den Verteidigungsminister und hat sich mit einem Waffendeal in Syrien sehr unbeliebt gemacht, seine Karriere steht kurz vor dem Aus. Da kommt der Anruf samt Angebot von Eugen Freiherr von Stein, der für den BND arbeitet, genau richtig…

Lucia Ming ist Investmentmanagerin für SAFE in Hongkong und soll nach Afrika reisen um dort die Geschäfte zu überwachen. Wie auch die Russen, ihre Partner, möchte China sich weiter nach oben positionieren in der Weltmacht und brauch hierfür mehr Ressourcen…

Janine Drieling ist endlich im Amt für Auswärtige Angelegenheiten. Sie erhält einen Anruf von ihrem Ex- Freund Martin der in den Kongo reisen wird um die Gorillas beobachten zu können… und gleichzeitig erfährt Janine dass sie ebenfalls nach Afrika reisen wird, um Andreas Schmidt bei seinen Geschäften für die Bundesrepublik Deutschland, dort zu unterstützen…

Und keiner hat eine Ahnung was ihn in Afrika erwarten wird…

„Nein, wir machen, was die anderen auch machen. Inoffiziell natürlich.“ Und dann sagte er noch einmal den Satz von Charles de Gaulle:“ Verträge sind wie Blumen und junge Mädchen. Sie haben ihre Zeit“. (Seite 68)

Afrika… ein Land welches durch seine extremen Gegensätze besticht. Auf der seinen Seite die wunderschöne Natur und Tierwelt, auf der anderen Seite Mord, Korruption, Ausbeutung, Machtgeschiebe. Grössere und neue Städte, auf der anderen Seite Armut, Slums und kaum Nahrung für alle. Afrika könnte mehr, wenn die „Richtigen“ an der Macht wären.

„Todesdeal“ ist mehr als ein Thriller, er geht schon ganz gut Richtung Politthriller, trifft den Nerv der Zeit aktueller denn je und besticht alleine durch seinen spannenden Schreibstil.

Zu Beginn gibt es wieder Register mit den Handelnden Personen. Ich persönlich habe dies nicht benötigt da man durch aufmerksames Lesen nicht durcheinander gerät und jede Person ihren Platz und Zeit in diesem Buch hat. Wie gesagt, der Schreibstil ist zu Beginn zwar ruhiger, aber schon hier zeichnen sich die ein oder anderen Wege ab die der Legalität entsagen und mehr den Eigennutz im Vordergrund stehen haben, der Spannungsbogen wird sehr gekonnt aufgebaut, hält sich bis zum Ende.

Man sollte sich für die politische Lage interessieren, nicht nur in Afrika, nein, auch für die China, in Russland, Europa und zeitweise der USA. Denn dass hier ein Kampf um die Wirtschaftsmacht entsteht und schon länger besteht ist nicht von der Hand zu weisen. Aktuell zeigt der Autor welche Nationen wie ihren Einfluss in Afrika stärken, mit welchen Mitteln, um mehr Ressourcen sichern zu können. Wohltäterschaft ist hier, auch wenn es auf den ersten Blick anders erscheinen mag, ein Fremdwort.

Afrika und seine Geschichte beschreibt der Autor sehr lebendig, sehr direkt in seinem Blick. Gerade der Völkermord in Ruanda erhält viel Zeit, man erhält nochmals einen Rückblick und erkennt was hier alles im Argen liegt, dass dieser Krieg wohl nie ganz ruhen wird, dass auch die Präsidenten keine Absichten hegen, gewisse Dinge ins Gleichgewicht zu bringen.

Durch einen Kongo Warlord gibt es Einblicke in ihre Abläufe, wie sie arbeiten, mit wem sie arbeiten und was ihre Antriebe sind. Afrika ist reich an Bodenschätzen, wenn man es genau nimmt, ist es eines der reichsten Länder der Welt, aber wird falsch gewirtschaftet. Die Leidtragenden sind immer die Armen. Sie leiden unter der Politik, den Warlords und die Mächte aus den Industrienationen haben eigentlich auch keine Ambitionen der Bevölkerung mehr unter die Arme zu greifen. Was passiert wenn wir jedes halbe Jahr ein neues Handy, einen neuen PC oder Laptop oder ähnliches kaufen „müssen“? Die Auswirkungen sind hier greifbar, erschreckend real und schonungslos dargestellt.

Zum Ende fügen sich alle Enden zusammen und konnte mich, in ihrer Gesamtumsetzung mehr als überzeugen. Eine ganz klare Leseempfehlung für alle!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 14.07.2020

From bad to dead

Whisper Network
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Sloane, Ardie und Grace arbeiten zusammen als Juristinnen in einer großen Firma. Sie sind keine Freundinne, aber sie verstehen sich gut und teilen das ein oder andere Geheimnis. Doch dann verstirbt ihr ...

Sloane, Ardie und Grace arbeiten zusammen als Juristinnen in einer großen Firma. Sie sind keine Freundinne, aber sie verstehen sich gut und teilen das ein oder andere Geheimnis. Doch dann verstirbt ihr Chef und Ames Garrett könnte ihr neuer Vorgesetzter werden…doch die Frauen wollen dies mit aller Macht verhindern. Denn Ames ist alles andere als fair und freundlich, was er von Frauen hält hat er schon ein paar Mal sehr deutlich gemacht….durch Worte und Taten.. die BAD – Liste über alle Männer in Dallas die ihre Finger nicht bei sich behalten können taucht auf und kurz darauf ist Ames tot……..



„Manches Verhalten ließen wir durchgehen; einen zweideutigen Witz konnten wir verkraften. Anderes aber, die Männer, die uns demonstrativ von ihrer offenen Ehe erzählten, die uns auf die Toilette folgten, die uns explizite Nachrichten schickten und dann behaupteten, betrunken gewesen zu sein und sich nicht erinnern, die das Wort „Nein“ nicht zur Kenntnis nahmen, die sich rächen, wenn doch, die uns begrapschten: Das konnten wir nicht einfach hinnehmen.“ (Seite 127)

Dieses Buch wirbt als geistreicher Roman für die #me-Too Debatte. Auf der einen Seite würde ich dies so unterschreiben, auf der anderen Seite ist es aber nicht nur die Debatte sondern vielleicht eher mehr was aktuell in der Gesellschaft falsch läuft.

Der Einstieg in das Buch begann mit vielen Namen, ich musste immer wieder sortieren wer jetzt die Protagonisten sind auf die ich mich, hauptsächlich, konzentrieren muss. Auch war das Buch nicht von Spannung oder guten Ansätzen, zu Beginn, durchzogen, es zog sich eher dahin.

Wir lernen die drei Damen Sloane, Ardie und Grace kennen. Sie arbeiten alle 3 seit Jahren für die Firma Truviv, stehen sich aber nicht sonderlich nahe. Sie kennen sich, teilen das ein oder andere Geheimnis, aber doch bleiben sie eher für sich, sind weiterhin vorsichtig wem sie sich anvertrauen. Sympathisch würde ich alle 3 nicht unbedingt nennen, mich selbst hatte dies aber nicht gestört, es muss nicht immer Liebe nach den ersten Buchstaben sein.

Die neue, jüngere Kollegin Katherine war mir immer sehr undurchsichtig, mit ihr bekommt das Buch so einen dubiosen Charakter bei dem man sich nicht sicher sein kann, sie aber mit den 3 Hauptprotagonistinnen handeln wird. Wie und worauf dies hinaus läuft muss schon jeder selbst lesen. Mir hat ihr Part sehr gut gefallen.

Die Person die mir am bodenständigsten vorkam und auch ja, normal, war dann Rosalita. Sie ist eine ruhige Person, die in die USA emigriert ist, sich aufopferungsvoll um ihren Sohn kümmert und hofft dass sie ihr alleinerziehendes Leben überhaupt stemmen kann und wird.

Durch Befragungen und Polizeiberichte bekommt man als Leser sehr schnell mit dass irgendwas in der Firma aus dem Ruder gelaufen ist. Ich würde es nicht als Spannung bezeichnen, was die Autorin versucht aufzubauen. Eher dass man als Leser neugierig wird was vorgefallen ist, wer hat welche Seite gewählt. Und das war dann doch sehr gut umgesetzt.

Doch das Buch spricht viele Themen an, gerade welchen Stellenwert die Frauen in der Gesellschaft haben. Durch die BAD – Liste wird nochmals vieles hervorgehoben. Männer dürfen sich solche Liste schreiben, sie teilen, darüber reden und lachen und kommentieren. Wenn Frauen sich aber mit so einer Liste versuchen zu schützen, Vorsichtig zu werden, dann sind es unbefriedigte, dumme Weiber sie sich nicht so anstellen sollen. Und genau darum geht es – denn egal was wir Frauen machen, was wir sagen, wie wir handeln, agieren, organisieren, arbeiten oder leben – es ist immer falsch immer dramatisch und eigentlich können wir es eh nicht richtig.

Gerade durch die 3 Protagonistinnen die nebenher noch Kinder haben, ihre Alltagsprobleme, die noch mit der Schwangerschaft kämpfen müssen und die Folgen, Schulprobleme, die Männer die sich behaupten wollen, ihre Ehemänner die ihnen zwar „gut zureden“ aber doch trotzdem keine Ahnung haben, das alles fließt in diesem Roman mit hinein und setzt ein Bild zusammen was die aktuelle Gesellschaft, seit eigentlich Jahren, bezeichnet.

Epilog und Danksagung empfehle ich ganz dringend ebenso zu lesen, denn die Autorin trifft mit ihren Aussagen den Nagel auf den Kopf.

Nein, wir wollen keine Sonderbehandlung, wir wollen nur als Menschen in weiblicher Form und vollständig in der Gesellschaft akzeptiert und angenommen werden. Wir Frauen stehen vielen Dingen in Nichts hinterher und können ebenso gut agieren, reagieren und viele Dinge miteinander verbinden und umsetzen.

Trotz einigen Kritikpunkten fand ich das Buch im Gesamtbild sehr erschreckend gut umgesetzt und gerade allen Frauen empfehle ich es dringend weiter!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere