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Veröffentlicht am 13.04.2021

Je t'aime de tous mes tentacules

Back To Us
5

(Ich liebe dich mit all meinen Tentakeln.)

Du tauchst in eine Welt ein, in der es Dramen, Happy Ends und Überraschungen gibt. In der nichts vorhersehbar und doch alles vorherbestimmt ist. Eine Welt, ...

(Ich liebe dich mit all meinen Tentakeln.)

Du tauchst in eine Welt ein, in der es Dramen, Happy Ends und Überraschungen gibt. In der nichts vorhersehbar und doch alles vorherbestimmt ist. Eine Welt, die nicht jeder von uns schon kennt. Menschen, die andere Ansichten und Beweggründe haben, die wir nicht verstehen. Verdrängte Ereignisse, an die man sich nicht erinnert, die aber das gesamte Handeln und Denken beeinflussen, und man kann sich nicht erklären, warum. Du denkst, du wirst verrückt, dabei gibt es für alles eine logische Erklärung. Außer für die Liebe! Die kommt einfach aus dem Nichts, überfällt dich, hüllt dich ein, bis es nichts anderes und nichts mehr ohne diese eine Person gibt. Die Person, die "dein Herz in tausend kleine Stücke zerbricht". Trotzdem "würdest du sie immer wieder aufheben und in die Hände dieser Person legen".
Andere Kulturen, andere Sprachen, andere Berufe, andere Liebe, und alles kommt einem so selbstverständlich vor, als wäre es ständig ein Teil unserer Welt, in der wir leben und als wäre es nicht alles neu und käme unerwartet.

Das sind meine Gedanken, nachdem ich das wundervolle Buch von Morgane Moncomble gelesen habe, und mit dem sich mich so sehr überwältigt hat. Dieses Buch hat alles, von dem mir bisher nicht bewusst war, dass es mir in vielen anderen Büchern fehlt. Offenheit, Toleranz, Traumata, verquere Ansichten, Geheimnisse, fremde Kulturen. Alles dabei so unaufdringlich, dass man es eigentlich nicht erwähnen müsste. So dass Fleurs und Aarons Geschichte im Vordergrund stehen könnte. Wenn man das Buch liest, wird sie das auch, keine Frage. Aber wenn man das Buch beendet hat, merkt man erst, wie viel eigentlich hängen geblieben ist. Dass die beiden Protagonisten wundervolle Menschen mit einer teils schwierigen Vergangenheit sind, und trotz allem leben sie in dieser wunderschönen Welt, die in dem Buch mit Worten und Farben zum Leben erweckt wird, die einen dazu bringen, in dieses hineinschlüpfen und alles selbst erleben zu wollen.

Vielleicht bekommt ihr danach eine andere Sichtweise auf die Welt, wahrscheinlich wollt ihr unbedingt nach Paris, zumindest ins Disneyland oder lieber gleich nach Südkorea. Für den Anfang dürftet ihr euch mit einen K-Drama zufrieden geben müssen, wobei "Back to us" verfilmt auch einiges hergeben würde.
Ein paar schnelle Hüpfer in Zeit und Ort, ein paar nicht ausgeschmückte Szenen, ein paar überflüssige Details, wenige unwichtige Nebenfiguren - ansonsten bringt das Buch das Herz zum Hüpfen, zum Funkeln, zum Überlaufen. Und definitiv das Gesicht zum Strahlen, nachdem die Mundwinkel vorher nach unten gezogen und die Augen feucht wurden - hoffentlich nicht die Buchseiten. Einige Ausrufe des Unverständnisses: "Was denkt diese Frau sich dabei? Wie konnte sie ihm das antun?", "Wieso reagiert er so? Was ist denn los mit ihm?", nur um am Ende ein wissendes, wenn auch etwas trauriges Lächeln auf den Lippen zu tragen.
Ihr wollt euch auch so fühlen? So leicht und schwer zugleich? So aufgeregt und trotzdem innerlich ganz ruhig? Dann dürft ihr die Welt durch Morgane Moncombles Augen sehen und euch wegträumen, bis ihr als eine veränderte Person wiederkommt.
Viel Spaß in Paris!

  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 23.02.2021

Ein Buch zum Träumen

Dein erster Blick für immer
0

Sich in einen Fremden im Zug zu verlieben ist doch unmöglich, oder? Nicht für Maya. Sie verliebt sich in den Bahn-Mann, den sie jeden Morgen sieht, ohne je ein Wort mit ihm gesprochen zu haben. Eine wahnsinnig ...

Sich in einen Fremden im Zug zu verlieben ist doch unmöglich, oder? Nicht für Maya. Sie verliebt sich in den Bahn-Mann, den sie jeden Morgen sieht, ohne je ein Wort mit ihm gesprochen zu haben. Eine wahnsinnig romantische Geschichte, die einen an die Liebe und daran, dass alles möglich ist, glauben lässt!

So wunderschön und traumhaft dieses Ereignis auch sein mag, so erfährt man im Buch leider nur sehr wenig über ihre vermeintliche Beziehung. Viel mehr werden die Hintergrundgeschichte und unwichtig erscheinende Details weiter entfaltet. Dadurch lernt man die wundervollen Charaktere, die im Mittelpunkt von Zoe Folbiggs Roman stehen, kennen und lieben. Allerdings fehlte mir beim Lesen oft das gewisse Etwas.

In dem Buch fühlt man sich sehr wohl und trotz des teilweise sarkastischen Schreibstils ist die Atmosphäre wirklich schön und angenehm. Neben den nervigen Figuren, die jeden Leser auf die Palme bringen und ihn ins Buch hüpfen wollen lassen, um diesen mal seine Meinung zu sagen, erscheinen Maya und James wie nahezu perfekte, immer nette Menschen, die man einfach nur liebgewinnen kann. Leider dauert es seine Zeit, bis die beiden merken, dass sie tatsächlich zusammengehören, was allerdings nicht ihre Gefühle füreinander abschwächt.

So viel wie mir in dem Buch auch gefehlt haben mag und ich gerne mehr über die Beziehung der beiden Protagonisten erfahren hätte, so würde ich es doch auf keinen Fall missen wollen, dieses wunderschöne Buch gelesen zu haben. Es ist zwar meiner Ansicht nach kein typischer Liebesroman, dafür aber einer, der in einer so viel schöneren Welt spielt, in der die Liebe stets spürbar, wenn auch nicht immer sichtbar ist.
Die Autorin schafft in diesem Buch eine Welt, die von Liebe gesteuert wird, und in der alles möglich ist. Dieses Buch verleitet zum Träumen und in meinem Kopf ist die Beziehung von Maya und James viel ausgereifter als in den Beschreibungen, und ihre Liebe so stark wie keine andere. Daher hätten 380 Seiten unmöglich gereicht, um dieses Gefühl anders rüber zu bringen, als in der Weise, in der es die wundervolle Autorin gemacht hat.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 06.12.2020

Auf jeden Fall einen Blick wert!

Dornteufel
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Das Cover verspricht Schönheit und Spannung. Was es mit den Tücken des Strebens nach Schönheit auf sich hat, weiß man spätestens, wenn man Eva Almstädts Thriller zuklappt. Auch an Spannung mangelt es nicht, ...

Das Cover verspricht Schönheit und Spannung. Was es mit den Tücken des Strebens nach Schönheit auf sich hat, weiß man spätestens, wenn man Eva Almstädts Thriller zuklappt. Auch an Spannung mangelt es nicht, wobei man sich stets fragt, welche überraschende Katastrophe bzw. eher welcher kaltblütige Mord hinter der nächsten Ecke lauert.

Im "Dornteufel" begleiten wir Julia Bruck auf ihrer geschäftlichen Reise nach Indien, welche zunächst sehr harmlos zu sein scheint. Doch schnell merken wir, dass bei der Firma "Serial Almond" wohl nicht alles mit rechten Dingen zu geht. Auch Julia macht diese Entdeckung und begibt sich damit ungewollt in große Gefahr.

Gleichzeitig bekommen wir einen Einblick in das Leben des New Yorker Detectives Ryan Ferland, dessen letzter Fall ein Suizid ist, hinter dem mehr steckt, als alle - außer ihm - zunächst vermuten.
Auch die schreckliche Reise des Flüchtlings Kamal über den Ozean verfolgen wir gespannt, bis schließlich alle Handlungsstränge zusammen laufen und wir immer neue Figuren kennenlernen, die jeweils auf ihre spezielle Art einzigartig und interessant sind.
Leider verlassen viele dieser Charaktere die Handlung wieder - ob nun tatsächlich oder nur scheinbar, sei vorerst dahin gestellt. Aber am Ende hat man doch das Gefühl, dass jedes Detail zusammenpasst, selbst wenn es mit den schlimmsten vorstellbaren Ergebnissen zusammenhängt.

Was man aus dem Thriller lernen kann, ist auf jeden Fall, dass man der Polizei nicht vertrauen kann - zumindest weder der in Indien noch dem BKA. Das mag aber auch davon abhängen, wie absurd und geheim die Dinge sind, die man sieht und erlebt. Doch trotz allem, was passiert und wenn die Lage noch so aussichtslos erscheint, nimmt Julia schlussendlich einiges auf sich, um mit Hilfe ihres Freundes die Bösen zu überführen und zu beweisen, dass sie im Recht war.

Auch wenn der Erzählstil der Autorin mich sehr überzeugt hat, so war ich doch von den schnellen Handlungssprüngen manchmal ein wenig überrascht, was dazu geführt hat, dass ich den Geschehnissen erst dann wieder folgen konnte, wenn ich die nächsten drei Seiten gelesen hatte. Dadurch wurde allerdings auch Spannung aufgebaut und manche der Rätsel wurden erst ganz am Ende aufgelöst, so dass man doch bis zum Schluss wirklich in der Geschichte gefangen bleibt.

Alles in allem finde ich das Buch wirklich gut und kann es nur empfehlen, auch wenn Julia zum Teil so selbstsicher ist, dass man sich beim Lesen nicht mit ihr fürchten kann. Aber alleine schon, um die vielschichtigen, in ihren Denk- und Handlungsweisen teils so unterschiedlichen Charaktere kennenzulernen, ist das Buch auf jeden Fall ein paar gemütliche Stunden wert.
Und wer wissen will, was es mit dem "Dornteufel", der im Titel benannt wird, auf sich hat, kommt so oder so nicht darum herum, einen Blick in das Buch zu werfen.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Schmökern, Mitfiebern und Grübeln!

  • Cover
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere