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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2025

Düstere Atmosphäre trifft auf überladene Erotik

House of Rayne
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Nach einer schmerzhaften Trennung zieht sich Salem auf die abgelegene Insel Blackridge zurück, um in einem kleinen Bed & Breakfast zur Ruhe zu kommen. Dort begegnet sie der geheimnisvollen Rayne, die sie ...

Nach einer schmerzhaften Trennung zieht sich Salem auf die abgelegene Insel Blackridge zurück, um in einem kleinen Bed & Breakfast zur Ruhe zu kommen. Dort begegnet sie der geheimnisvollen Rayne, die sie mit ihrer düsteren Anziehungskraft sofort in ihren Bann zieht. Inmitten einer konservativen Inselgemeinschaft beginnt zwischen den beiden eine leidenschaftliche Beziehung, die von verbotenen Fantasien und einer dominanten Dynamik geprägt ist, der sich Salem immer mehr hingibt. Doch bald mehren sich unheimliche Vorkommnisse: Stimmen im Haus, verschwundene Gäste und das Gefühl, dass etwas Böses die Insel durchdringt.

Der Auftakt dieser Dark-Romance-Geschichte verspricht mit seiner düsteren, atmosphärisch dichten Kulisse viel Potenzial. Die abgelegene Insel, das unheimliche Herrenhaus und die mysteriöse Stimmung bilden eine gelungene Grundlage für eine spannende Story. Auch das Grundkonzept mit einer okkulten Bedrohung und der ungewissen Wahrheit über Rayne und die Inselbewohner ist spannend und hält die LeserInnen bis zum Schluss in Atem.

Allerdings gerät diese vielversprechende Handlung leider häufig in den Hintergrund. Die Erotikszenen nehmen einen derart großen Raum ein, dass die eigentliche Geschichte darunter leidet. Fast jedes zweite Kapitel dreht sich vorrangig um das Sexleben der beiden Protagonistinnen, was auf Dauer zu viel des Guten ist. Hier hätte weniger eindeutig mehr sein können – zugunsten einer vertieften Handlung und emotionalen Entwicklung.

Auch mit den Figuren konnte ich mich nicht richtig anfreunden. Rayne bleibt aufgrund ihrer distanzierten Art eindimensional und Salem wirkt in vielen Momenten extrem naiv und wenig reflektiert. Ihre übertriebene Unterwürfigkeit und ihr Leichtsinn ließen sie wenig glaubhaft erscheinen. Auch die Dialoge zwischen den beiden waren nicht tiefgründig genug, um mich von ihrer Beziehung zu überzeugen.

Trotz dieser Kritikpunkte hat mich die düstere Grundstimmung gepackt. Die unheilvolle Atmosphäre der Insel, das Gefühl der Isolation, die düsteren Geheimnisse der Bewohner und das unheimliche Flüstern im Wald waren gut beschrieben und haben ein unterschwelliges Unbehagen erzeugt. Auch wenn die Auflösung für mich wenig überraschend war, wurde die Spannung bis zum Schluss gut gehalten und die Geschichte war insgesamt solide konstruiert.

Fazit:
„House of Rayne“ verfügt über eine starke Atmosphäre und einen interessanten Story-Ansatz, doch der Fokus auf die erotische Ebene bremst das Potenzial der Geschichte deutlich aus. Wer gerne Erotik mit einer Prise Mystery liest, wird hier fündig. Für alle, die sich jedoch mehr Tiefgang und überzeugendere Charaktere wünschen, bleibt das Buch eher ein durchwachsenes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Zwischen Beauty, Chaos und Krimi: Ein schräger Fall für Miss Brooks

Miss Vergnügen
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Als ihr Ehemann sie während eines Aufenthalts in Wien kurzerhand aussetzt, steht Miss Brooks plötzlich allein da – mitten in der Stadt, in der auch ihre Schwester lebt, mit der sie allerdings seit Jahren ...

Als ihr Ehemann sie während eines Aufenthalts in Wien kurzerhand aussetzt, steht Miss Brooks plötzlich allein da – mitten in der Stadt, in der auch ihre Schwester lebt, mit der sie allerdings seit Jahren ein schwieriges Verhältnis hat. Doch statt sich unterkriegen zu lassen, beginnt Miss Brooks, ihr Leben neu zu sortieren. Mit einer ordentlichen Portion britischer Gelassenheit und schwarzem Humor nimmt sie ihre neue Realität an – und stolpert dabei unverhofft in eine Welt aus Glitzer, Geheimnissen und Verbrechen.

Martina Parker ist mit diesem Krimi ein unterhaltsamer und herrlich eigenwilliger Serienauftakt gelungen. Miss Brooks ist eine Protagonistin, die man so schnell nicht vergisst: charmant, ein bisschen eigensinnig und mit einem Herz voller guter Absichten. Ihre handgemachten Sorgenpüppchen mit positiven Botschaften sind eine liebevolle Idee, die der Figur noch mehr Tiefe und Charme verleihen. Überhaupt lebt dieser Krimi sehr von seiner Hauptfigur, die mit viel britischem Witz, Eigenart und einem scharfen Blick durch die Geschichte führt.

Besonders gut gefallen hat mir der Einblick in die Beautybranche. Man merkt, dass die Autorin hier sehr genau weiß, wovon sie schreibt. Die kleinen Details, die Mechanismen im Hintergrund, die Oberflächlichkeiten und Machtspiele, all das ist glaubwürdig eingeflochten und gibt dem Krimi eine moderne, originelle Note.

Allgemein ist die Handlung abwechslungsreich, unterhaltsam und mit kleinen Überraschungen gespickt. Der Kriminalfall entwickelt sich spannend, auch wenn die Auflösung für meinen Geschmack nicht ganz an das unterhaltsame Tempo und die dichte Atmosphäre der Geschichte heranreicht. Trotzdem bleibt die Story an sich rund und schlüssig.

Die österreichischen Rezepte am Ende des Buches waren eine charmante Überraschung, wenn auch im ersten Moment etwas unerwartet in einem Krimi, der in der schillernden Beautywelt spielt. Vielleicht hätte eine augenzwinkernde Ergänzung zum Thema, wie eine DIY-Beauty-Anleitung oder ein humorvoller Beautytipp von Miss Brooks, noch besser gepasst.


Fazit:
Ein unterhaltsamer Wohlfühlkrimi mit einer starken Portion Humor, einer erfrischend eigenwilligen Protagonistin und einem herrlich bissigen Blick auf die Beautybranche. Miss Brooks verspricht Krimiunterhaltung der etwas anderen Art – schräg, smart und sehr charmant.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Eine sommerliche Auszeit mit vorhersehbarem Verlauf

Sommersehnsucht und Meeresglitzern
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Die Architektin Lina steht vor einem Scherbenhaufen: Ihre Ehe kriselt und ihre Tochter Marie will plötzlich die Schule schmeißen. Um Abstand zu gewinnen und um einen klaren Kopf zu bekommen reist sie kurzerhand ...

Die Architektin Lina steht vor einem Scherbenhaufen: Ihre Ehe kriselt und ihre Tochter Marie will plötzlich die Schule schmeißen. Um Abstand zu gewinnen und um einen klaren Kopf zu bekommen reist sie kurzerhand nach Capri zu ihren Schwestern. Dort stößt sie nicht nur auf eine alte Familiengeschichte, die eng mit der Vergangenheit ihres Vaters verwoben ist, sondern auch auf den charmanten Schreiner Luca. Gemeinsam mit ihm restauriert sie ein verwunschenes Häuschen und findet dabei nicht nur neue Kraft, sondern vielleicht auch eine neue Liebe.

Für mich war der Verlauf der Geschichte leider in vielen Teilen vorhersehbar. Besonders Linas persönliche Entwicklung und das Verarbeiten ihrer Ehekrise gingen sehr schnell voran. Für mich persönlich viel zu schnell. Innerhalb weniger Tage scheint sie nicht nur zur Ruhe zu kommen, sondern auch offen für eine neue Beziehung zu sein. Diese schnelle Wandlung wirkte auf mich unrealistisch und nahm der Geschichte etwas von ihrer emotionalen Tiefe.

Auch das große Familiengeheimnis, das im Vorfeld stark angedeutet wurde, konnte mich in der Auflösung nicht überzeugen. Das drastische Handeln des Großvaters war für mich nicht ausreichend nachvollziehbar und ließ mich eher ratlos zurück.

Was die Geschichte jedoch wunderbar lebendig macht, sind die stimmungsvollen Beschreibungen der Insel Capri. Das warme Licht, das Glitzern des Meeres und die mediterrane Atmosphäre entfalten sich beim Lesen fast wie ein Kurzurlaub. In mir wurde definitiv die Reiselust geweckt! Auch die Idee, am Ende des Romans die Rezepte zu den im Buch erwähnten Speisen aufzuführen, fand ich richtig schön. Das hat für mich die Geschichte ein bisschen aufgewertet.

Fazit:
„Sommersehnsucht und Meeresglitzern“ ist eine sommerlich-leichte Lektüre mit einem traumhaften Setting. Zwar bleiben einige emotionale Entwicklungen und die Auflösung der Familiengeschichte eher oberflächlich, doch die Atmosphäre, das Capri-Flair und die liebevollen Details, wie die Rezepte, machen das Buch dennoch zu einer schönen Urlaubslektüre für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Zwischen Pflicht und Herz – Annas mutiger Weg

Ein verhängnisvolles Testament
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Im Südwesten Deutschlands, 1590: Kaum ist Elisabeth von Thannberg Witwe, droht ihr bereits der nächste Schicksalsschlag. Laut eines alten Vertrags soll der Besitz der Familie an den Kurfürsten von Trier ...

Im Südwesten Deutschlands, 1590: Kaum ist Elisabeth von Thannberg Witwe, droht ihr bereits der nächste Schicksalsschlag. Laut eines alten Vertrags soll der Besitz der Familie an den Kurfürsten von Trier fallen – sofern kein männlicher Erbe vorhanden ist. Elisabeths Schwangerschaft verschafft ihr etwas Zeit, doch Gewissheit bringt sie nicht. Um dem drohenden Verlust von Thannberg nicht tatenlos entgegenzusehen, schickt sie ihre kluge und mutige Kusine Anna ins Kloster Laach. Dort sollen Aufzeichnungen über die Familie Hinweise auf mögliche weitere männliche Nachkommen liefern – und tatsächlich: Es scheint noch einen entfernten Erben der Thannbergs zu geben. Doch die Lage bleibt brenzlig, denn wenn Elisabeth keinen Sohn zur Welt bringt, steht ihr gesamtes Leben auf dem Spiel.

Was der Klappentext nur am Rande andeutet: Die wahre Hauptfigur der Geschichte ist Anna – eine starke, kluge Frau in einer männerdominierten Welt, die unbeirrt für das Wohl und die Rechte ihrer Familie kämpft. Ihre Rolle entwickelt sich dabei zu einem der spannendsten und emotional berührendsten Elemente des Romans.

Die historischen Intrigen und politischen Verflechtungen, die sich um das Thannberger Erbe spinnen, fand ich sehr gelungen. Besonders die heimlichen Absprachen, taktischen Spielchen und unterschwelligen Bedrohungen sorgen für eine konstante Spannung. Gleichzeitig wird auch Elisabeths innere Verzweiflung greifbar geschildert – ihr Kampf gegen Angst, Kontrollverlust und gesellschaftliche Zwänge berührt.

Ein echtes Highlight war für mich die Recherche um den letzten Thannberg-Nachkommen: Der erste Besuch auf seinem Gut war voller skurriler Momente, die mit einem feinen Humor geschildert wurden und für eine willkommene Auflockerung sorgten.

Besonders schön fand ich, wie sich im Laufe der Handlung auch Annas persönliches Glück abzeichnet. Ihre Entwicklung – von einer klugen, aber unterschätzten jungen Frau zu einer starken Persönlichkeit – ist überzeugend erzählt. Die Versöhnung mit ihrem Bruder und dessen Frau hat mich sehr bewegt, vor allem, weil diese schließlich anerkennen, welches Potenzial und Herz in Anna stecken.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Ein Ort mit Potenzial – aber ohne Herz

Ein ganz besonderer Ort
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Suzanna Peacock kehrt mit ihrem Mann Neil zurück in ihr Heimatstädtchen – nicht ganz freiwillig, sondern aus finanziellen Gründen. Obwohl sie nach außen hin ein geregeltes Leben führt, fühlt sie sich innerlich ...

Suzanna Peacock kehrt mit ihrem Mann Neil zurück in ihr Heimatstädtchen – nicht ganz freiwillig, sondern aus finanziellen Gründen. Obwohl sie nach außen hin ein geregeltes Leben führt, fühlt sie sich innerlich leer. Ihre Ehe wirkt brüchig, die Beziehung zu ihrer Familie ist belastet, und über allem schwebt die ungeklärte Frage nach ihrer leiblichen Mutter, die sie nie kennengelernt hat.

Auf der Suche nach Orientierung wagt Suzanna einen Neuanfang und eröffnet das „Peacock Emporium“ – einen kleinen, charmanten Laden mit integriertem Café. Was zunächst als Versuch beginnt, sich abzulenken, wird schnell zu etwas Größerem: einem Ort der Begegnung, an dem sich Menschen verbinden – und Suzanna langsam beginnt, ihren Platz im Leben zu finden.

Leider hat mich das Hörbuch nicht so sehr mitgenommen, wie ich es von Jojo Moyes gewohnt bin. Besonders irritierend fand ich den häufigen Wechsel zwischen Zeiten und Perspektiven ohne akustische Trennung oder erkennbare Übergänge. Plötzlich befand man sich in der Vergangenheit oder bei einer anderen Figur, ohne dass dies auf Anhieb ersichtlich war. Das hat den Hörfluss deutlich erschwert und mich immer wieder aus der Geschichte gerissen.

Auch mit Suzanna als Hauptfigur bin ich nicht richtig warm geworden. Obwohl ihre Vergangenheit im Verlauf des Romans Stück für Stück enthüllt wird, bleibt ihre Entwicklung als Figur eher blass. Ihre ständig negative Haltung, ihre Unzufriedenheit und ihr Pessimismus ziehen sich wie ein grauer Schleier durch die Geschichte. Besonders schwer nachzuvollziehen war für mich, wie wenig sie die liebevollen Gesten und das Wohlwollen ihrer Familie anerkennt. Trotz aller Unterstützung – sei es emotional oder finanziell – stößt sie Menschen von sich, die ihr helfen wollen. Ihre privilegierte Ausgangssituation scheint ihr dabei kaum bewusst zu sein.

Was mir hingegen gut gefallen hat, waren die atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen. Diese waren sehr bildhaft und haben für mich das englische Kleinstadt-Flair greifbar gemacht. Auch das Konzept des „Peacock Emporiums“ als Ort der Begegnung hat Potenzial. Es hätte jedoch noch stärker in den Fokus rücken dürfen.

Fazit:
„Ein ganz besonderer Ort“ ist ein ruhiger Roman über Selbstsuche, Zugehörigkeit und alte Wunden. Das Hörbuch bietet schöne Szenerien und gute Grundideen, verliert aber durch unsaubere Übergänge und eine schwer zugängliche Hauptfigur an Wirkung. An sich ist es kein schlechtes Buch, aber für mich auch kein besonders bewegendes.

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