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Christina19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.05.2026

Umfangreiche Grundlagen, viele Rezepte und übersichtliche Gestaltung

Fermentieren – Twist your Taste!
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Inhalt:
Fermentierte Lebensmittel sind in aller Munde – im wahrsten Sinne des Wortes! Dank ihrer positiven Wirkung auf das Darmmikrobiom und damit unsere Gesundheit sind sie seit jeher bekannt und liegen ...

Inhalt:
Fermentierte Lebensmittel sind in aller Munde – im wahrsten Sinne des Wortes! Dank ihrer positiven Wirkung auf das Darmmikrobiom und damit unsere Gesundheit sind sie seit jeher bekannt und liegen auch aktuell wieder im Trend. Wie vielfältig die Welt der Fermente ist, verdeutlicht Nadine Schünemann in diesem Buch. Sie gibt einen umfassenden Einblick in Grundlagen, liefert viele Rezepte und zeigt, wie man mit seinen Ergebnissen jedem Gericht den besonderen Twist geben kann.

Meine Meinung:
Mit „Fermentieren – Twist your Taste“ ist vor gar nicht allzu langer Zeit ein neues Buch über die jahrtausende alte Technik des Haltbarmachens erschienen. Auf über 200 Seiten liefert es spannende Einblicke, anregende Rezepte und hilfreiche Tipps rund um das Thema.
Im ersten Kapitel hat Nadine Schünemann ihr Wissen zu notwendigen Grundlagen zusammengetragen. Dieser Teil ist sehr umfangreich, aber auch unglaublich lehrreich und damit keineswegs zu langatmig. Die Autorin erklärt unter anderem die Arten der Fermentation und beschreibt förderliche Bedingungen. Insbesondere der Abschnitt dazu, was potentiell schief gehen kann, ist durch zahlreiche Fotos sehr hilfreich. So fühle ich mich gut gewappnet, nach einigen Fehlversuchen im letzten Jahr noch einmal mit dem Fermentieren zu beginnen. Vor dem Start benötigen Anfänger möglicherweise noch einiges an Ausstattung. Auch hierüber gibt Nadine Schünemann einen Überblick und verweist dabei auf die Produkte der Marke Lieblingsglas, deren Gründerin sie ist. Die Eigenwerbung ist an dieser Stelle zwar nachvollziehbar, dennoch empfinde ich sie als störend, zumal die Produkte in meinen Augen sehr hochpreisig (und anderswo deutlich günstiger zu haben) sind.
Die Rezepte im zweiten Kapitel des Buches sind vielfältig und reichen von Sauerteig über Rotkohl, Erdbeeren und Senf bis hin zu Kefir und Kombucha. Auf jeder Seite werden die Zutaten übersichtlich aufgelistet und die Zubereitung verständlich beschrieben. Gut gefällt mir, dass es zu jedem Rezept ein Foto gibt und kleine Icons beispielsweise die Zubereitungszeit, Fermentationszeit und Haltbarkeit auf den ersten Blick darstellen.
Im dritten und damit letzten Kapitel folgen weitere Rezepte zur Verwendung der Fermente in komplexeren Gerichten. Ob Birchermüsli, Miso-Zitronen-Pasta oder Brownies, hier sieht eine Mahlzeit besser aus als die andere!
Ganz gleich, ob man mit dem Fermentieren beginnen möchte oder schon Erfahrung hat, wer auf der Suche nach einem Buch zum Thema ist, ist mit diesem gut beraten!

Veröffentlicht am 03.05.2026

Schwierige Themen authentisch verpackt

Es war nicht anders möglich
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📖 Inhalt:
Wie soll man mit dem Td des eigenen Vaters umgehen – vor allem, wenn es ein Vater war, der nie anwesend gewesen ist und im eigenen Leben somit kaum eine Rolle spielte?
Obwohl sie ihn nur wenig ...

📖 Inhalt:
Wie soll man mit dem Td des eigenen Vaters umgehen – vor allem, wenn es ein Vater war, der nie anwesend gewesen ist und im eigenen Leben somit kaum eine Rolle spielte?
Obwohl sie ihn nur wenig kannte, lässt Martina die Nachricht vom Tod ihres Vaters nicht unberührt. Bei einem Getränk in der Kneipe um die Ecke hofft sie auf Ablenkung. Doch aus einem Getränk werden zwei, drei, vier … . Und aus einem Abend in der Kneipe werden Wochen, in denen sich Martina immer mehr in den Alkohol flüchtet – bis sie sich schließlich der Vergangenheit stellen muss.

🗣 Meine Meinung:
In ihrem Debütroman „Es war nicht anders möglich“ schreibt Svenja Liesau über eine Frau, die mit Mitte dreißig ihren Vater verliert. Sie wagt sich damit an ein Thema heran, das emotional sehr belastend sein kann. Für ihre Hauptfigur Martina ist es das auch, obwohl sie zeitlebens keine enge Bindung zu ihm hatte. Sie stürzt sich in lange Kneipennächte, wo sie den unterschiedlichsten Menschen begegnet. Martina lernt deren Lebensgeschichten kennen und versucht damit den eigenen Problemen zu entkommen. Svenja Liesau schildert all das in einer Art und Weise, die authentischer nicht sein könnte: Sie schreibt in Ich-Perspektive, nutzt teils kurze Sätze und erzählt mitunter recht sprunghaft, sodass man das Gefühl hat, geradewegs in den Körper von Martina geschlüpft zu sein und ihre Gedanken mitlesen zu können. Was in der Protagonistin vor sich geht, ist oft voller Ironie und Sarkasmus. Sie liebt Wortspiele und hat gelegentlich absolut irrwitzige Gedankengänge, was den Roman sehr unterhaltsam sowie kurzweilig macht. Während des Lesens konnte ich an keiner Stelle erahnen, worauf Martinas Kneipenabende am Ende hinauslaufen werden. Der Verlauf der Handlung hat mich daher wirklich überrascht. Hier sei angemerkt, dass es eine für den Ausgang der Geschichte entscheidende Textstelle gibt, die ich als grenzwertig empfinde. Zwar halte ich das, was da beschrieben wird, für authentisch, gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass es für bestimmte Personengruppen einen Trigger darstellt. Wer mit belastenden Themen wie Tr
uma, Td, Trauer und Scht nicht gut umgehen kann, sollte den Roman daher mit Vorsicht genießen. Ich selbst habe „Es war nicht anders möglich“ dank der besonderen Erzählweise sehr gerne gelesen.

Veröffentlicht am 02.05.2026

Humorvolle Geschichte über Moral mit reduzierter Gestaltung

Wo ist mein Hut?
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📖 Inhalt:
Bär ist auf der Suche nach seinem Hut. Er vermisst ihn schmerzlich und fragt daher jeden danach, der ihm begegnet: den Fuchs, den Frosch, den Hasen, ... . Doch niemand will den Hut gesehen haben. ...

📖 Inhalt:
Bär ist auf der Suche nach seinem Hut. Er vermisst ihn schmerzlich und fragt daher jeden danach, der ihm begegnet: den Fuchs, den Frosch, den Hasen, ... . Doch niemand will den Hut gesehen haben. Erst, als ihm der Hirsch eine entscheidende Frage stellt, fällt Bär ein, wo er seinen Hut zuletzt gesehen hat.

🗣 Meine Meinung:
Kennt ihr schon Jon Klassen? Der kanadische Schriftsteller und Illustrator wurde kürzlich mit dem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichnet – einem Preis, der auch als „Nobelpreis für Kinderliteratur“ bezeichnet wird. Nachdem mir seine Bücher in den letzten Jahren immer wieder in der Buchhandlung begegnet und durch ihren ganz eigenen Stil aufgefallen sind, nun also Grund genug, sich eines der Werke endlich näher anzusehen.
„Wo ist mein Hut“ erschien erstmals 2012 in deutscher Übersetzung. Es erzählt die Geschichte von einem Bären, der seinen verlorengegangenen Hut sucht. Der Autor umreißt die Geschehnisse mit nur wenigen Sätzen – im Übrigen ausschließlich wörtliche Rede – und behandelt dennoch bedeutende Themen: Hier geht es um Eigentum und Diebstahl ebenso wie um Ehrlichkeit und Lügen. Die Geschichte veranlasst seine Leser und Leserinnen also dazu an, moralische Werte zu reflektieren. Vor allem das Ende, das eine unerwartete und witzige Pointe bereithält, lädt zum gemeinsamen Austausch ein. Mit diesem feinen Humor spricht „Wo ist mein Hut“ Kinder und Erwachsene gleichermaßen an.
Die Illustrationen Jon Klassens gehen Hand in Hand mit dem Text: Dort, wo der Künstler kein Wort zu viel schreibt, ist auch keiner seiner Pinselstriche überflüssig. Die Bilder sind schnörkellos und reduziert auf das Wesentliche. Durch diesen fast schon plakativen Stil wirken die Zeichnungen überaus kraftvoll. Besonders mag ich ja den Ausdruck der Tiere in ihren Augen – manche Blicke sprechen Bände. Zum Schießen komisch!
Unbedingt erwähnt werden muss außerdem das Zusammenspiel von Illustration und Textgestaltung. Die direkte Rede ist beispielsweise mit Farben so akzentuiert, dass man genau zuordnen kann, welches Tier welche Worte spricht. Einige Sätze sind zudem in Großbuchstaben geschrieben, was die Emotionen der Figuren in der jeweiligen Situation treffend transportiert. An genau solchen vermeintlichen Kleinigkeiten merkt man, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, denn sie machen ein gutes (Bilder-)Buch aus!
Vollkommen zu Recht brachte „Wo ist mein Hut“ Jon Klassen im Jahr 2013 den Deutschen Jugendliteraturpreis und verhalf ihm zu seinem Durchbruch. Seither sind etliche weitere Bücher erschienen, auf die ich nun umso neugieriger bin!

Veröffentlicht am 08.04.2026

Eine vielschichtige Geschichte in sanfter, poetischer Sprache – Berührend!

Ein Hund namens Katze
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Inhalt:
Obwohl er ein Hund ist, heißt er Katze. Seine Mutter taufte ihn so, da sie sich wünschte, er würde unabhängig wie eine Katze. Doch der Mischling fühlt sich so gar nicht unabhängig. Nur einsam. ...

Inhalt:
Obwohl er ein Hund ist, heißt er Katze. Seine Mutter taufte ihn so, da sie sich wünschte, er würde unabhängig wie eine Katze. Doch der Mischling fühlt sich so gar nicht unabhängig. Nur einsam. Nachdem er einige Zeit durch die finnische Provinz gestreift ist und vergebens Anschluss gesucht hat, trifft der Hund namens Katze eines Tages in Helsinki auf einen Mann namens Marder. Diese Begegnung wird das Leben beider für immer verändern. …

Meine Meinung:
Was habe ich mich gefreut, als mir die Post diese berührende Bilderbuchgeschichte gebracht hat! "Ein Hund namens Katze" ist bereits vor über 10 Jahren in Finnland erstmals veröffentlicht worden und wurde nun auch ins Deutsche übersetzt.
Die Geschichte erzählt von einem kleinen Hund, der seinen Vater nie kennengelernt hat. Damit er eigenständig und unabhängig wie eine Katze wird, wird er von seiner Mutter Katze genannt, ehe auch sie ihn früh verlässt. Von nun an ist er auf sich gestellt - und fühlt sich unglaublich einsam. Tomi Kontio beschreibt die Lage seiner Hauptfigur mit sanften, beinah poetischen Worten, sodass man von Beginn an auf jeder Seite mitfühlt - einfach herzzerreißend!
In Marder trifft der Hund namens Katze schließlich Jemanden, der so ist, wie er selbst: ein Obdachloser, ein Außenseiter. Er fasst Vertrauen und findet in dem Mann einen unerwarteten Freund.
Die Geschichte feiert jedoch nicht nur die überraschende Freundschaft zweier einsamer Seelen, sondern greift auch die Themen Identität sowie soziale Ungleichheit auf. Da ist Katze, der von reinrassigen Hunden als räudiger Mischling herabgestuft wird. Und da ist Marder, der sich selbst als Penner und Alki bezeichnet.
Die Illustrationen zu Tomi Kontios vielschichtiger Geschichte stammen von Elina Warsta. Sie treffen den Ton (und all die Zwischentöne) des Autors genau und sind damit eine wahre Bereicherung für den Text.
„Ein Hund namens Katze“ ist der Auftakt einer fünfbändigen Reihe. Ich freue mich daher schon auf weitere bezaubernde Geschichten rund um den Hund namens Katze und seinen Freund Marder freuen!

Veröffentlicht am 06.04.2026

Poetische Geschichte mit außergewöhnlichen Illustrationen

Du bist mein Anfang
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Inhalt:
„Wo komme ich her?“, wundert sich der kleine Hase. „Alles Lebendige kommt vom Frühling“, erfährt er von seinen Eltern und begibt sich daraufhin auf die Suche nach dem Frühling. Auf seiner Reise ...

Inhalt:
„Wo komme ich her?“, wundert sich der kleine Hase. „Alles Lebendige kommt vom Frühling“, erfährt er von seinen Eltern und begibt sich daraufhin auf die Suche nach dem Frühling. Auf seiner Reise in Richtung Osten trifft er allerhand Tiere. Das Wildschwein, das Reh, der Fuchs und einige weitere helfen ihm, die richtige Antwort auf seine Frage zu finden – und die liegt näher, als der kleine Hase vermutet.

Meine Meinung:
In ihrer märchenhaften Geschichte erzählt Octavie Wolters von einem kleinen Hasen namens Hops, der den Ursprung des Lebens sucht. Er folgt dafür dem Lauf des Flusses, trifft viele unterschiedliche Tiere und erlebt alle Jahreszeiten. Als er das Ende des Flusses erreicht, erkennt Hops, dass diese Quelle zugleich der Anfang des Gewässers ist. Hier wird ihm klar, wo sein eigener Anfang liegt – eine Erkenntnis, die für junge Kinder womöglich nicht auf Anhieb zu verstehen ist und Erklärung bedarf. Mit seiner philosophischen Botschaft richtet sich das Buch tatsächlich auch laut Verlag nicht nur an Kinder, sondern ausdrücklich auch an Erwachsene.
Die Illustrationen sind nach meiner Auffassung von hohem künstlerischem Wert. Sie sind allesamt als Linolschnitte entstanden, die ausschließlich in schwarz gedruckt wurden. Dadurch ergibt sich eine kontrastreiche und ausdrucksstarke Wirkung. Diese wird dadurch verstärkt, dass die Künstlerin auf eine verspielte, verniedlichende Darstellung verzichtet und stattdessen auf eine reduzierte Formensprache setzt. Mit seiner Gestaltung sticht Octavie Wolters „Du bist mein Anfang“ für mich unter anderen Bilderbüchern heraus – definitiv ein außergewöhnliches Buch!