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Christina19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2026

Sprachlich anspruchsvolle feministische Literatur

Das Tränenhaus. Roman
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Inhalt:
Obwohl sie nicht verheiratet ist, ist Cornelie schwanger - zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Skandal! Die Schriftstellerin zieht sich in ein Frauenheim zurück, in dem sie ihre Schwangerschaft ...

Inhalt:
Obwohl sie nicht verheiratet ist, ist Cornelie schwanger - zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Skandal! Die Schriftstellerin zieht sich in ein Frauenheim zurück, in dem sie ihre Schwangerschaft verbringt und später ihr Kind diskret zur Welt bringen kann. Während ihres Aufenthalts macht sie Bekanntschaft mit anderen werdenden Müttern und lernt deren Schicksale kennen. Der Umgang der Gesellschaft mit dem unehelichen Nachwuchs der Frauen missfällt Cornelie, sodass sie beschließt, ihren eigenen Weg zu gehen. Doch schon bald muss sie feststellen, welch hohen Preis eine Frau zu zahlen hat, wenn sie nach Unabhängigkeit strebt.

Meine Meinung:
„Das Tränenhaus“ ist eine Neuauflage des 1908 erstmals erschienenen Romans von Gabriele Reuter. Obwohl ich für gewöhnlich vor allem den Inhalt einer Geschichte beschreibe und kommentiere, möchte ich in diesem Fall auch die Gestaltung des Buches erwähnen: Die Oberfläche des Einbandes hat eine ganz besondere Haptik. Sie fühlt sich fast wie Leinen an und lässt die Hardcover-Ausgabe damit sehr hochwertig erscheinen. Wirklich schön gemacht!
Inhaltlich hat der Roman einen außergewöhnlichen Einblick in eine Zeit zu bieten, die für mich beim Lesen teils unvorstellbar wirkte, teils aber auch noch immer aktuell ist. Den Kern der autobiografischen Geschichte bildet die Schwangerschaft von Cornelie sowie den Umgang der Gesellschaft mit dieser. Jungen Frauen, wie die Protagonistin eine ist, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts h*renhaftes Verhalten vorgeworfen, wenn sie uneheliche Kinder austrugen. Sie genossen also kein gutes Ansehen in der Gesellschaft, was dazu führte, dass sie die Schwangerschaft und ihren Nachwuchs zu verheimlichen versuchten. Was aus dieser Not resultierte, war für mich unfassbar zu lesen: Eine der jungen Mütter freute sich beispielsweise, als ihr Neugeborenes kurz nach der Geburt verstarb. Das Baby einer anderen kam gesund zur Welt und sollte deshalb zu einer Pflegemutter gegeben werden. Überlebte wiederum die Mutter die Geburt nicht, erfanden einige Familien gar Geschichten, woran sie gestorben sei, um die Schande von der Familie abzuwenden.
Als einzige der Frauen im Heim beugt sich Cornelie den vorherrschenden gesellschaftlichen Konventionen nicht. Sie schlägt einen eigenen Weg ein und wirkt damit deutlich emanzipierter als ihr Umfeld. Der Roman leistet damit einen wichtigen Beitrag zur feministischen Literatur. Heutzutage herrschen glücklicherweise keine derartigen Zustände mehr, dennoch sind es noch immer häufig die Frauen, denen im Falle einer ungewollten Schwangerschaft ein Fehlverhalten und damit die Schuld an der Situation zugewiesen wird. „Das Tränenhaus“ ist daher in gewisser Hinsicht noch immer aktuell.
Obwohl der Roman aufgrund seines Alters sprachlich anspruchsvoll ist und mir beim Lesen Konzentration abverlangte, ist er für alle lesenswert, die sich für feministische Literatur interessieren.

Veröffentlicht am 12.03.2026

Verständliche Erklärungen und tolle Rezepte!

Der Histamin-Masterplan
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In „Der Histamin-Masterplan“ beschreibt Dr. med. Jörn Klasen ein ganzheitliches Programm für Histamin-geplagte Menschen. Der Autor ist Facharzt für innere Medizin, Ernährungsmediziner und Experte für integrative ...

In „Der Histamin-Masterplan“ beschreibt Dr. med. Jörn Klasen ein ganzheitliches Programm für Histamin-geplagte Menschen. Der Autor ist Facharzt für innere Medizin, Ernährungsmediziner und Experte für integrative sowie naturheilkundliche Verfahren. Als solcher ist er als „Ernährungs-Doc“ im NDR bekannt und hat schon einige Bücher zu unterschiedlichen Krankheitsbildern herausgebracht. In diesem Buch nun widmet er sich dem, wie er es nennt, „Histamin-Überschuss-Syndrom“.
In einem theoretischen Teil erklärt er zunächst, welche Funktionen Histamin im menschlichen Körper erfüllt, bevor er mögliche Ursachen eines Histamin-Überschusses und die daraus resultierenden Symptome benennt. Hier bin ich doch sehr überrascht worden, was alles hinter einem zu hohen Histaminwert im Körper stecken kann. Es gilt dann, diverse andere Krankheitsbilder als Ursache auszuschließen und somit vom Verdacht zur Diagnose zu gelangen. Dr. med. Klasen erläutert schließlich, wie man sein Wohlbefinden mit der richtigen Ernährung und dem entsprechenden Lebensstil steigern kann. Dieser ganzheitliche und vor allem natürliche Ansatz gefällt mir gut, da er die Einnahme von Medikamenten zu vermeiden hilft. All seine Ausführungen sind logisch und strukturiert aufgebaut sowie anschaulich und leicht nachvollziehbar dargelegt. So gibt es beispielsweise eine umfangreiche Tabelle, die auf den ersten Blick zeigt, welche Lebensmittel gut verträglich sind und welche besser vermieden werden sollten.
Es folgt schließlich ein wirklich umfangreicher Rezeptteil, der keine Wünsche offenlässt! Von Frühstücksgerichten über Salate, Suppen und Hauptgerichte bis hin zu Desserts bietet das Buch eine große Bandbreite an histaminarmen Mahlzeiten. Ich bin wirklich begeistert von den Optionen und habe nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen. Ein einziges Manko sehe ich in den Zutatenlisten: Man braucht für die Gerichte mitunter viele Lebensmittel, die nicht aufgebraucht werden (z. B. Sahne, Brokkoli usw.). In einem kleinen Haushalt mit nur ein oder zwei Personen muss man also schauen, wie man die Reste alsbald weiterverwerten kann, sodass sie nicht verderben.
Insgesamt dennoch ein wirklich empfehlenswertes Buch für Jeden, der Probleme mit einem Zuviel an Histamin im Körper hat!

Veröffentlicht am 12.03.2026

Witziges interaktives Bilderbuch mit einfacher Gestaltung

Dieses Buch ist gefährlich
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„Dieses Buch ist gefährlich“ ist ein Bilderbuch der etwas anderen Art. Eine kleine Qualle möchte gerettet werden und fordert seine Leser und Leserinnen dazu auf, ihr dabei zu helfen. Dabei schlittert sie ...

„Dieses Buch ist gefährlich“ ist ein Bilderbuch der etwas anderen Art. Eine kleine Qualle möchte gerettet werden und fordert seine Leser und Leserinnen dazu auf, ihr dabei zu helfen. Dabei schlittert sie von einer gefährlichen Situation in die nächste. Auf sie warten unter anderem Seeschlangen, eine alte Kanone und vieles mehr…
Die Gestaltung des Buches ist mit seinen schlichten Illustrationen eher einfach gehalten. In den Bildern hätte ich mir mehr Details und entsprechend mehr Tiefe gewünscht. Die Schrift ist auf allen Seiten sehr groß und könnte für meinen Geschmack etwas kleiner sein. Das, was dieses Buch letzten Endes aber ausmacht, ist sein Inhalt: Es animiert Kinder zum Mitmachen. So werden sie gefragt, welcher Weg wohl der richtige ist, sollen sich leise verhalten und dürfen bestimmte Bilder im Buch nicht berühren – klar, dass es den Kleinen riesigen Spaß bereitet, genau das Gegenteil von dem zu tun, worum die kleine Qualle sie bittet. So kommt es zu allerlei überraschenden, vor allem überraschend witzigen Situationen. Trotz meiner Kritiken hinsichtlich der Gestaltung ist dies also ein Buch, das sicherlich immer wieder gerne zur Hand genommen wird.

Veröffentlicht am 11.03.2026

Ein rundum gelungenes Kinderbuch zum Arztbesuch!

Willkommen beim Kinderarzt
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„Willkommen beim Kinderarzt“ ist ein wertvolles Buch für jüngere Kinder und ihre Eltern zum Thema Arztbesuch. Auf wenigen Seiten begleitet man mehrere kleine Patienten in die Kinderarztpraxis. Sie kommen ...

„Willkommen beim Kinderarzt“ ist ein wertvolles Buch für jüngere Kinder und ihre Eltern zum Thema Arztbesuch. Auf wenigen Seiten begleitet man mehrere kleine Patienten in die Kinderarztpraxis. Sie kommen mit unterschiedlichen Anliegen oder Beschwerden, darunter eine notwendige Impfung oder eine Bindehautentzündung, die mit Augentropfen behandelt werden muss. In diesen Kontexten werden diverse medizinische Diagnoseinstrumente wie das Stethoskop, das Otoskop und ein Ophthalmoskop genannt und erklärt. Sprachlich ist die Geschichte also niveauvoll geschrieben, ohne Beschreibungen übermäßig zu vereinfachen oder Dinge gar künstlich zu verniedlichen. Besonders hervorzuheben sind Sprechblasen, die das Buch auf jeder Doppelseite bereithält und die Ratschläge beinhalten, die sich direkt an die Eltern richten. Hierbei gibt es ganz konkrete Hinweise, wie man sein Kind auf eine Behandlung vorbereiten, was man ihm erklären und was besser vermeiden sollte.
Die Illustrationen zum Text sind absolut kindgerecht: farbenfroh, sehr ansprechend in der Gestaltung und nicht zu überladen.
Toll finde ich außerdem, dass in dem Pappbilderbuch Diversität großgeschrieben wird: Die Figuren repräsentieren dank unterschiedlicher Namen, Hauttöne, Haarstrukturen und Gesichtszüge unterschiedliche ethnische und kulturelle Hintergründe, sodass sich hier jedes Kinder wiederfinden kann.
Kurzum: Ein rundum gelungenes Kinderbuch!

Veröffentlicht am 11.03.2026

Schabernack dank Kling-typischen Wortwitzen

Das NEINhorn-ABC
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Mit dem NEINhorn-ABC ist ein neues Buch in der mittlerweile recht umfangreichen Sammlung an NEINhorn-Werken erschienen. Marc-Uwe Kling und Astrid Henn haben in diesem überraschend kleinen Büchlein jedem ...

Mit dem NEINhorn-ABC ist ein neues Buch in der mittlerweile recht umfangreichen Sammlung an NEINhorn-Werken erschienen. Marc-Uwe Kling und Astrid Henn haben in diesem überraschend kleinen Büchlein jedem Buchstaben ein ganz besonderes Tier zugeordnet. In altbekannter Manier gibt es hier beispielsweise den Plappergei, die Schlangeweile und die Warummel, wobei von A bis Z kein Buchstabe ausgelassen wurde. Marc-Uwe Klings Ideen zeugen von seinem großen Einfallsreichtum und überraschen mit viel Witz, was das Buch sehr unterhaltsam macht. Die Zeichnungen von Astrid Henn verbildlichen die außergewöhnlichen Tiere treffend. Schön ist hierbei auch, wie die beiden Darstellungen links und rechts einer Doppelseite in ihren Sprechblasen aufeinander Bezug nehmen.
Ich kann mir das Buch sowohl für kleinere als auch für größere Kinder gut vorstellen. Während für die Jüngeren der Spaß im Vordergrund steht, ist es für ältere Kinder sicherlich ganz interessant, was der Autor sich zum Alphabet ausgedacht hat und kann somit Anlass für die Untersuchung von Sprache bieten. Hierfür sollte das Wissen um die korrekte Rechtschreibung von Wörtern meines Erachtens jedoch gefestigt sein, um den Wortwitz zu verstehen. Andernfalls könnten Tiere wie das Lahma, der Drohmedar, der Frohsch und die Quale bei Schreibanfängern womöglich dazu führen, dass falsche Schreibweisen eingeprägt werden.