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Veröffentlicht am 28.01.2023

Zum eintauchen

Die verbotene Zeit
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Auf den ersten Blick wirkt „Die verbotene Zeit“ von Claire Winter fast ein wenig einschüchternd. Knapp 600 eng und klein beschriebene Seiten. Doch das Buch ist unglaublich fesselnd und sehr bildhaft geschrieben. ...

Auf den ersten Blick wirkt „Die verbotene Zeit“ von Claire Winter fast ein wenig einschüchternd. Knapp 600 eng und klein beschriebene Seiten. Doch das Buch ist unglaublich fesselnd und sehr bildhaft geschrieben. Ich war schon auf der ersten Seite mitten im Geschehen. Eigentlich ist die Erzählweise relativ ruhig. Es passiert jetzt nicht am laufenden Band etwas Neues, aber man ist einfach sehr interessiert an den Charakteren und kann es kaum abwarten, hinter das Familiengeheimnis zu kommen.
In den 30er Jahren sind Edith und Dora beste Freundinnen. Seit ihrer Kindheit hängen sie fest aneinander und auch als verheiratete Frauen ändert sich an ihrer Bindung nichts.
40 Jahre später steht Carla im Mittelpunkt der Handlung. Nach einem Unfall kann sie sich an die letzten 6 Monate nicht mehr erinnern. Bei ihren Nachforschungen stellt sie fest, dass sowohl ihre Eltern, als auch ihr Mann Geheimnisse vor ihr haben. Warum ist ihre Schwester Anastasia vor vielen Jahren verschwunden und gibt es vielleicht einen Zusammenhang mit Edith, die ebenfalls verschwunden ist?
Claire Winter erzählt in vielen kurzen Kapiteln. Ich fand sowohl die Vergangenheitshandlung mit all seinen Charakteren, Intrigen und Verstrickungen sehr interessant als auch den Handlungsstrang in den 70er Jahren.
Ab ca. der Hälfte des Buches hatte ich eine Ahnung, was passiert sein könnte und lag damit auch richtig. Trotz der Vorhersehbarkeit verliert die Auflösung nichts an ihrer Tragik. Insbesonder mit Clara und Edith habe ich sehr mitgelitten.
„Die verbotene Zeit“ war ein tolles Buch, über das ich nur positives berichten kann.

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Veröffentlicht am 28.01.2023

Wenn die Bergidylle trügt

Grenzfall - In der Stille des Waldes
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„In der Stille des Waldes“ ist mittlerweile der dritte „Grenzfall“ Krimi von Anna Schneider. Ich finde diese Reihe super und auch das neue Buch hat mir wieder sehr gefallen.
Wie es schon der Titel vermuten ...

„In der Stille des Waldes“ ist mittlerweile der dritte „Grenzfall“ Krimi von Anna Schneider. Ich finde diese Reihe super und auch das neue Buch hat mir wieder sehr gefallen.
Wie es schon der Titel vermuten lässt, geht es mitten hinein, in die Natur, in den Wald. Die Autorin beschreibt originalgetreu die Landschaft. Idyllisch und rau gleichzeitig. Wald, Berge, Almen... dass ist genau meins und man kriegt wirklich Lust, sich wie Alexa und Jan auf eine Wanderung zu begeben.
Neben der tollen Atmosphäre liefert die Anna Schneider dieses Mal gleich zwei verzwickte Fälle. Während Alexa die Gegend nach einem Zeugen durchkämmt, wird Krammer in Österreich mit einem höchst merkwürdigen Fall konfrontiert. Zunächst ist es nur ein ausgestopfter Dachs mit einer kryptischen Nachricht im Maul, doch schon bald stößt Krammer auf menschliche Leichen...
Was mir an diesem Band wirklich gut gefallen hat, war der gruselige Unterton. Wenn man sich auf die Geschichte einlässt und sich eindenkt, dann löst jeder einzelne Aspekt Beklemmungen aus.
Alexa und Jan, die teilweise fern vom Handynetz durch einsames Gelände wandern (besonders anschaulich fand ich hier die Wolfsschlucht) oder Krammers Recherchen, die ihn ins Tiermuseum, zum Tierpräperator und ins Krematorium führen.
Zwischendurch gibt es immer wieder kurze Kapitel aus der Sicht einer ominösen „Sie“ und einem „Er“, die in Andeutungen grausame Szenarien beschreiben. Diese Einschübe fand ich besonders unheimlich, weil es lange Zeit undurchschaubar ist, um wen es sich handelt und zu welchem Fall die Personen gehören.
Krammers Fall ist definitiv sonderbarer. Die Autorin hat sich hier in Sachen Tod und Motiv wirklich etwas sehr außergewöhnliches überlegt.
Alexa wiederum ist dieses Mal nicht offiziell im Dienst. Aufgrund ihrer Verletzung und den Ereignissen aus Band 2 ist sie krankgeschrieben. Doch als sich ihr früherer Kollege und Schwarm Jan meldet und den Verdacht äußert, dass ihnen bei einem wichtigen Fall ein Fehler unterlaufen sein könnte, schließt sie sich ihm an.
In diesem Buch lernen wir Alexa noch besser kennen. Ihre Zweifel und Gefühle sowie ihren Ehrgeiz konnte ich gut nachvollziehen.
Was ich allerdings absolut schade fand war, dass Krammer und Alexa noch weniger Kontakt hatten als in Band 2. Die persönliche Beziehung zwischen den beiden hat sich seit Teil 1 nicht mehr weiterentwickelt. Dieses Mal gab es noch nicht mal eine berufliche Verbindung, denn die beiden Fälle stehen in keinem Zusammenhang. Dabei heißt die Reihe doch extra „Grenzfall“. Für Teil 4 hoffe ich sehr auf mehr Interaktionen zwischen den beiden Protagonisten. Der nächste Fall wird sicherlich sehr persönlich werden, wie es der mega Cliffhanger bereits verrät. Ich kann es kaum fassen, dass ich nun ein Jahr warten muss, bevor ich erfahre, wie es weitergeht.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Der geheime Traummann

Bissle Spätzle, Habibi?
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Der Klappentext von „Bissle Spätzle, Habibi?“ hat mich sofort angesprochen, da es nach einer modernen, romantischen Komödie klang. Die Autorin schreibt frei von der Leber weg und spricht thematisch vermutlich ...

Der Klappentext von „Bissle Spätzle, Habibi?“ hat mich sofort angesprochen, da es nach einer modernen, romantischen Komödie klang. Die Autorin schreibt frei von der Leber weg und spricht thematisch vermutlich vor allem ein Publikum zwischen 25 und 45 an.
Ich denke, wer selbst gerne auf Social Media, bei Prominews etc. unterwegs ist, wird sich hier wohlfühlen.
Der Roman ist in der Ich-Form aus Sicht der Schauspielerin Amaya geschrieben. Sie ist seit mehreren Jahren bei der Telenovela „Turm der Liebe“ (hihi, witzige Anspielung). Als Älteste von drei Geschwistern ist sie immer wieder Kommentaren und Verkupplungsversuchen von ihrer Mutter ausgesetzt. Ihre Eltern wünschen sich nichts mehr, als dass ihre 30-jährige Tochter endlich einen guten, muslimischen Ehemann findet.
Die Autorin beschreibt anschaulich und für mich realistisch, den Spagat, in dem Amaya sich befindet. Sie liebt ihre Familie und ihre Herkunft. Nur leider lässt sich ihr westlich geprägter Lebensstil nicht immer mit ihren marokkanischen Wurzeln vereinbaren.
Bisher dachte sie, ihr schlimmstes Geheimnis wäre, dass sie heimlich Alkohol trinkt. Doch als sie sich in den Schwaben Daniel verliebt, erreicht ihr Zwiespalt das nächste Level. Sie weiß einfach nicht, wie sie ihren Freund in die Familie einführen soll.
„Bissle Spätzle, Habibi“ ist nicht ganz so komödiantisch, wie ich es mir zu Beginn des Romans vorgestellt hatte. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto ernstere Töne schlägt die Autorin an, denn Amayas Verzweiflung wächst mit jedem Kapitel.
Daniel ist ihr Traummann. Er respektiert ihren Glauben und ihre Entscheidung, ihn geheim zu halten. Doch nach über einem Jahr Beziehung spürt Amaya, wie sich bei Daniel Frustration einstellt.
Parallel zur Handlung in der Gegenwart gibt es immer wieder kurze Rückblenden in Amayas Jugend. Diese Rückblenden tragen dazu bei, besser zu verstehen, warum sie so eine immense Angst vor der Ablehnung ihrer Eltern hat. Auch wenn ich wirklich mit Daniel mitgelitten habe und es nicht fair war, seine Gefühle so lange zu verletzten, konnte ich doch nachvollziehen, warum Amaya so handelt.
Diese Buch hat tolle Charaktere. Neben Amaya und Daniel machen insbesondere auch Klara, Ismael und Daniels Eltern Spass.
Ich fand den Roman super, auch wenn er anders als gedacht war. Zwar weniger witzig, aber dafür auch mit mehr Tiefgang als man allein von Titel und Covergestaltung her erwartet. Abla Alaoui hat auf jeden Fall Talent und ich hoffe, dass nach diesem Debüt noch mehr kommen wird.

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Veröffentlicht am 14.01.2023

Vanessa from the block

I Do It Mai Way
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„I do it Mai way“, die Biografie von Vanessa Mai, habe ich als Hörbuch gehört, gelesen von der Künstlerin selbst.
Vanessa Mai liest in einer lockeren, unterhaltsamen Art und man fühlt sich, als würde ...

„I do it Mai way“, die Biografie von Vanessa Mai, habe ich als Hörbuch gehört, gelesen von der Künstlerin selbst.
Vanessa Mai liest in einer lockeren, unterhaltsamen Art und man fühlt sich, als würde man mit ihr in einem Café sitzen. Ich habe ihr gerne 5 Stunden lang zugehört, wie sie ihren Werdegang beschreibt.
Vor diesem Buch wusste ich über sie als Person nicht viel und fand es deswegen durchaus interessant, mehr über ihre Zerrissenheit zwischen Schlager und Pop zu erfahren.
Allerdings war es für mich nicht immer einfach, ihre Probleme nachvollziehen zu können und ihre Rebellion kam mir teilweise wie ein selbstgemachtes Drama vor. Außerdem habe ich persönlich ein wenig Schwierigkeiten damit, wenn jemand beschreibt, wie er Konzerte, die er selber gegeben hat und den Erfolg nicht genießen kann, da ich es dem zahlenden Publikum gegenüber als nicht fair empfinde.
Vanessa präsentiert sich in ihrem Buch als „Vanessa from the block“. Sie kommt aus einfachen Verhältnissen, war auf der Hauptschule und trägt am liebsten Jogginghosen. Darauf ist sie stolz. Sie liebte die Musik von Britney und Christina und wollte unbedingt selbst Musik machen. Es wundert mich nicht, dass sie sich mit der „typischen Schlagerwelt“ nicht wohlgefühlt hat, denn sie hatte überhaupt keine Berührungen mit Schlager, bis sie selbst ein Teil davon war.
Trotzdem kamen mir manche Sachen, die sie beschrieb künstlich gepusht vor, um ins Gespräch zu kommen.
Irgendwie wirkt sie auf mich, als wenn sie sich besonders cool und hip findet.
Trotzdem freue ich mich für sie, dass sie jetzt angekommen ist und ihre Musik macht mir auf jeden Fall Spaß. Gerade ihr 2022 erschienenes Livealbum vertreibt jedes Gefühl von schlechter Laune.

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Veröffentlicht am 14.01.2023

Portrait über die Rolle der Frau in den 20er Jahren

Minna. Kopf hoch, Schultern zurück
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„Minna. Kopf hoch, Schultern zurück“ ist ein sehr interessantes und aufschlussreiches Portrait über die Rolle der Frau in den 1920er Jahren. Felicitas Fuchs schildert am Beispiel von Minna (die Figur lehnt ...

„Minna. Kopf hoch, Schultern zurück“ ist ein sehr interessantes und aufschlussreiches Portrait über die Rolle der Frau in den 1920er Jahren. Felicitas Fuchs schildert am Beispiel von Minna (die Figur lehnt sich an reale Verwandte der Autorin an), die Widrigkeiten und Problematiken der damaligen Zeit.
Minna kommt aus sehr einfachen Verhältnissen. Sie schämt sich ihrer Herkunft nicht, weiß aber, dass sie mehr vom Leben möchte. Als sie den wohlhabenden Fred Molitor kennenlernt, öffnet sich ihr eine neue Welt. Aus der einfachen Schneiderin wird bald eine Modedesignerin mit eigenem Atelier. Doch durch den Börsencrash kommen ihr Wohlstand und ihre Ehe zu einem jähen Ende. Minna muss noch einmal von vorne anfangen.
Die Hauptfigur des Romans ist ein positiver, fleißiger Mensch. Sie scheut nicht davor, für ihre Träume hart zu arbeiten. Minna hat mich sehr beeindruckt. Obwohl sie immer wieder mit Rückschlägen und schweren Schicksalsschlägen konfrontiert wird, verliert sie nie den Mut. Ich mochte ihre selbstbewusste Art und wie sie sich gegen die Konventionen ihrer Zeit aufgelehnt hat. Ein Leben als Hausmütterchen kommt für sie nicht in Frage. Sie fühlt sich in der Lage, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Auch während der Herrschaft der Nationalsozialisten lässt sie sich nicht unterkriegen und setzt sich mutig für ihre Freunde ein.
Ich fand dieses Buch sehr informativ und teilweise richtig erschreckend. Zum Beispiel musste Minnas Schwestern, die kaum älter als ein Kind war, bereits 14 Stunden am Tag als Hausmädchen arbeiten.
Es gibt so viele historische Romane, aber diesen fand ich besonders lesenswert, weil man hier wirklich etwas darüber lernt, wie es gewesen sein muss, vor 100 Jahren als selbstbewusste Frau zu leben.
Ich freue mich sehr auf den nächsten Band und die Epoche, in der dieser spielt.

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