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Veröffentlicht am 05.04.2019

Liebenswerte Charaktere

Weil es Liebe ist
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Nach ein paar schwergängigen Romanen war „Weil es Liebe ist“ genau das Richtige für mich. Es ist sehr einfach, in das Buch hinein zu kommen, da die Autorinnen eine Vielzahl von Charakteren präsentieren, ...

Nach ein paar schwergängigen Romanen war „Weil es Liebe ist“ genau das Richtige für mich. Es ist sehr einfach, in das Buch hinein zu kommen, da die Autorinnen eine Vielzahl von Charakteren präsentieren, die so sympathisch sind, dass man sie sofort ins Herz schließt.
Da ist Holland, die von einer Karriere als Schriftstellerin träumt, aber leider einfach keine Idee hat, über was sie schreiben könnte, ihre beiden liebenswerten Onkel Robert und Jeff sowie der Straßenmusiker Calvin.
Der Höhepunkt des Tages ist für Holland, wenn sie am U-Bahn Gleis steht und Calvins Musik lauschen kann. Schon seit Monaten schwärmt sie für den attraktiven Gitarristen und nimmt so manchen Umweg auf sich, um ihn sehen zu können. Wie es der Zufall will, ist dieser illegal in Amerika und Holland schlägt ihm eine Scheinehe vor.
Fake Beziehungen sind immer wieder ein gutes Thema für Liebesromane und es funktioniert auch hier ganz wunderbar.
Holland und Calvin sind sich von Anfang an sympathisch und entwickeln schnell Zuneigung für einander. Es ist süß, die beiden dabei zu beobachten, wie sie sich besser kennen lernen.
Hinzu kommt, dass das Buch in der Welt des Theaters / Musicals spielt und mich auch deswegen sehr angesprochen hat.

„Weil es Liebe ist“ ist ein absoluter feel-good Roman. Die Atmosphäre verbreitet von Anfang an gute Laune und ist an den richtigen Stellen romantisch oder humorvoll. Im letzten Viertel wird das Buch dramatischer, was ich sehr gut fand, denn im Leben läuft nicht immer alles rund, insbesondere, wenn man einen quasi fremden Menschen heiratet, sind Probleme vorprogrammiert.

Dies war mein erstes Buch von dem Autorenduo, welches unter dem Pseudonym Christina Lauren Romane veröffentlicht. Da mir „Weil es Liebe ist“ so gut gefallen hat, werde ich die beiden auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

Veröffentlicht am 29.03.2019

Ein Stück Vergangenheit

Was uns erinnern lässt
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Für „Was uns erinnern lässt“ habe ich mich interessiert, da es in meiner unmittelbaren Umgebung spielt. Der Rennsteig, Sonneberg, Coburg etc. sind alles Orte, die nur einen Katzensprung von mir entfernt ...

Für „Was uns erinnern lässt“ habe ich mich interessiert, da es in meiner unmittelbaren Umgebung spielt. Der Rennsteig, Sonneberg, Coburg etc. sind alles Orte, die nur einen Katzensprung von mir entfernt sind und so konnte ich mir die Umgebung sehr gut vorstellen.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart ist Milla, Sekretärin in einer Anwaltskanzlei, auf der Suche nach einem Lost Place für ihr Internetforum. Als ihr tatsächlich ein Fund gelingt, scheut sie allerdings davor, diesen publik zu machen. Sie kontaktiert die ehemaligen Besitzer und freundet sich schnell mit diesen an.

Parallel dazu wird die Geschichte der Familie Dressel erzählt, die mitten im Wald, in der Sperrzone der DDR leben. Dort sind sie allerhand Schikanen ausgesetzt. Allen voran, dass sie ihr Familienhotel nicht mehr eröffnen dürfen. Besuch zu empfangen ist nahezu aussichtslos und tägliche Passkontrollen stehen auf der Tagesordnung.
Es ist erschreckend, dass es solche Zustände vor nicht allzu langer Zeit tatsächlich in Deutschland gegeben hat und es ist kaum vorstellbar, dass Leute gezwungen waren, ein solch isoliertes Leben zu führen.
Die Familie Dressel, insbesondere die Kinder, sind es jedoch nicht anders gewohnt und ertragen ihr Schicksal. Die Hauptsache ist, dass sie in ihrem Haus bleiben dürfen.

Die Handlung fokussiert insbesondere auf dem Familienleben. Kinder werden geboren, wachsen heran, heiraten selbst. Der Roman umfasst eine Zeitspanne von nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre, als die Dressels ihren geliebten Forst verlassen mussten und endet damit etwas abrupt.

„Was uns erinnern lässt“ ist ein ruhiges Buch, dass mich leider weniger berührt hat, als ich erwartet hatte. Ich hatte auf mehr Einblicke in das Leben in der DDR gehofft. Überwiegend ging es hier um private Familiengeschichten.
Der Handlungsstrang in der Gegenwart konnte mich auch nicht so richtig überzeugen. Es kommt mir nicht realistisch vor, dass man einer fremden Person, die an der Tür klingelt, so freigiebig seine ganze Lebensgeschichte erzählt.
Millas Sohn Neo mochte ich allerdings sehr gerne.
Für meinen Geschmack hätte alles ein wenig fesselnder, emotionaler sein können, deswegen vergebe ich nur drei Sterne.

Veröffentlicht am 24.03.2019

Hatte mir etwas anderes vorgestellt

Schatten der Toten
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Krimis mit Polizisten, Journalisten oder Privatdetektiven im Mittelpunkt habe ich schon viele gelesen, über eine Tatortreinigerin jedoch noch keine. Ich stellte mir dies sehr innovativ und interessant ...

Krimis mit Polizisten, Journalisten oder Privatdetektiven im Mittelpunkt habe ich schon viele gelesen, über eine Tatortreinigerin jedoch noch keine. Ich stellte mir dies sehr innovativ und interessant vor und war deswegen sehr gespannt auf Elisabeth Herrmanns Buch „Schatten der Toten“. Ziemlich schnell stellte ich allerdings fest, dass dieser Krimi etwas ganz anderes ist, als ich mir vorgestellt hatte und Enttäuschung machte sich breit.
Judith Kepplers Beruf ist für den Verlauf der Handlung komplett irrelevant. Sie könnte genauso Sekretärin, Taxifahrerin oder Verkäuferin sein. Bis auf in den ersten beiden Seiten erleben wir sie nie bei ihrer Arbeit und der Tatort hat auch nichts mit der Handlung zu tun.
Hier geht es nicht um die Aufklärung eines Mordes sondern um Judiths private Geschichte. Diese hat in den beiden Vorgängerromane bereits ihren Lauf genommen.
Mir waren die ersten beiden Teile nicht bekannt, die wichtigsten Rahmendaten werden im dritten Band noch einmal zusammen gefasst, so dass ich gut mitgekommen bin. Trotzdem würde ich empfehlen, die Serie der Reihe nach zu lesen.

Judith Keppler ist eine Protagonistin, die mir schnell sympathisch wurde. Sie lebt ein Einsiedlerdasein und wirkt nach außen sehr unnahbar, trotzdem kristallisiert sich schnell heraus, dass unter der harten Schale ein weicher Kern schlummert. Sie sorgt sich um ihren erkrankten Chef und kümmert sich um die Halbwaise Tabea. Sie setzt sogar Himmel und Hölle in Bewegung um den Vater des Mädchens zu finden, als es ins Krankenhaus muss.
Hätte sich der Roman einzig und allein um Judith gedreht, hätte ich sicherlich noch einen Stern mehr vergeben.

Die zweite Hauptfigur, Isa Kellermann, konnte ich leider weniger gut leiden. Nach dem Tod ihrer Mutter verfolgt Isa nur noch ein Ziel, sie möchte Bastide Larcan – Judiths Vater – finden und mit ihm abrechnen. Dabei geht sie buchstäblich über Leichen, schreckt vor Sabotage und Landesverrat nicht zurück.
Dieses Wirrwarr aus den verschiedenen Geheimdiensten, sei es Stasi, KGB, BND oder Mossad war mir persönlich zu viel und zu konfus. Ich gestehe, dass ich Isas Kapitel ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch überflogen habe und hoffte, dass wir schnell wieder zu Judith wechseln. Der Showdown ist dann auch extrem blutig und actiongeladen.

Meiner Meinung nach kommt diese Serie nicht an die um den Anwalt Vernau oder Sanela Belara heran. Ich fand „Schatten der Toten“ okay, aber die Begeisterung blieb aus. Die beiden Vorgänger werde ich eher nicht lesen. Der Cliffhanger am Ende von Band 3 mach mich jedoch schon irgendwie neugierig, wie es nun noch weiter gehen könnte, so dass ich einem 4. Buch eine Chance geben werde.

Veröffentlicht am 08.03.2019

Dühnfort leider nicht so sympathisch wie sonst

Nun ruhet sanft
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Ich bin ein großer Fan von Inge Löhnigs Krimiserie um Kommissar Dühnfort. Bei all den interessanten Büchern, die tagtäglich veröffentlicht werden, habe ich allerdings irgendwie den Anschluss verpasst. ...

Ich bin ein großer Fan von Inge Löhnigs Krimiserie um Kommissar Dühnfort. Bei all den interessanten Büchern, die tagtäglich veröffentlicht werden, habe ich allerdings irgendwie den Anschluss verpasst. Da im Juni ein neues Buch erscheint, habe ich beschlossen, dass es an der Zeit ist, mich auf den aktuellen Stand zu bringen. Los ging es mit „Nun ruhet sanft“.

Die Autorin hat sich hier ein besonders grausames Szenario einfallen lassen. Eine Mutter, ihre zwei Kinder, der Hund und das Pony wurden erschossen. Besonders schockierend: obwohl der kleine Junge seine Hände vor sein Gesicht gelegt hatte, knallte ihn der Täter kaltblütig ab. Einzig der Vater hat überlebt.

Und hier kommt auch schon das größte Manko des Buches: Konstantin Dühnfort ist eigentlich ein Buchschwarm von mir. Vom ersten Band an habe ich eine Schwäche für diesen kochenden Gourmet und Kunstliebhaber.
In „Nun ruhet sanft“ war er mir allerdings nicht ganz so sympathisch wie sonst.
Von Anfang an schießt er sich aggressiv auf den Vater als Täter ein. Sicher, dieser ist ein arroganter Hallodri, dennoch gilt in Deutschland das Unschuldsprinzip. Vom Augenblick, an dem der Vater am Tatort aus seinem Auto steigt, geht Dühnfort sowohl verbal als auch körperlich auf ihn los – absolut unprofessionell.

Der Krimi selbst ist wieder gut geschrieben und lässt sich leicht lesen.
Die Autorin säht immer wieder Zweifel, so dass ich eine Handvoll Verdächtige zur Auswahl hatte und immer wieder hin und her überlegt habe.
Einige Sequenzen werden aus Sicht des Täters geschrieben. Zunächst scheint die Identität eindeutig auf eine Person hinzuweisen. Im weiteren Verlauf wird der Leser auch hier immer mehr verunsichert.

Aufbau und Spannung empfand ich als gut gelungen.

Am Ende wird der Fall gelöst, da Dühnfort plötzlich – mal wieder – ein entscheidendes Bauchgefühl hatte. Noch dieser Methode hat er schon zu oft einen Mörder überführt. Von daher – im Westen nichts Neues.

Insgesamt war ich enttäuscht, dass ich Kommissar Dühnfort nicht so gut leiden konnte, wie sonst. Auch hätte ich gerne mehr Szenen aus dem Privatleben mit Gina gehabt.

Ich gebe 3 Sterne, da mir die anderen Bücher der Reihe einfach besser gefallen haben.

Veröffentlicht am 07.03.2019

Origineller Enführungsroman

Liebes Kind
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Vom Klappentext her hat mich „Liebes Kind“ stark an „Raum“ erinnert. Ich war gespannt auf dieses Buch, bildete mir jedoch ein, die Handlung schon zu kennen. Frau wird entführt, bekommt unfreiwillig Kinder, ...

Vom Klappentext her hat mich „Liebes Kind“ stark an „Raum“ erinnert. Ich war gespannt auf dieses Buch, bildete mir jedoch ein, die Handlung schon zu kennen. Frau wird entführt, bekommt unfreiwillig Kinder, nach Jahren der Gefangenschaft gelingt ihr die Flucht und sie muss mit den Eindrücken der Außenwelt zurechtkommen.

Schon innerhalb der ersten 100 Seiten gab es die ersten beiden Überraschungsmomente und ich verstand sehr schnell, dass diese Handlung nach keinem Muster abläuft.
„Liebes Kind“ umfasst 420 Seiten. Immer wieder gelingt es Romy Hausmann den Leser zu verwirren und Zweifel zu sähen. Zeitweise arbeiteten meine Hirnzellen auf vollen Touren um dahinter zu kommen, was hier vor sich geht. Beim Lesen fühlt man sich oft, als würde man versuchen ein Puzzle zusammen zu setzen und das entscheidende Teil fehlt. Die Auflösung scheint so nah, wenn man nur ein letztes Detail verstehen würde.
Jedes Mal, wenn man denkt, auf der Zielgeraden zu sein, wirft das nächste Kapitel alles wieder um und neuer Unglaube, neue Zweifel, machen sich breit.
Dadurch ist „Liebes Kind“ nahezu unerträglich spannend. Während dem Lesen war ich kaum ansprechbar und habe den Thriller innerhalb von 3 Tagen beendet.

Die einzelnen Kapitel sind kurz und erzählen aus drei verschiedenen Perspektiven. Da ist Lena, der die Flucht gelungen ist, Hannah, ihre Tochter und ihr Vater Mathias.
Menschen, denen man zunächst voller Mitgefühl entgegen tritt und die man im Verlauf der Geschichte mit immer mehr Misstrauen und Unverständnis betrachtet.
Warum lügt Lena? Ist Mathias nicht irgendwie verdächtig?
Besonders beeindruckend fand ich die Ausarbeitung von Hannah. Geboren in Gefangenschaft, ahnungslos, was normale Familienkonstellationen und Verhaltensweisen angeht, schließt man sie erst einmal ins Herz, nur um später eine immer größere Abneigung und Irritation zu empfinden.

Zur Handlung selbst kann man im Grunde gar nichts schreiben, ohne bereits zu viel zu verraten.
Zusammenfassend kann man jedoch sagen, dass es hier um Entführung und Manipulation geht, und dass der Thriller weit entfernt von Schema F ist.
Die Spannungskurve von „Liebes Kind“ ist konstant hoch und wer auf der Suche nach einem Pageturner ist, ist hier goldrichtig!