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Veröffentlicht am 09.10.2019

Allmen sucht Boy auf Ibiza

Allmen und der Koi
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"Allmen und der Koi" von Martin Suter (Rezension)
oder "Allmen sucht Boy auf Ibiza"
Zuerst einmal: Nein! Johann Friedrich von Allmen bleibt auch im sechsten Band der Reihe „Allmen und der Koi“ seinem Jagdschema ...

"Allmen und der Koi" von Martin Suter (Rezension)
oder "Allmen sucht Boy auf Ibiza"
Zuerst einmal: Nein! Johann Friedrich von Allmen bleibt auch im sechsten Band der Reihe „Allmen und der Koi“ seinem Jagdschema treu. Seine Leidenschaft gehört immer noch den Frauen, die das besondere „Etwas“ haben.

Aber, es stimmt tatsächlich: Allmen ermittelt in Ibiza und er sucht „Boy“. Dieser „Boy“ gehört einer Dame, die das besagte „Etwas“ hat und ist ein Fisch. Aber nicht einfach irgendein Fisch. Nein er ist ein edler und sehr wertvoller Koi, der seiner Besitzerin gestohlen wurde. Wie ermittelt man nach einem Koi? Hinterlässt ein Koi Spuren?

Die Hauptpersonen sind auch diesmal Allmen und Carlos. Das Trio, bestehend aus Johann Friedrich von Allmen, kurz Don John. Carlos und Maria, zaubert mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen. Allmen ein überzeugter Aristokrat, ohne wirkliche aristokratische Abstammung, rinnt das Geld durch die Finger. Er ist ein Mann, der die Frauen liebt und sich ohne Krawatte nackt fühlt. Mit Allmen International Inquiries, einer Agentur, die verschollene Kunstgegenstände wiederbeschafft, verdient er gutes Geld und es würde zum Leben reichen, wenn er nicht immer über seine Verhältnisse leben würde und er seine Dienstleistungen besser verkaufen würde. Aber Allmen empfindet es schon als entwürdigend, Geld verdienen zu müssen und darum handeln oder betteln geht überhaupt nicht.

Deswegen ist Carlos, inzwischen Allmens Partner, für die finanziellen Transaktionen und Verhandlungen zuständig. Maria, Carlos‘ Lebensgefährtin, achtet darauf, dass die beiden Herren auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Ohne Carlos und Maria wäre Allmen alleine wohl lebensunfähig.

Es ist ein humorvoller Krimi mit Situationskomik, Luxus, und einem verliebten Allmen. Und er endet, wie wir das von Martin Suter gewohnt sind, mit einer überraschenden Wendung. Das ist Lektüre für die Chaiselongue, einem schönen Glas Rotwein und dunkler Schokolade.



„War er, Allmen, wirklich auf dem Weg, ein Vale zu werden? Was hatten diese ungewohnten Gedanken an die Zukunft und das Alter bei ihm zu suchen? Warum traf ihn die Untreue von einer, deren Untreue er so genossen hatte?“

"Allmen und der Koi" S. 168
Auch „Allmen und der Koi“ folgt diesem erfolgreichen Muster.
Der Leser sieht diesmal aber auch einen Allmen, der sich Gedanken um das Alter und die Vergänglichkeit macht. Diese Gedanken halten ihn aber nicht von leidenschaftlichen Liebesabenteuern fern.

Allmen wird von einem mysteriösen Unbekannten engagiert, den gestohlenen Koi zu finden und seinem Besitzer zurückzubringen. Während der Ermittlungen wird es für die drei „Allmens“ gefährlich und „Don John“ würde am liebsten alles hinwerfen. Aber Carlos will weitermachen und seine Ehre retten. Ein Koi, der eine Million Dollar wert ist, weckt viele Begehrlichkeiten.

Martin Suter liebt seinen Protagonisten, er zeichnet ihn so detailreich, geradezu verliebt in seiner Verschrobenheit, dass der Leser gar nicht anders kann, als Allmen ins Herz zu schließen, wohl wissend, dass er völlig überdreht ist. Es erinnert ein wenig an Thomas Lieven aus „Es muss nicht immer Kavier sein“ von Johannes Mario Simmel – geradezu ein Doppelagent, der seine Rolle, die Frauen und das Kochen liebt.



Martin Suter - Geschichten mit Geheimnis
Das ZDF drehte mit Autor Claudio Armbruster dieses Porträt des berühmtesten Schweizer Schriftstellers, der im Februar 2019 siebzig Jahre wurde. Das Porträt ist in der 3sat-Mediathek abrufbar: Martin Suter – Geschichten mit Geheimnis

Der aufmerksame Zuschauer entdeckt im Autor Martin Suter schnell Johann Friedrich von Allmen.

„Allmen und der Koi“ unterhält durch seine Ironie und den trockenen Humor, die Leser vortrefflich. Trotzdem mache ich einen halben Punkt Abzug. Das Ende ist überraschend, aber es gefällt mir überhaupt nicht. Das ist natürlich eine ganz persönliche Sache. Ich kann leider nicht weiter darauf eingehen, sonst würde ich spoilern. Dramaturgisch ist es sehr gut.

Ich bewerte das Buch mit 4,5 Punkten



Veröffentlicht am 23.09.2019

Mit dem Wissen über die Vergangenheit in die Zukunft schauen!

Vergesst unsere Namen nicht
1

Rezension „Vergesst unsere Namen nicht“ von Simon Stranger

Zum Inhalt „Vergesst unsere Namen nicht“

Vergesst unsere Namen nicht“ von Simon Stranger ist nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch ...

Rezension „Vergesst unsere Namen nicht“ von Simon Stranger

Zum Inhalt „Vergesst unsere Namen nicht“

Vergesst unsere Namen nicht“ von Simon Stranger ist nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch das Psychogramm eines brutalen Kriegsverbrechers. Es zeigt die Zeit von ca. 1920 bis heute und es spielt in Norwegen. Es ist vor allem die Geschichte der deutschen Besatzung in Trondheim während des Zweiten Weltkriegs.

Das Schlimmste an diesem Buch ist, dass es auf Fakten beruht und keine Fiktion ist. Es ist ein historischer Roman, der mit abscheulichen Fakten hinterlegt ist. Deswegen habe ich in der rechten Spalten historischen Fakten aus den genannten Wikipedia Artikeln beigefügt.

Simon Stranger und „Vergesst unsere Namen nicht!“

„Wir leben in einer Welt der verbalen Auseinandersetzungen. Lass diesen Roman lieber eine Aufforderung sein, nach vorn zu sehen. Lass ihn lieber eine Möglichkeit zur Versöhnung sein und für Vergebung“, ...Seite 320

Dieser Aufruf kam von Simon Strangers Frau Rikke, deren Mutter Grete als Kind im Bandenkloster gewohnt hat und das, obwohl Ihre Familie durch den Holocaust Opfer zu beklagen hatte.

Das Buch ist für Simon Stranger eine sehr persönliche Angelegenheit. Es ist ein Teil seiner Geschichte oder genauer gesagt, es ist die Familiengeschichte seiner Frau.

Dieser Roman möchte nicht anklagen, er verwirklicht Rikke Strangers Aufforderung.

Historische Fakten zu „Vergesst unsere Namen nicht“
Norwegen unter deutscher Besatzung

Die Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg begann mit dem Unternehmen Weserübung am 9. April 1940 und endete am 8. Mai 1945, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht.

Aus deutscher Sicht wurde die Invasion als „Inschutznahme“ gegen britische Operationen in norwegischen Gewässern verteidigt. Der bisherige NSDAP-Gauleiter von Essen, Josef Terboven, wurde von Hitler unter Abkehr von einer an die völkerrechtlichen Regeln gebundenen Besatzungsherrschaft einer Militärverwaltung, zum Reichskommissar für Norwegen ernannt und sollte die „Norweger als Freunde gewinnen“.

Nach der Besetzung lebten im Lande rund 2100 jüdische Norweger und Flüchtlinge aus Mitteleuropa, deren Situation sich ab Sommer 1941 verschlechterte. In Nordnorwegen verhafteten die deutschen Besatzer alle jüdischen Männer, in anderen Landesteilen nur die staatenlosen Juden.

(Entnommen aus Wikipedia Artikel „Norwegen unter deutscher Besatzung“

Worum geht es?

Simon Stranger erzählt das Schicksal der Familie Komissar. Familie Komissar steht als Juden auf der Seite der Verfolgten und gleichzeitig stellvertretend für alle Opfer.

Er erzählt auch die Geschichte Henry Oliver Rinnans. Ein Kriegsverbrecher, der als Kollaborateur, Spion, Folterer und Handlanger der Nazis auf Seiten der Täter steht, stellvertretend für alle Täter.

Es handelt sich zwar konkret um diese Familiengeschichte, aber Simon Stranger weist immer wieder darauf hin, dass seine Familie nur eine und der vielen Opferfamilien ist. Der Leser erfährt in diesem Zusammenhang auch einiges über die „Stolpersteine“, dem Kunstprojekt für Europa von Gunter Demnig.

Meine Gedanken zu Henry Oliver Rinnan

Rinnan wird zum Täter, ohne wirklich ein Nazi zu sein. Er war ein Psychopath, der im Nationalsozialismus, das System fand, in dem er seine Bedürfnisse befriedigen konnte, seine Rachegelüste ausleben konnte und das ihn anerkannte. Er war jemand! Er hatte es Allen gezeigt. Er hatte das Kommando!

Rinnan, nur 1.60 m groß, von den Anderen als Kind schon verspottet, wollte schon immer hoch hinaus. Empathie kannte er nicht. Der Autor erzählt eine Geschichte aus der Kindheit Rinnan, in der er großes Mitgefühl und hohe Sensibilität zeigte. Aber anscheinend hat ihm das Leben diese Seite abgewöhnt. Er wurde in der norwegischen Armee nicht angenommen. Und diese Erfahrung wiederholte sich. Jede Zurückweisung setzte bei ihm weitere kriminelle Energie frei. Schon früh zeigt sich, dass er über kein Unrechtsbewusstsein verfügt. Ich würde das schon als einen Napoleon-Komplex bezeichnen. Er versuchte durch scheinbare Erfolge, seine Körpergröße zu kompensieren.

„S - wie der Spruch der Rinnan zugeschrieben wird und den er zu neuen Gefangenen gesagt haben soll, wenn sie ins Bandenkloster kamen: Willkommen am einzigen Ort in Trondheim, an dem die Wahrheit gesagt wird.“, ...Seite 301

Historische Fakten zu Henry Oliver Rinnan
Henry Oliver Rinnan (14. Mai 1915 – 1. Februar 1947) war ein berüchtigter norwegischer Gestapo- Agent während des Zweiten Weltkriegs (1940 – 1945). Er leitete eine Gruppe namens Sonderabteilung Lola. Diese Gruppe, unter Norwegern als Rinnanbanden bekannt, hatte 50 bekannte Mitglieder.

Ab September 1943 hatten die Rinnanbanden ihren Sitz in Trondheim, bekannt als Bandeklosteret . Rinnan arbeitete eng mit der deutschen Sicherheitspolizei in Trondheim zusammen. Während des Krieges wurde Rinnan zum SS – Untersturmführer der Reserve ernannt und erhielt 1944 das Eiserne Kreuz der 2. Klasse.

Rinnan wurde wegen persönlicher Ermordung von dreizehn Personen verurteilt, aber die tatsächliche Zahl könnte höher sein, hingerichtet. Er wurde eingeäschert und später inoffiziell auf dem Levanger-Friedhof in einem nicht gekennzeichneten Grab beigesetzt.

Vierzig Prozent der Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg wegen norwegischer Kriegsverbrechen hingerichtet wurden, waren mit der Sonderabteilung Lola verbunden.

(Entnommen Norwegischer ins Deutsche übersetzte Wikipedia Artikel zu Henry Oliver Rinnan)

Sprachstil

Simon Stranger erzählt in vier Zeitebenen und Handlungssträngen.:

1. Handlungsstrang: Hirsch Komissar (während der Besatzung). Im Buch die 1. Generation der Familie Komissar.

2. Handlungsstrang: Gerson Komissar und seine Familie (nach der Besatzung) 2. Generation.

3. Handlungsstrang: In der Gegenwart – der Autor erzählt von seiner Familie und der Entstehungsgeschichte von „Vergesst unsere Namen nicht“. 3., 4. und 5. Generation der Familie.

4. Handlungsstrang: Henry Oliver Rinnen – vor und während der Besatzung.

Der Autor schildert das Geschehen ohne Affektheischerei. Es sind Vorkommnisse, die man beim Lesen kaum ertragen kann. Das Wissen, dass es sich dabei um keine Horrorfiktion handelt, sondern um unsere deutsche Geschichte, ist der eigentliche Horror.

Besonders gut hat mir die Kapitelbezeichnung und Aufteilung gefallen. Simon Stranger hat das Alphabet mit Bespielen als Nummerierung genommen. Ich zitiere:

„A wie Anklage
A wie Aussage
A wie Arrest“
Ich fand das sehr aussagekräftig. Er fand für jeden einzelnen Buchstaben des Alphabets, passende Schlagwörter. Es ist keine bequeme Lektüre. Es ist Literatur gegen das Vergessen.

Das Hörbuch

Die ungekürzte Hörbuchfassung wird exklusiv von Audible und ausschließlich als Download präsentiert. Das Hörbuch hat eine Länge von 10 Stunden und 9 Minuten und ist ebenfalls am 30.08.2019 erschienen.

Uwe Teschner liest das Buch sensibel und zurückhaltend. Mir hat die Stimme und das Sprachverhalten sehr gut gefallen.

Meine abschließenden Gedanken zu „Vergesst unsere Namen nicht“

Das Buch wurde mir über die Blogger-News von Bastei Lübbe, der Eichborn Verlag gehört zu Bastei Lübbe, angeboten. Obwohl mein Stapel ungelesener Bücher schon sehr hoch ist und ich zudem Rezensionen für September und Oktober zugesagt hatte, konnte ich, wegen folgender Zeilen aus dem Klappentext, nicht widerstehen, die ich gerne rezitieren möchte:

„In der jüdischen Tradition heißt es, dass ein Mensch zwei Mal stirbt. Das erste Mal, wenn das Herz aufhört zu schlagen und die Synapsen im Gehirn erlöschen wie das Licht in einer Stadt, in der der Strom ausfällt. Das zweite Mal, wenn der Name des Toten zum letzten Mal gesagt, gelesen oder gedacht wird, fünfzig oder hundert oder vierhundert Jahre später. Erst dann ist der Betroffene wirklich verschwunden, aus dem irdischen Leben gestrichen.“Seite 6 und Klappentext

Ich finde das einen sehr schönen Gedanken des Talmuds, der auch einer der Entstehungsgründe der „Stolpersteine“ ist. Ich wollte mit der Veröffentlichung meiner Rezension einen kleinen Beitrag dazu leisten, deswegen habe ich dieses Rezensionsexemplar angefragt.

Ja! Ich schäme mich, dass wir Deutschen diese Gräueltaten begingen und zugelassen haben. Ich schäme mich, dass wir weggeschaut haben. Und trotz des Wissens über diese abscheulichen Verbrechen des Nationalsozialismus, ruckt Europa nach rechts und die Rechten marschieren wieder. Sie marschieren zwar nicht generell, aber immer wieder. In einigen Bundesländern konnte die AfD 25 % erreichen. Wie ist so etwas möglich? Hat uns die Zeit so desensibilisiert und alles vergessen lassen? Haben wir gar nichts aus unserer Geschichte gelernt?

Einige meiner Leser wissen, dass ich eine große Anhängerin Hannah Arendts bin. Eine großartige Philosophin, die selbst Jüdin, aber noch rechtzeitig mit ihrem zweiten Mann, Heinrich Blücher, ins Exil in die USA flüchten konnte. Walter Benjamin hat sich 1942, aus Angst vor den Verfolgern, in Paris das Leben genommen.

Ich benenne hier Hannah Arendt, weil Simon Strangers Frau Rikke, den Aufruf zur Versöhnung einbrachte. Auch Hannah Arendt wollte Versöhnung und keineswegs Rache oder Vergeltung.

Davor habe ich große Achtung. Ich bezweifle, dass ich diese Größe hätte.

Schade, dass die Politik Benjamin Netanjahus, keine Toleranz gegenüber der anderen Seite hat und eine Siedlungspolitik verfolgt, die keine Rücksicht auf die Palästinenser nimmt. Man kann nur hoffen, dass die nach der Wahl beabsichtigte „Großen Koalition“ unter Benny Gantz und ohne Netanjahu kommt. Aber selbst dann, gibt es noch genügend Hardliner, die auf der Regierungsbank sitzen.

Simon Stranger ist dem Aufruf seiner Frau gefolgt. Er schrieb ein Buch, das nicht wertet, sondern berichtet und erzählt. Er versucht, Gründe zu finden, wie ein Mensch zu einem der größten Kriegsverbrecher Norwegens wurde. Die Geschichte ist nicht schwarz/weiß, sondern hat viele Grautöne. Der Leser selbst darf das Geschehen werten

Veröffentlicht am 23.09.2019

Mit dem Wissen über die Vergangenheit in die Zukunft schauen!

Vergesst unsere Namen nicht
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Rezension „Vergesst unsere Namen nicht“ von Simon Stranger

Zum Inhalt „Vergesst unsere Namen nicht“

Vergesst unsere Namen nicht“ von Simon Stranger ist nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch ...

Rezension „Vergesst unsere Namen nicht“ von Simon Stranger

Zum Inhalt „Vergesst unsere Namen nicht“

Vergesst unsere Namen nicht“ von Simon Stranger ist nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch das Psychogramm eines brutalen Kriegsverbrechers. Es zeigt die Zeit von ca. 1920 bis heute und es spielt in Norwegen. Es ist vor allem die Geschichte der deutschen Besatzung in Trondheim während des Zweiten Weltkriegs.

Das Schlimmste an diesem Buch ist, dass es auf Fakten beruht und keine Fiktion ist. Es ist ein historischer Roman, der mit abscheulichen Fakten hinterlegt ist. Deswegen habe ich in der rechten Spalten historischen Fakten aus den genannten Wikipedia Artikeln beigefügt.

Simon Stranger und „Vergesst unsere Namen nicht!“

„Wir leben in einer Welt der verbalen Auseinandersetzungen. Lass diesen Roman lieber eine Aufforderung sein, nach vorn zu sehen. Lass ihn lieber eine Möglichkeit zur Versöhnung sein und für Vergebung“, ...Seite 320

Dieser Aufruf kam von Simon Strangers Frau Rikke, deren Mutter Grete als Kind im Bandenkloster gewohnt hat und das, obwohl Ihre Familie durch den Holocaust Opfer zu beklagen hatte.

Das Buch ist für Simon Stranger eine sehr persönliche Angelegenheit. Es ist ein Teil seiner Geschichte oder genauer gesagt, es ist die Familiengeschichte seiner Frau.

Dieser Roman möchte nicht anklagen, er verwirklicht Rikke Strangers Aufforderung.

Historische Fakten zu „Vergesst unsere Namen nicht“
Norwegen unter deutscher Besatzung

Die Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg begann mit dem Unternehmen Weserübung am 9. April 1940 und endete am 8. Mai 1945, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht.

Aus deutscher Sicht wurde die Invasion als „Inschutznahme“ gegen britische Operationen in norwegischen Gewässern verteidigt. Der bisherige NSDAP-Gauleiter von Essen, Josef Terboven, wurde von Hitler unter Abkehr von einer an die völkerrechtlichen Regeln gebundenen Besatzungsherrschaft einer Militärverwaltung, zum Reichskommissar für Norwegen ernannt und sollte die „Norweger als Freunde gewinnen“.

Nach der Besetzung lebten im Lande rund 2100 jüdische Norweger und Flüchtlinge aus Mitteleuropa, deren Situation sich ab Sommer 1941 verschlechterte. In Nordnorwegen verhafteten die deutschen Besatzer alle jüdischen Männer, in anderen Landesteilen nur die staatenlosen Juden.

(Entnommen aus Wikipedia Artikel „Norwegen unter deutscher Besatzung“

Worum geht es?

Simon Stranger erzählt das Schicksal der Familie Komissar. Familie Komissar steht als Juden auf der Seite der Verfolgten und gleichzeitig stellvertretend für alle Opfer.

Er erzählt auch die Geschichte Henry Oliver Rinnans. Ein Kriegsverbrecher, der als Kollaborateur, Spion, Folterer und Handlanger der Nazis auf Seiten der Täter steht, stellvertretend für alle Täter.

Es handelt sich zwar konkret um diese Familiengeschichte, aber Simon Stranger weist immer wieder darauf hin, dass seine Familie nur eine und der vielen Opferfamilien ist. Der Leser erfährt in diesem Zusammenhang auch einiges über die „Stolpersteine“, dem Kunstprojekt für Europa von Gunter Demnig.

Meine Gedanken zu Henry Oliver Rinnan

Rinnan wird zum Täter, ohne wirklich ein Nazi zu sein. Er war ein Psychopath, der im Nationalsozialismus, das System fand, in dem er seine Bedürfnisse befriedigen konnte, seine Rachegelüste ausleben konnte und das ihn anerkannte. Er war jemand! Er hatte es Allen gezeigt. Er hatte das Kommando!

Rinnan, nur 1.60 m groß, von den Anderen als Kind schon verspottet, wollte schon immer hoch hinaus. Empathie kannte er nicht. Der Autor erzählt eine Geschichte aus der Kindheit Rinnan, in der er großes Mitgefühl und hohe Sensibilität zeigte. Aber anscheinend hat ihm das Leben diese Seite abgewöhnt. Er wurde in der norwegischen Armee nicht angenommen. Und diese Erfahrung wiederholte sich. Jede Zurückweisung setzte bei ihm weitere kriminelle Energie frei. Schon früh zeigt sich, dass er über kein Unrechtsbewusstsein verfügt. Ich würde das schon als einen Napoleon-Komplex bezeichnen. Er versuchte durch scheinbare Erfolge, seine Körpergröße zu kompensieren.

„S - wie der Spruch der Rinnan zugeschrieben wird und den er zu neuen Gefangenen gesagt haben soll, wenn sie ins Bandenkloster kamen: Willkommen am einzigen Ort in Trondheim, an dem die Wahrheit gesagt wird.“, ...Seite 301

Historische Fakten zu Henry Oliver Rinnan
Henry Oliver Rinnan (14. Mai 1915 – 1. Februar 1947) war ein berüchtigter norwegischer Gestapo- Agent während des Zweiten Weltkriegs (1940 – 1945). Er leitete eine Gruppe namens Sonderabteilung Lola. Diese Gruppe, unter Norwegern als Rinnanbanden bekannt, hatte 50 bekannte Mitglieder.

Ab September 1943 hatten die Rinnanbanden ihren Sitz in Trondheim, bekannt als Bandeklosteret . Rinnan arbeitete eng mit der deutschen Sicherheitspolizei in Trondheim zusammen. Während des Krieges wurde Rinnan zum SS – Untersturmführer der Reserve ernannt und erhielt 1944 das Eiserne Kreuz der 2. Klasse.

Rinnan wurde wegen persönlicher Ermordung von dreizehn Personen verurteilt, aber die tatsächliche Zahl könnte höher sein, hingerichtet. Er wurde eingeäschert und später inoffiziell auf dem Levanger-Friedhof in einem nicht gekennzeichneten Grab beigesetzt.

Vierzig Prozent der Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg wegen norwegischer Kriegsverbrechen hingerichtet wurden, waren mit der Sonderabteilung Lola verbunden.

(Entnommen Norwegischer ins Deutsche übersetzte Wikipedia Artikel zu Henry Oliver Rinnan)

Sprachstil

Simon Stranger erzählt in vier Zeitebenen und Handlungssträngen.:

1. Handlungsstrang: Hirsch Komissar (während der Besatzung). Im Buch die 1. Generation der Familie Komissar.

2. Handlungsstrang: Gerson Komissar und seine Familie (nach der Besatzung) 2. Generation.

3. Handlungsstrang: In der Gegenwart – der Autor erzählt von seiner Familie und der Entstehungsgeschichte von „Vergesst unsere Namen nicht“. 3., 4. und 5. Generation der Familie.

4. Handlungsstrang: Henry Oliver Rinnen – vor und während der Besatzung.

Der Autor schildert das Geschehen ohne Affektheischerei. Es sind Vorkommnisse, die man beim Lesen kaum ertragen kann. Das Wissen, dass es sich dabei um keine Horrorfiktion handelt, sondern um unsere deutsche Geschichte, ist der eigentliche Horror.

Besonders gut hat mir die Kapitelbezeichnung und Aufteilung gefallen. Simon Stranger hat das Alphabet mit Bespielen als Nummerierung genommen. Ich zitiere:

„A wie Anklage
A wie Aussage
A wie Arrest“
Ich fand das sehr aussagekräftig. Er fand für jeden einzelnen Buchstaben des Alphabets, passende Schlagwörter. Es ist keine bequeme Lektüre. Es ist Literatur gegen das Vergessen.

Das Hörbuch

Die ungekürzte Hörbuchfassung wird exklusiv von Audible und ausschließlich als Download präsentiert. Das Hörbuch hat eine Länge von 10 Stunden und 9 Minuten und ist ebenfalls am 30.08.2019 erschienen.

Uwe Teschner liest das Buch sensibel und zurückhaltend. Mir hat die Stimme und das Sprachverhalten sehr gut gefallen.

Meine abschließenden Gedanken zu „Vergesst unsere Namen nicht“

Das Buch wurde mir über die Blogger-News von Bastei Lübbe, der Eichborn Verlag gehört zu Bastei Lübbe, angeboten. Obwohl mein Stapel ungelesener Bücher schon sehr hoch ist und ich zudem Rezensionen für September und Oktober zugesagt hatte, konnte ich, wegen folgender Zeilen aus dem Klappentext, nicht widerstehen, die ich gerne rezitieren möchte:

„In der jüdischen Tradition heißt es, dass ein Mensch zwei Mal stirbt. Das erste Mal, wenn das Herz aufhört zu schlagen und die Synapsen im Gehirn erlöschen wie das Licht in einer Stadt, in der der Strom ausfällt. Das zweite Mal, wenn der Name des Toten zum letzten Mal gesagt, gelesen oder gedacht wird, fünfzig oder hundert oder vierhundert Jahre später. Erst dann ist der Betroffene wirklich verschwunden, aus dem irdischen Leben gestrichen.“Seite 6 und Klappentext

Ich finde das einen sehr schönen Gedanken des Talmuds, der auch einer der Entstehungsgründe der „Stolpersteine“ ist. Ich wollte mit der Veröffentlichung meiner Rezension einen kleinen Beitrag dazu leisten, deswegen habe ich dieses Rezensionsexemplar angefragt.

Ja! Ich schäme mich, dass wir Deutschen diese Gräueltaten begingen und zugelassen haben. Ich schäme mich, dass wir weggeschaut haben. Und trotz des Wissens über diese abscheulichen Verbrechen des Nationalsozialismus, ruckt Europa nach rechts und die Rechten marschieren wieder. Sie marschieren zwar nicht generell, aber immer wieder. In einigen Bundesländern konnte die AfD 25 % erreichen. Wie ist so etwas möglich? Hat uns die Zeit so desensibilisiert und alles vergessen lassen? Haben wir gar nichts aus unserer Geschichte gelernt?

Einige meiner Leser wissen, dass ich eine große Anhängerin Hannah Arendts bin. Eine großartige Philosophin, die selbst Jüdin, aber noch rechtzeitig mit ihrem zweiten Mann, Heinrich Blücher, ins Exil in die USA flüchten konnte. Walter Benjamin hat sich 1942, aus Angst vor den Verfolgern, in Paris das Leben genommen.

Ich benenne hier Hannah Arendt, weil Simon Strangers Frau Rikke, den Aufruf zur Versöhnung einbrachte. Auch Hannah Arendt wollte Versöhnung und keineswegs Rache oder Vergeltung.

Davor habe ich große Achtung. Ich bezweifle, dass ich diese Größe hätte.

Schade, dass die Politik Benjamin Netanjahus, keine Toleranz gegenüber der anderen Seite hat und eine Siedlungspolitik verfolgt, die keine Rücksicht auf die Palästinenser nimmt. Man kann nur hoffen, dass die nach der Wahl beabsichtigte „Großen Koalition“ unter Benny Gantz und ohne Netanjahu kommt. Aber selbst dann, gibt es noch genügend Hardliner, die auf der Regierungsbank sitzen.

Simon Stranger ist dem Aufruf seiner Frau gefolgt. Er schrieb ein Buch, das nicht wertet, sondern berichtet und erzählt. Er versucht, Gründe zu finden, wie ein Mensch zu einem der größten Kriegsverbrecher Norwegens wurde. Die Geschichte ist nicht schwarz/weiß, sondern hat viele Grautöne. Der Leser selbst darf das Geschehen werten

Veröffentlicht am 13.09.2019

Super Plot mit Mallorca-Impressionen

Mallorquinische Leiche zum Sa Rua
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„Mallorquinische Leiche zum Sa Rua“ von Susan Carner

Inhaltsangabe zu „Mallorquinische Leiche zum Sa Rua“
Der zweite Fall für Kommissarin Mercédès Mayerhuber auf der zauberhaften Urlaubsinsel verknüpft ...

„Mallorquinische Leiche zum Sa Rua“ von Susan Carner

Inhaltsangabe zu „Mallorquinische Leiche zum Sa Rua“
Der zweite Fall für Kommissarin Mercédès Mayerhuber auf der zauberhaften Urlaubsinsel verknüpft die Leichtigkeit Mallorcas mit einem rätselhaften Mord.

Während des Karnevalsumzuges in Palma de Mallorca wird ein Berliner Geschäftsmann ermordet. War er ein Zufallsopfer? Oder steckt ein perfider Plan dahinter?

Kommissarin Mercédès Mayerhuber und ihrem Kollegen Miquel Coll von der Policia Nacional gibt dieser Fall Rätsel auf. Verbirgt die Ehefrau ein dunkles Geheimnis? Wie ist die Urlaubsbekanntschaft einzuschätzen, die sich auffallend um die Witwe kümmert?

Da tauchen Fotos auf, die dem Fall eine brisante Wendung geben.

Mercédès muss ihre Ermittlungen, die sich bisher hauptsächlich auf das Urlaubsdomizil der Familie in Paguera bezogen haben, auf die gesamte Insel ausweiten. Steckt womöglich ein Einheimischer hinter dem Mord?

Wird es ihr gelingen, den Karnevalsmörder, wie er von den Medien genannt wird, zu überführen?

„Großes Kino“ nennt es eine Testleserin. Eine andere „per Buch auf Mallorca-Urlaub“.

Weil nicht nur der kriminalistische Spürsinn der Leserschaft befriedigt wird, sondern auch die zauberhafte Insel im Mittelpunkt des Interesses steht. Und ein ganz klein wenig die Liebe mitspielt.


Zum Inhalt

„Mallorquinische Leiche zum Sa Rua“ ist der dritte Krimi, den ich von Susan Carner lese und rezensiere. Und es die zweite „Mallorquinische Leiche“ bei deren Ermittlung ich lesend teilnahm und somit der zweite Fall für Kommissarin Mercédès Mayerhuber.

Weil es sich beim Opfer um einen Berliner Geschäftsmann handelt, wird eine deutsche Kommissarin, die der Leser schon aus dem letzten Krimi der Autorin kennt, in die Ermittlungen einbezogen. Rebecca Winter war die leitende Ermittlerin in „Der Tiergartenmörder“, der Berlin spielte. Der Leser erlebt ein Crossover der Kommissarinnen.

Worum geht es? Das Opfer wurde ermordet. Das Warum und wieso ist nicht einfach. Die Suche nach den Motiven gestaltet sich umfangreich. Ist es Mord aus Leidenschaft? Mord aus Eifersucht? Aber die Ermittlungen decken noch weitere mögliche Motive auf. War das Opfer gar nicht so unschuldig, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Der Mörder kommt oftmals aus dem näheren Umfeld des Opfers. Die Familienverhältnisse sind hier nicht so leicht zu durchschauen. Welche Beziehung besteht tatsächlich zu der Urlaubsbekanntschaft? Haben die beiden Familien sich wirklich erst im Urlaub kennengelernt?

Sind die Kinder durch den Mord traumatisiert oder sind sie verhaltensauffällig?

Es geht um Mord mit einem hoch aktuellen Hintergrund. Es ist ein bisschen Liebesroman und ein wenig Drama! Wer liebt wen?

Und es ist ein begeistertes Liebesbekenntnis für Mallorca. Der Leser spürt, wie sehr die Autorin die balearische Insel liebt. Für Mallorca Kenner sicherlich ein Genuss, weil Susan Carner die Orte nicht nur benennt, sondern auch genau beschreibt.

Die Charaktere in „Mallorquinische Leiche zum Sa Rua“

Mercédès Mayerhuber

Mercédès Mayerhuber ist eine Kommissarin, die Herz und Gefühl auf der Zunge trägt. Sie verhält sich völlig unprofessionell. Ihre Beziehung zum Ressortleiter des Feriendomizils, Werner Hoffmann, die während des letzten Kriminalfalles begann, ist inzwischen sehr eng und hat sich zu einer Lebenspartnerschaft entwickelt. Ihr Arbeitskollege Miquel sieht das sehr kritisch (Ich sehe das übrigens genauso kritisch). Wird diese Beziehung wirklich halten?

Rebecca Winter

Auch Rebecca Winter hat eine Vergangenheit, die sie nicht ablegen kann. Während Mercédes eher extrovertiert mit einer erhöhten Libido ist, verhält es sich bei Rebecca genau umgedreht. Sie ist verschlossen, eher introvertiert. Werner Hoffmann findet einen Draht zu ihr. Rebecca geht ein wenig mehr aus sich heraus. Ist das positiv oder eher bedenklich?

Werner Hofmann

Ich traue ihm nicht. Ich glaube nicht, dass sich jemand von jetzt auf gleich so sehr ändert. Er war ein nicht monogamer Frauengenießer. Warum sollte er diesen Charakter einfach so ablegen? Wegen Mercédes?

Die möglichen Verdächtigen

Die Ehefrau? Der Stiefsohn? Ein völlig Anderer? Die Urlaubsbekanntschaft?

Wer hat ein Motiv? Und welches Motiv?

Man könnte viel darüber schreiben, aber dann würde ich spoilern und die Spannung wäre aus dem Krimi genommen. Die Verdächtigen haben etwas gemeinsam: Sie verhalten sich sehr widersprüchlich und natürlich, wie es im Krimi und im Leben oft so ist: „Alle lügen wie gedruckt“.



Sprachliche Gestaltung

Das Buch ist spannend und flott geschrieben, allerdings verliert sich die Autorin zwischendurch in Erklärungen, was die Spannung wieder ein wenig herausnimmt. Deswegen ziehe ich hier einen Punkt ab. Die Kapitellänge ist angenehm.



Cover und äußere Erscheinung

Die Reihe „Mallorguinische Leiche“ zu nennen finde ich ansprechend – trotz der Leiche! Die Covers mit den Mallorcabildern ergeben ein rundum schlüssiges, zum Thema passendes und schönes Bild.

Fazit

Susan Carner behandelt hier ein hoch sensibles Thema, das brandaktuell ist. Damit meine ich nicht alleine den Mord, sondern das Milieu, in dem das Opfer agierte. Das gefällt mir sehr gut.

Die Rechercheangaben auf den letzten Seiten machen die Sache rund. Susan Carner hat das Thema gut recherchiert und auch die Quellen dazu vermerkt. Somit wird das Buch authentisch.

Mit den Charakteren habe ich so meine Probleme. Ich empfinde einen der Hauptverdächtigen als sehr widersprüchlich. Dessen Gedanken und seine Handlungen ergänzen sich für mich nicht schlüssig. Es klingt dadurch etwas konstruiert.

Wenn du das Buch gelesen hast und anderer Meinung bist, schreibe mir bitte einen Kommentar. Es würde mich interessieren, wie andere Leser die Charaktere einschätzen.

Ja! Und dann Mercédes! Die geht mir so ein wenig auf den Geist. Aber ich kann mich daran erinnern, dass ich auch mal in den falschen Mann verliebt war und dessen Fehler nicht sah. Das mit der vermeintlichen Liebe ist halt so eine Sache. Und vielleicht schätze ich ihren Werner ja auch vollkommen falsch ein und er hat sich tatsächlich geändert!

Plot und das Thema finde ich hervorragend!
Recherche zum Thema finde ich umfangreich und gelungen.
Charaktere finde ich zum Teil sehr widersprüchlich und die Handlungen nicht schlüssig.
Spannung ist großartig. Ich habe das Buch in einem Zug gelesen.
Der Schreibstil der Autorin liegt mir.

Kurz und gut: Ich vergebe insgesamt knappe 4 Punkte.

@Susan Carner
Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

Connies Schreibblogg

Veröffentlicht am 26.08.2019

Magisches Jugendbuch mit Mittelalterflair

Rowan - Verrat im Ostreich
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Was bisher geschah in den ersten drei Bänden geschah::
Rowans Großvater ist der mächtige Magier Bunduar, der König Wilhar schon seit vielen Jahren zur Seite steht. Rowan und der Thronfolger Ottgar wuchsen ...

Was bisher geschah in den ersten drei Bänden geschah::
Rowans Großvater ist der mächtige Magier Bunduar, der König Wilhar schon seit vielen Jahren zur Seite steht. Rowan und der Thronfolger Ottgar wuchsen zusammen auf und sind die besten Freunde. Während Rowan zum Magier ausgebildet werden sollte, sollte Ottgar zum Ritter ausgebildet werden. Inzwischen darf auch Rowan an der Ritterausbildung teilhaben. Im ersten Band lernt er den Elfen Sirii kennen, der auch in diesem Band eine Rolle spielt. Rowan rettet mit der Hilfen des Elfen das Reich vor den Drachen. Im zweiten Band reist er an andere Königshöfe, um seine Ausbildung zu vervollständigen. Dort trifft er auch wieder mit Ottgar zusammen und wird weiterhin auf seine wichtigste Aufgabe vorbereitet. Ottgar wird einmal König werden und Rowan wird sein Leben und das Reich mit seiner Magie und allem, was er kann, schützen.

„Mardok sollte Heerführung bei Xandril lernen, während Ottgar von Rowan begleitet, ins Ostreich ziehen sollte, um die Beziehungen beider Länder zu vertiefen, vielleicht sogar neue Bündnisse zu schließen.“

Großmagier Bunduar hatte den Freunden durch Prinz Sirii Anweisungen für die Zukunft gegeben:
Der dritte Band „Rowan – Verrat im Ostreich“
Der Alltag sieht aber nun ganz anders aus. Rowan kämpft hier an mehreren Seiten. Die Klauenseite herrscht im Reich und droht auch die anderen Reiche zu infizieren. Eine Hungerkatastrophe droht!

Die Ritter am Hof belächeln ihn. Magier haben an König Kustins Hof keinen guten Ruf. Auch die Freundschaft zwischen Rowan und Ottgar leidet. Früher hat Ottgar seinem Freund blind vertraut. Inzwischen haben die Ritter großen Einfluss auf Ottgar.

Aber es kommen noch viel größere Probleme auf den jungen Magier zu. Zwerge halten sich nicht mehr an die ausgemachten Regeln und Rowan spürt, dass es Verräter am Königshof gibt.

Rowan lernt zum ersten Mal die Liebe kennen!

Kann Rowan seinen Freund Ottgar in Sicherheit bringen?

Sprachliche Gestaltung
Aileen o’Grian erzählt die Abenteuer aus Sicht des jungen Magiers. Die Kapitel haben eine angenehme Länge.

Weltenbau
Rowan, der junge Magier, lebt in einer mittelalterlichen Welt, in einem Königreich, das mit anderen Königreichen befreundet ist. Es gibt nicht nur Könige und Magier, der Leser begegnet Rittern, Hexen, Zwergen, Naturgeistern in allen Elementen, Drachen und noch vielem mehr. Rowan ist sogar fähig, die Sprache der Tiere zu verstehen und mit ihnen zu reden.

Aileen o’Grian übernimmt einige Bräuche aus dem historischen Mittelalter und der Kräuterheilkunde.



Fazit „Rowan – Verrat im Ostreich“
Aileen o’Grian verfolgt wie schon in den ersten beiden Bänden den Ansatz: Magische Kräfte entstehen mit Hilfe der Natur, Heilkräuter, Zusammenarbeit mit Tieren und Naturgeistern und das Verstehen der Körpersprache von Tier und Mensch. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz und seit „Fridays for Future“ und Greta Thunberg ein hochaktueller Ansatz. Er beinhaltet Naturschutz bzw. Umweltschutz in Verbindung mit Achtsamkeit und Besonnenheit.

Außerdem bringt die Autorin den jungen Leser einiges über das Mittelalter bei. Angefangen vom Rittertum, über Heiler, bis zum „Recht der ersten Nacht“ (Jus prima noctis), das beinhaltet, dass der Lehnsherr, König oder eben der „Herr“, der Braut in der ersten Nacht noch vor dem Bräutigam „beiliegen“ darf. Ja, das waren schon befremdliche Sitten! Aileen o’Grian bringt dies dem Leser sehr sensibel nah.

Es geht um das „Erwachsen werden“, um Moral, die erste Liebe, und auch ein wenig darum, welchen Beruf ich wähle. Man kann sich gut damit identifizieren, bzw. man kann sich wieder gut an diese Zeit erinnern. Und, wie schon erwähnt, der Leser erfährt viel über das Mittelalter.

Ich finde die Rowan Reihe sehr schön. Rowan wird mit jedem Band erwachsener. Aileen o’Grian lässt dieses Erwachsenwerden in ihre Geschichte einfließen, ohne es benennen zu müssen! Man merkt es an seinen Entscheidungen und Handlungen.

Rowan ist eben genauso ein Jugendlicher, wie es seine Leser sind oder waren. Ein schönes Jugendbuch.