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Veröffentlicht am 25.02.2026

Inselliebe und Familiengeheimnisse

Leuchtturmzauber
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Mit "Leuchtturmzauber" entführt uns Marie Merburg diesmal auf die wunderschöne Nordseeinsel Juist. Hauptfigur Julia arbeitet dort in der familieneigenen Inselspedition und kämpft tagtäglich um dessen finanzielles ...

Mit "Leuchtturmzauber" entführt uns Marie Merburg diesmal auf die wunderschöne Nordseeinsel Juist. Hauptfigur Julia arbeitet dort in der familieneigenen Inselspedition und kämpft tagtäglich um dessen finanzielles Überleben, denn ihr Vater ist ihr wegen eines emotionalen Ausnahmezustands keine wirkliche Hilfe. Als sie dann auch noch zu Nachhilfestunden im Rahmen eines Kutscher-Lehrgangs verdonnert wird, könnte sie platzen. Nicht zuletzt entpuppt sich auch noch Lukas Jantzen, Erbe des Konkurrenzunternehmens, als der Fahrlehrer. Was für ein Ärger, dass er dazu auch noch so unverschämt attraktiv ist!

Ich habe mich beim Lesen vom ersten Moment an wieder rundum wohlgefühlt. Die Romane der Autorin sind für mich echtes Wohlfühl-Lesen und gehören für mich zum Frühling einfach dazu: Man schlägt die erste Seite auf und ist sofort mitten im Geschehen. Das Inselleben auf Juist ist so lebendig und liebevoll beschrieben, dass ich am liebsten direkt die Koffer packen wollte. Besonders spannend fand ich den Einblick in das Leben einer Inselkutscherfamilie – inklusive kleiner Details rund um Pferde, Kutschfahrten und sogar die Fahrprüfung für Pferdekutschen. Diese Aspekte verliehen der Geschichte eine besondere Authentizität und sorgten dafür, dass der Roman trotz seiner Leichtigkeit nie belanglos auf mich wirkte.

Julia ist eine Protagonistin, mit der ich sehr mitfühlen konnte. Sie kämpft an vielen Fronten: um den Familienbetrieb, um ihren trauernden Vater und nicht zuletzt mit ihren eigenen Gefühlen. Ihre Gedanken und Emotionen wirkten meist authentisch, auch wenn ich nicht jede ihrer Reaktionen nachvollziehen konnte. Gerade wenn sie vor Problemen oder ihren Ängsten davonlief, wirkte sie stellenweise eher wie eine 13-Jährige als wie die angeblich toughe 33-Jährige.

Umso mehr mochte ich Lukas. Er ist für mich die heimliche Hauptfigur des Romans: reflektiert, geduldig, humorvoll und unglaublich unterstützend. Besonders schön fand ich, wie selbstverständlich er Julia beistand - er hat sich für mich definitiv zu meiner Lieblingsfigur entpuppt.

Mit von der Partie war auch Julias beste Freundin Wiebke, die wohltuende Bodenständigkeit in Julias Gefühlschaos brachte – ehrlich, direkt und immer unterstützend. Und auch Nebenfiguren wie Kutscher Kevin oder Julias Vater waren greifbar und glaubwürdig gezeichnet.

An manchen Stellen hätte ich mir im romantischen Teil allerdings etwas mehr Ernsthaftigkeit gewünscht. Der Humor – so gelungen er insgesamt ist – hat für mich gelegentlich das zarte Prickeln überlagert. Zudem ging mir die gedankliche Entwicklung von Julia stellenweise zu schnell: Kaum fiel der erste Kuss, dachte sie schon über eine mögliche Beziehung oder sogar die große Liebe nach. Hier hätte ich mir mehr Kennenlernen und weniger Zukunftsdrama gewünscht.

Im letzten Drittel schlägt der Roman ernstere Töne an, die ich interessant fand, allerdings etwas die vorherige Leichtigkeit vermissen ließen. Nichtsdestotrotz fand ich diese tiefgründigere Note sehr gelungen.

Fazit: "Leuchtturmzauber" ist ein humorvoller, warmer und atmosphärischer Roman mit sympathischen Figuren und einem traumhaften Setting. Auch wenn mir die Entwicklung stellenweise etwas zu schnell und zu dramatisch erschien, überwog für mich klar das Wohlfühlgefühl. Die Mischung aus Schmunzeln, Mitfiebern und Inselflair macht einfach jedes Mal wieder Spaß.

Ich wollte eigentlich gar nicht, dass das Buch endet – und freue mich jetzt schon auf den nächsten Roman der Autorin!

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Geisterjagd mit Herzklopfen

The Girls Ghostbusting Agency – Crazy Spooky Love
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Mit "The Girls Ghostbusting Agency" entführt Josie Silver in eine Geschichte, die sich von der ersten Seite an angenehm leicht weglesen lässt. Der Schreibstil ist warm, flüssig und hat mich so vereinnahmt, ...

Mit "The Girls Ghostbusting Agency" entführt Josie Silver in eine Geschichte, die sich von der ersten Seite an angenehm leicht weglesen lässt. Der Schreibstil ist warm, flüssig und hat mich so vereinnahmt, dass ich eigentlich die ganze Zeit weiterlesen wollte.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Melody Bittersweet, die Geister sehen kann und gemeinsam mit ihrem Team eine eigene Geister-Agentur ins Leben ruft, um sich von ihrer Familie zu emanzipieren, die seit Jahren im Geister-Geschäft aktiv ist. Mit Melody und ihren Entscheidungen musste ich erst warm werden (und habe manches bis zuletzt nicht ganz nachvollziehen können), aber die Nebenfiguren sind durchweg warmherzig angelegt. Melodys beste Freundin Marina ist eine wunderbare Stütze und herrlich direkt, und Artie, der Assistent – ach, Artie! Er ist wie die menschliche Version einer schüchternen Dogge: etwas tapsig, unglaublich loyal und einfach zum Liebhaben. Wirklich herrlich. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Melodys Großmutter! Schräge Aktionen, absolute Überzeugung von der eigenen Unschuld und dabei einfach unfassbar liebenswert. Sie sorgte für viele humorvolle Momente und hat mir mehr als einmal ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert (und mich dabei ein bisschen an die Gran aus der Stephanie Plum-Reihe erinnert).

Das Buch ist humorvoll, ich musste oft schmunzeln oder leise giggeln – der ganz große Brüller blieb zwar aus, aber das passte auch zur insgesamt sanften Geschichte. Für mich fühlte sich alles eher charmant als laut an.
Die Handlung kam jedoch recht langsam in Gang. Spannung war zwar vorhanden, aber eher unterschwellig, und manches war für mich vorhersehbar. Emotional gepackt hat mich der Fall, an dem Melody arbeitet, tatsächlich erst ganz zum Schluss.

Was mich zudem etwas gestört hat, war die Logik rund um die Geister. Manche können ein Haus nicht verlassen, andere tauchen plötzlich im Büro oder in Melodys Zuhause auf. Mal können sie abgeschlossene Dinge nicht durchsuchen, dann wieder scheinbar mühelos durch Wände gehen. Hier hätte ich mir deutlich mehr Erklärung und Klarheit gewünscht. Ein stärker ausgearbeiteter Überbau hätte der Geschichte gutgetan und für mehr Stimmigkeit gesorgt.

Mit Leo Dark (Melodys Exfreund) und dem Journalisten Fletcher Gunn gab es gleich zwei potenzielle Love Interests. Anfangs konnte ich die angebliche Anziehung zu beiden überhaupt nicht fühlen – ich fand sie ehrlich gesagt eher unsympathisch. Doch mit der Zeit entwickelte sich besonders Fletcher in eine Richtung, die mir Hoffnung machte und die ich nachvollziehen konnte. Ich bin wirklich gespannt, wie sich das in den nächsten beiden Romanen weiterentwickeln wird!

Wer mit Serien wie Scooby-Doo oder Filmen wie Ghostbusters aufgewachsen ist, wird einige Anspielungen entdecken und sicher schmunzeln. Diese kleinen Referenzen verliehen dem Ganzen einen charmanten, nostalgischen Touch.

Fazit: "The Girls Ghostbusting Agency" ist kein hochspannender Pageturner und kein perfekt durchdachter Urban-Fantasy-Roman – aber ein unglaublich angenehmes, warmherziges und charmantes Wohlfühlbuch.
Es hätte hier und da etwas mehr Drive und eine klarere Geister-Logik vertragen können. Doch die liebenswerten Figuren, der sanfte Humor und das schöne Schreibgefühl machen vieles wett. Ein wirklich nettes Buch für zwischendurch und ich bin zufrieden aus der Geschichte gegangen.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Liebe und Täuschung

Illusion – A Lie Worth Believing
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Stella hangelt sich in Seattle als Sängerin und Barkeeperin mehr schlecht als recht durch. Als ihr eines Tages der mysteriöse Levin das Angebot macht, Hauptact in seiner Illusionsshow in Las Vegas zu werden, ...

Stella hangelt sich in Seattle als Sängerin und Barkeeperin mehr schlecht als recht durch. Als ihr eines Tages der mysteriöse Levin das Angebot macht, Hauptact in seiner Illusionsshow in Las Vegas zu werden, zweifelt Stella zunächst, ob sie sich wirklich ohne weitere Informationen darauf einlassen sollte. Aufgrund einer Räumungsklage, durch die sie innerhalb von 2 Tagen ihre Wohnung verlassen muss, und der Tatsache, dass sie nicht mehr als 2 Dollar besitzt, geht sie kurzerhand doch auf das Angebot ein. Umgehend befindet sie sich in einer glitzernden Welt voller Champagner, Privatjets und luxuriöser Hotelsuiten, die nicht zwischen Schein und Sein differiert. Stella fragt sich, ob sie das wirklich möchte und warum ausgerechnet sie von Levin erwählt wurde. Auch das Mysterium um die verschwundene Sängerin, deren Job sie nun einnehmen soll, ist bisher nicht geklärt. Und neben Erinnerungen an ihre durch einen Unfall verstorbenen Eltern, mit denen sie in Las Vegas gelebt hatte, ist da ja auch noch die große Anziehung zwischen ihr und Levin...

"Illusion – A Lie Worth Believing" startet sehr rasant, vielleicht sogar ein bisschen zu rasant. Denn der Einstieg wirkte auf mich überhastet, wodurch es mir schwerfiel, emotional nachzuvollziehen, warum sich die Protagonistin Stella so schnell auf den von Levin angebotenen Deal einlässt, auch wenn die Räumungsklage und die finanziellen Probleme von Stella direkt dargestellt wurden. Ich kam einfach gefühlt nicht so schnell mit. Trotz dieser Schwäche entfaltete der Beginn aber eine gewisse Sogwirkung: Man möchte weiterlesen, weil die Geschichte neugierig macht und viele Fragen aufwirft.

Besonders spannend empfand ich den Handlungsstrang rund um die verschwundene Sängerin Fia, die nun von Stella ersetzt werden soll. Die Frage, was mit ihr passiert ist, ob sie noch in Las Vegas ist und welche Rolle die Show dabei spielt, sorgte für echten Spannungsaufbau. Auch das Rätsel, warum ausgerechnet Stella von Levin, dem Macher der Show, ausgewählt wurde, trug zur Neugier bei. Immer wieder blitzten Hinweise auf, dass die Vergangenheiten der beiden Hauptfiguren miteinander verknüpft sein könnten – was allerdings relativ früh vorhersehbar wirkte.

Das Potential des Romans mit grundsätzlich vielen verschiedenen Aspekten (Vorgeschichte der weiblichen und männlichen Hauptfigur, Rätsel um Besonderheit von Stella, verschwundene Vorsängerin etc.) wurde jedoch nicht richtig genutzt. Häufig im Fokus stand die Beziehung zwischen Stella und Levin, die sich für meinen Geschmack zu schnell entwickelte. Statt einer langsamen Annäherung oder eines echten Konflikts ist von Anfang an eine starke körperliche Anziehung zwischen den beiden vorhanden gewesen. Der beworbene Trope "Haters to Lovers" passt hier meiner Meinung nach nicht, da kein wirklicher Hass oder echte Ablehnung bestand. Stellas Vorsicht wirkte auf mich eher oberflächlich und wurde sofort von Anziehungsgedanken überlagert, was der Dynamik die Tiefe nahm.

Levin blieb als Figur schwer einschätzbar, was grundsätzlich reizvoll war. Gleichzeitig wirkten seine Geheimnisse und Motive stellenweise künstlich aufgebaut. Dass man sehr früh erfuhr, dass er Stella gezielt nach Las Vegas geholt hat, nahm der Handlung etwas von ihrer Spannung. Insbesondere seine unklaren Beweggründe und dazu gehörigen Gedankenkreise führten zudem dazu, dass sich der rote Faden für mich zwischendurch verlor.

Sehr positiv hervorzuheben ist der Schreibstil: angenehm, leicht zu lesen und mit vielen bildlichen Vergleichen. Besonders gelungen ist auch der aufgebrochene Text durch SMS-Nachrichten, Zeitungsartikel und Kartenabbildungen. Diese Elemente erhöhten mein Lesetempo deutlich und lockerten die Geschichte auf. Auch die wechselnden Ich-Perspektiven der beiden Hauptfiguren wurden gut umgesetzt.

Während mich die Handlung um die verschwundene Sängerin fesselte, überzeugte mich alles rund um die Illusionsshow deutlich weniger. Die Beschreibungen der Show blieben vage, ich konnte mich da nicht richtig reindenken und -fühlen, und warum Stella angeblich so besonders sein soll, erschloss sich mir lange nicht – vor allem, da sie zum Zeitpunkt der Lobhudelei noch nicht einmal gesungen hatte. Diese Passagen wirkten überflüssig und bremsten die Geschichte eher aus.

Die Nebenfiguren sind solide ausgearbeitet. Besonders Cam, der Kostümdesigner, stach positiv hervor und wuchs mir schnell ans Herz – auch wenn ständig das Gefühl blieb, dass man niemandem vollständig trauen kann.

Insgesamt ist "Illusion – A Lie Worth Believing" ein Buch mit starken Momenten, guter Atmosphäre und spannenden Ansätzen, das jedoch unter Tempo-Problemen, einer zu schnellen Romance und einem unausgewogenen Fokus leidet.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Glanzvolle Kulisse, blasse Gefühle

Les Bouttiers – Wir sind jetzt
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Mit "Les Bouttiers – Wir sind jetzt" entführt uns Antonia Wesseling in die glamouröse Welt eines alteingesessenen Pariser Modehauses. Die Familie Bouttier steht seit Jahrzehnten für Erfolg im Modebusiness ...

Mit "Les Bouttiers – Wir sind jetzt" entführt uns Antonia Wesseling in die glamouröse Welt eines alteingesessenen Pariser Modehauses. Die Familie Bouttier steht seit Jahrzehnten für Erfolg im Modebusiness und mittendrin befindet sich Enkelin Elodie, unsere Hauptfigur, die ,seitdem ihre Mutter einen Unfalltod erlitt, nicht mehr in Paris war. Das Setting rund um Haute Couture, Familientradition und Großstadtflair hat mich insgesamt sehr gut unterhalten. Besonders das Modehaus als zentralen Schauplatz mochte ich sehr. Allerdings hätte ich mir noch mehr atmosphärische Eindrücke von Paris gewünscht, denn die Stadt selbst blieb für meinen Geschmack etwas zu blass.

Erzählt wird die Geschichte aus wechselnden Ich-Perspektiven von Elodie, ihrem Cousin Gabriel und Konkurrent Adam. Diese Perspektivwechsel sorgten grundsätzlich für Dynamik und Einblicke in unterschiedliche Gedankenwelten. Gleichzeitig gab es jedoch eine Vielzahl an Figuren, wodurch es mir teilweise schwerfiel, den Überblick zu behalten. Der im Einband enthaltene Stammbaum war hier eine große Hilfe; ein zusätzliches Personenverzeichnis wäre aufgrund der vielen Nebenfiguren meiner Meinung nach dennoch sinnvoll gewesen.

Besonders positiv hervorheben möchte ich die kreative Idee, gemeinsam mit einem Sänger einen Song zum Buch zu entwickeln. Direkt zu Beginn des Romans findet sich der QR-Code, der einen zum Lied führt und eine kleine Erklärung der Autorin. Dieses multimediale Element finde ich richtig gelungen und es verlieh der Geschichte einen besonderen Touch. Auch das Cover ist wunderschön gestaltet und spiegelt die elegante, modische Atmosphäre des Romans sehr gut wider.

Was mir allerdings gefehlt hat, ist ein klarer übergeordneter Spannungsbogen. Die Handlung plätscherte stellenweise eher dahin, ohne dass sich ein starkes zentrales Konfliktfeld wirklich zuspitzt. Zwar gibt es einen Cliffhanger am Ende, der neugierig auf Band zwei macht, aber ich finde ihn gut auszuhalten.

Emotional blieb ich leider etwas auf Distanz. Zwischen Elodie und Gabriel konnte ich die Anziehung nicht wirklich spüren. Die beiden haben sich über ein Jahrzehnt nicht gesehen und kennen sich eigentlich kaum noch – ohne echtes Aufarbeiten der Vergangenheit oder ein glaubwürdiges erneutes Kennenlernen empfanden sie plötzlich große Anziehung zueinander. Das war mir zu wenig Entwicklung, zu wenig Gespräche, zu wenig echtes Wachstum.

2. Love Interest Adam, Sohn des konkurrierenden Modehauses Le Blanc, startete als großkotziger Charakter, durchlief jedoch eine für mich erkennbare Entwicklung. Dennoch blieb für mich bis zum Schluss die Frage offen, ob seine Motive wirklich ehrlich sind und welches Interesse er nun an Elodie hegt. Sympathisch wurde er mir ebenso wenig wie Gabriel. Beide behandelten Elodie stellenweise bevormundend – und besonders irritierend fand ich, dass sie sich das oft gefallen ließ. Einerseits wurde Elodie als selbstbewusst, modern und konfrontationsbereit beschrieben, andererseits verhielt sie sich in Bezug auf die Männer häufig überangepasst und passiv. Diese Inkonsistenz hat mich gestört. Auch die zahlreichen Spice-Szenen konnten diese fehlende emotionale Tiefe für mich nicht ausgleichen. Hinzu kam, dass ich Elodie auch jenseits des Love Triangels nur schwer greifbar fand. Hier hätte ich mir mehr Ausarbeitung gewünscht, die aufzeigt, dass Elodie aktiv gegen Machtspiele und Geheimnisse vorgeht und zudem auch ihren eigenen Lebensweg finden möchte. Erst zum Schluss des Romans gab es hier eine klarere Linie.

Ein echtes Highlight war für mich hingegen Elodies kleine Schwester Zoé. Mit ihrer direkten Art sorgte sie für unterhaltsame Momente und sprach unangenehme Wahrheiten offen an – eine Figur, die der Geschichte spürbar Frische verlieh und für meinen Geschmack deutlich mehr Anteil hätte haben dürfen. Auch sonst gab es viele weitere unterhaltsame oder auch sehr unterschiedliche Nebenfiguren, die für mich insgesamt noch mehr Anteil und damit emotionale Tiefe vertragen hätten. So hätte ich mir z.B. gewünscht, dass Elodie mehr Einsatz zeigt, um in Paris auch jenseits ihrer Familienbande Anschluss zu finden. Verbindungen zu potentiellen Freundinnen wie Claire, die im Unternehmen der Familie arbeitet, wurden aber eher oberflächlich abgehandelt.

Trotz meiner Kritikpunkte hat mich das Buch insgesamt gut unterhalten - vor allem wegen des Mode-Settings und der familiären Dynamik. Die emotionale Tiefe und die romantische Chemie hätten für mich stärker ausgearbeitet sein dürfen, doch neugierig auf die Fortsetzung bin ich trotzdem.

Fazit: Ein atmosphärischer Auftakt mit starkem Mode-Setting, wunderschönem Design und kreativen Extras. Emotional für mich jedoch nicht ganz greifbar. Band 2 werde ich dennoch lesen.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Viel Idylle, wenig Reibung

Mathilde und Marie
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Als die Studentin Marie aus Paris flieht, trifft sie im Zug auf die ältere, mütterliche Isländerin Jonina. Diese erkennt sofort, dass Marie traurig und einsam ist und lädt sie daher kurzerhand ein, sie ...

Als die Studentin Marie aus Paris flieht, trifft sie im Zug auf die ältere, mütterliche Isländerin Jonina. Diese erkennt sofort, dass Marie traurig und einsam ist und lädt sie daher kurzerhand ein, sie nach Redu, einem kleinen Bücherdorf in Belgien, zu begleiten, in dem sie einen von 13 Buchläden betreibt und seit vielen Jahren beheimatet ist. Vor Ort wird Marie verzaubert von der Stille des Ortes, der atemberaubenden Natur und dem liebevollen Dorfzusammenhalt und gewöhnt sich nach und nach an das entschleunigte Leben. Auf ihren Waldspaziergängen trifft sie regelmäßig auf die abweisende, mürrische Mathilde. Doch nach und nach bricht sie deren raue Schale und Mathilde kann sich nicht länger dem Dorfleben entziehen.

Dieser Roman war mir schon mehrfach begegnet und ich war deshalb wahnsinnig gespannt auf die Geschichte. Denn die Grundidee hat mich sofort abgeholt: ein ruhiges Dorf mitten in der Natur, Entschleunigung, ein bewusster Umgang mit dem eigenen Leben. Dieses Gefühl von Aufatmen, das ich vor allem aus dem Urlaub kenne, wurde stellenweise wirklich schön eingefangen. Auch die Landschaftsbeschreibungen, das Essen und einzelne kleine Gesten zwischen den Dorfbewohner/Innen hatten etwas sehr Warmes.

Leider hat mich jedoch der Schreibstil über weite Strecken verloren. Für meinen Geschmack ist er zu betulich und ausschweifend, teilweise wirkte alles doch sehr blumig, gewollt und fast belehrend. Inhaltlich fühlte sich vieles eher märchenhaft an, Entwicklungen passierten mir zu schnell und wichtige Entscheidungen wurden getroffen, ohne dass ich emotional richtig mitgenommen wurde.

Besonders mit der Hauptfigur Marie bin ich leider nicht wirklich warm geworden. Sie war mir durchweg zu glatt und zu beschwichtigend. Mir fehlten Ecken, Kanten und echte innere Konflikte, um mit ihr mitfühlen zu können. Andere Figuren haben mich deutlich mehr berührt, vor allem Mathilde mit ihrer raueren, ehrlicheren Art sowie Bäcker Thomas mit seinen stillen, klugen Momenten.

Nach einem zähen Start gab es in der Mitte einen Abschnitt, der mich wegen eines aufgekommenen Rätsels plötzlich gepackt hatte und ich die Geschichte regelrecht eingeatmet habe. Die Solidarität im Dorf, das füreinander Dasein, diese leise Menschlichkeit mochte ich wirklich sehr. Gleichzeitig blieb für mich allerdings vieles zu idealisiert und unrealistisch und die Spannung durch das Rätsel verlor sich sehr schnell wieder. Auch der insgesamt sehr negative Blick auf modernes Leben und Mediennutzung war mir zu einseitig. Achtsamkeit ja, aber diese romantisierte Abkehr von der Welt wirkte auf mich eher weltfremd als inspirierend.

Am Ende bleiben für mich schöne Bilder, ein paar berührende Szenen, aber auch das Gefühl, dass es der Geschichte an Tiefe fehlt und mir zu oft Botschaften mit der großen Keule vermittelt wurden. Mehrfach hatte ich daher Schwierigkeiten, das Buch wieder in die Hand zu nehmen und weiterzulesen.

Fazit: Eine sanfte Geschichte mit viel Atmosphäre und guten Ansätzen, die mich persönlich durch ihren betulichen Stil, die idealisierten Entwicklungen und die fehlende Figurentiefe leider nicht vollständig erreichen konnte.

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