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Veröffentlicht am 01.10.2021

Zurück in die Gesellschaft

Baby & Solo
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Nach jahrelanger Psychotherapie ist der 17-Jährige Joel endlich bereit, das Leben auszuprobieren. Als ersten Schritt nimmt er einen Aushilfejob in der nahe gelegenen Videothek an. Dort genießt er es, eine ...

Nach jahrelanger Psychotherapie ist der 17-Jährige Joel endlich bereit, das Leben auszuprobieren. Als ersten Schritt nimmt er einen Aushilfejob in der nahe gelegenen Videothek an. Dort genießt er es, eine „Tabula rasa“ zu haben und seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Schnell freundet er sich mit Nicole an, die ihre Geheimnisse mit Joel teilt. Doch Joel fällt es schwer, ihr gegenüber offen zu sein und von seiner Vorgeschichte zu erzählen. Zu sehr genießt er es, ein „normaler“ Mensch zu sein. Als die Freundschaft hierunter zu leiden beginnt, steht Joel am Scheideweg. Kann er die Freundschaft zu Nicole retten, indem er ihr von seiner Vergangenheit erzählt oder wird er sie hierdurch vielleicht erst recht verlieren?

„Baby und Solo“ ist das Romandebüt von Lisabeth Posthuma und für mich ein voller Erfolg. Zart und behutsam wird dem Leser die bewegende Geschichte von Joel nahegebracht, der nach einem schweren Schicksalsschlag eine schizoaffektive Psychose entwickelt und wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden soll. Mit angenehmem und leichtfüßigem Schreibstil werden einem die Themen wie Verlust, Trauer, Selbstfindung, Ausgrenzung, Mobbing, Homophobie und Hass nahegebracht. Dem Leser wird bewusst, wie stigmatisiert Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen werden, vor allem, wenn sie an einer psychiatrischen Erkrankung leiden. Dabei bleibt es nie langweilig, denn viele Entwicklungen sowie Nebenhandlungen sorgen für überraschende Wendungen. Dennoch bleibt die Atmosphäre stets ruhig. Die Figuren sind wahre Unikate und tiefgründig ausgearbeitet. Joel, der in der Videothek „(Han) Solo“ genannt wird, ist ein sensibler, empfindsamer und empathischer Charakter, der trotz seines jungen Alters schon sehr reif wirkt und für nahezu jeden einen passenden Rat hat. Seine zart aufkeimende Freundschaft mit Nicole („Baby“) ist wunderschön beschrieben und erfährt aufgrund mehrerer Ereignisse immer wieder Rückschläge. Auch die Emotionen kommen nicht zu kurz. Vom Mitfiebern, Wut, Freude bis hin zu Tränen war bei mir alles dabei.

Insgesamt ist dies ein wirklich toller, sehr behutsam erzählter Coming of Age Roman, der unglaublich spannend, anrührend und bezaubernd ist. Für mich ein weiteres Jahreshighlight 2021!

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Veröffentlicht am 29.09.2021

Kraft, um weiterzuleben

Sieben Tage am Fluss
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Lucy versucht, ihre Familie wieder zu vereinen. Denn nachdem sich ihre Eltern vor Jahren scheiden ließen, entzweiten sich nach und nach auch die drei Schwestern Eve, Lucy und Margot. Als Anlass nimmt Lucy ...

Lucy versucht, ihre Familie wieder zu vereinen. Denn nachdem sich ihre Eltern vor Jahren scheiden ließen, entzweiten sich nach und nach auch die drei Schwestern Eve, Lucy und Margot. Als Anlass nimmt Lucy ihre kurzfristig angesetzte Hochzeit mit ihrem Verlobten Tom. Doch jeder in der Familie hat eigene Geheimnisse, die drohen, das Fest zu überschatten…

„7 Tage am Fluss“ ist der erste Roman, den ich von Hannah Richell gelesen habe. Mit einem bezaubernden, sehr bildhaften und angenehmem Schreibstil wird die Geschichte aus wechselnder Sicht der Protagonisten erzählt. Intermittierend finden sich Rückblicke auf das erlebte Familienleben einzelner Protagonisten. Der Roman spielt in England überwiegend im Herbst. Inhaltlich zog mich der Roman erst ab der Hälfte in seinen Bann. Ein sehr trauriges, aber großartiges und überraschendes Finale versöhnte mich mit dem zuvor manchmal eher vorhersehbaren Plot. Die einzelnen Figuren haben sich stark voneinander unterschieden und wirkten gut ausgearbeitet auf mich. Dennoch hätte ich mir an der ein oder anderen Stell noch etwas mehr Tiefe gewünscht, insbesondere in Bezug auf Eve, Kit und Ted. Obwohl die Stimmung überwiegend melancholisch und zuletzt sehr traurig war, stiftet das Finale Hoffnung und zeigt, dass auch vermeintlich unüberbrückbare Differenzen innerhalb einer sich dennoch liebenden Familie überwunden werden können. Ein zuletzt offenes Ende hinterließ bei mir ein positives Gefühl mit hoffnungsvollem Ausblick und hallte noch nach.

Fazit: Ein unterhaltsamer, gefühlvoller Roman mit kleinen Schwächen, aber einem wunderschönen, einlullenden Schreibstil. Sehr passend zur Herbstzeit.

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Veröffentlicht am 24.09.2021

Vollkommene Meditation für Anfänger und Fortgeschrittene

Vollkommene Meditation
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„Vollkommene Meditation“ ist das neue Werk von Deepak Chopra. Anhand von Texten, Erklärungen und Übungsbeispielen wird dem Leser vermittelt, wie man seine Meditationspraxis aufbauen oder verbessern kann. ...


„Vollkommene Meditation“ ist das neue Werk von Deepak Chopra. Anhand von Texten, Erklärungen und Übungsbeispielen wird dem Leser vermittelt, wie man seine Meditationspraxis aufbauen oder verbessern kann. Im Fokus steht dabei die vom Autor bezeichnete „vollkommene Meditation“. Das Buch eignet sich sowohl für Anfänger, als auch für Fortgeschrittene. Im zweiten Teil des Buches befindet sich ein 7-Tages-Meditationskurs mit Platz zur schriftlichen Reflexion sowie 52 Mantras, anhand derer man 52 Wochen lang meditieren kann.

Ich selbst meditiere schon seit über 2 Jahren und möchte es in meinem Alltag nicht missen. Auch die Achtsamkeitspraxis ist ein wertvoller Bestandteil in meinem Leben geworden. Immer wieder gibt es jedoch Phasen, in denen es mir schwerfällt, mich zu motivieren oder die tägliche 30-minütige Meditation bis zum Ende durchzuziehen. Da ich bisher noch kein Buch von Deepak Chopra gelesen habe, war ich besonders gespannt, ob es mir bezüglich dessen weiterhelfen kann. Ich wurde positiv überrascht. Der Autor nimmt einen ab Seite 1 an die Hand und signalisiert unglaublich viel Verständnis für diejenigen, die im Alltag Schwierigkeiten haben, sich in der Meditation einzufinden. Zeitgleich weist er einem den Weg, auch in der modernen Welt mehr Achtsamkeit und Meditation zu etablieren. Anhand gelungener Beispiele, insbesondere aus der Tierwelt, wird einem deutlich gemacht, wie einfach und wichtig innere Einkehr und Ruhe sind und wie faszinierend das Bewusstsein funktioniert. Dabei nimmt der Autor stets Abstand vom religiös-spirituell-mystischem Buddhismus und bereitet einen emotionalen und beispiel-gepflasterten Weg durch das Buch, welches Menschen der westlichen Welt adressiert. Einziger Kritikpunkt meinerseits wäre, dass ich mir die Mantras im Anhang gesprochen auf CD oder in einer App gewünscht hätte, weil es dann leichter fällt, hierzu zu meditieren. Dieses Buch stellt für mich einen wertvollen Ausbau und neue Anregung für meine Meditationspraxis dar. Gleichzeitig ist es aber auch für Anfänger gut geeignet.

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Veröffentlicht am 23.09.2021

Süß, aber vorhersehbar

Like Gravity
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Brooklyn hat in ihrem Leben schon viel durchmachen müssen. So wurde ihre Mutter vor ihren Augen erschossen und nach schrecklicher Zeit im Pflegeheim zog ihr Vater sie lieblos auf. Nun lebt sie in einer ...

Brooklyn hat in ihrem Leben schon viel durchmachen müssen. So wurde ihre Mutter vor ihren Augen erschossen und nach schrecklicher Zeit im Pflegeheim zog ihr Vater sie lieblos auf. Nun lebt sie in einer WG mit ihrer besten Freundin Lexi am College und versucht, jegliche Art von Emotionen von sich fernzuhalten. Gar nicht so einfach, als sie über den attraktiven und als Frauenheld bekannten Finn stolpert, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Nach und nach scheint er ihre Mauern einzureißen und geht Brooklyn gefährlich unter die Haut…

„Like Gravity“ ist der neue Roman von Julie Johnson. Geziert wird der Young Adult Roman von einem wunderhübschen Cover.

Das Buch ist in Kapitel unterteilt, die oft mit einem Rückblick in Brooklyns Vergangenheit beginnen, wodurch der Leser zunehmend mehr über die Verhältnisse erfährt, in denen die Protagonistin Brooklyn aufgewachsen ist. Sie hat schon sehr viel erlebt und wird von einem Unbekannten verfolgt.
Inhaltlich setzt sich der Roman mit den Themen Gewalt an Frauen, Stalking, Tod und Verlust auseinander. Obwohl es viele gruselige Szenen gibt, die mich sehr in Atem gehalten haben, bleibt er dabei jedoch insgesamt eher oberflächlich.
Die Protagonistin Brooklyn selbst war mir sympathisch, wenn sie auch gegenüber Dritten sehr verschlossen und abweisend ist. Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Brooklyn geschrieben wurde, erhält man jedoch einen umfassenden Einblick in ihre Gefühlswelt. Dennoch konnte ich nicht jede Handlung von Brooklyn nachvollziehen. Sie wirkte auf mich noch sehr jung, auch in ihren Reaktionen. Dass sie sich psychologische Unterstützung suchte, empfand ich als sehr wünschenswert, wie es dazu so plötzlich kam, konnte ich aber nicht nachvollziehen.
Die Liaison zwischen ihr und Finn ist sehr niedlich und herzig. Die großen Emotionen, insbesondere der Sehnsucht, zum Mitschwelgen und -fühlen kamen bei mir allerdings eher nicht auf. Insgesamt hätten die Figuren für mich deutlich mehr Tiefe vertragen.
Trotz der sehr interessanten Themen und des spannenden Konzepts war für mich darüber hinaus leider sofort offensichtlich, wer Brooklyn nachstellt und wer der Junge aus ihrer Vergangenheit sein muss. Hierdurch fehlte für mich leider überwiegend der Spannungs- und primär der Überraschungseffekt der Geschichte und ich war nicht in dem Ausmaß an das Buch gefesselt wie erhofft. Anhand des angenehmen und lockeren Sprachstils fliegt man dennoch nur so durch die Geschichte.

Insgesamt handelt es sich hierbei um einen süßen und unterhaltsamen Roman, der sich sehr leicht lesen lässt und auf eher seichte Art mit schwierigen Themen auseinandersetzt.

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Veröffentlicht am 22.09.2021

Der Stich ins Wespennest

Das letzte Bild
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„Das letzte Bild“ ist der erste Roman, den ich von Anja Jonuleit lese. Unglaublich fesselnd gibt diese der „echten“ Isdal-Frau eine fiktive Romangeschichte, die stets erschreckend viele der tatsächlichen ...

„Das letzte Bild“ ist der erste Roman, den ich von Anja Jonuleit lese. Unglaublich fesselnd gibt diese der „echten“ Isdal-Frau eine fiktive Romangeschichte, die stets erschreckend viele der tatsächlichen Fakten und Indizien aufgreift. Denn die „Isdal-Frau“ wurde im norwegischen Isdal nahe Bergen im November 1970 tot aufgefunden. Weder die Identität der Frau, noch ihre Todesumstände konnten bis heute geklärt werden. Aufgrund diverser Indizien und unklarer Datenlage umgibt den Fall auch heute noch eine gewisse Mystik.

Der Roman beinhaltet drei Erzählstränge. Dabei begleitet der Leser abschnittsweise Marguerite (die Isdal-Frau) in der Vergangenheit, als auch die Hauptfigur Eva und den Protagonisten Laurin in der Gegenwart. Das Layout, bei dem die Schriftart stets wechselte, um diese 3 verschiedenen Erzählstränge voneinander abzugrenzen, empfand ich leider als nicht gut gelungen. Lange habe ich gebraucht, um mich damit zu arrangieren.

Inhaltlich ist der Roman aber irrsinnig gut recherchiert und die Kriminalgeschichte extrem fesselnd und packend. Ich war so mitgerissen, dass ich das Buch kaum aus den Händen legen konnte und nachts davon träumte. Das Thema hat mich sehr beschäftigt und nach Abschluss des Romans musste ich diesen erstmal Sacken lassen! Eine tolle Leistung der Autorin!

Der Sprachstil bleibt stets angenehm und leicht, der Erzählstil überwiegend nüchtern und tendenziell autobiographisch. Hierdurch habe ich länger gebraucht, um mit den einzelnen Personen warm zu werden. Die einzelnen Charaktere bleiben insgesamt leider etwas blass. Im Vordergrund stehen der Kriminalfall und die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Hinweisen und Indizien rund um die Isdal-Frau. Im Nachhinein hätte ich mir historisch gesehen noch mehr Informationen über die NS-Zusammenhänge gewünscht und in diesem Zusammenhang noch mehr über die Familienverhältnisse und speziell Evas Großmutter („Omi Resi“) und ihre „Arbeit“ erfahren. Auch die Figur der Eva blieb für mich hinsichtlich ihres Charakters, ihrer persönlichen Wünsche und Träume eher unausgearbeitet. Sie stellte lediglich das Medium dar, um im Fall „Isdal-Frau“ zu ermitteln. Davon abgesehen habe ich mich aber sehr gut unterhalten gefühlt und war schnell an das Buch gefesselt. Beeindruckend wurden die Ermittlungsfakten rund um die „Isdal-Frau“ in einen Roman gebettet, dessen Grenze zwischen Fiktion und Realität ohne den sorgfältig zusammengestellten Anhang der Autorin für mich nicht zu erkennen gewesen wäre. Chapeau! Sicherlich nicht das letzte Buch, was ich von Anja Jonuleit gelesen haben werde!

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