Profilbild von CorniHolmes

CorniHolmes

Lesejury Star
offline

CorniHolmes ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit CorniHolmes über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.06.2026

Fesselnd, aufrüttelnd, hoffnungsvoll und bildgewaltig. Ein wunderbarer Comic!

Alles auf Anfang
0

Die Welt von damals existiert nicht mehr. Wie es zu dem großen Zusammenbruch kam, weiß niemand mehr so genau. Er war nicht plötzlich da, aber die Menschen hatten die Zeichen über Jahrzehnte hinweg gesehen ...

Die Welt von damals existiert nicht mehr. Wie es zu dem großen Zusammenbruch kam, weiß niemand mehr so genau. Er war nicht plötzlich da, aber die Menschen hatten die Zeichen über Jahrzehnte hinweg gesehen – und ignoriert. Nun ist es zu spät. Extreme Hitze, saurer Regen, Sandstürme und Wasserknappheit machen die Erde zu einem fast unbewohnbaren Ort. Ein paar Menschen konnten sich aber retten und kämpfen nun jeden Tag ums Überleben. So wie Elaia, die gemeinsam mit ihrer mutierten Ratte Momo jede Nacht auf die Jagd geht. Zusammen durchstreifen die beiden lebensgefährliche und verbotene Zonen und suchen nach brauchbaren Dingen. Denn Elaia und ihre Familie haben die Hoffnung noch nicht verloren. In einem Gewächshaus mitten in der Wüste trotzen sie allen Widrigkeiten und glauben fest an eine bessere Welt. Als Elaia auf einer ihrer Alleingänge auf einen geheimen Zugang zu einem riesigen unterirdischen Gebäudekomplex stößt, macht sie eine unglaubliche Entdeckung. Zu dem Zeitpunkt hat sie noch nicht, dass sie damit ihre Familie in große Gefahr bringt und nur wenig später etwas Unfassbares über ihre eigene Vergangenheit erfahren wird…

Endlich gibt es einen neuen Comic von Volker Schmitt und Màriam Ben-Arab! Nach meiner großen Begeisterung für ihr Piratenabenteuer „Zack!“ konnte ich das neue gemeinsame Werk der beiden kaum erwarten. Schon das Cover begeisterte mich auf Anhieb und dahinter sah es ganz genauso aus.

Volker Schmitt und Màriam Ben-Arab präsentieren hier eine faszinierende dystopische Abenteuergeschichte, die trotz der düsteren Kulisse sehr warmherzig und unterhaltsam daherkommt. „Er [der Comic] vereint den dystopischen Schrecken von Mad Max mit der Magie und Zuversicht der Ghibli-Filme.“ So heißt es auf dem Backcover und das trifft es auf den Punkt! Dem Duo ist der Spagat zwischen Ernst und Leichtigkeit vortrefflich geglückt. Auf der einen Seite erleben wir eine postapokalyptische Welt, in der es kaum noch Menschen gibt und jeder Tag ein Kampf ums Überleben ist. Auf der anderen Seite lernen wir eine heimelige Wohngemeinschaft kennen, wo zusammengehalten, gelacht, gespielt und geträumt wird und alle voller Hoffnung auf eine bessere Welt sind. Dieser Kindercomic richtet sich definitiv nicht nur an Kinder – er führt auch Erwachsenen vor Augen, dass wir nur diesen einen Planeten haben und wie wichtig es ist, sorgsamer und achtsamer damit umzugehen. Wenn wir nicht endlich etwas an unserem Verhalten ändern, könnte das erschreckende Zukunftsszenerio in diesem Buch vielleicht schneller zur Realität werden als gedacht.
Insgesamt ist „Alles auf Anfang“ aber ein Buch, das Spaß macht und Hoffnung spendet. Die Handlung und das dystopische Setting ziehen einen direkt in den Bann, spannende Wendungen und actionreiche Szenen halten einen bis zum Schluss in Atem und die vielfältigen Charaktere wachsen einem sofort fest ans Herz. Vor allem unsere Protagonistin Elaia ist eine starke und sympathische Figur: Mutig, entschlossen und hilfsbereit und mit einem großen Herzen. Resignation kommt für sie nicht infrage. Sie würde sogar ihr eigenes Leben riskieren, um das ihrer Liebsten zu retten. Man begleitet sie nur zu gerne auf ihrem Weg, fiebert und bangt mit ihr mit und mag/kann mit dem Lesen nicht mehr aufhören ehe man auf der letzten Seite angekommen sind.

Die Zeichnungen von Màriam Ben-Arab sind mal wieder ein besonderer Genuss – atmosphärisch, dynamisch und voller Vielfalt. Mit ihrem unverwechselbaren Strich erweckt die spanische Künstlerin die Figuren zum Leben und fängt sämtliche Emotionen durch Mimik und Gestik perfekt ein. Gekonnt spielt sie mit Farben und Perspektiven. Mal ganzseitig, mal in mehreren Panels, mal dialogreich und oft auch ganz ohne Worte treiben die Bilder die Handlung rasch voran und lassen einen tief in die Geschichte eintauchen.

Fazit: „Alles auf Anfang“ ist ein bildgewaltiges Science-Fiction-Abenteuer mit einer unerschrockenen Heldin, die niemals aufgibt. Ein großartiger All-Age-Comic ab 8 Jahren, der fesselt, aufrüttelt und Mut macht. Packend und liebevoll erzählt, eindrucksvoll in Szene gesetzt – ein echtes Highlight! Also ich bin begeistert, Volker Schmitt und Màriam Ben-Arab haben bei mir mal wieder voll ins Schwarze getroffen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.06.2026

Die Kraft der Fantasie und eine außergewöhnliche Freundschaft.

Mein Hund und ich
0



Das kleine Mädchen hat sich schon immer einen Hund gewünscht. Als es eines Tages im Park spazieren geht, wird ihr großer Wunsch endlich wahr: Sie findet einen Hund. Er brummt zwar, ist riesengroß und ...



Das kleine Mädchen hat sich schon immer einen Hund gewünscht. Als es eines Tages im Park spazieren geht, wird ihr großer Wunsch endlich wahr: Sie findet einen Hund. Er brummt zwar, ist riesengroß und hat bärige Tatzen – aber für das Mädchen ist er ein Hund. Ganz ängstlich und verloren sieht er aus, daher beschließt sie kurzerhand, ihn mitzunehmen. Da ihre Eltern aber keine Hunde mögen, muss sie ihn geheim halten und baut ihm gut versteckt ganz hinten im Garten eine tolle Hütte. Die beiden werden im Nu die besten Freunde und spielen viele lustige Spiele zusammen. Doch dann kommt dem Mädchen ein schrecklicher Gedanke: Was ist, wenn ihr „Hund“ vermisst wird und jemand ganz verzweifelt nach ihm sucht? Doch auf ihre vielen Such-Plakate und Nachfragen meldet sich niemand. Das Mädchen ist glücklich, dann kann sie ihren neuen treuen Gefährten ja doch behalten. Eines Tages verschwindet dieser jedoch ganz plötzlich und kehrt nicht zurück. Das Mädchen ist untröstlich. Doch dann, als sie wieder im Park unterwegs ist, findet sie hinter einem Busch wieder ein Tier, das ziemlich ängstlich und verloren aussieht…

Das italienische Autor-Illustratorin-Duo Luca Tortolini und Felicita Sala präsentiert hier ein bezauberndes Bilderbuch über ein Thema, mit dem sich sehr viele Kinder identifizieren können: Der Wunsch nach einem Haustier. Vor allem Hunde steht meist ganz oben auf der Wunschliste. So wie bei der kleinen Ich-Erzählerin dieser Geschichte, die sich mit ihrer kindlichen Vorstellungskraft sofort in das Leserherz schleicht. Warum sie den Bären für einen Hund hält, wird nicht erklärt. Tatsächlich fällt das Wort „Bär“ an keiner einzigen Stelle. Text und Bild erzählen quasi zwei unterschiedliche Geschichten. Während das Mädchen immer völlig selbstverständlich von ihrem „Hund“ spricht, zeigen die Bilder einen großen, freundlich aussehenden Bären und Menschen, die ihn teils ziemlich verschreckt betrachten. Offenbar können sie ihn auch sehen – er scheint also nicht der Fantasie des Mädchens entsprungen zu sein. Oder vielleicht doch?
Das Buch lässt viel Raum für eigene Spekulationen und sorgt für herrliche Vorlesemomente. Kinder werden es lieben, sich „schlauer“ als die Erzählerin zu fühlen – denn ein Bär ist ja eigentlich kein Hund. Jede Menge Kichern ist hier garantiert! Gleichzeitig ist die Erzählung aber auch sehr herzerwärmend und zum Ende hin auch ein bisschen traurig. Es ist rührend zu sehen, wie liebevoll sich das Mädchen um ihren „Hund“ kümmert und alles tut, damit er sich wohlfühlt. Man fühlt daher sehr mit ihr mit, als ihr neuer vierbeiniger Freund eines Tages plötzlich verschwindet. Zum Glück findet das Mädchen kurz darauf schon das nächste Haustier (welches das ist, wird an dieser Stelle nicht verraten) und ganz am Schluss gibt es noch weitere süße Überraschung.

Optisch ist dieses Buch ein besonderer Genuss. Felicita Salas großflächige Illustrationen in Wasserfarben, Buntstiften und Gouache sind bunt, warm und ausdrucksstark und stecken voller Details. Sie fangen die innige Liebe und Freundschaft zwischen dem Mädchen und seinem „Hund“ perfekt ein und laden zum Verweilen und Schmunzeln ein. Es gibt auf sämtlichen Seiten einfach so viele lustige Kleinigkeiten zu entdecken wie ein Bär, der als gute Fee verkleidet ist, oder das Mädchen und ihren „Hund“ beim gemeinsamen Picknicken.

Fazit: „Mein Hund und ich“ ist eine witzige und warmherzige Geschichte über die Kraft der Fantasie und die besondere Verbundenheit zwischen Kind und Tier. Ein tierisch schönes Bilderbuch ab 4 Jahren für alle Kinder mit Haustierwunsch. Mir hat dieses wunderbare ungewöhnliche Bilderbuch sehr viel Freude bereitet, ich kann es wärmstens empfehlen. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.06.2026

Ein wundervoller Abschlussband der Flusskind-Reihe!

Flusskind 5: Millilu und die Nacht der Glühwürmchen
0

Millilu ist immer noch auf der Suche nach ihrer Familie – den Bootsmenschen. Gemeinsam mit ihren beiden treuen tierischen Gefährtinnen, der Ziege Vanille und Henne Hennilotte, schippert sie mit ihrem Hausboot ...

Millilu ist immer noch auf der Suche nach ihrer Familie – den Bootsmenschen. Gemeinsam mit ihren beiden treuen tierischen Gefährtinnen, der Ziege Vanille und Henne Hennilotte, schippert sie mit ihrem Hausboot durch die Welt und trifft dabei auf viele außergewöhnliche Menschen. Dieses Mal führt sie ihre Reise an einem geheimnisvollen Wald, in dem es angeblich spuken soll. Von so einer Geschichte lässt sich Millilu aber nicht abschrecken. Als sich ihr Boot im Gestrüpp verfängt und festsitzt, zieht sie los, um Hilfe zu holen – und ihr Weg führt sie mitten durch Wald. Dort macht sie eine unglaubliche Entdeckung: Die angeblichen Gespenster sind eine Gruppe von Waisenkindern, die ganz oben in den Bäumen hausen, umgeben von Waldelfen, Vögeln und Glühwürmchen. Erwachsene brauchen sie nicht. Sie haben gelernt, auf sich selbst aufzupassen und sich allerhand einfallen lassen, um ihren Wald zu beschützen. Doch dann plant ein reicher Hotelbesitzer ihr geliebtes Zuhause abzuholzen. Ob es Millilu und den Waldkindern wohl gelingen wird, dies zu verändern?

Sabine Bohlmann gehört mittlerweile zu meinen liebsten Kinderbuchautor*innen. Ihre Bücher sind immer wie eine wohlig warme Umarmung und stecken voller herrlicher Ideen, vermitteln zugleich aber auch wertvolle Botschaften, ohne belehrend zu wirken. Die Flusskind-Reihe (bei der es sich um eine überarbeitete Neuauflage von Bohlmanns Wummelie-Büchern handelt) bildet da definitiv keine Ausnahme. Ich habe Millilu schon längst fest in mein Herz geschlossen, sodass ich den hier vorliegenden fünften (und vermutlich letzten) Band kaum erwarten konnte. Vorkenntnisse sind erneut nicht zwingend erforderlich, die Bände können gut unabhängig voneinander gelesen werden. Wer aber in den vollen Genuss der Reihe kommen möchte, sollte mit dem ersten Teil starten.

Auf ihre gewohnt liebevolle Weise entführt uns Sabine Bohlmann zurück in die Welt von Flusskindmädchen Millilu – eine überaus sympathische Protagonistin, die man einfach gernhaben muss. Vor allem Kinder werden von ihr begeistert sein. Denn wie cool ist das bitte, ohne Erwachsene und mit zwei Tieren auf einem Hausboot durch die Welt zu schippern und jeden Tag zum Abenteuer zu machen? Die Reihe verströmt ein gewisses Pippi-Langstrumpf-Flair: Unkonventionell, frei und selbstbestimmt und voller Lebensfreude. Mit ihrem großen Herzen für Gerechtigkeit und ihrer aufgeweckten und mutigen Art erinnert uns Millilu einmal mehr daran, wie viel Magie in den kleinen Dingen steckt und dass es sich lohnt, an das Gute zu glauben und die Welt öfters mal aus Kinderaugen zu betrachten. Gemeinsam mit den Waldkindern setzt sie sich für das ein, was ihr wichtig ist und zeigt uns, dass auch Kleine Großes bewirken können.
Sabine Bohlmann hat einfach wieder eine zauberhafte Geschichte geschrieben, die ganz selbstverständlich wichtige Themen näherbringt. Es geht um Freundschaft, Mut und Zusammenhalt. Um Naturverbundenheit, Umweltschutz und Hilfsbereitschaft. Auch als Erwachsene hat man seinen Spaß an diesem Buch und erfreut sich an den vielen wunderbaren Ideen und liebenswerten Kleinigkeiten wie ein Huhn, dass der festen Überzeugung ist, weiter als bis drei zählen zu können, oder Kinder, die peter-pan-mäßig ganz allein im Wald leben. Dass letzteres natürlich wenig realistisch ist, schmälert das Lesevergnügen in keinster Weise. Was wäre ein Kinderbuch ohne Fantasie und Abenteuer?

Die zahlreichen wunderschönen schwarz-weiß Illustrationen von Simona Ceccarelli fangen das Erzählte wieder perfekt ein und das herzerwärmende Ende schließt diese Reihe gelungen ab.

Fazit: „Flusskind – Die Nacht der Glühwürmchen“ ist eine warmherzige und unterhaltsame Abenteuergeschichte ab 8 Jahren mit einer starken Heldin, die man gerne begleitet, und Charakteren, die man sofort ins Herz schließt. Ein wundervoller Abschlussband der Flusskind-Reihe, der Jung und Alt gleichermaßen verzaubert. Mir hat auch dieser Band unheimlich viel Freude bereitet, ich kann diese tolle Kinderbuchreihe nur empfehlen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.06.2026

Ein spannendes und tiefgründiges Fantasyabenteuer voller Rätsel und Magie!

Magic Bookshop. Im Bann des dunklen Magiers
0

Melbourne, 1893. Für die zehnjährige Pearl Cole gibt es keinen schöneren Ort als ihr Zuhause: Die Buch-Arkaden, die größte Buchhandlung der Welt. Hier kann man nicht nur in vielen, vielen Büchern stöbern, ...

Melbourne, 1893. Für die zehnjährige Pearl Cole gibt es keinen schöneren Ort als ihr Zuhause: Die Buch-Arkaden, die größte Buchhandlung der Welt. Hier kann man nicht nur in vielen, vielen Büchern stöbern, sondern auch die verschiedensten Abteilungen und Dinge entdecken wie das Wunderland (ein Spielzeugladen), einen Teesalon und Papageien. Doch der Tod von Pearls großer Schwester Ruby trübt das Familienglück. Als eines Tages ein mysteriöser Mann im Buchladen auftaucht, ändert sich das Leben der Coles schlagartig. Der Mann überreicht Pearl eine Visitenkarte, die sie ihrem Vater geben soll. Auf der Karte steht „Obskurotist“ – und obskur ist dieser Mann wirklich. Der Fremde ist ein dunkler Magier und lebt von Geschäften, die nur ihm zugute kommen. Als er Pearls Vater anbietet, dass er ihnen Ruby zurückbringt, wenn er dafür die Buchhandlung bekommt, willigt dieser ein. Doch der Deal hat verheerende Folgen. Um die Buch-Arkaden und ihre Familie zu retten, gehen Pearl und ihr Bruder Vally einen weiteren Handel mit dem dunklen Magier ein. Wenn sie sieben Aufgaben rechtzeitig lösen, bekommen sie ihr Zuhause und ihren Vater zurück. Ein atemloser Wettkampf gegen die Zeit beginnt...

An diesem Buch konnte ich natürlich auf keinen Fall vorbeigehen. Schon allein der Titel ließ mein Herz direkt höher schlagen und Cover und Klappentext taten dann ihr Übriges. „Magic Bookshop“ klang einfach genau nach meinem Geschmack und meine Erwartungen waren entsprechend hoch.

Amelia Mellor legt hier einen Kinderroman vor, in dem weitaus mehr steckt als man auf den ersten Blick vielleicht vermuten würde. Verpackt in einem spannenden Fantasyabenteuer vor historischer Kulisse erzählt die US-amerikanische Autorin von Trauer und Verlust, von Mut, Zusammenhalt, der Bedeutung von Familie und dem Sinn des Lebens. Durch die teils schwere Thematik kommt die Geschichte öfters recht düster und emotional daher, wird aber niemals zu bedrückend. Amelia Mellor schreibt sehr gefühlvoll und die liebenswerten Eigenheiten der Charaktere lockern die Stimmung wunderbar auf. Dennoch ist dieses Buch sicherlich nicht für jedes 11-jährige Kind geeignet. Stellenweise wird es auch ganz schön gruselig, vor allem die Szene, in der sich Pearl und Vally in Puppen verwandeln, sorgt für Gänsehaut. Darüber hinaus braucht es ein bisschen, bis die Handlung richtig an Fahrt aufnimmt. Wer es gerne von Beginn an actionreich mag, muss hier etwas Ausdauer beweisen. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, um uns die Familie Cole vorzustellen. Dies drückt zwar etwas auf die Spannung, ist aber wichtig für den späteren Verlauf. Durch den Tod ihrer Schwester haben sich die restlichen Cole-Geschwister sehr voneinander entfernt und versuchen jeder auf seine Weise mit dem Tod von Ruby klarzukommen. Doch als ihr geliebtes Zuhause in Gefahr gerät, finden sie wieder zueinander und lernen nicht nur eine Menge über sich selbst, sondern auch übereinander. Gemeinsam wachsen sie über sich hinaus und und ziehen an einem Strang, um das zu retten, was ihnen wichtig ist. Es macht Spaß, in die geheimnisvolle Welt der Buch-Arkaden einzutauchen und die beiden Hauptprotagonisten Pearl und Vally zu begleiten. Amelia Mellor hat hier einen tollen Schauplatz erschaffen, der ein reales Vorbild hat. Am Ende erfahren wir, dass es die Familie Cole und die Buch-Arkaden wirklich gab. Letztere waren vermutlich weniger magisch als in diesem Buch, steckten aber ebenfalls voller Wunder und Überraschungen.

Mir persönlich hat trotz allem etwas gefehlt. Vielleicht habe ich einfach zu viel erwartet, keine Ahnung, aber irgendwie konnte mich die Geschichte nicht so fesseln und verzaubern wie erhofft. Im Englischen gibt es bereits zwei Folgebände, aber ich gehe momentan eher nicht davon aus, dass ich die Reihe weiterverfolgen werde.

Fazit: „Magic Bookshop – Im Bann des dunklen Magiers“ ist ein magisches Abenteuer voller Geheimnisse und Fantasie, gepaart mit einer bewegenden Familiengeschichte über Zusammenhalt, Abschied und Vertrauen. Ein spannender Kinderroman für alle ab 11 Jahren, die sich gerne in fantasievolle Welten entführen lassen. Auch wenn ich mir etwas mehr erhofft habe, kann ich das Buch sehr empfehlen. Von mir gibt es 3,5 – hier gerundet auf 4 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.05.2026

Zeitlos gute Krimi-Comic-Unterhaltung vom Feinsten!

Red
0

Als der kleine dreibeinige Hund Friedwart Plüschmann von zwei angriffslustigen Waschbären gejagt wird, flüchtet er zu einem abgelegenen Häuschen am Waldrand. Panisch, patschnass und völlig entkräftet versucht ...

Als der kleine dreibeinige Hund Friedwart Plüschmann von zwei angriffslustigen Waschbären gejagt wird, flüchtet er zu einem abgelegenen Häuschen am Waldrand. Panisch, patschnass und völlig entkräftet versucht er auf sich aufmerksam zu machen. Eine alte Dame öffnet ihm die Tür und will Friedwart erst abweisen. Doch seinem herzerweichenden Flehen und traurigen Hundeblick kann selbst eine so grimmige Person wie Rosa McMill nicht standhalten. Sie gewährt Friedwart Obdach, aber nur für eine Nacht! Doch als sie den Hund am nächsten Morgen wieder vor die Tür setzen will, kommt diesem seine Spürnase zu Gute. Er wittert Blut, eindeutig Menschenblut. Und es kommt aus einem Wandschrank in Rosas Haus. Dort bewahrt sie ein altes Hemd von ihrem verstorbenen Ehemann Red auf. Vor 30 Jahren hatte er einen tragischen Unfall, aber Rose glaubt bis heute nicht daran, dass es ein Unfall war. Laut Polizeibericht soll ihr Gatte 4,2 Promille im Blut gehabt haben – aber Red hat nie Alkohol getrunken. Dieses Rätsel lässt Rosa bis heute nicht los. Gemeinsam mit Friedwart beginnt sie den Cold Case wieder aufzurollen. Darüber sind einige jedoch alles andere als begeistert, angefangen beim Kommissar über den örtlichen Pathologen (der auch Arzt, Tierarzt und Wissenschaftler ist) bis hin zu einem Varieté-Besitzer und seiner eiskalten Bardame. Rosa und Friedwart wird schnell klar: Die Vier versuchen etwas zu vertuschen. Was ist damals nur geschehen? Ob es dem Duo wohl gelingen wird, den rätselhaften Tod von Rosas großer Liebe aufzuklären?

Was habe ich mich auf den neuen Comic von Josephine Mark gefreut! Ihre vorherige Werke habe ich geliebt (wenn ihr sie noch nicht kennt: Unbedingt ändern! Es lohnt sich.)
Nach einer Westernparodie und einem Road-Trip legt die mehrfach ausgezeichnete deutsche Künstlerin nun einen Krimi vor. Und wie nicht anders zu war, brilliert sie mal wieder auf ganzer Linie.

Schon nach wenigen Seiten ist man mittendrin in der Geschichte. Alles beginnt mit einer verschneiten Nacht und einer splitternackten Leiche. Danach folgt ein Sprung und wir befinden uns mit einem dreibeinigen Hund auf der Flucht vor wilden Waschbären. Als dann auch noch eine mürrische alte Dame auf der Bildfläche erscheint, gibt es erst recht kein Halten mehr. Die Comics von Josephine Mark entfalten immer eine Sogwirkung, der man sich nicht mehr entziehen kann – und das gilt für Jung und Alt gleichermaßen. „Red“ mag ein Comic für junge Leserinnen ab 12 Jahren sein, allerdings hat man auch als Erwachsener seine helle Freude daran. Mark erzählt gewohnt witzig, knackig und voller schwarzem Humor, ihre Dialoge sind pointiert, die Anspielungen originell und es bleibt bis zum Schluss unklar, was damals wirklich passiert ist. Viele falsche Fährten und skurrile Twists halten einen in Atem und durch die clever eingestreuten Rückblenden ergibt sich erst nach und nach ein genaues Bild der Ereignisse. Krimifans kommen hier ganz auf ihre Kosten, genauso wie Liebhaberinnen von schrulligen Charakteren. Für letzteres hat Josephine Mark zweifellos ein wahres Händchen, was sie hier mal wieder unter Beweis stellt. Wie bereits in „Trip mit Tropf“ könnten die beiden Hauptpersonen auch dieses Mal unterschiedlicher kaum sein: Während Friedwart ein herziges und quirliges kleines Plappermaul ist, ist Rosa schroff und abweisend. Im Laufe ihrer detektivischen Ermittlungen werden die beiden jedoch zu einem eingespielten Team und die verbitterte alte Frau taut langsam auf. Dieser Comic ist nicht nur eine Mischung aus mitreißender Detektivarbeit und köstlich kauziger Gestalten – er bietet auch berührende Einblicke in die Vergangenheit und zeigt, was Einsamkeit mit Menschen machen kann.

Optisch ist auch dieses Werk von Josephine Mark ein ganz besonderer Genuss. Ihre Figuren sind gewohnt recht simpel gezeichnet und auf das Wenigste reduziert. So besteht die grimmige Mimik von Rosa meist nur aus zwei schwungvollen waagerechten Linien. Trotz aller Einfachheit sind die Zeichnungen aber enorm ausdrucksstark, hier sitzt jeder Strich und jedes Panel. Viele Worte sind meist gar nicht vonnöten, einige Szenen kommen sogar ganz ohne Text aus. Hier gilt definitiv der Spruch, weniger ist oft mehr. Der Stil von Mark ist einfach unverwechselbar und besitzt jede Menge Charme.

Fazit: „Red“ ist ein urkomischer und tragischer Krimi ab 12 Jahren voller spannender Wendungen und herrlich schräger Figuren. Zeitlos gute Krimi-Comic-Unterhaltung vom Feinsten mit einem ungleichen Duo, das man sofort ins Herz schließt. Fesselnd und raffiniert erzählt, liebevoll gezeichnet, sehr gerne mehr davon! Josephine Mark hat hier mal wieder einen echten Volltreffer gelandet! Ich bin begeistert und vergebe gerne 5 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere