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Veröffentlicht am 11.03.2019

Harry Potter lebt in einem anderen Universum

Die Spiegelreisende
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Zunächst kurz zum Inhalt:

Die Welt ist zersplittert und besteht nun aus einundzwanzig großen und vielen kleinen Archen. Auf der Arche Anima lebt Ophelia umgeben von ihrer sehr großen Familie. Sie ist ...

Zunächst kurz zum Inhalt:

Die Welt ist zersplittert und besteht nun aus einundzwanzig großen und vielen kleinen Archen. Auf der Arche Anima lebt Ophelia umgeben von ihrer sehr großen Familie. Sie ist eine Animistin, dass heißt sie kann Gegenstände lesen. Sie führt ein ruhiges Leben und ist mit sich, ihrer Brille und ihrem Schal und der Stelle als Museumsleiterin vollkommen zufrieden. Zudem kann sie auch noch durch Spiegel gehen. Durch ihre Tollpatschigkeit und ihre ruhige Art wird sie aber von ihrer Familie nicht sehr ernst genommen. Da muss gerade sie eines Tages Anima verlassen und auf den eisigen und gefährlichen Pol ziehen um dort den Adligen Thorn zu heiraten. Schnell wird Ophelia klar, dass der Pol nicht wie das friedliche Anima ist und sie schnell ihren Weg finden muss um dort zu überleben. Und schnell stellt sich auch die Frage: Wem kann sie dort eigentlich trauen?

Klingt spannend? Ist es auch. Es ist schon allein eine Freude dieses Buch in der Hand zu halten. Das Cover ist wunderschön und das ganze Buch an sich ist sehr hochwertig verarbeitet. Auch die Kapitelaufteilung war ganz nach meinem Geschmack und der Schreibstil angenehm.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Ophelia, der Hauptprotagonistin des Buches erzählt. Sie ist auch das Herz und die Seele dieses Buches. Sie ist eine Heldin, wie ich sie mir nur wünschen kann. Sie ist etwas schrullig und tollpatschig aber auch sehr schlau, hat einen starken Gerechtigkeitssinn, weiß was sie will, wer sie ist, und hat eine ruhige aber starke Persönlichkeit. Ophelia sollte man nicht unterschätzen. Und für ihre Brille und den Schal würde ich alles geben.
Wer hier eine klassische Liebesgeschichte erwartet, der wird aber enttäuscht werden. Thorn ist ein verschlossener, zum Teil auch kaltherziger Mensch mit einem harten Leben, der nur Zahlen vertraut und ob und was er im Schilde führt ist unklar. Jedoch habe ich auch ihn ins Herz geschlossen, da er und Ophelia wie ich finde mehr Gemeinsamkeiten haben, als die beiden sehen wollen. Ich hoffe er enttäuscht mich in den Folgebänden nicht. Christelle Dabos hat eine ganz neue Welt geschaffen, mit sehr einprägsamen Protagonisten. Sei es Ophelias Tante, Thorns fiese Schwester oder ein rätselhafter Antagonist. Die Welt der Archen ist wunderschön und faszinierend aber auch trügerisch, erschreckend und grausam. Auch die Familienverhältnisse haben es in sich. In dieser Welt begleiten wir Ophelia, wie sie versucht ihren Platz darin zu finden und vor allem Menschen zu finden, denen sie vertrauen kann, was auf dem Pol nicht gerade leicht ist.
Was mich etwas stört ist der Vergleich mit Harry Potter. Ich finde das wird beiden Reihen nicht gerecht. Zum Beispiel ist Ophelia meistens auf sich allein angewiesen, hat keinen Ron oder eine Hermine denen sie bedingungslos vertrauen kann. Und würde ich einen Brief erhalten, dass ich an den Pol eingeladen bin, ich würde ihn verbrennen und lieber unter der Treppe wohnen. Nein, beides sind ganz eigene Welten, in denen Magie, Gerechtigkeit und Abenteuer eine Rolle spielen, aber auf ganz unterschiedliche Weisen. Das Buch ist aber auf jedenfall sehr lesenswert. Ich habe mit Ophelia bis zur letzten Seite mitgefiebert und mitgelitten. Jetzt bin gespannt wie es weiter geht, denn das Ende bleibt offen und mit ihm noch viele ungelöste Rätsel.
Für mich der gelungene Auftakt zu einer ganz neuen und spannenden Geschichte.