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Dani_Lisbeth

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.04.2026

CosyCrime mit doppeltem Lokalkolorit

Inselmord & Sahnewölkchen
0

Siggi, Kosmetikerin aus Dortmund, ermittelt in ihrer neuen Heimat Sylt zum fünften Mal in einem Mordfall. Ein unangenehmer Unternehmertyp, der seiner Exfrau auf Sylt nachstellt, wird vergiftet. Und das ...

Siggi, Kosmetikerin aus Dortmund, ermittelt in ihrer neuen Heimat Sylt zum fünften Mal in einem Mordfall. Ein unangenehmer Unternehmertyp, der seiner Exfrau auf Sylt nachstellt, wird vergiftet. Und das Gift befindet sich ausgerechnet in einer Pralinenkreation eben dieser Exfrau. Da muss Siggi eingreifen! Das verspricht Sylter Charme und Ruhpotthumor – und dieses Versprechen hält das Buch auch!

Ich liebe Bücher mit Lokalkolorit. Und als begeisterte Sylturlauberin liegen mir daher Krimis, die auf Sylt spielen, besonders. Hauptcharaktere Siggi kommt dazu mit ihrem Mann Torsten, genannt Törtchen, aus Dortmund – genau wie ich!
Das Buch ist wirklich ein Leseschmeichler: leicht geschrieben, mit Witz und guten Beschreibungen der Umgebung und der engsten Charaktere.
Die Ruhpottschnauze setzt leider manchmal aus, zum Teil sogar innerhalb eines Satzes, das fand ich dann wirklich schade. Auch hätte man aus der Ruhpottschnodderigkeit sicher noch mehr rausholen können, aber nicht müssen.
Das Buch ist wirklich ein very-cosy Krimi, der vor allem von der Geschichte rund um Siggi getragen wird. Die eigentliche Kriminalgeschichte steht meiner Meinung nach dabei leider etwas im Hintergrund: Die wesentlichen Personen werden nur am Rande erwähnt, die Geschichte, die hinter dem Mord steht, genauso. Dafür gibt es bei mir dann auch den Punktabzug. So richtig zum Miträtseln ist da dann nämlich nichts, weil man diese Lösung nun wirklich nicht auf dem Schirm haben konnte.
Verglichen mit anderen Syltkrimis wie denen von Gisa Pauli, finde ich Siggi noch ausbaufähig, aber dennoch deutlich besser als manch andere. Mir hat es gefallen, das Buch zu lesen und ich bin definitiv auf den Geschmack gekommen: auch die vorherigen Bücher der Riehe müssen nun her!

Wer einen leicht zu lesenden und wirklich humorvoll geschriebenen Krimi für den Sommerurlaub sucht, wird definitiv nicht enttäuscht werden! Die Idee eine Ruhpott-Frau nach Sylt zu verfrachten, vereint scheinbare Gegensätze und macht das Leseerlebnis aus. Gerne mehr, Frau Stiller!

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.04.2026

Eine seichte Lovestory mit spice, aber ganz ohne Anspruch

A Kiss of Trouble
2

Elena, genannt Ellie, Fischer lebt als Deutsche illegal in den USA. Weil sie mit ihrem Chef aneinandergerät, muss sie erneut fliehen und untertauchen. Als ihr Wagen liegenbleibt, schleppt Cowboy Matt diesen ...

Elena, genannt Ellie, Fischer lebt als Deutsche illegal in den USA. Weil sie mit ihrem Chef aneinandergerät, muss sie erneut fliehen und untertauchen. Als ihr Wagen liegenbleibt, schleppt Cowboy Matt diesen ab, aber Ellie fährt im in seinen teuren Wagen. Um die Schuld zu begleichen, nimmt er sie mit auf seine Ranch, damit sie den Schaden abarbeiten kann. Ellie fühlt sich schnell zuhause, nur Matt ist immer wieder schlecht gelaunt. Aber dennoch entsteht ein Knistern zwischen beiden und Ellie muss ich entscheiden, ob sie ihn mit der Wahrheit über sich enttäuscht oder erneut flieht.

ACHTUNG SPOILER!
Tanja Nickel ist als Autorin nicht unbekannt. Sie schrieb mit dieser Cowboy-Romance eines ihrer ersten Bücher, das zunächst nicht gut angenommen wurde und nun für eine Veröffentlichung überarbeitet wurde. So zumindest schildert es Nickel im Nachgang des Buches. Was genau sie als erfahrene Schriftstellerin hier überarbeitet hat, bleibt offen: die Sprache ist wirklich sehr einfach, es wurde aus dem Englischen wieder ins Deutsche übersetzt, allerdings wurde der Sprachstil nicht gehoben. Einige Ausdrücke blieben in der typischen englischen Verwendung stehen, auch die Art des Schreibens erinnert mich stark an den einer sehr jungen Schreibenden.
Die Geschichte von Ellie hatte aus meiner Sicht viel Potential: es ging um Migration, illegale Auswanderung und der ständigen Furcht, ausgeliefert zu werden oder sich ausnutzen lassen zu müssen. Auch der moralische Aspekt: offenbare ich mich und enttäusche dadurch jemanden, den ich liebe, oder entziehe ich mich dem, indem ich wieder weglaufe? – hat einiges an erzählerischen Möglichkeiten. Leider empfinde ich diese Ansätze, die die Geschichte bietet, nicht gut ausgeschöpft. Ich bin enttäuscht von der sich immer wieder wiederholenden Inhalte: zunächst beim Knistern und wieder Zickigsein, dann bei dem gedanklichen Hin und Her bei Ellie, ob und wann sie Matt ihren Status gestehen soll. Er zieht sich und wiederholt sich, aber es findet kein Ende.
So ist die Liebesgeschichte zwar eine klassische Lovestory, es knistert und wird stellenweise auch ganz schön heiß (welch Wortspiel), aber insgesamt fehlt mir bei dem Buch der Tiefgang. Und dann fiebert man noch der Auflösung entgegen, die dann aber ausbleibt, weil das Buch einfach mitnehmen in einer Szene und einem „Fortsetzung folgt“ endet – oder eben nicht.

Wer eine leichte Romanze lesen möchte, ist hier sicherlich angetan. Das Buch regt kaum auf - dafür aber manchmal an. Ich persönlich empfand es als sehr unterhaltsam, aber enttäuschend, da man aus dem politischen Hintergrund der Geschichte eindeutige mehr hätte machen können. Ich empfand viele Stellen als redundant und langatmig. Schade, denn ich hatte mehr erhofft!

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  • Handlung
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  • Gefühl
Veröffentlicht am 13.04.2026

Ein klassischer Thriller – von mir mit Leseempfehlung!

Die Psychopathin - Wer manipuliert dich wirklich?
3

Karolin Boger arbeitet in einem westerländer Unternehmen und hofft darauf, hier bald die Führung zu übernehmen. Außerdem geht sie mit ihrer neuen Beziehung mit ihrem Kollegen Christopher Caro nach langem ...

Karolin Boger arbeitet in einem westerländer Unternehmen und hofft darauf, hier bald die Führung zu übernehmen. Außerdem geht sie mit ihrer neuen Beziehung mit ihrem Kollegen Christopher Caro nach langem Geheimhalten endlich offen um. Außerdem kümmert sie sich immer wieder um ihre depressive Schwester und vor allem deren Teenager-Tochter. Viel los im Leben von Karolin also. Und dann beginnen auch noch immer mehr Dinge seltsam zu werden. Sie fühlt sich bedroht, wird hintergangen und ist sich ihrer selbst nicht mehr sicher. Aber wer steckt dahinter und warum?

Rose Klay nimmt uns mit in das Leben von Karolin Boger, einer beruflich erfolgreichen Frau Mitte 40, die eine neue Liebe gefunden hat. Soweit, so gut – aber leider wird das Leben von Karolin nun alles andere als gut: Dinge verschwinden, jemand dringt in ihr Privatleben ein und schließlich wird auch im Unternehmen gegen sie manipuliert.
Zudem erfährt der Lesende immer mehr auch von den schwierigen privaten Beziehungen in der Vergangenheit.
Rose Klay erzählt ruhig und schreibt angenehm flüssig. Dabei gelingt es ihr, so dicht an der Protagonistin zu bleiben, dass sich einem mit ihr die Haare aufstellen.
Immer wieder werden neue Angriffe geschildert, werden neue Unglaublichkeiten dargestellt. Und mehrfach werden neue Fährten aufgetan und wieder verworfen. Als Lesende wird man angeregt in die verrücktesten Richtungen zu denken – aber wer ist am Ende hier verrückt?
Für meinen Geschmack hätten die Geschichten aus Karolins Vergangenheit, insbesondere ihrer Ehe, gerne etwas mehr als nur angedeutet sein können. So blieb der Exmann für mich (als ebenfalls potentieller Täter) und seine Rolle in der Gegenwart für mich wenig greifbar.
Mir gefällt es sehr, dass das Buch immer neue Ideen einbringt, auch modernste Technik erläutert und dadurch immer wieder neue (falsche?) Fährten im Kopf entstehen lässt. Bis zum Schluss hatte ich zwar immer wieder einen Verdacht, der sich dann auch als der richtige herausstellte, aber wurde immer wieder verunsichert. So soll ein Thriller sein!

Wer einen klassischen Psychothriller sucht, in dem kein Blut fließt, bei dem man herrlich miträtseln kann, der liegt mit „Die Psychopathin“ richtig. Das Buch ist eine gute, unterhaltsame Lektüre, die einem durchaus Gänsehaut bescheren kann. Ich jedenfalls konnte es kaum zu Seite legen. Fazit: Leicht zu lesen, nicht so leicht zu verdauen!

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  • Spannung
Veröffentlicht am 01.04.2026

Diesen verstrickten Krimi zu lesen tut nicht weh

Wollwut
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Im kleinen Örtchen Madlfing gibt es nun im zweiten Band schon den MHKC, einen Club handarbeitender Damen, die gerne auch Detektivinnen spielen. Gemeinsam mit Wollladenbesitzerin Ariadne geht es für ein ...

Im kleinen Örtchen Madlfing gibt es nun im zweiten Band schon den MHKC, einen Club handarbeitender Damen, die gerne auch Detektivinnen spielen. Gemeinsam mit Wollladenbesitzerin Ariadne geht es für ein Wollfärbe- und Wellnesswochenende ins Hotel des Nachbardorfs. Und ausgerechnet dort und und an dem Wochenende wird in einem Moorbad eine Leiche gefunden, die zudem recht üble Verfärbungen ausweist.

Im zweiten Teil der Reihe kennt man nun schon die Hauptcharaktere und die sich entwickelnde Romanze zischen Woll- und Bücherladenbesitzerin Ariadne und Hauptkommissar Wellenstein ist wirklich nett zu lesen.
Dass der Kommissar Besuch aus der alten Heimat, dem Rheinland, bekommt und eben dieser die Damen des Ortes gehörig aufmischt, ist sehr unterhaltsam.
Insgesamt muss man sagen, dass das Buch sehr leicht zu lesen ist, stellenweise amüsante Szenen hat und man gut unterhalten wird.
Mir gefallen besonders die vielen farb- und wollbezogenen Titel der Kapitel und die Charaktere mit ihren schrulligen Eigenheiten.
Die eigentliche Kriminalgeschichte steht dem jedoch weit nach! Die Geschichte ist schon arg konstruiert und an den Haaren (oder Fäden?) herbeigezogen.

Insgesamt also eine leicht zu lesende Urlaubs- bzw. Strandlektüre, die unterhält und sprachliche Feinheiten besitzt. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht. Wer gerne strickt und sich auch beim Lesen einfach fallen lassen will, der findet Gefallen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein leiser Roman, der lange nachklingt

ZIMMER 706
3

Kate lebt in London, sie ist glücklich verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter. Und dennoch hat sie seit Jahren eine Affaire mit einem verheirateten Mann. Die Heimlichkeit dieser Treffen droht aufzufliegen, ...

Kate lebt in London, sie ist glücklich verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter. Und dennoch hat sie seit Jahren eine Affaire mit einem verheirateten Mann. Die Heimlichkeit dieser Treffen droht aufzufliegen, als das Hotel, indem sie sich aktuell treffen, von einem Terrorangriff betroffen ist. Kates Leben könnte bald vorbei sein – und sie räumt damit auf.

Ein Roman, der sicherlich Geschmacksache ist – aber meinen Geschmack hat er getroffen und mich tief bewegt.
Ellie Levenson gelingt es, in einer völlig unaufgeregten Sprache Bilder zu erzeugen. Sie schildert ehrlich und mit Humor die Geschichte einer Frau, die mitten in ihrem Leben steht. Die Gedanken von Kate werden erfahrbar und ihr Gefühlsleben erlebbar.
Es gibt nicht viel Aktion in dem Buch – man könnte die gesamte Geschichte in wenigen Worten zusammenfassen: Kate ist verheiratet, liebt ihren Mann und ihre Kinder, sie arbeitet und hat seit sechs Jahren eine Affaire. Nun trifft sie ihren Liebhaber und sitzt mit ihm schließlich in Zimmer 706 des Hotels fest, weil es dort einen Terroranschlag gibt. Die Situation bedroht Kates leben und droht zudem, ihr Geheimnis zu zerstören – und na In Rückblicken schildert Levenson Kates Leben; ihre Ehe, ihre Verluste, ihre Begegnungen mit dem Liebhaber und wie sich daraus die Affaire entwickelte. Der Leser erfährt darüber mehr über Kates Mann Vic und ihren Sexpartner James. Aber im Fokus bleibt immer Kate.
Wer laut Buchrücken „eine Liebesgeschichte, verpackt in einem Thriller“ wörtlich nimmt und erwartet, muss enttäuscht werden. Weder Küsse noch Blut werden verteilt.
Dafür aber gelingt es Levenson in den kleinen Dingen sehr liebevoll zu sein und die Spannung zu erhalten. Wie wird Kate mit der Situation umgehen? Für wen wird sie sich entscheiden? Wird sie ihrem Mann aus Liebe alles gestehen oder ihm aus Liebe nichts beichten?

Ich habe mich immer wieder darauf gefreut, das Buch zur Hand zu nehmen. Es hat mich regelrecht begleitet, vor allem auch in meinen Gedanken.
Zimmer 706 spielt in nur einem Hotelzimmer, kreist nur um eine Person und ihre engsten Bezugspersonen, bewegt sich in deren Leben in Rückblenden und Gedanken. Ein Roman, der also in vielerlei Hinsicht stark konzentriert und fokussiert ist. Und damit spiegelt er in der Story und dem Schreibstil genau das wieder, was die Geschichte von Kate möchte: Den Fokus richten auf das, was wir wollen, was uns wichtig ist und für das wir uns, wenn es darauf ankommt, entscheiden. Dieser Fokus ist und bleibt im Buch wie im Leben sehr individuell.

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